
Gernulf Olzheimer
Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.
Wer kennt es nicht. Kaum sagt man mal etwas gegen dunkelhäutige Deutsche, die zwar bestimmt keine echten Volksgenossen sein können, wenn ihre Vorfahren aus dem Kral kommen, schon wird man von einer Rotte kommunistischer Rowdies mit dem Schlagring in die Schranken gewiesen. „Die sollen doch froh sein, dass wir sie nicht alle gleich in die Gaskammer prügeln“, plärrt da der Stalinist, „und dass wir als anständige Deutsche immer mit diesen Gaskammern in Verbindung gebracht werden, die es nämlich nie gegeben hat, das liegt nur an diesen internationalistischen Eliten, die uns, das stärkste Volk der ganzen Menschheitsgeschichte, vernichten werden, wenn wir ihnen beispielsweise erlauben, unsere Frauen zu schänden!“ Und dann wird man sofort mit dem gerechten Zorn des Arischlochs vom Dienst konfrontiert, dass diese eine Tussi, die auch unheimisch heißt, wegen virtueller Vergewaltigung herumgreint, aber nicht öffentlich angeprangert hat, dass deutsche Mädels von Subsahara-Irren in der S-Bahn einfach so abgestochen werden. Da hilft nur die Weltrevolution, Klimaschutz, am besten noch bedingungsloses Grundeinkommen, um… – Nee, halt. War anders. War natürlich ein Nazi, der sich sterbenselend gegen diese linke Gehirnvollwäsche zur Wehr setzen musste. Mit rechten Denkverboten.
Macht ja auch, von außen betrachtet, Sinn – was soll man den Braunrüben auch verbieten, womit sie schon körperlich überfordert sind – und zeigt schön, dass sie das, was sie selbst tun, anderen vorwerfen. Dass sie sich schon beschweren, wenn man sie als Faschisten bezeichnet, nur weil ihr von Hirnfäule durchsetzter Haufen ständig Hitler grüßt und Haken kreuzt, liegt nicht nur an angeborener Feigheit, es ist der Anspruch, den die Nationalsozialiesel dem Volk aufdrücken, alles so zu bestimmen, wie es ihr dünn angerührter Rassendreck hergibt. Waren es bei Goebbels und seinen luetischen Loddeln noch die, die man heute aus Staatsraison nicht mehr selbst beschimpfen darf (und froh ist, dass es dafür eine Herde Arschgeigen gibt), sucht sich die Reaktion ihre massenkompatiblen Feindbilder und hämmert sie den Bekloppten ein: Arme, Abgehängte, alle, die vorsätzlich behindert oder krank geboren oder sich sonst zur Hexenjagd eignen.
Es ist zunächst der normative Aspekt, der allem aufoktroyiert wird: was gesund ist, bestimmt das Volksempfinden. Was nicht dazu gehört, das wird in diskursiver Dauerschleife angepöbelt, ausgespuckt und im leitkulturellen Sumpf versenkt, auf dem die Winzpimmel weimernd ihre Masturbationsversuche abseichen, den Boden der Tatsachen mit Scheiße zu fluten. Wurst ohne Fleisch und Autos ohne Brumm-Brumm? Gendersternchenneutrale Toiletten? Transfrauen sind Frauen? am Ende Frauen wie Menschen behandeln? Das ist nicht mehr ihr Teutschland, für das sie die Enkel jederzeit wieder von Stalingrad verrecken lassen würden, damit die Rendite stimmt. Und sie tun also.
Wer widerspricht, macht sich verdächtig, denn es gibt keinen differenzierten Diskurs mehr und kein Recht auf Widerspruch. Wenn das der Kanzler wüsste, er würde sich natürlich sofort zustimmen.
Und so bekämpfen die Rechtsextremen längst auch Politiker, die sich argumentativ über sie und ihre von Industrienutten bezahlten Hetzmedien äußern, und zwar mit den Mitteln des Rechtsstaates, den sie so lange ausnutzen, bis sie ihn abschaffen können. Noch wehrt sich die Zivilgesellschaft und wird von den Gerichten unterstützt: im Namen des Volkes. Doch schon gibt es eine Phalanx bis hinein in die Regierung, die offen diese Zivilgesellschaft bekämpft, ohne die sie, die Gewählten, vielleicht schon bald in den Arbeits- oder Vernichtungslagern säßen, die die Extremisten nicht aus Koketterie als unerlässliche Härte maskieren, die Deutschland zur Verteidigung gegen die bürgerliche Gesellschaft bräuchte. Es reicht schon, wenn man sich im Sinne der Verfassung äußert, wenn man Klimaschutz und Antifaschismus fordert oder nur die Einhaltung der geltenden Asylgesetzgebung. Die Regierung und ihre Schergen behandeln derlei als Staatsfeinde, wären aber die ersten, die die Mütter und Väter des Grundgesetzes an die Wand nageln würden.
Das rechte Denkverbot ist ein Handlungsverbot geworden, und getreu der genannten Prämisse, dass Autokraten ihren Gegnern immer das vorwerfen, was sie selbst im Sinn haben, baut sich das ein dürres Konstrukt, das nach Freiheit plärrt – die, die sie meinen – und erklärt alle anderen sofort zu Verbotsideologen. Es entlastet so schön, wenn man die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit nicht immer an neuen Markern erklären muss, Politik aus Emotionen und Bratwurst schwiemeln kann und keinen Plan braucht außer der Absicht, sich selbst an der Macht zu halten und dort reich zu werden.
Wir sind vorbereitet auf die Machtergreifung, sie hat eigentlich schon stattgefunden. Der Diskurs ist Herrschaft geworden. Am besten redet man nicht darüber, weil man sonst den armen Faschisten, die Opfer des gewaltsamen Linksrucks, des Zwangs zu Veganismus und Queerness, ganz dolle wehtut. Und so lassen wir sie in Frieden, damit sie sich für den Tag der Tage ausschlafen können. Aber das darf man ja gar nicht sagen. Noch nicht.






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