Gernulf Olzheimer kommentiert (DCCCX): Die globale Katastrophe

17 04 2026
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

So stellen sich die Rummelplatzplärrer das vor: aus dem Orient stürmt ululierend eine Milliarde böser Männer mit je hundert Kopftuchmädeln in die Häkeldeckchenstuben der Volksgenossen und macht mit dem Krummsäbel das Licht aus. Es gibt keinen Leberkäs mehr, in jedem Garten steht ein Minarett, es ist verboten, die Gattin zusammenzuschlagen und dann zu vergewaltigen (oder umgekehrt), das Deutsche, das ja seit Anbeginn als Höhepunkt der Schöpfung vorgesehen war, es wird einfach von Halbtieren in die Scheiße getreten. Futschikato das Abendland. Dabei lief sonst die Geschichte anders. Die Harappa im Indusgebiet waren eine der ersten Hochkulturen, die den Übergang vom Jäger und Sammler zu Bauern und Viehzüchter vollzogen, sesshaft wurden und dann zusahen, wie ihr Fluss austrocknete. Nach 3.000 Jahren wuchs die Zahl der Maya, während die Ackerflächen durch Raubbau nicht mehr ausreichten. Temperaturschwankungen und Kriege mit durchgeknallten Potentaten halfen dabei, diese Zivilisation auszulöschen. Die Anasazi, Indigene im amerikanischen Südwesten, wurden von einer anhaltenden Dürre während der mittelalterlichen Klimaanomalie durch die sich sprunghaft vermehrenden Vorratsschädlinge wie den Kornkäfer und den Menschenfloh ausgerottet, die auch in Europa mit Pest und Mutterkorn den Leuten das Hirn aus der Rübe marmelte. Das alles aber waren lokale Probleme. Was wir heute sehen, ist die globale Katastrophe. Wir sitzen alle in einem Boot. Während das Brot teurer wird, säuft der Kahn ab. Nur die Kapitäne feiern sich.

Das Mindset dieser Zerebraldilettanten besteht aus dem Reflex, sich schnell die ganze Schokolade in die Fresse zu pfropfen, bevor sie alle ist. Gier, die aus tieferen Hirnanhangregionen stammt und Neoliberalismus mit Konservierungsstoffen braucht für die rumpelnde Wirklichkeitsausblendung, ist das Betriebssystem für einen Kapitalfaschismus, der in Hobbes’ postuliertem Naturzustand enden wird, im bellum omnium contra omnes – die zivilisatorischen Kräfte sind schon gelähmt, uns bleiben Fehlentscheidungen aus der Perspektive des bornierten Urmenschen und zunehmend blutige Verteilungskämpfe.

Fehlentscheidungen treffen die Industriestaaten im Moment mit voller Wucht. Statt auf erneuerbare Energien zu setzen, prügeln die Steinzeithirne sich um alles, was brennen kann, Öl, Gas, Kohle. Statt die tröpfelnden Ressourcen schnellstmöglich gegen bereits funktionsfähige Technologien zu ersetzen, mit den knapper werdenden Vorräten hauszuhalten, zünden die fleischgewordenen Fehlzündungen in politischen Spitzenämtern lieber gleich das eigene Haus an, damit immer genug Feuer für den Rest im Öltank brennt. Dass sich physische Knappheit nicht mit Geld aus der Wirklichkeit schwiemeln lässt, ist die Wahrheit, die man in der geschlossenen Anstalt der Regierungsversager nicht denken darf. Dass alle Konflikte sich dadurch nur verschärfen: wer konnte das ahnen. Die dümmsten Zierpinscher greinen von Fusionsreaktoren, während sich nicht einmal ein schnöder Atomkocher in weniger als sieben Jahren aus dem Boden stampfen ließe.

Die Verteilungskämpfe der Gegenwart sind in vollem Gange, und wenn der Sand knapp wird, den wir für Beton, Glas und Küstenschutz brauchen, der Phosphor, der bald in Düngemitteln fehlt, wenn wir nicht unsere Besessenheit vom Fressen toter Tiere ablegen, dann kommt der nächste Weltkrieg um die Ressource überhaupt: Wasser. Wir haben es episch verkackt. Die Krise der Globalisierung hat seit der kolonialistischen Plünderung für eine Wirtschaft ohne Ausweg gesorgt, die wir nicht einmal selbst kapieren, da wir dieses chaotische System, in dem wir existieren, linear sehen und verändern möchten; man könnte genauso gut die Heizungen aufdrehen und die Fenster öffnen, um den Frost zu beseitigen. Alle Missgriffe führen zu politischer Polarisierung, in der die dümmsten Schreihälse ohne Kompetenz noch Erfahrung das Ruder in die Hand bekommen, um dann mit ihrem als Nationalismus getarnten Größenwahn geopolitische Spannungen bis zum Krieg hochzukochen. Gute Idee. Wenn die Bomben fallen, kann uns egal sein, was der Spargel kostet.

Die Schwierigkeiten vergangener Jahrtausende hätte man mit den technischen Voraussetzungen unserer Zeit kurzfristig erkannt und gelöst. Nicht für umme. Aber nachhaltig. Und das Völkchen, das die Osterinseln mit Betonköpfen vollklotzte, hätte heute dank Wetterbericht und besserer Kontrolle der Flächennutzung eine faire Chance, gegen Gefahren wie Bodenerosion oder Holzmangel dank Axt im Haus anzusteuern, bevor alle sich übers Meer vom Acker machen müssen.

Verteilungskämpfe erzeugen Ungleichverteilung und Ungleichverteilung lässt Kooperationen als ungeeignete Antwort auf die multiplen Krisen erscheinen, worauf neue Verteilungskämpfe folgen. Die Abwärtsspirale schleudert uns längst weit über die planetarer Grenzen hinaus. Das System gibt uns den Rest, und diesmal haben wir es mit Physik und Grundrechenarten zu tun. Unangenehme Gegner, wenn man gierig und dumm ist. Mal sehen, wie sich das Leben von uns erholt. Zeit wäre es ja mal.





Einstiegsstraftat

16 04 2026

„… endlich entkriminalisiert werden müsse. Die Beförderungserschleichung sei für Hubig kein im Strafrecht sinnvoll zu…“

„… als parasitäre Subjekte, die sich freiwillig zur Volksschädigung entschlossen hätten, fast so schlimm wie Bürgergeldempfänger seien, die das Land aus entmenschter Gier in den Abgrund reißen und deshalb drakonisch zu bestrafen seien, um das Vertrauen der Deutschen in die Regierung des besten Bundeskanzlers aller Zeiten wieder zu stärken. Linnemann fordere eine…“

„… habe das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung bekannt gegeben, dass sich der Kanzler erst dann mit der Sache beschäftigen wolle, wenn ihm die Komplexität der Lage erklärt worden sei. Laut Regierungssprecher Kornelius sei damit in dieser Legislaturperiode sicher nicht mehr zu…“

„… straffreies Schwarzfahren der erste Schritt zu kostenlosen Bussen und Bahnen sei, was dann logischerweise zu bedingungslosem Bürgergeld und linksgrünem Sozialismuswahnsinn führe. Söder werde alle Versuche von Hubig und ihrer Partei im Keim ersticken und für ein gerechtes…“

„… dürfe die Regierung hier nicht einfach wegschauen. Der Verband der Automobilindustrie sehe in den Vorstößen des SPD-Ministeriums einen Vorboten der autofreien Gesellschaft, in der alle das normale Auto durch den aufoktroyierten ÖPNV ersetzt bekommen. Verbandspräsidentin Müller (CDU) werde diese Zerstörung einer gewachsenen Leitkultur nicht wehrlos…“

„… der soziale Nutzen nur von Juristen als Argument benutzt werde, die sich lediglich mit der juristischen Seite, nicht aber mit Politik auskennen würden. Auch Kosten in Höhe von 200 Millionen Euro im Jahr seien für Dobrindt nicht relevant, da er wesentlich höhere Beträge zu investieren bereit sei, um vorsätzlich EU-Recht und Verfassung zu brechen, weil sonst Deutschland nicht mehr Deutschland sei und die…“

„… die angekündigte Entlastung der Justiz nicht so entscheidend sei. Der bereits von der Ampel als notwendig erachtete Schritt dürfe nach Meinung der Union niemals zur Zerschlagung des Rechtsstaates und zur institutionellen Strafvereitelung führen. Es müsse nach der Forderung des CDU-Präsidiums zwingend eine ausgleichende Verurteilung anderer Angeklagter geben, zur Not auch ohne strafbare Handlungen, damit das gesunde Rechtsempfinden der Wähler sich nicht in der…“

„… sich die Resozialisierung auch durch den Justizvollzug ergebe. Der CSU-Vorsitzende gehe von einer Läuterung der Persönlichkeit durch den Gefängnisaufenthalt aus, der ja als erzieherisches Mittel so erfolgreich sei, dass er von den meisten Straftätern regelmäßig und mit Tendenz zu einer längeren Nutzung der…“

„… auch frühzeitig an das Unrechtsbewusstsein herangeführt werden müsse. So sei eine Absenkung der Strafmündigkeit auf den Tag der Empfängnis für Linnemann unumgehbar, um bereits Kinder, die ihren Schülerausweis vergessen hätten, mit einem Schild um den Hals durch die Stadt getrieben und von den anständigen Deutschen mit…“

„… sinnvoll und gerecht sei, dass die Ersatzhaft nicht die treffe, die zahlungsunwillig seien, sondern ausschließlich die, denen die Mittel fehlen würden. Der Unionsexperte für Fairness, Objektivität und Stolz Spahn sei ohnehin davon überzeugt, dass mit der Anerkennung von Armut als Straftatbestand eine erhebliche Verschlankung der juristischen…“

„… zeige der Slogan Deutschland den Deutschen – Schwarze ins Lager über die CDU hinaus Anschlussfähigkeit, die sich zuerst im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt als starkes Signal für eine Koalition mit der…“

„… als Einstiegsstraftat gewertet werden müsse. Erfahrungsgemäß seien viele Mörder, Diebe und Linksterroristen bereits wegen Schwarzfahrens im Knast gewesen, was für Söder im Umkehrschluss bedeute, dass in jedem dieser Täter ein erhebliches kriminelles Potenzial schlummere, das möglichst durch eine lebenslange…“

„… vor verfassungsrechtlich unklaren und den Markt gefährdenden Vorschlägen warne, die den Steuerzahler viel Geld kosten und keine messbaren Effekte zeigen würden. Reiche fordere dagegen eine Streichung der Einkommensteuer für die oberen 0,1% der Vermögensmilliardäre, um die…“

„… von der rechtspolitischen Sprecherin der Unionsbundestagsfraktion Hierl bekämpft werde. Das Verhalten untergrabe die Solidargemeinschaft, die den öffentlichen Verkehr trage, und verursache erhebliche wirtschaftliche Schäden. Dazu komme noch, dass die 200 Millionen Euro, die für Justiz- und Haftkosten ausgegeben würden, durch die Reform nicht mehr im BIP erscheinen und damit das dringend benötigte Wirtschaftswachstum…“

„… weil durch die Entkriminalisierung von zum Teil schwersten gemeinschädlichen Straftaten wie Schwarzfahren, Kiffen oder Rassenschande große Zahl an Straftaten begangen würden, die nur aus der Statistik gestrichen würden. Dobrindt fordere eine Strafrechtsreform, die den natürlichen Zustand des deutschen Rechtsgefühls wiederherstelle, um durch ausreichend viele Verdachtsmomente alle aus der Bundesrepublik entfernen zu können, die hier sonst noch viel schlimmere…“

„… Steuerbetrug ab einer gewissen Höhe nicht mehr als Straftat, sondern nur noch als fahrlässiges Versehen ansehen müsse, das nicht auch noch die Justiz belasten müsse. Fiskalisch sehe Reiche, dass die hinterzogenen Beträge ja im Volksvermögen ausgehen würden und sogar den Wohlstand des…“





Süßes Leben

14 04 2026

„… und Steuern für sinnvoll halte, um kostspielige Folgeerkrankungen des Trinkens und Rauchens zu kompensieren. Auch sehe der Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen Blatt eine Zuckersteuer als richtiges Instrument zur Regulierung im…“

„… sich vehement gegen die Einführung von Strafsteuern ausgesprochen habe. Wenn etwa die obere Mittelklasse mit Milliardenvermögen im zweistelligen Bereich Abgaben als Buße für ihre Leistungsbereitschaft empfände, fürchte Merz eine Kapitalflucht von mindestens…“

„… die Altparteien wie CDU und SPD das Volk grundsätzlich in seiner Freiheit einschränken und finanziell ausnehmen wollten. Kubicki habe die freie Entscheidung jedes Bürgers betont, sich durch Alkohol, Nikotin oder…“

„… sei es für die Bundesregierung kein Grund, Zuckersteuern einzuführen, nur weil andere Staaten ihre Bürger damit bestrafen würden. Es sei für Merz als Befürworter von Menschenrechten schlimm genug, dass Deutschland das einzige EU-Mitglied sei, das nicht vom allgemeinen Tempolimit…“

„… befürworte Linnemann generell Verbote, die zur Bestrafung von Suchtverhalten benutzt werden könnten. Es müsse jedoch sichergestellt werden, dass diese ausschließlich für nicht leistungsbereite Bürger, die ihren Konsum auf Kosten der …“

„… generelle Steuererhöhungen für ein gutes Lenkungsmittel halte, wenn andererseits auch generelle Steuersenkungen dadurch bezahlt würden. Söder wolle mit einem Modell zur Senkung der Erbschaftssteuer, das andererseits durch Steuern auf Cannabis, das allerdings trotzdem verboten werden müsse, um keine kriminellen…“

„… mit Sicherheit verfassungswidrig seien. Für Reiche stelle die faktische Einschränkung des Verkaufs von Alkohol und Tabakwaren eine nicht mit der im Grundgesetz verankerten Staatsform des Kapitalismus dar, die keiner Prüfung vor dem Bundesverfassungsgericht…“

„… der Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Rainer mit einer Steuer auf Alkohol und Zucker einverstanden sei. Er lege aber größten Wert darauf, dass sämtliche Einnahmen zweckgebunden wieder zur Förderung an deutsche Winzer und Zuckerrübenproduzenten ausgeschüttet würden, um den Wirtschaftskreislauf nicht zu…“

„… halte Reiche es für gefährlich, damit den Verkauf zucker- und alkoholfreier Erzeugnisse zu ermöglichen, die vom Verbraucher danach erst mit wesentlich höheren Dosen von nicht versteuertem Zucker zu einem gesundheitlich noch viel…“

„… könne Söder beim Genuss von Zucker und Alkohol nach landläufiger Einschätzung kein Suchtverhalten konstatieren, da diese sich durch Verbote nicht wirksam…“

„… müsse man bei der Lenkungswirkung von Strafabgaben viel früher ansetzen. Linnemann sehe in der 100%-igen Besteuerung der Grundsicherung, die ein süßes Leben verspreche, eine gut geeignete Abschreckung zur erzieherischen…“

„… sich bei der Suchtprävention weiterhin als Partner der Versicherten zeigen müssten. Warken halte es aber angesichts der Auswahlmöglichkeiten unter 110 gesetzlichen Krankenkassen für denkbar, dass eine Zuckersteuererstattung als Wahlleistung für die…“

„… dem CSU-Vorsitzenden widerspreche, wenn er Steuern auf sämtliche Drogen erheben wolle. Kubicki fürchte, dass sich in seinem Freundeskreis die Zahl der Privatinsolvenzen durch steigende…“

„… das gesamte System der Krankenkassen sich dadurch in Gefahr befinden würde. So fürchte der Unionsexperte für steigende Beiträge, plötzlich verschwundene Rücklagen und Vermögensdelikte Spahn, dass bald Arme und Alte in die privaten Kassen wechseln würden, um keine Steuern zu…“

„… die Lenkungswirkung auf sämtliche Bereiche ausweiten müsse. Da nach Söders Ansicht bald Erwerbslose anderen die Jobs wegnehmen könnten, um arbeitssüchtig zu werden, müsse man Erwerbsarbeit im Vergleich zu Vermögen noch sehr viel höher…“

„… sich nun auch Klöckner in die Debatte einbringen wolle. Die Bundestagspräsidentin habe in einer von Nestlé veröffentlichten Studie gelesen, dass deutsche Kinder nur etwa zehn Prozent der von ihren Lebensmittelforschern empfohlenen Tagesdosis zu sich nehmen würden, was auf eine eklatante Untervorsorgung schließen lasse. Die CDU dürfe daher durch eine ungerechte Steuer nicht die gesunde, süße Ernährung verhindern, die besonders im Säuglingsalter alternativlos und…“

„… wegen des Nichtgebrauchs juristisch als analog zur Steuerhinterziehung betrachte. Für Merz sei die Ablehnung von Alkohol als Teil deutscher Leitkultur ein wesentliches Merkmal migrantischer Parallelgesellschaften, die in einem Rechtsstaat so nicht mehr straflos…“

„… auch das Scheitern der Regierungskoalition in Kauf nehmen würde, um weitere Abgaben gegen die Interessen der Bürger zu verhindern. Söder ahne bereits die Hetz- und Lügenkampagne der Grünen für eine Fleischsteuer, so dass sich der einfache Arbeiter mit einem Bruttogehalt von weit unter einer Million Euro seine Leberkässemmel bald nur noch einmal pro…“

„… die Vorschläge der SPD zurückgewiesen habe, durch eine dauerhafte Erhöhung der Steuern auf Mineralölerzeugnisse den Autoverkehr zu vermindern und Verkehrstote zu vermeiden. Reiche sei dabei jedoch auf Kritik gestoßen, da sich der Kanzler nicht an ihre…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DCCCIX): Die Parallelgesellschaft der Superreichen

10 04 2026
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die Romantik hat ganze Arbeit geleistet. Da ist der Ritter auf dem stolzen Ross, in schimmernder Wehr, wie er Abenteuer sucht, Minnelieder klampft und nebenher Witwen und Waisen von dem Bösen schützt. Am Arsch. Der Adel, zumal aus den älteren Geschlechtern, hatte über viele Jahrhunderte nichts Besseres zu tun, als Bauern und Pilger auszurauben, Frauen zu schänden, von der ergaunerten Kohle Burgen in die Landschaft zu klotzen und von den durchreisenden Händlern Wegezölle in beliebiger Höhe abzuzocken. Und das nicht in herrschaftlicher Umgebung, in prunkvoll geschmückten Sälen oder an höfischer Tafelrunde, sondern in begehbaren Kloaken mit Schweinezucht im Erdgeschoss und offener Kohleheizung. Warum hören wir noch heute mit kugelrunden Augen zu, wenn Großfürst Emil der Ausgestopfte die Prinzessin Popeline von Dings zu Bums ehelicht, mit der er um ein paar Ecken eh aus dem gemeinsam gepinkelten Genpool stammt? Was macht diese Traumwelt, die in jeder dämlichen Märchenverfilmung klischeetreu aufpoppt, zu einer ultimativen Parallelgesellschaft? Haben wir nicht schon genug von der Sorte?

Zum Beispiel die der Superreichen: abgeschottet von der Mehrheit der 99,9999%, abgehoben in ihrer Gier, die sie den Rest der Welt wie ein langweiliges Computerspiel durchdaddeln. Wenn sie etwas daran interessiert, dann die Möglichkeit zum spektakulär bekloppten Auftritt und zur hirnverbrannten Idee. Autos in die Umlaufbahn katapultieren, zum Mars fliegen, ganz Venedig für eine Disney-Hochzeit als privaten Mülleimer mieten, nichts ist dem Pack zu peinlich, ihre Hybris damit lautstark zu inszenieren.

Sie haben ihre Vermögen nicht erarbeitet, sie haben geerbt, durch Spekulation, Erzwingen von Standards und Plünderung von Ressourcen nach libertärem Muster – Gewinne werden privatisiert, Kosten sozialisiert – in weltweitem Stil und ohne Rücksicht auf die Verluste der anderen. Sie wollen die Erde brennen sehen, weil sie es können. Regeln gelten für sie nicht. Sie bedienen sich allenfalls der Ausnahmen, die ihr Geld kauft. Sie destabilisieren ihr eigenes System, aber für jemanden, der so viel Geld hat, sind die Schwankungen, die längst auch die Mittelschicht in Armut und Krankheit wirft, eine amüsante Vibration der Börsenkurse.

Natürlich hat der Staat genug Mittel, sie in die Schranken zu weisen. Man besteuert ihr Vermögen, kontrolliert ihre Firmennetzwerke mit Werkzeugen des Kartellrechts, sieht ihnen auf die Finger, wo sich Korruption oder Einflussnahme auf die Politik offenbaren, und man lässt sie vor dem Richter die Hacken zusammenschlagen, wenn sie ihre Steuern hinterziehen. Ihre Ausbeutung, die sich bis in den privaten Rahmen fortsetzt, die gewohnheitsmäßigen Umweltstraftaten, die bei jeder Benutzung von Luxusjachten und Privatjets an der Tagesordnung sind, Erpressung und Betrug, was auch immer in dieser Dreckschicht zum guten Ton gehört, um die Exklusivität zu erhalten, werden mit drakonischen Strafen und sozialer Ächtung geahndet. Eben noch Supermilliardär mit dem Hang, Dienstmädchen zu vergewaltigen, jetzt schon Langzeitinsasse in einer Einrichtung, die kostengünstig ohne das lästige Resozialisierungsgedusel auskommt. Wir müssen nur wollen.

Allein sie wollen nicht, denn sie tanzen uns auf der Nase herum. Sie kaufen Regierungen und ganze Volkswirtschaften, lassen Länder verarmen und in Infektionswellen versinken, weil der Profit für die gängigen Arzneimittel immer noch etwas höher sein könnte, und schließlich kaufen sie Kinder, die sie benutzen und wegschmeißen. Sie lassen gekaufte Politiker und ökonomisch interessante Opfer an der Widerlichkeit ihres entmenschten Verhaltens und an der nicht abwaschbaren Schuld teilhaben, wie man jemandem Drogen spendiert, um ihn an die Nadel zu kriegen. Die Grenzen dieser Parallelgesellschaft laufen, der Name sagt es, nie so, dass irgendwo eine Überschneidung zu erwarten wäre. Das Recht, wie es die zivilisiert verfassten Gemeinschaften kennen, spielt hier keine Rolle, nicht einmal die eines dreist verschwiemelten Zerrbildes, das zum Scheingefecht mit der realen Welt taugt. Wir lassen sie gewähren, kontrollieren sie weniger als einen Armen, der von Transferleistungen überleben muss, und lassen uns von ihnen auf der Nase herumtanzen wie von einem verzogenen Drecksbalg, dem Diener hinterräumen. Und dann gaukeln sie uns noch durch ihre Medien – wir nutzen sie alle, sie gehören nur inzwischen ihnen – dieses antisoziale Verhalten als Erfolgsstory vor, damit der Normalverbraucher, einem Bettler unter der Brücke näher als einem Einfachmillionär, ihre Fresslust als Vorbild verteidigt.

Es gäbe einen Ausweg, die Geschichte hat ihn an entscheidenden Wendepunkten gewählt, um sich dieser apokalyptischen Zersetzung zu erwehren. Multimilliardäre brauchen die Gesellschaft, um von ihr zu leben. Umgekehrt sieht die Sache schon ganz anders aus. Wie blutig es verläuft, sehen wir dann. Eine Enteignung und die Abschaffung des Adels, in welcher Form auch immer, wäre ja durchaus drin. Man müsste nur das geltende Recht der Mehrheit anwenden. Dazu ist es unter anderem auch da. Alles andere können wir uns nicht mehr leisten.





Der Preis ist heiß

9 04 2026

04:03 – Ein silbergrauer SUV fährt langsam über die Ausfahrt der ÖRÖL-Tankstelle am Hermann-Klönzkes-Ring auf den Platz vor der Autowaschanlage. Das Motorengeräusch erstirbt, die Scheinwerfer verlöschen. Gilbert D. (38) steigt aus dem Fahrzeug. Mit seinem Smartphone schießt er ein Foto der beleuchteten Preisanzeige: Diesel 2,459 Euro, Super E10 2,259 Euro pro Liter. Er geht wieder zu seinem Wagen. Dieser Tag wird noch lang sein.

04:23 – Taxifahrerin Gundemarie Z. (49) zapft an der 1 dreißig Liter Diesel, zahlt mit Tankkarte und verlässt zügig wieder das Gelände. Unterdessen hat Kassenkraft Merle G. (27) das Fahrzeug vor der Waschstraße entdeckt. Sie ist noch unschlüssig, da sie bis sechs Uhr alleine das Geschäft führen muss.

04:31 – Da zu dieser Zeit normalerweise kaum Kunden zu erwarten ist, geht G. kurz vor die Tür und beobachtet das Fahrzeug im Dunkeln. Nichts regt sich im Inneren. Vielleicht handelt es sich doch nicht um einen Überfall.

04:44 – Am Straßenrand vor der Tankstelle hält ein Mittelklassewagen. Christian L. (44) steht halb auf dem Radweg, daher schöpft niemand Verdacht.

05:02 – Die schwarze Limousine der 3er-Reihe rollt unbeleuchtet und im Schritttempo die Ausfallstraße entlang. Direkt gegenüber der Tankstelle bremst Ahmet T. (23) den Viertürer geschmeidig ab, lässt aus Gewohnheit einmal kurz den Motor aufheulen und stellt dann die Maschine aus.

05:19 – Ein älterer Transporter kommt auf der Gegenseite angefahren. Karlheinz P. (66) parkt das weiße Fahrzeug, auf dem unschwer die Aufschrift Puhlheimer Sanitär zu erkennen ist, direkt vor dem bayerischen Sportfabrikat. P. kurbelt die Seitenscheibe der Fahrertür herunter, schnipst eine Zigarette hinaus und starrt auf die beleuchtete Anzeigetafel mit den Kraftstoffpreisen.

05:21 – Zur Sicherheit setzt T. sein Auto um einen Meter zurück. Er will nicht riskieren, bei einem plötzlichen Wendemanöver wertvolle Sekunden zu verlieren.

05:24 – P. zündet sich eine weitere Zigarette an. In einem unerwarteten Moment dreht er den Schlüssel im Zündschloss herum, legt den Rückwärtsgang ein und setzt bis auf zehn Zentimeter zur Motorhaube von T.s Wagen auf. Ein heiserer Wutschrei ertönt hinter der getönten Windschutzscheibe.

05:35 – Plötzliche Hektik auf dem Gelände. Ein roter Kleinwagen fährt an Säule 3. Martin V. (31) steigt aus, betritt das Ladengeschäft und kauft einen Becher Automatenkaffee. D.s Finger krampfen sich ins Lenkrad. W. nimmt die Unruhe jedoch nicht zur Kenntnis. Er steigt in sein Auto, fährt zur Ausfahrt und biegt in Richtung Gewerbegebiet ab.

05:44 – Auf seinem Motorroller knattert Tilman K. (25) die Straße entlang. An der Einfahrt der Tanke hält er an, rollt mit verminderter Geschwindigkeit am Ladeneingang vorbei und stellt das Zweirad auf der hinteren Parkfläche ab, bevor er durch eine blau lackierte Stahltür mit der Aufschrift Nur für Personal das Geschäft betritt. Er löst G. ab. Die Frühschicht beginnt.

05:58 – Ein bis wenige Millimeter über den Asphalt tiefergelegter Roadster bajuwarischer Provenienz legt eine kreischende Vollbremsung auf der linken Spur hin. Der Beifahrertür des Wagens entsteigt Yeşim S. (22), wie immer von ihrem Freund erst unmittelbar vor Schichtbeginn gebracht. Aus den Bassboxen lässt die CD Schranzzz Atttakkk Vol. XIV die Scheiben der Fahrzeuge im Sichtbereich rhythmisch vibrieren. Murat R. (30) wartet, bis S. den Eingang erreicht hat. Dann lässt er simultan zur Lichthupe den 550-PS-Motor im Stand aufheulen und jagt knapp fünfzig Meter bis zur roten Lichtzeichenanlage vor dem Kreisverkehr.

06:00 – Panische Blicke bei L. Der Super-Preis muss unbemerkt auf 2,258 gefallen sein. Hektisch rechnet er durch, ob sich jetzt bereits eine neue Tankfüllung lohnen würde. Zur Vorsicht hatte L. am Vorabend mit Hilfe eines Schlauchs den Kraftstoff bis auf einen kleinen Rest entfernt und durch einige Kilometer Fahrt in die benachbarte Ortschaft samt Rückweg für ausreichend freies Volumen gesorgt.

06:12 – Ruckartig setzt T. sein Fahrzeug um einen Meter zurück. Das hässliche Knirschen kurz vor dem abrupten Stopp erklärt sich aus der hektischen Lenkbewegung, die den Wagen in Unwucht bringen und für kurzen, aber nachhaltigen Kontakt von zwei Sportfelgen und dem Kantstein sorgen.

06:16 – P. wirft eine weitere Zigarette aus dem Fenster. Er hat den minimalen Preisrutsch aus der Tafel verfolgt, nimmt ihn aber teilnahmslos zur Kenntnis. Sein Kastenwagen schluckt Diesel.

06:29 – Für jähe Bewegung sorgt das Umspringen der Anzeige auf 2,249. D. wischt sich den Schweiß von der Stirn. L. sucht hektisch nach dem Smartphone und öffnet die App, um im Falle eines plötzlichen Bezahlvorgangs gerüstet zu sein.

06:51 – Kerstin M. (47) fährt an Säule 1 heran und startet den Tankvorgang. Der Kraftstoff fließt nicht wie vorgesehen in die dazu konstruierte Öffnung, so dass sie das Manöver abbricht und zur Kasse geht.

06:54 – D. wird von einer Panikattacke geschüttelt. Er hält sich am Sitz fest und atmet schwer. Was, wenn gerade jetzt die Vorräte zur Neige gehen?

06:56 – K. begleitet die Kundin zur Säule. Auch er kann nicht wie beabsichtigt den Wagen mit Benzin betanken, es handelt sich um einen technischen Defekt. Da jedoch Säule 2 einwandfrei funktioniert, ist M. nach kurzer Zeit zufriedengestellt.

07:00 – Ein nagelndes Geräusch verkündet den Start von P.s Transporter. Aufreizend langsam setzt er den Wagen zurück, genau vor die Schnauze des 3ers. Die sich vor Wut überschlagende Stimme von T. bestätigt seine millimetergenaue Lenkleistung.

07:15 – S. läuft einmal quer über das Gelände und klopft an die Scheibe von D.s SUV. Dieser stellt sich taub, so dass S. kräftig mit der Faust gegen die Fahrertür hämmert. Keine Reaktion. S. wird dem Kollegen mitteilen, dass sie nicht wie von der Geschäftsleitung gefordert den Kunden nach seinen Wünschen befragen konnte.

07:28 – Jens N. (42) fährt schneidig direkt auf die Zapfsäulen zu und kommt dort mit seinem Cabrio zum Stehen. Nonchalant steigt er aus, winkt zu den anderen wartenden Fahrern herüber und schlendert über den Grünstreifen auf den Gehsteig.

07:38 – Achtsam rollt T. mit seinem fahrbaren Ding bei leichtem Linkseinschlag um gut einen Meter zurück. Das Motorengeräusch erstirbt, er steigt aus und nimmt die deutlichen Spuren an den Felgen in Augenschein. Es ist kein schöner Anblick.

07:55 – Die Halterfeststellung ergibt, dass N. in zwanzig Tankstellen im Umkreis von mehreren hundert Kilometern Hausverbot hat. Offenbar hatte er schon mehrmals versucht, einen freien Platz an der Zapfanlage widerrechtlich zu besetzen. S. ruft die Polizei.

08:00 – Jetzt kommt Bewegung in die Sache: 2,244, immerhin ein halber Cent nach unten. L. überschlägt die Ersparnis und bezieht die Prognosen für bevorstehende Preiserhöhung sowie die Anstiege der vergangenen Tage mit in seine Annahmen ein. Bei 2,229 wird er zuschlagen. Definitiv.

08:03 – Ein Streifenwagen hält vor der Ladentür. Während Polizeihauptmeisterin Kati E. (33) N.s Auto in Augenschein nimmt, lässt Polizeimeister Sören W. (35) sich von S. und K. den Sachverhalt schildern. Der nach wie vor auf dem Radweg parkende L. wird von E. ermahnt, seinen Wagen an anderer Stelle abzustellen. Da er aussagt, zur Tatzeit gerade über den Sinn des Lebens nachgedacht zu haben, kann er nicht zur Sache befragt werden. W. bestellt einen Abschleppwagen für das Cabrio.

08:11 – D. hat die Anwesenheit der Beamten an der Tankstelle ängstlich beobachtet. Er hat sich in den Fußraum des Fahrersitzes geduckt, so dass der SUV wie ein Kundenfahrzeug vor der Waschanlage wirkt und nicht die Aufmerksamkeit von E. erregt, die gut zehn Meter entfernt das Fahrzeug mit dem offenem Verdeck auf Spuren untersucht.

08:23 – Quasi zeitgleich treffen sowohl N. als auch das Einsatzfahrzeug des Abschleppdienstes ein. Für Oldřich H. (56) ein lukrativer Auftrag, den er gerne annimmt. Alle Versuche von N., sein Cabrio vom Hebezeug zu entfernen, stoßen bei H. auf Ignoranz. Weder ein 50-Euro-Schein noch die Drohung, ihm die Mafia auf den Hals zu hetzen, bringen ihn vom Vollzug ab. N., der sich weigert, sich gegenüber den Beamten auszuweisen, tritt schließlich gegen ihr Streifenfahrzeug und spuckt nach PHM E., die ihn mit einer gezielten Drehung seiner Schultergelenke bäuchlings auf den Betonboden befördert. Er wird zur erkennungsdienstlichen Behandlung nach §81b StPO auf das Polizeikommissariat 14 in der Max-Mörkel-Allee verbracht.

08:42 – Ein plötzliches Blinken auf der Anzeige, gefolgt von sekundenlangem Verlöschen der Ziffern und einem diffusen Pixelsalat lösen bei L. einen Anfall von Kammerflimmern aus. Leider haben die Preise sich nicht verändert.

08:44 – Höhnisch wirft P. den Motor an. Der Diesel tuckert einige Minuten lang vor sich hin, bis durch zu viel Luft in der Einspritzung der Wagen röchelnd versuppt. P. schlägt voll Zorn auf sein Lenkrad, was das Kraftstoffsystem auch nicht wieder in Gang bringt. T. betätigt den Fensterheber. Er lehnt sich nach draußen und fragt hämisch, ob P. ihm ein klopffestes Steuerrad empfehlen kann.

08:46 – Super E10 springt völlig unerwartet auf 2,219 Euro pro Liter. Wie im Rausch betätigt L. den Anlasser. Es orgelt und orgelt. Der Wagen bewegt sich nicht. Dazu stellt L. fest, dass der Akku seines Telefons inzwischen den Dienst quittiert hat und er weder Bargeld noch eine Karte mit sich führt.

08:50 – Kein anderer Fahrer ist bereit, L. mit einer kurzzeitigen Finanzspritze auszuhelfen, damit der wenigstens einen Kanister und einige Liter Benzin kaufen kann. Auch seine Uduschi-Armbanduhr mit Goldimitatauflage kommt als Tauschmittel nicht in Betracht. Der Traum ist aus.

09:04 – D. verlässt sein Fahrzeug. Er läuft unauffällig zum Ladenhäuschen, wo er einen Hut auf die blond gelockte Perücke setzt, mit der ihn niemand erkennen soll. S. argwöhnt, dass sie ihn schon einmal gesehen haben muss, kann sich aber nicht mehr an ihn erinnern. D. geht mit zwei XXL-Bechern Espresso zurück zu seinem SUV.

09:17 – Immerhin hat K. dem unglücklich auf dem Radweg gestrandeten L. erlaubt, vom Festnetzgerät im Büro aus seine Ex-Freundin Cindy A. (24) um Hilfe zu bitten. Sie erinnert ihn daran, dass er ihr noch knapp 2.000 Euro schuldet. Das Telefonat ist nach wenigen unschönen Gesprächszügen vorbei. L. setzt sich wieder ins Auto und wartet auf Godot.

09:29 – Im Handstreich startet T. den Motor, schlägt das Steuer voll ein uns setzt sich mit einem riskanten Fahrmanöver direkt vor P.s Transporter. Der Blick auf die Anzeigetafel und der Weg zum Angriff auf die Zapfsäulen sind wieder frei.

09:43 – Meinrad J. (47) stoppt genau gegenüber der Tankstelleneinfahrt, um den Heimwerkermarkt Hammer & Farbe zu besuchen. Dabei stellt er seinen Kombi genau hinter den weißen Transporter von P., der damit so eingekeilt ist, dass dieser nicht mehr ausparken kann. Bevor P. dieser Zwangslage gewahr wird, ist J. über den Parkplatz im Geschäft verschwunden.

09:55 – Mit einem altmodischen Blechbehältnis betritt Henriette C. (79) die Tanke, zapft an Säule 2 und geht in den Laden, um zu bezahlen. Der Kanister bleibt derweil neben der Säule stehen, bis L. gebückt aus dem Auto huscht, ihn ergreift und mit ihm zurückkehrt. Die alte Dame versieht sich keines Irrtums und geht mit einer Tageszeitung und einer Eistüte ihres Wegs.

10:00 – Während sich der Super-Preis fast erwartbar auf 2,209 Euro senkt, schreitet L. zur Tat. Lässig öffnet er die Klappe am hinteren Kotflügel, entfernt den Drehverschluss und gießt den Inhalt des Kanisters in den Tank.

10:18 – D. verlässt kurz den SUV. Die Flüssigkeit muss raus. S. reagiert einen Moment zu spät, sie erreicht das Fahrzeug erst, als er wieder unter einer Plastikplane auf der Rückbank liegt.

10:24 – Es bewegt sich nicht. Auch wenn er sein Fahrzeug bis zur Ausfahrt geschoben und alles unternommen hat, um dem Motor zu starten, will sich das Ding noch immer nicht erfolgreich an der gewünschten Aktion beteiligen. L. schreit, drischt auf diverse Innen- und Außenteile seines Wagens ein und ist sich bisher noch nicht bewusst, was die Betankung eines Benziners mit Diesel an Folgen für den Motorblock hat.

10:36 – Endlich kommt J. mit einem Säckchen Teelichte aus dem Do-it-yourself-Geschäft. Um der Straßenverkehrsordnung Genüge zu tun, schreitet er vor Antritt der Fahrt einmal um sein Automobil und nimmt trotz der engen Parksituation alle relevanten Parkmeter in seine Beobachtung mit hinein. Danach prüft er gemäß des seinerzeit vermittelten Wissens aus der Fahrschulausbildung Wasser, Öl, Licht, Kraftstoff und Elektrizität, bevor er sich startbereit festgurtet.

10:39 – Für das aggressive Verhalten von P. hat J. nach der lauten Ansprache keinerlei Verständnis. Als ranghoher Beamter einer Landesbehörde kennt er zwei Wege, fachliche Kompetenzen zielführend zu diskutieren. Einer davon ist die Eingabe eines Schriftsatzes zur juristischen Prüfung. Nach dem anderen macht er P. unmissverständlich klar, dass er gleich etwas erleben wird, gegen das Hiroshima ein Kindergeburtstag gewesen sein dürfte.

11:01 – D. blickt nun konzentriert auf die Anzeige, deren Leuchtpunkte vor seinen Augen zu tanzen beginnen. Kurz überlegt er, das Radio anzustellen, fürchtet aber, dadurch Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. So bleibt er ins Lenkrad verkrampft sitzen.

11:06 – P. wirft die letzte Zigarette aus dem Fenster und beschließt, die Pole-Position einzunehmen. Er wirft mühsam den Motor an, setzt ein kleines Stück zurück und fährt dann quer über die Fahrbahn. Auf der Auffahrt der Tankstelle rumpelt zunächst das Getriebe. Dann setzt der Antrieb stuckernd aus und der Lieferwagen bewegt sich nicht mehr. P. zieht die Handbremse an. Sein Fahrzeug steht halb auf der Auffahrt, halb auf dem Gehsteig.

11:10 – Die alte Dieselmaschine ist nicht mehr zur Kooperation bereit. Indessen haben sich bereits ein halbes Dutzend weiterer Fahrer auf der linken Spur, ordnungsgemäß auch auf dem Radweg, für eine rechtzeitige Betankung in der letzten Viertelstunde vor dem Preisanstieg in Stellung gebracht. Ab und zu werden Fenster heruntergelassen, um bei P. nach den Plänen zur Beseitigung des Kastenwagens zu fragen. Es gibt seitens der Wartenden Angebote, die Situation zu klären durch Abschleppen des Wagens, Zerlegung vor Ort oder schwere Gewalteinwirkung mittels stumpfer Gegenstände.

11:14 – Heikki Å. (28) bremst sein vollelektrisches skandinavisches Oberklassemodell direkt vor der Einfahrt, da er den Luftdruck in seinen Reifen an der Tankstelle kontrollieren und Wischwasser in den Vorratsbehälter füllen möchte. P. bescheidet den Wunsch, ihn durchfahren zu lassen, abschlägig und fügt noch einige despektierliche Bemerkungen zum Wagen sowie der Frau auf dem Beifahrersitz an. Der baumlange, stämmige Mann, der in Espoo eine Kampfsportschule betreibt, zeigt für die verbalen Ausfälle wenig Verständnis. Kurz danach steigt Iina B. (26) aus. Die mehrmalige finnische Meisterin im Kickboxen spricht Dank eines Germanistikstudiums fließend Deutsch und hat „Dreckschlampe“ gut verstanden. Nach einem unvermittelten Fußfeger hebelt sie ihm den rechten Ellenbogen in die Nase. Vereinzelter Applaus aus der Warteschlange vor der Einfahrt begleitet die Abfahrt der beiden Touristen.

11:26 – Ein Kamerateam des rechtspopulistischen TV-Senders Fake Alien hält vor der Tankstelle. Anchorman Julian V. (44) baut sich vor der Anzeigetafel aus, während Mitarbeiter Jannik J. (23) die Aufnahme vorbereitet. In der Sprechprobe geht V. den Text durch, in dem er Robert Habeck als „Drahtzieher der verjiddelten Weltelite“ und „woken Totengräber der deutschen Herrenrasse“ bezeichnet, der durch explodierende Benzinpreise die „Auslöschung des arischen Autoverkehrs“ und die „Umvolkung der BRD GmbH“ betreibe.

11:33 – E. und W. unterbrechen die Aufnahmen und erteilen den Rechtspopulisten einen Platzverweis. K. hatte die Polizei angefordert, da er V. bereits als Ruhestörer kenne und mehrmals ein Hausverbot gegen ihn ausgesprochen habe. Bei einer Rangelei nennt V. die Polizeihauptmeisterin eine „behinderte Judensau mit der Fettfresse von Ricarda Lang“. W. macht ausgiebig Gebrauch von seinem Schlagstock.

11:44 – Die Autoschlange umfasst inzwischen gut fünfzig Fahrzeuge, die sich hupend für die Freigabe der Einfahrt einsetzen. Da P. nach dem Kontakt mit der jungen Skandinavin nicht mehr aufzufinden ist, scheint die Situation nur durch kollektives Handeln lösbar.

11:48 – Alle Versuche, den Wagen mit angezogener Handbremse zu bewegen, schlagen fehl. Beherzt schreiten nun Zbigniew Z. (27) und sein Bruder Bronisław (25) zur Tat, indem sie den Transporter mit roher Gewalt zum Kippen bringen. Dieser neigt sich und fällt auf die Beifahrerseite, wobei er sich dreht und mit dem Fahrgestell in Richtung Einfahrt zum Liegen kommt. Ein Problem wurde gelöst, ein anderes ist entstanden. Die Wartenden üben Kritik.

11:54 – K. ruft erneut den Abschleppdienst an, muss aber zur Kenntnis nehmen, dass so gut wie alle verfügbaren Kräfte in der Stadt sich derzeit im Einsatz befinden. Auch Telefonate aus dem längst über hundert Autos zählenden Wartekollektiv sind nicht erfolgreicher.

11:57 – T. verliert die Nerven. Die Maschine des 3ers heult auf. Abrupt tritt T. das Gaspedal durch und lenkt den Mittelklassewagen quer über den Hermann-Klönzkes-Ring auf die Tankstelle zu. Da das schleudernde Fahrzeug nach der frontalen Kollision mit dem Bordstein ausbricht und nicht schnell genug abbremsen lässt, sorgt erst die beidseitige Berührung des Unterbodens mit den Waschbetonsteinen um den Grünstreifen der Tanke für eine stabile Auflage, die weitere Schäden an der Karosserie verhindert.

11:59 – Nach längerem Schaukeln in der Fahrgastzelle gewinnt das vordere Fahrwerk wieder Bodenkontakt. T. schießt sofort mehrere Meter nach vorne und prallt mit der Schnauze auf einen der Stützpfeiler, die das Flachdach über den Zapfsäulen tragen. Der Wagen prallt ungebremst gegen die 2. Die Aufbauten der Zapfanlage werden aus der Bodenverankerung gerissen.

12:00 – Völlig unbemerkt springt die Preisanzeige um und weist auf die ab sofort gültige Bemessung für den Kraftstoffkauf hin: ein Liter Diesel kostet 2,599 Euro, für einen Liter Super E10 werden 2,479 Euro verlangt.

12:01 – Durch die plötzliche Geräuschentwicklung ist D. aus dem Tiefschlaf erwacht. Wie in Trance betätigt er den Anlasser, legt den Gang ein und tritt aufs Gas. Schon nach zwei Sekunden kracht sein SUV in die Beifahrerseite von T.s Wagen. Der 3er schleudert dadurch die Reste von Zapfsäule 2 endgültig zur Seite. Beide Fahrzeuge bleiben einen Augenblick lang stehen. Die Motoren ersterben.

12:02 – Eine gewaltige Detonation zerreißt die Mittagsstille. Das austretende Autogas, das sich in Sekundenbruchteilen entzündet hat, bildet einen gut zehn Meter hohen Feuerball, dessen Druckwelle die Fahrzeuge im Umkreis wie Bonbonpapier durch die Gegend pustet. Verstärkt durch die Benzindämpfe entwickelt sich eine unerwartete Hitze, die Teile des Dachs aus schwer entflammbarem Material sofort herabtropfen lassen. Der weiße Kastenwagen wird so stark beschleunigt, dass er eine gerade Schneise durch die Baustoffabteilung von Hammer & Farbe schlägt und mit einer mittleren Dicke von anderthalb Zentimetern an die hintere Wand der Halle gedrückt wird. Noch mehrere Stunden lang regnet es Metallteile auf die Autobahn an der Anschlussstelle West. An dieser ÖRÖL-Filiale wird bis auf Weiteres niemand mehr tanken. So endet der Vormittag an einer Ausfallstraße in einer deutschen Großstadt, deren Bewohner einfach nur preiswert an Kraftstoff kommen wollten.





Verkehrsfluss

6 04 2026

„Das geht nicht.“ „Weil?“ „Naja, das kann eben nicht gehen, weil das nicht funktioniert?“ „Ja, so in etwa.“ „Und wir müssen ja auch berücksichtigen, dass wir so eine Situation noch nie…“ „Das war am Sonntag.“ „Also 1973.“ „Und wenn ganz normale Menschen zur Arbeit fahren, dann ist das eben nicht am…“ „Aber wenn die am Sonntag nicht arbeiten, dann kann man doch gerade am…“ „Sie linksgrüne Verbotsdrecksau!“

„Vor allem, wenn eine Frau das sagt – eine Frau!“ „Die hat man zu lange nicht…“ „Hähähä!“ „Was hat das denn damit zu tun?“ „Sachverständige – diese Schlampe soll erst mal Kanzlerin werden!“ „Waren Sie schon mal Kanzler?“ „Nee, aber er hat auch ein Problem mit Frauen.“ „Dabei ging es doch nur um ein Tempolimit.“ „Dann kommt man ja nie an auf Arbeit!“ „Ja, das ist schlimm, wenn man mal fünf Minuten eher…“ „Der deutsche Arbeiter muss genug Schlaf kriegen!“ „Ich dachte, der soll mehr arbeiten?“ „Dann sollen sich die Faulpelze Jobs suchen, bei denen sie zwischendurch Schlaf kriegen.“ „Beispielsweise als Kanzler.“ „Hähähä!“

„Momentan geht es ja erst mal nur um ein Tempolimit.“ „Schlimm genug!“ „Hören Sie mal, 45 von 46 Ländern…“ „Im Grundgesetz steht nicht umsonst das Widerstandsrecht!“ „Unsere deutsche Leitkultur darf nicht schon wieder von solchen ausländischen Autobahnfritzen zerstört werden!“ „Wen meinen Sie denn?“ „Hitler war Österreicher.“ „Ja, stimmt.“ „Und deshalb müssen wir freie Fahrt in den wirtschaftlichen Untergang…“ „Sie sind auch so ein Wärmepumpenschwein!“ „Was hat das denn mit…“ „Wir müssen doch die Nachfrage nach Benzin stabilisieren, sonst…“ „Dann müsste bei noch mehr Umsätzen durch steigende Preise ja der Preis sinken.“ „Und wenn dann der Preis sinkt?“ „Dann steigt er wieder, so geht das eben.“ „Aber nur noch einmal am Tag.“ „Aber langfristig könnte er so stark steigen oder sinken, dass das jetzt im Gesamtbild wie eine Senkung aussieht.“ „Oder ein Anstieg.“ „Das kann man jetzt überhaupt noch nicht beurteilen.“ „Deshalb brauchen wir jetzt ja einen geregelten Anstieg, damit mehr für den Verbrauch, als für die Senkung…“ „Dabei wird doch der Preis für Benzin und Diesel auch nicht auf der deutschen Autobahn gebildet, sondern auf dem Weltmarkt.“ „Muss man behindert sein, um so eine Scheiße zu labern?“ „Sagt die Bundeswirtschaftsministerin.“ „Da sehen Sie mal, was Frauen alles können.“

„Also wenn jetzt die Nachfrage steigt…“ „Es reicht ja, wenn sie nicht sinkt.“ „Soll denn der Sprit jetzt billiger werden oder nicht?“ „Ja, aber nur im Vergleich.“ „Wozu?“ „Damit mehr Verbraucher sich in der…“ „Im Vergleich wozu?!“ „Ja, zum Preis ohne Knappheit.“ „Also muss er billiger werden, da er durch mehr Verbrauch, der ihn teurer macht, noch teurer wird und dadurch automatisch billiger wird?“ „Eher umgekehrt.“ „Dann wird er ja doch wieder teurer.“ „Also im Endeffekt billiger.“ „Dann sinkt ja die Nachfrage.“ „Bloß nicht, dann wird er so billig, dass wir uns den nicht leisten können!“ „Dann springt eben die Bundesregierung ein.“ „Und womit?“ „Na, mit Steuergeldern.“

„Wir können uns jetzt keine Regierung leisten, die nichts tut!“ „Also was schlagen Sie vor?“ „Dass die Regierung endlich…“ „Aber doch nicht so!“ „Das haben Sie auch bei der Steuerreform und bei den Krankenkassen gesagt.“ „Es muss ja mal etwas passieren, es darf nur nichts geschehen!“ „Also mir nicht, des Rest ist eigentlich egal.“ „Wir wollen eine Regierung, die endlich mal regiert, aber eben nicht in unseren Tank hinein!“ „Das ist doch wieder nur eine Bevorzugung der Elektromobilität!“ „Wie kommen Sie denn jetzt darauf?“ „Es geht los mit Fahrverboten für richtige Autos, dann dar man nur noch mit E-Autos fahren, und irgendwann gondeln die gemütlich mit 60 über die Autobahn, weil keine Sau ihren Verkehrsfluss stört.“ „Die Schweine!“ „Das ist der Anfang vom Ende!“ „Ich sage doch, es steht alles schon im Grundgesetz!“

„Können nicht alle mit dem Bus fahren, die auf das Auto verzichten wollen?“ „Theoretisch wäre das möglich, aber zum Glück fährt ja nicht überall ein Bus.“ „Wenn sie nicht Bus fahren können, sollen sie doch die Straßenbahn nehmen.“ „Es ist ja auch nicht verboten, dass man auf der Autobahn nur Tempo 60 fährt.“ „Das würde den Verkehrsfluss aber erheblich stören.“ „Das sieht man ja bereits bei Tempo 30.“ „Auf der Autobahn?“ „Nein, da ist das bei Tempo 100.“ „Also alle fahren 100, und wenn einer 30 fährt…“ „Schon bei 60.“ „Dann kriegt der deutsche Arbeiter nicht genug Schlaf!“ „Bei 60 würde ich nicht unbedingt…“ „Wenn die bei 180 kurz wegsacken, sind sie dreimal so lange unfallfrei gefahren, das senkt die Unfallquote!“ „Aber dazu müssen dann eben alle 180 fahren.“ „Weil das sonst den Verkehr aufhält.“ „Sage ich ja, 60 ist viel zu gefährlich.“ „Und was ist überhaupt mit diesen Mindestlohnempfängern, die 500 Kilometer zur Arbeit pendeln müssen?“ „Die gibt es doch gar nicht.“ „Wenigstens ist der Bus für die zu teuer.“ „Hähähä!“

„Kann man da nichts irgendwie umschichten?“ „Pendlerpauschale!“ „Die kriege doch dann auch die Radfahrer.“ „Das hat uns gerade noch gefehlt!“ „Auf jeden Fall keine Stromsteuersenkung.“ „Wenn das nur den Grünen und ihren Elektroautos nützt, will ich das auch nicht!“ „Die Luftverkehrssteuer soll doch auch wieder gesenkt werden.“ „Weil die FDP-Sozialisten Deutschland in den Ruin treiben wollten!“ „Wem nützt das denn?“ „Für die FDP kommt das zu spät.“ „Also ich bitte Sie, wer fliegt denn jeden Morgen zur Arbeit?“ „Wären Sie mal Bundeskanzler geworden.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DCCCVIII): Die Disruption der Gesellschaft

3 04 2026
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Es ist kein Spaß, jung zu sein. Früher konnte man sich als Halbstarker noch sicher sein, wenn das mit der Karriere als Revoluzzer oder Rockstar nicht klappte, wartete immer noch auf die Rente auf einen. Heute wissen wir nicht einmal, ob nicht der Meeresspiegel den ganzen Bums überflutet oder erst der nächste Weltkrieg die vom Kapitalismus zerrüttete Menschheit in die Luft jagt. Vielleicht ist diese Generation wirklich die letzte, die noch in den Resten einer liberalen Demokratie geboren wurde. Vielleicht steht sie und stehen wir alle an einem Scheideweg, an dem die Krise einer gesamten Existenz angekommen ist, weil unsere Vorfahren sich auf die irrwitzige Idee eingelassen haben, in einem abgeschlossenen System durch Vernichtung unendliches Wachstum zu erzeugen. Die Disruption dieser Fehlleistung wird die der Gesellschaft sein.

Die Nachrichtenlage der letzten Jahre zeigt ein Kindertheater, als wäre die Medikamentenausgabe im Wolkenkuckucksheim ausgefallen. Das Recht als Basis staatlichen Handelns hängt über dem Zaun und wird von Regierungskaspern vollgekotet, die keinen Hehl aus ihrer Abscheu vor Gewaltenteilung machen. Die Gier posiert vor dem Spiegel, hält sich für die Schönste im Land, und lässt vom Stärksten Schutzgeld erpressen. In diesem Szenario, das vor Korruption und Kulturlosigkeit strotzt, das alle Errungenschaften der Aufklärung, den Ausgleich der Interessen innerhalb und außerhalb staatlicher Verfassung aggressiv ablehnt, wird den Menschen das Grundgefühl der Hilf- und Wehrlosigkeit mit der Knute beigebracht. Sie sind ein Nichts.

Ob der radikale Bruch mit Lebensumständen und Zukunftsvisionen nun positiv ausfällt oder in einer Dystopie endet, die Menschen empfinden ihn als Dauerkrise, der sie schutzlos ausgeliefert sind. Mit schwindender Unterscheidungsfähigkeit, wo diese Bruchlinien verlaufen und welche Folgen die Erosion der bisher selbstverständlichen roten Linien haben wird, gerät auch jede Hoffnung auf Vernunft ins Straucheln; die Empfindung, Selbstwirksamkeit nur noch durch das Übertreten der sich immer mehr verengenden legalen Grenzen zu erreichen, erzeugt Druck. Schon wird als Terrorist verfolgt, wer sich auf der Straße festklebt. Wer gar das Grundgesetz zitiert, gilt als linksextremistisch.

Wo ökonomische, politische und nicht zuletzt mediale Macht so stark verschmolzen sind und sich nicht einmal mehr die Mühe geben, ihre Lust am Machtmissbrauch zu kaschieren, wird Wut geschürt und gelenkt – Hass auf Schwächere, zu denen jeder selbst gehören könnte, Verachtung für die bisher als Konsens gehandelten Prinzipien eines nachhaltigen Generationenvertrags, eine Absage an die Zukunft. Die Zerstörung der Lebensgrundlagen durch die Fossilindustrie, die Zerstörung des Besitzes durch Konzentration in der Hand weniger Milliardäre, die Zerstörung des Gemeinwesens durch ein nur auf Privilegien beruhendes Kastensystem wird als eine Notwendigkeit eingetrichtert – zugleich schwiemelt man den Goldfischgehirnen die Wut ein, das alles verbreche der ominöse Feind, Ausländer, Migrant oder arm, trans, vegan, möglicherweise bald auch wieder der Jude, der sich ja immer mal wieder als Unglück anbietet.

Der entscheidende Machtfaktor ist die doppelte Natur der Disruption, die einerseits als Gefahr für alle Generationen jede positive Veränderung als das Ende des Abendlandes bezeichnet und jede negative tapfer ignoriert, andererseits diese Angst vor dem Wandel zur Mobilisation für einen Umsturz nutzt. „Macht mit uns kaputt, womit wir euch kaputt machen“, tönt’s voller Verheißung aus den braunen Flüstertüten, in die auch das regierende Geschmeiß sich erbricht. Dem Volk wird eingeredet, es könne sich für den von langer Hand geplanten Abbau der Demokratie rächen, indem es die Überreste einfach anzündet, denn dann hätte es über die rauchenden Trümmer ja wieder die volle Kontrolle. Mächtige Männer sagen das, die noch mehr Macht wollen, damit ihre Demontage von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik schneller in den Abgrund führt.

Das erste Problem an dieser bösen Banalität ist, wie weit sie es bis in den politischen Mainstream und damit bis in die gesellschaftliche Mitte geschafft hat, die sich für selbstermächtigt hält, wenn sie den gleichgeschalteten Sabber aus den libertären Brüllkanälen lecken, der noch schneller, noch härter die Rückkehr zu nationalsozialistischen Idealen fördert und fordert. Versprochen wird den klinisch bekloppten Irr- und Mitläufern die totale Handlungsmacht – als hätte man im Konglomerat der Wirtschaftskriege durch Massenabschiebungen plötzlich ohne Ende preiswerten Sprit oder genug Klinikbetten. Das Abkippen in den Totalitarismus war und ist kein Unfall; wir erleben gerade, wie es durch windige Versprechungen und eine Flut von Lügen jederzeit wieder geschehen kann, schneller und effektiver, als es der Bettnässer aus Braunau in einem verheerten Reich erreicht hatte.

Die einzige Chance ist es, sich den Lügen zu entziehen. Den Weltuntergang verursachen nicht Einwanderer. Der Feind kommt im Privatflugzeug. Auch er ist nur ein Mensch, er will es bloß nicht wahrhaben. Wir werden es ihm zeigen.





Sonderbehandlungszone

1 04 2026

„… den Osten besser verstehen zu wollen. Auch im Hinblick auf künftige Landtagswahlen in den neuen Bundesländern werde Merz eine geänderte CDU-Taktik zur politischen und sozialen Annäherung an die sehr spezielle Lebenswelt der…“

„… die Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland Kaiser Wortlaut und Haltung des Kanzlers als schwer erträglich bezeichnet habe. Sie könne sich nicht des Eindrucks erwehren, dass der CDU-Vorsitzende die Bevölkerung in den östlichen Bundesländern wie unerwünschte Migranten oder Asylbewerber behandle, die er für jedes Versagen seiner eigenen…“

„… die Bundestagsfraktion sich nicht auf ein gemeinsames Vorgehen habe einigen können. Der Vorschlag des stellvertretenden Vorsitzenden Jung, eine Sonderbehandlungszone einzurichten, habe unter den Abgeordneten der östlichen Länder zum Teil für erbitterten Protest und eine…“

„… seine Unterstützung angeboten habe, um die Unionsführung in der Befriedung der Ostgebiete zu einer gesamtwestdeutschen Lösung zu bringen. Für Söder sei die ehemalige DDR ein Land, in dem es keine negativen Erscheinungen wie den Islam oder vegane Zwangsernährung, sondern hart arbeitende Werktätige gegeben habe, und eine Staatsführung, die Umweltschutzspinner bekämpft habe, bevor sich eine grüne Verbotspartei habe gründen können. Er werbe im Wahlkampf gern für einen…“

„… sich sehr darauf freue, dass Kaiser in der deutschen Realität ankomme und als Ossischlampe ihre dumme Fresse halte. Linnemann empfinde es von einer Frau, noch dazu aus dem Fascholand Thüringen, als nicht tolerierbar, wenn sie sich mit Kritik am bedeutendsten Staatsmann aller…“

„… das SBZ-Programm mit einer Reihe von Fördermaßnahmen zu unterstützen, die explizit mit der Union als Initiator verbunden sein sollten. So sei der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Weimer mit einem Verbot von Rap und anderer Negermusik in den Tanzlokalen sofort auf Unverständnis gestoßen. Die Renaissance des Lipsi als ostdeutsche Unterhaltungskultur sei absurd und werde weder von der Bevölkerung noch von den…“

„… auch das Staatssicherheitsgefühl der Bürger stärken wolle. Dobrindt setze auf Unterstützung der modernen Überwachungsmethoden durch das im Sozialismus bewährte Hausbuch, das mit einer zusätzlichen Meldepflicht für Migranten, Linke und politisch unzuverlässige Personen eine…“

„… den Musterungsprozess für 18-Jährige auf traditionelle Art abzukürzen. Um das Verfahren zu beschleunigen, wolle Linnemann die Bürger mit der Frage, ob sie für den Frieden seien, zur sofortigen freiwilligen Meldung in die…“

„… subventionierte Produkte für Arbeiter und Angestellte auf den Markt zu bringen. Merz sehe die Notwendigkeit, dass die Werktätigen sich im Unterschied zu Arbeitslosen, die sich durch üppige Staatsfinanzierung ihrer Faulheit so gut wie alles leisten könnten, etwa durch eine kostenlose oder stark verbilligte Schlager-Süßtafel pro Monat für ihre staatstragende…“

„… die Bevölkerung mehr in die Strukturen des Staates einbinden wolle, um ihnen wieder Vertrauen in die Institutionen zu geben. Dobrindt wolle das Aufspüren illegaler Zuwanderer mit einer 100.000 Mann starken Gruppe der Freiwilligen Helfer der Bundespolizei unterstützen, die neben Verhaftungen und Verhören, die sich nicht an die rechtsstaatlichen Beschränkungen und den Verzicht auf kreative Mittel der Erkenntnisgewinnung in der…“

„… die Ausbürgerung unerwünschter Künstler und Intellektueller aus den östlichen Ländern zu ermöglichen. Weimer setze dabei auf Erkenntnisse des Verfassungsschutzes, die er im Einzerfall auch ohne greifbare Ergebnisse umsetzen wolle. Ob mit der Deportation in den Westen gleichzeitig auch der Verlust der deutschen Staatsbürgerschaft und die Abschiebung in ein nicht nationalsozialistisches Land ermöglicht werde, wolle die Bundesregierung offen lassen, da zunächst die Wahlen zum…“

„… den Fahnenappell mit dem Absingen der Nationalhymne für ein schönes Brauchtum halte, das die Verbundenheit mit den Vaterland ausdrücke. Söder fordere die Einführung der im Freistaat seit diesem Jahr geltenden Vorschrift für alle Schulen im Beitrittsgebiet, um auch die Jugend in den…“

„… durch ein Verbot national unerwünschter Betriebe das Straßenbild erheblich verbessern und dem Volkswillen unterwerfen wolle. Merz sehe in den ostdeutschen Innenstädten keine Notwendigkeit für hunderttausende Döner- und Dürümläden, in denen islamistische Speisen angeboten und der migrantische Bodensatz der Gesellschaft auf Kosten der Deutschen bereichert werde. Der Krustra-Erlass, mit dem das traditionelle Gericht aus Mischbrotteig mit Sauerkraut, Schweinehackfleisch und saurer Sahne zur Sättigung der anständigen…“

„… mehr Stabilität versprechen könne, wenn die Landtagswahlen in Ostdeutschland nicht mehr nach den bürokratischen Vorschriften der BRD veranstaltet würden. Linnemann spreche sich für eine feste Zusammensetzung der Parlamente aus, die durch freiwillige Zustimmung der Wähler in unkomplizierten Prozessen ohne den üblichen…“

„… einem freiwilligen Zusammenschluss mit der AfD nie im Weg gestanden habe. Große Teile der Union würden einer Fusion der beiden Kräfte zur Nationalsozialistischen Einheitspartei Deutschlands, die zunächst nur auf Landesebene, bald aber auch im Bund und mit der Perspektive auf eine durchregierungsfähige Mehrheit für die…“





Bundesrepublikflucht

30 03 2026

„… habe die aktuelle Trendstudie Jugend in Deutschland nicht nur einen hohen Bedarf an psychologischer Behandlung festgestellt. Etwa ein Fünftel der Personen unter 30 trage sich bereits mit dem Gedanken einer Auswanderung aus…“

„… als plumpe Fälschung aus linksgrünen Aktivistenkreisen bezeichnet habe. Linnemann sei bereits aufgefallen, dass 29-Jährige als jugendlich bezeichnet würden, was so ähnlich sei, als würde man Friedrich Merz, das größte Genie aller Zeiten und einen der kompetentesten Experten für alles, trotz seines bewundernswerten Reichtums noch als mittlere Mitte des mittleren Mittelstandes…“

„… es schmerzlich zu sehen sei, dass der Glaube der jungen Menschen in die Parteien und damit in die Institutionen schwinde, die legal die Politik Deutschlands bestimmen dürften. Klöckner sei jedoch hoffnungsvoll, dass sich die Befragten nach wie vor für die AfD und ihre Wahlversprechen interessieren würden und wolle in ihrem Amt alles daran setzen, dass die Union deren Programm so genau wie möglich…“

„… an der inzwischen terroristischen Ideologie der woken Deutschlandhasser liege. Söder sehe die linksgrüne Verbotspartei, die junge Menschen zwangsweise zu Transen verschwulen und ihnen die Bratwurst rauben wolle, als größte Gefahr für eine Gesellschaft, in der man noch stolz sein dürfe auf Herkunft, Rasse und…“

„… die Bundesregierung mit allen Mitteln gegen den drohenden Verlust ihrer Bevölkerung kämpfen müsse. IM Dobrindt lasse bereits prüfen, ob eine Bürokratisierungsinitiative mit bis zu dreihundert neuen Formularen, die alle innerhalb eines Tages in einer persönlichen Vorsprache beigebracht werden müssten, den rechtlichen Rahmen für eine dauerhafte Ausreise aus der…“

„… als hirnverbrannte Idee linker Spinner bezeichnet habe, die nicht mehr alle Tassen im Schrank hätten. Das 9-Euro-Ticket sei für Merz keine Antwort, da die Frage nicht existiere. Kinder und Jugendlich hätten nicht sinnlos in der Gegend herumzureisen und sich auf die Straße zu kleben, sondern sieben Tage in der Woche zu lernen, damit sie nach einem guten Studienabschluss deutsche hocheffiziente Verbrenner mit einem Wirkungsgrad von fünfhundert Trilliarden Prozent endlich den…“

„… besonders in den deutschen Ostgebieten, in denen bis heute nur vom Kommunismus geprägte Minderleister wohnen würden, problematisch sei. Linnemann sehe keine andere Möglichkeit, als die organisierte Verschickung der Kinder zu Familien in den Westen, wo sich Parteikader der CDU ihrer annehmen würden, auf gesetzlicher Grundlage…“

„… dass der Straftatbestand des ungesetzlichen Grenzübertritts im DDR-Recht zwar eine andere Grundlage habe als die heute im Asylrecht der EU vorgesehene Bestimmung, beide aber dank ihrer offenkundigen Gesetzeswidrigkeit durchaus in den Aufgabenbereich der Bundespolizei übertragen werden könnten. Dobrindt wolle die Beamten bis auf Weiteres anweisen, bei ungeklärter Ausreise unverzüglich von der Schusswaffe Gebrauch zu…“

„… in der Öffentlichkeit verschwiegen werde. Merz wisse aus Statistiken, die er sich ganz genau vorstellen könne, wie islamistische Gewalttäter, von denen es alleine in Berlin mehrere Milliarden gebe, die deutschen Frauen bis zu vierzig Stunden täglich vergewaltigen würden, um die Umvolkung mit Hilfe von…“

„… sich die Bevölkerung im Osten selbst um ihre Defizite kümmern müssten. Der Unionsexperte für rechtes Gedankengut, Pilzinfektionen und steuertechnische Optimierung Spahn wolle mit dem Testfall die Brandmauer zur Schwesterpartei AfD auf Landesebene einreißen und ihr vertrauensvoll die Regierungsgeschäfte übertragen, damit das Volk wieder eine Perspektive habe, das Soziale mit dem Nationalen zu…“

„… liege es laut Söder offensichtlich am hohen psychiatrischen Behandlungsbedarf, der zur Flucht aus einem normalen Land führe, in dem normale Menschen morgens zur Arbeit statt in die Klapsmühle gehen würden. Die CSU fordere ein Verbot von Studien, die aufwiegeln und falsche Versprechen über ein vermeintlich einfacheres Leben in fremdländischen…“

„… eine Bundesrepublikflucht schwerwiegende Folgen für die Straftäter haben werde. Merz wolle durch einen Kanzlererlass sicherstellen, dass bei unbefugter Entfernung aus dem Wirtschaftsbereich des BTD-BIP, was als vorsätzliche Entdeutschung gelte, alle erworbenen Anwartschaften an das Rentensystem gestrichen und die Staatsbürgerschaft mit sofortiger Wirkung…“

„… mehr als Vorbilder auftreten sollten, um die Jugend zu animieren. Reiche wolle junge Menschen für eine Karriere in der Politik gewinnen, wo sie ohne jede Sachkenntnis und Moral durch gezielte Unterschlagungen, Korruption und Steuerbetrug sehr schnell zu Geld kommen könnten, falls ihre Nebeneinkünfte ihnen überhaupt Zeit für einen…“

„… dass die Auswirkungen der Klimakrise, die von den Ökospinnern herumerzählt würden, dann ja auch in Ländern mit einer Bevölkerung ankämen, die nicht einmal Deutsch verstünden oder essbares Brot backen könnten. Merz habe allen Bürgern unter 30 mit einer Ausbürgerung gedroht, um sich schnellstmöglich in die…“

„… durch soziale Medien hervorgerufen worden sei. Die Bundesregierung wolle Massenphänomene dieser Art unterbinden, um sich wieder auf wichtige Fragestellungen konzentrieren zu können, und werde mit einem zeitnahen Verbot sämtlicher…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DCCCVII): Rechte Denkverbote

27 03 2026
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Wer kennt es nicht. Kaum sagt man mal etwas gegen dunkelhäutige Deutsche, die zwar bestimmt keine echten Volksgenossen sein können, wenn ihre Vorfahren aus dem Kral kommen, schon wird man von einer Rotte kommunistischer Rowdies mit dem Schlagring in die Schranken gewiesen. „Die sollen doch froh sein, dass wir sie nicht alle gleich in die Gaskammer prügeln“, plärrt da der Stalinist, „und dass wir als anständige Deutsche immer mit diesen Gaskammern in Verbindung gebracht werden, die es nämlich nie gegeben hat, das liegt nur an diesen internationalistischen Eliten, die uns, das stärkste Volk der ganzen Menschheitsgeschichte, vernichten werden, wenn wir ihnen beispielsweise erlauben, unsere Frauen zu schänden!“ Und dann wird man sofort mit dem gerechten Zorn des Arischlochs vom Dienst konfrontiert, dass diese eine Tussi, die auch unheimisch heißt, wegen virtueller Vergewaltigung herumgreint, aber nicht öffentlich angeprangert hat, dass deutsche Mädels von Subsahara-Irren in der S-Bahn einfach so abgestochen werden. Da hilft nur die Weltrevolution, Klimaschutz, am besten noch bedingungsloses Grundeinkommen, um… – Nee, halt. War anders. War natürlich ein Nazi, der sich sterbenselend gegen diese linke Gehirnvollwäsche zur Wehr setzen musste. Mit rechten Denkverboten.

Macht ja auch, von außen betrachtet, Sinn – was soll man den Braunrüben auch verbieten, womit sie schon körperlich überfordert sind – und zeigt schön, dass sie das, was sie selbst tun, anderen vorwerfen. Dass sie sich schon beschweren, wenn man sie als Faschisten bezeichnet, nur weil ihr von Hirnfäule durchsetzter Haufen ständig Hitler grüßt und Haken kreuzt, liegt nicht nur an angeborener Feigheit, es ist der Anspruch, den die Nationalsozialiesel dem Volk aufdrücken, alles so zu bestimmen, wie es ihr dünn angerührter Rassendreck hergibt. Waren es bei Goebbels und seinen luetischen Loddeln noch die, die man heute aus Staatsraison nicht mehr selbst beschimpfen darf (und froh ist, dass es dafür eine Herde Arschgeigen gibt), sucht sich die Reaktion ihre massenkompatiblen Feindbilder und hämmert sie den Bekloppten ein: Arme, Abgehängte, alle, die vorsätzlich behindert oder krank geboren oder sich sonst zur Hexenjagd eignen.

Es ist zunächst der normative Aspekt, der allem aufoktroyiert wird: was gesund ist, bestimmt das Volksempfinden. Was nicht dazu gehört, das wird in diskursiver Dauerschleife angepöbelt, ausgespuckt und im leitkulturellen Sumpf versenkt, auf dem die Winzpimmel weimernd ihre Masturbationsversuche abseichen, den Boden der Tatsachen mit Scheiße zu fluten. Wurst ohne Fleisch und Autos ohne Brumm-Brumm? Gendersternchenneutrale Toiletten? Transfrauen sind Frauen? am Ende Frauen wie Menschen behandeln? Das ist nicht mehr ihr Teutschland, für das sie die Enkel jederzeit wieder von Stalingrad verrecken lassen würden, damit die Rendite stimmt. Und sie tun also.

Wer widerspricht, macht sich verdächtig, denn es gibt keinen differenzierten Diskurs mehr und kein Recht auf Widerspruch. Wenn das der Kanzler wüsste, er würde sich natürlich sofort zustimmen.

Und so bekämpfen die Rechtsextremen längst auch Politiker, die sich argumentativ über sie und ihre von Industrienutten bezahlten Hetzmedien äußern, und zwar mit den Mitteln des Rechtsstaates, den sie so lange ausnutzen, bis sie ihn abschaffen können. Noch wehrt sich die Zivilgesellschaft und wird von den Gerichten unterstützt: im Namen des Volkes. Doch schon gibt es eine Phalanx bis hinein in die Regierung, die offen diese Zivilgesellschaft bekämpft, ohne die sie, die Gewählten, vielleicht schon bald in den Arbeits- oder Vernichtungslagern säßen, die die Extremisten nicht aus Koketterie als unerlässliche Härte maskieren, die Deutschland zur Verteidigung gegen die bürgerliche Gesellschaft bräuchte. Es reicht schon, wenn man sich im Sinne der Verfassung äußert, wenn man Klimaschutz und Antifaschismus fordert oder nur die Einhaltung der geltenden Asylgesetzgebung. Die Regierung und ihre Schergen behandeln derlei als Staatsfeinde, wären aber die ersten, die die Mütter und Väter des Grundgesetzes an die Wand nageln würden.

Das rechte Denkverbot ist ein Handlungsverbot geworden, und getreu der genannten Prämisse, dass Autokraten ihren Gegnern immer das vorwerfen, was sie selbst im Sinn haben, baut sich das ein dürres Konstrukt, das nach Freiheit plärrt – die, die sie meinen – und erklärt alle anderen sofort zu Verbotsideologen. Es entlastet so schön, wenn man die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit nicht immer an neuen Markern erklären muss, Politik aus Emotionen und Bratwurst schwiemeln kann und keinen Plan braucht außer der Absicht, sich selbst an der Macht zu halten und dort reich zu werden.

Wir sind vorbereitet auf die Machtergreifung, sie hat eigentlich schon stattgefunden. Der Diskurs ist Herrschaft geworden. Am besten redet man nicht darüber, weil man sonst den armen Faschisten, die Opfer des gewaltsamen Linksrucks, des Zwangs zu Veganismus und Queerness, ganz dolle wehtut. Und so lassen wir sie in Frieden, damit sie sich für den Tag der Tage ausschlafen können. Aber das darf man ja gar nicht sagen. Noch nicht.