„Das ist absoluter Wahnsinn!“ „Kein normaler Mensch käme auf so eine bescheuerte Idee!“ „Und genau deshalb machen wie das jetzt.“ „Aber das wird uns den Kopf kosten!“ „Und wenn schon.“ „Sie wollen also ernsthaft die Wirtschaft abwürgen und massiv Arbeitsplätze gefährden?“ „Wir werden die Mehrwertsteuer erhöhen, basta!“
„Damit machen wir die Binnenkonjunktur endgültig kaputt!“ „So ist das eben, wir müssen alle Opfer bringen.“ „Aber das trifft direkt den Staat.“ „Dann müssen die Bürger das eben ausbaden und den Gürtel enger schnallen.“ „Wenn ich das richtig verstanden habe, schröpfen wir die Verbraucher, damit sie hinterher mehr bezahlen können.“ „Das klingt jetzt irgendwie nicht logisch.“ „Da man uns immer noch die größte Wirtschaftskompetenz von allen Parteien zutraut, muss das richtig sein.“ „Der Konsum wird wegbrechen!“ „Das ist doch prima, dann sparen die Leute endlich mehr.“ „Das heißt weniger Wachstum, am Ende handeln wir uns eine massive Rezession ein!“ „Da müssen wir natürlich Präventivmaßnahmen ergreifen.“ „Also Verzicht auf diesen Unfug?“ „Wir streichen Sozialleistungen so zusammen, dass keiner mehr wagt, arbeitslos zu werden.“
„Dass das die Inflation antreibt, hat man Ihnen aber schon verraten?“ „Ja, aber das kapiert der Kanzler nicht.“ „Was hat das mit dem Kanzler zu tun?“ „Das ist Wirtschaft.“ „Ja, aber…“ „Weil er das eh nicht versteht.“ „Und deshalb riskieren wir jetzt Preissprünge auf dem Energiemarkt?“ „Das ist doch klasse fürs BIP, das bedeutet endlich wieder höhere Umsätze.“ „Was macht er beruflich?“ „Er ist in unserer Partei.“ „Was frage ich auch.“
„Nein, mal ernsthaft: die letzte Steuererhöhung hat irre Verluste für die Dynamik bedeutet, das war noch vor der Eurokrise.“ „Super, dann haben wir ja endlich mal Wachstum.“ „Er rafft es wirklich nicht, oder?“ „Also rhetorische Fragen bringen uns jetzt auch nicht weiter.“ „Wir hatten kein Problem mit dem Ölpreis.“ „Haben wir jetzt auch nicht, der Spritpreis steigt ja bald nur noch einmal täglich.“ „Die Unternehmen werden sich das nicht leisten können, das bedeutet noch mehr Arbeitslose.“ „Sehr gut!“ „Wie jetzt?“ „Mit denen, die wir bisher hatten, konnten wir keine fünfzig Milliarden sparen, aber vielleicht kriegen wir es jetzt hin.“
„Sagen Sie mal, wie haben Sie eigentlich den Finanzminister auf diese Schnapsidee gebracht?“ „Klingbeil? der hat doch keine Ahnung.“ „Ja, das hat sich auch schon herumgesprochen, aber warum will er das unbedingt?“ „Also mir ist nicht bekannt, dass er das wollen würde.“ „Aber Sie haben doch gerade…“ „Das machen wir ohne ihn, schließlich sind wir die Kanzlerpartei.“ „Und das beschließen wir mal eben so?“ „Wenn es den Sozen nicht passt, können sie ja gerne die Regierung verlassen.“ „Am Ende machen die das noch!“ „Dann haben wir halt keine andere Möglichkeit, als endlich die Politik zu machen, für die uns die Deutschen gewählt haben.“ „Aber wir haben auch gesagt, dass es auf keinen Fall Steuererleichterungen geben wird.“ „Für die meisten gilt das ja auch, und wenn man zu denen gehört, denen es scheißegal sein kann, wer gerade regiert, kann man so einen kleinen Wortbruch wohl noch verkraften, oder?“
„Sie wollen den Staat lahm legen.“ „Sie sagen das so, als wäre das schlimm.“ „Spätestens dann, wenn die Europäische Zentralbank die Zinsen erhöht, würgen wir die Wirtschaft ab.“ „Sehr gut!“ „Soll ich einen Arzt anrufen?“ „Am besten einen Psychiater.“ „Wir haben das alles gegenfinanziert.“ „Ach.“ „Linke Tasche – rechte Tasche.“ „Wie das denn?“ „Wenn die Mehrwertsteuererhöhung die ärmeren Haushalte trifft, sind Steuersenkungen für die oberen Einkommensgruppen drin.“ „Sie haben das Prinzip offensichtlich verstanden.“ „Und warum steht dann in Ihrem Papier auch etwas von Abschaffung der Mehrwertsteuer?“ „Natürlich nur auf ausgewählte Grundnahrungsmittel.“ „Also Brot und Margarine?“ „Trüffelsalami.“ „Trüffelsalami!?“ „Meine Güte, können Sie sich als Leistungsträger ein Frühstück ohne Trüffelsalami vorstellen?“ „Wir sorgen dafür, dass Arbeitslose ihr Dach über dem Kopf verlieren, nur damit ein paar Arschlöcher wie Sie…“ „Wir sorgen damit auch für Gerechtigkeit.“ „Für was!?“ „Wenn wie die Mehrwertsteuer auf Trüffelsalami, Champagner und Privatflugzeuge beseitigen, können sich das auch Arbeitslose leisten, wenigstens ab und zu.“
„Ich wette, Sie werden Jubelstürme im Volk auslösen.“ „Immerhin werden wir 17 Milliarden an Mindereinnahmen haben, das ist ein Drittel davon, was wir auch den Totalverweigerern rausgekriegt hätten.“ „Das bringt dem Durchschnittsverdiener dann etwa fünfzig Cent Ersparnis am Tag.“ „Wenn Sie sich einen besser bezahlten Job suchen und mehr konsumieren, sparen Sie eben auch mehr.“ „Falls der Lebensmittelhandel das überhaupt an die Kunden weitergibt.“ „Wie gesagt, wir können bei denen ja keine Übergewinne abschöpfen – das würde auch rechnerisch gar nichts ergeben, wenn der Staat die Gewinne einbehält, die er selbst erst ermöglicht.“ „Richtig, sonst müsste man auch eine Vermögensteuer einführen.“ „Oder eine richtige Erbschaftssteuer.“ „Jetzt werden Sie mal nicht sozialistisch hier!“ „Und dann würden die Preise wegen steigender Produktionskosten vermutlich noch nach oben angepasst.“ „Und der Konsum geht zurück.“ „Und die Umsätze.“ „Die Aktien.“ „Die Dividenden.“ „Die Parteispenden.“ „Nein!“ „Doch.“ „Hallo, hallo – Herr Spahn, sofort stoppen! Ja, es ist alles in der Scheiße, wie Sie angeordnet haben. Aber viel zu früh!“







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