Frühlingserwachen

15 04 2026

„Seit Tagen!“ Breschke rang die Hände. „Ich weiß nicht mehr, was ich noch machen soll, und nachts schläft er!“ Während er mit zitternden Händen den Wasserkessel vom Herd nahm und den Tee aufgoss, blickte er um die Ecke ins Wohnzimmer, wo auf dem bequemen braunen Ledersessel Bismarck mit geschlossenen Augen ruhte und sich durchaus nicht bewegten wollte.

„Doktor Witzky ist ja auch in Urlaub“, erklärte der pensionierte Finanzbeamte. Offenbar hatte er den Veterinär telefonisch zu erreichen versucht, war aber an der Bandansage gescheitert. „Ich kann doch jetzt nicht noch eine Woche warten!“ Nun war der gute Dackel, und das muss man der Wahrheit halber zugeben: das dümmste Exemplar seiner Art im weiten Umkreis, ja auch schon ein älterer Herr mit grauer Schnauze, gesetztem Benehmen und leichten Marotten, was die stoische Gleichförmigkeit seines Tagesablaufs anging. So inspizierte er nicht mehr wie früher ständig die Grundstücksgrenzen sowie das Territorium außerhalb des Jägerzauns, behielt aber alles im Blick und duldete keine Eindringlinge. „Frisst er denn nicht mehr?“ Horst Breschke sah mich ganz verwundert an. „Natürlich“, antwortete er. „Jeden Morgen eine Dose Wuffi, die Hundedrops hier aus der Schublade, und dann, was sich so ergibt.“

Unsere Unterhaltung hatte Bismarck nicht im Geringsten gestört. Immerhin schlug er kurz die Augen auf, als wir den Raum betraten. Es war ernst. Schließlich gab es im ganzen Haus nur einen diesen einen Platz, den Fernsehsessel, den außer Breschke niemand besetzen durfte, weder seine Gattin noch die Tochter, falls sie einmal zu Besuch kam. Dieser Hund, dessen Hauptbeschäftigung das Heimsuchen fremder Gärten bei Blumen- und Gartenzwergbefall war, hatte es sogar schon geschafft, dass sein Herr und Fütterer die Stimme gegen ihn erhob, wenn der Platz neben dem Beistelltischchen nicht frei war. Es war also wirklich ernst.

„Frühjahrsmüdigkeit?“ Breschke schüttelte den Kopf. „Wenn ich mit der Zeitung durch bin und die Leine hole, läuft er ja immer schon zur Tür vor, und ich muss nur noch aufschließen.“ „Bewegung ist ja gut und schön“, befand ich, „vielleicht bekommt er gerade nicht ausreichend davon?“ Er zog die Stirn missbilligend in Falten. Sollte er es so verstanden haben, dass seine eigene Passivität den vierbeinigen Freund zur Erschöpfung getrieben hat? „Wenn wir wieder zu Hause sind, mag er kaum noch mit in den Garten kommen.“ Ein kurzer Blick aus dem Fenster auf die Terrasse verriet mir, dass der Rasen seit gut einer Woche nicht mehr gemäht worden war. Ob das an der Frühjahrsmüdigkeit lag, vor allem: an wessen Frühjahrsmüdigkeit, ließ sich indes nicht so einfach feststellen.

Ich stellte meine Tasse auf den Küchentisch. „Es ist gerade so schönes Wetter, wir sollten uns mal den Bewuchs hinten am Wall anschauen.“ Breschke nickte widerwillig; zwar hatte er mich bereits vor Wochen gefragt, wann ich für ihn mit allerlei Gerät hinter dem Rosenbeet herumwerkeln würde, aber seine Lust schien deutlich gemindert. „Heute soll es ja noch regnen“, wandte er zaghaft ein. „Wir haben kurz nach zehn Uhr“, informierte ich ihn, „so lange werde ich sicher nicht für eine erste Einschätzung brauchen.“ Unwillig zog Breschke sich eine Jacke über den Strickpullover, setzte seinen Hut auf und schritt zur Kellertreppe. „Ziehen Sie Handschuhe an“, riet er mir, „die liegen auf der Stellage…“ „… neben der Tür“, vollendete ich. Schließlich hatte ich sie extra in meiner Größte gekauft und gleich hier verstaut, um sie nicht jedes Mal mitzubringen. Die Eisentür quietschte beim Öffnen, wir steigen sieben Stufen auf der Außentreppe hoch und standen hinter dem Bungalow. Es ging ein leichter Wind. Hier und da guckten noch Winterlinge aus den Beeten.

„Im Herbst müsste man dann den Feuerdorn mal kräftig stutzen“, erläuterte Herr Breschke. „Das war ja letztes Jahr schon ein Problem, aber man kommt eben zu nichts.“ Ich blickte auf den Rasen. „Das kann man wohl sagen.“ Die Grasnarbe war schon bucklig, Moos hatte sich angesammelt, es musste dringend vertikutiert werden. Unter der Hecke, die die Einfahrt vom Nachbargrundstück schied, wuchs allerlei Unkraut. Die Ritzen zwischen den Platten auf der Terrasse ließen leises Grün erahnen. Mitten auf dem Rasen lag wie hingegossen der Hund, regte sich nicht und blickte ins Leere. „Also ich habe ihn bisher nicht einfach rausgekriegt“, sagte Breschke verwirrt. „Wie haben Sie das gemacht?“

„Spielen Sie doch mal ein bisschen mit ihm“, riet ich, „jeden Nachmittag eine Viertelstunde an der frischen Luft tut sicher auch ihm gut.“ Er stutzte wieder; hatte er wieder gehört, er selbst sei nicht genug in Bewegung? „Ich habe nämlich kürzlich in einer Zeitschrift gelesen, dass Hunde regelrecht zu Depressionen neigen können, und da wollte ich mal bei Doktor Witzky…“ „So weit sind wir ja nun doch noch nicht“, unterbrach ich ihn. „Und selbst wenn, da hilft erst einmal Zuwendung und viel Zeit mit der richtigen Beschäftigung, sonst ist das… –“

Keiner von uns beiden hatte es gehört. Wie der Blitz schoss Bismarck durch den Garten und sprang wild kläffend am Zaun hoch. Ein grau getigerter Kater saß da oben, fauchte und hieb mit der Pfote nach dem Dackel, der todesmutig sein Revier gegen den Eindringling verteidigte. „Frühlingserwachen“, konstatierte ich. „Er braucht ganz einfach etwas mehr Abwechslung, also unternehmen Sie öfter mal etwas mit ihm.“ Breschke nickte. „Das hilft dann bestimmt auch gegen Frühjahrsmüdigkeit.“





Süßes Leben

14 04 2026

„… und Steuern für sinnvoll halte, um kostspielige Folgeerkrankungen des Trinkens und Rauchens zu kompensieren. Auch sehe der Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen Blatt eine Zuckersteuer als richtiges Instrument zur Regulierung im…“

„… sich vehement gegen die Einführung von Strafsteuern ausgesprochen habe. Wenn etwa die obere Mittelklasse mit Milliardenvermögen im zweistelligen Bereich Abgaben als Buße für ihre Leistungsbereitschaft empfände, fürchte Merz eine Kapitalflucht von mindestens…“

„… die Altparteien wie CDU und SPD das Volk grundsätzlich in seiner Freiheit einschränken und finanziell ausnehmen wollten. Kubicki habe die freie Entscheidung jedes Bürgers betont, sich durch Alkohol, Nikotin oder…“

„… sei es für die Bundesregierung kein Grund, Zuckersteuern einzuführen, nur weil andere Staaten ihre Bürger damit bestrafen würden. Es sei für Merz als Befürworter von Menschenrechten schlimm genug, dass Deutschland das einzige EU-Mitglied sei, das nicht vom allgemeinen Tempolimit…“

„… befürworte Linnemann generell Verbote, die zur Bestrafung von Suchtverhalten benutzt werden könnten. Es müsse jedoch sichergestellt werden, dass diese ausschließlich für nicht leistungsbereite Bürger, die ihren Konsum auf Kosten der …“

„… generelle Steuererhöhungen für ein gutes Lenkungsmittel halte, wenn andererseits auch generelle Steuersenkungen dadurch bezahlt würden. Söder wolle mit einem Modell zur Senkung der Erbschaftssteuer, das andererseits durch Steuern auf Cannabis, das allerdings trotzdem verboten werden müsse, um keine kriminellen…“

„… mit Sicherheit verfassungswidrig seien. Für Reiche stelle die faktische Einschränkung des Verkaufs von Alkohol und Tabakwaren eine nicht mit der im Grundgesetz verankerten Staatsform des Kapitalismus dar, die keiner Prüfung vor dem Bundesverfassungsgericht…“

„… der Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Rainer mit einer Steuer auf Alkohol und Zucker einverstanden sei. Er lege aber größten Wert darauf, dass sämtliche Einnahmen zweckgebunden wieder zur Förderung an deutsche Winzer und Zuckerrübenproduzenten ausgeschüttet würden, um den Wirtschaftskreislauf nicht zu…“

„… halte Reiche es für gefährlich, damit den Verkauf zucker- und alkoholfreier Erzeugnisse zu ermöglichen, die vom Verbraucher danach erst mit wesentlich höheren Dosen von nicht versteuertem Zucker zu einem gesundheitlich noch viel…“

„… könne Söder beim Genuss von Zucker und Alkohol nach landläufiger Einschätzung kein Suchtverhalten konstatieren, da diese sich durch Verbote nicht wirksam…“

„… müsse man bei der Lenkungswirkung von Strafabgaben viel früher ansetzen. Linnemann sehe in der 100%-igen Besteuerung der Grundsicherung, die ein süßes Leben verspreche, eine gut geeignete Abschreckung zur erzieherischen…“

„… sich bei der Suchtprävention weiterhin als Partner der Versicherten zeigen müssten. Warken halte es aber angesichts der Auswahlmöglichkeiten unter 110 gesetzlichen Krankenkassen für denkbar, dass eine Zuckersteuererstattung als Wahlleistung für die…“

„… dem CSU-Vorsitzenden widerspreche, wenn er Steuern auf sämtliche Drogen erheben wolle. Kubicki fürchte, dass sich in seinem Freundeskreis die Zahl der Privatinsolvenzen durch steigende…“

„… das gesamte System der Krankenkassen sich dadurch in Gefahr befinden würde. So fürchte der Unionsexperte für steigende Beiträge, plötzlich verschwundene Rücklagen und Vermögensdelikte Spahn, dass bald Arme und Alte in die privaten Kassen wechseln würden, um keine Steuern zu…“

„… die Lenkungswirkung auf sämtliche Bereiche ausweiten müsse. Da nach Söders Ansicht bald Erwerbslose anderen die Jobs wegnehmen könnten, um arbeitssüchtig zu werden, müsse man Erwerbsarbeit im Vergleich zu Vermögen noch sehr viel höher…“

„… sich nun auch Klöckner in die Debatte einbringen wolle. Die Bundestagspräsidentin habe in einer von Nestlé veröffentlichten Studie gelesen, dass deutsche Kinder nur etwa zehn Prozent der von ihren Lebensmittelforschern empfohlenen Tagesdosis zu sich nehmen würden, was auf eine eklatante Untervorsorgung schließen lasse. Die CDU dürfe daher durch eine ungerechte Steuer nicht die gesunde, süße Ernährung verhindern, die besonders im Säuglingsalter alternativlos und…“

„… wegen des Nichtgebrauchs juristisch als analog zur Steuerhinterziehung betrachte. Für Merz sei die Ablehnung von Alkohol als Teil deutscher Leitkultur ein wesentliches Merkmal migrantischer Parallelgesellschaften, die in einem Rechtsstaat so nicht mehr straflos…“

„… auch das Scheitern der Regierungskoalition in Kauf nehmen würde, um weitere Abgaben gegen die Interessen der Bürger zu verhindern. Söder ahne bereits die Hetz- und Lügenkampagne der Grünen für eine Fleischsteuer, so dass sich der einfache Arbeiter mit einem Bruttogehalt von weit unter einer Million Euro seine Leberkässemmel bald nur noch einmal pro…“

„… die Vorschläge der SPD zurückgewiesen habe, durch eine dauerhafte Erhöhung der Steuern auf Mineralölerzeugnisse den Autoverkehr zu vermindern und Verkehrstote zu vermeiden. Reiche sei dabei jedoch auf Kritik gestoßen, da sich der Kanzler nicht an ihre…“





Aussage gegen Aussage

13 04 2026

„Selbstverständlich stimmen wir Ihnen als die gewählte und amtierende Bundesregierung zu, dass die Lage sehr schwierig, teils sogar komplex ist, so dass wir jetzt unverzüglich überlegen müssen, ob es von unserer Seite zu Handlungen kommen sollte, die sich mit dieser teils komplexen, andererseits sogar sehr schwierigen Lage befassen, und darüber hinaus muss in Erwägung gezogen werden, ob eine rein innenpolitische Antwort auf die doch jetzt sehr komplexen Problematiken… – Müssen Sie mich unbedingt jetzt unterbrechen?

In dieser Lage, in der wir uns befinden, und das gilt natürlich zunächst auch für die Wirtschaft, ist es von allerhöchster Dringlichkeit, dass wir jetzt keine übereilten Entscheidungen treffen, die sich als rein innenpolitische Anordnungen erweisen würden, für die wir als Bundesregierung selbstverständlich die volle Verantwortung erst übernehmen, wenn wir das als richtig erörtert und so beschlossen haben, dass es auch den Weg durch die Gremien, in denen sich erfahrungsgemäß noch viele Sachfragen, die auch in der kürze der Zeit genau geklärt werden müssen, ergeben, gehen kann und dann letztendlich zu einer durchgreifenden Lösung kommt, wie sie bereits in den Ausschüssen angemahnt wird, die sich mit den relevanten Sachthemen eingehend befasst haben. Sie lesen dann rechtzeitig davon in der Presse.

Aktuell können wir Einzelthemen wie den Kontakt zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika nicht eingehend beurteilen, da wir auf die Aussagen des Bundeskanzlers angewiesen sind und davon ausgehen, dass er seine Aussagen und die des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika nicht beurteilen kann. Es könnte also auch sein, dass er die Aussage, er wolle die Vernichtung einer Zivilisation zwar nicht unterstützen, aber sie wegen des möglicherweise sehr schwierigen, teils sogar komplexen Sachverhalts nicht zu vorschnell beurteilen oder ablehnen, auch auf die Deutschen bezogen hat, wobei hier die Wirtschaft sicher erst in zweiter Linie gemeint sein könnte, aber so genau ist das natürlich noch nicht zu sagen. Das ist ja so eine Aussage gegen eine Aussage, und da müssen wir in außenpolitischen Zusammenhängen sehr vorsichtig sein, weil der Bundeskanzler hier für seine Worte direkt verantwortlich gemacht werden kann, und das will ja keiner.

Wir können daher dann erst eingreifen, wenn das Tanken noch teurer wird. Wie teuer, das muss sich erst zeigen – wir sind ja die Bundesregierung, keine Hellseher. Darum können wir auch noch nicht sagen, wann wir eingreifen, weil das ja immer mit den Ressorts abgestimmt werden muss, und die sind meist entweder nicht im Bild, haben keine Ahnung oder eine eigene Meinung, was ihnen ja zusteht, da wir immer noch Meinungsfreiheit haben. Das wird aber rechtzeitig angekündigt, darauf kann man sich bei der Bundesregierung, insbesondere auch beim Bundeskanzler, verlassen. Dass er ankündigt, dass er etwas ankündigt, was dann auch ankündigt wird.

Außerdem befindet sich die Bundesregierung hier in einem Verfassungskonflikt. In Artikel 1 des Grundgesetzes ist zwar ein Recht auf billiges Benzin verankert, aber eben auch das Recht auf immer schneller immer höher wachsende Vermögen ohne menschenrechtswidrige Verbrechen wie etwa Steuern oder Abgaben, die Milliardären die Würde nehmen könnten. Das ist mit der Pendlerpauschale nicht getan. Damit würden sich Milliardäre auch nicht zufrieden geben. Das werden Sie einsehen.

Die Bundesregierung will jetzt nicht dieselben Fehler machen wie die linksgrüne Ampelkoalition, die damals viel zu schnell gehandelt hat, obwohl kriegsbedingte Lücken in der Energieversorgung nicht im Koalitionsvertrag gestanden haben, was dann zu Steuerausfällen führte. Wir hingegen sind angetreten, um nach einem Wahlkampf, in dem wir die Notwendigkeit von Veränderungen angekündigt haben, die Reformen, die jetzt unausweichlich sind, in aller Deutlichkeit so in Aussicht gestellt haben, dass die Wirtschaft, und für die müssen die Bürger jetzt ja auch wieder viel mehr tun, endlich weiß: es wird schon noch etwas getan worden sein, aber nur nach sehr gründlichen Überlegungen, wer was tun sollte. Dazu gehört auch, dass der Kanzler, der den Sommerurlaub der linksgrünen Ampel als bösartige Missachtung der Wirtschaft, und letztlich ja auch der Bürger, die noch nichts tun, jetzt noch einen Tag an seine Osterferien angehängt hat. Aber das hatte er vorher angekündigt, also machen Sie daraus kein Drama. Es ist ja nicht passiert in der Zwischenzeit.

Wir müssen uns als Bundesregierung, die für die Bereitschaft gewählt wurde, Reformen für dieses Land, das auch als Wirtschaft, die wir nicht mit höheren Ansprüchen an Lebensqualität oder das, was selbst ernannte Demokraten, die in der Wahl ihrer Mittel ja inzwischen weit über das, was wir als Bundesregierung nicht mehr dulden können, weil es nicht im Koalitionsvertrag steht, und es liegt nicht an uns, dieses Zweckbündnis, das wir freiwillig mit denen geschlossen haben, die uns als Deutsche in diesem Land, das unser Deutschland ist, und das lassen wir uns nicht von denen nehmen, die darauf hingearbeitet haben, uns Leitkultur, Wohlstand und die Wirtschaft, für die wir alles auf uns nehmen!

Wenn die deutschen Bürger, die bei der letzen Wahl Feinde des Deutschtums gewählt haben, die diese gewählte und amtierende Bundesregierung an der Amtsführung hindern wollen, die uns hier und heute, sagen wir trotzdem: unsere Verhandlungen mit Mullahs und Taliban sind jetzt nötiger denn je. Die Abschiebungen müssen weitergehen, oder sollen Ihnen Ausländer weiterhin Zahnarzttermine wegnehmen?“





Abendlied

12 04 2026

für Robert Gernhardt

Der Mond ist aufgegangen.
Das ist ja sein Beruf,
und das kann auch verlangen,
wer ihn dazu erschuf.

Es soll uns nicht verleiten,
nicht Mann, nicht Weib noch Kind,
dass Selbstverständlichkeiten
zu hinterfragen sind.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DCCLXXXIX)

11 04 2026

Es fiel auf Joe in Forty Fort
ein schlimmer Verdacht: Meuchelmord!
Ihn konnte nur retten,
dass er Zigaretten
zur fraglichen Tatzeit geschnorrt.

Es ließ Árpád sich in Deutschhütten
beim Tanz gern von den Damen bitten.
Er tanzte vorzüglich
und fand es vergnüglich,
dass sie heftig sich um ihn stritten.

Glenn sitzt abends oft in North East
am Feuer, wo er Zeitung liest.
Trotz seines Monokels
riecht er des Gekokels,
was Lesen und Feuer vermiest.

Als Amtsvorstand locht György in Acker
wohl hundert Blatt stündlich. Recht wacker
sieht man ihm zu, wie er
mit dem Schraubenzieher
Papier schichtet wie mit dem Tacker.

Es musste sich Nancy in Creighton
mal wieder um Stunden verspäten,
da sie vor der Uhr saß,
und mit einer Schnur maß,
wie schnell sich die Zeiger just drehten.

Es ist Pater Ernő in Kirment
bei Kindern stets mild und beschirmend,
bei schweren und leichten
Gebeten, beim Beichten,
oft segnend und singend und firmend.

Bei Mike, John und Ringo in Fullerton,
die heimlich ins Hallenbad pullerten,
färbt sich’s sofort grünlich,
als Hinweis sachdienlich,
worauf manche Tränen dann kullerten.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DCCCIX): Die Parallelgesellschaft der Superreichen

10 04 2026
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die Romantik hat ganze Arbeit geleistet. Da ist der Ritter auf dem stolzen Ross, in schimmernder Wehr, wie er Abenteuer sucht, Minnelieder klampft und nebenher Witwen und Waisen von dem Bösen schützt. Am Arsch. Der Adel, zumal aus den älteren Geschlechtern, hatte über viele Jahrhunderte nichts Besseres zu tun, als Bauern und Pilger auszurauben, Frauen zu schänden, von der ergaunerten Kohle Burgen in die Landschaft zu klotzen und von den durchreisenden Händlern Wegezölle in beliebiger Höhe abzuzocken. Und das nicht in herrschaftlicher Umgebung, in prunkvoll geschmückten Sälen oder an höfischer Tafelrunde, sondern in begehbaren Kloaken mit Schweinezucht im Erdgeschoss und offener Kohleheizung. Warum hören wir noch heute mit kugelrunden Augen zu, wenn Großfürst Emil der Ausgestopfte die Prinzessin Popeline von Dings zu Bums ehelicht, mit der er um ein paar Ecken eh aus dem gemeinsam gepinkelten Genpool stammt? Was macht diese Traumwelt, die in jeder dämlichen Märchenverfilmung klischeetreu aufpoppt, zu einer ultimativen Parallelgesellschaft? Haben wir nicht schon genug von der Sorte?

Zum Beispiel die der Superreichen: abgeschottet von der Mehrheit der 99,9999%, abgehoben in ihrer Gier, die sie den Rest der Welt wie ein langweiliges Computerspiel durchdaddeln. Wenn sie etwas daran interessiert, dann die Möglichkeit zum spektakulär bekloppten Auftritt und zur hirnverbrannten Idee. Autos in die Umlaufbahn katapultieren, zum Mars fliegen, ganz Venedig für eine Disney-Hochzeit als privaten Mülleimer mieten, nichts ist dem Pack zu peinlich, ihre Hybris damit lautstark zu inszenieren.

Sie haben ihre Vermögen nicht erarbeitet, sie haben geerbt, durch Spekulation, Erzwingen von Standards und Plünderung von Ressourcen nach libertärem Muster – Gewinne werden privatisiert, Kosten sozialisiert – in weltweitem Stil und ohne Rücksicht auf die Verluste der anderen. Sie wollen die Erde brennen sehen, weil sie es können. Regeln gelten für sie nicht. Sie bedienen sich allenfalls der Ausnahmen, die ihr Geld kauft. Sie destabilisieren ihr eigenes System, aber für jemanden, der so viel Geld hat, sind die Schwankungen, die längst auch die Mittelschicht in Armut und Krankheit wirft, eine amüsante Vibration der Börsenkurse.

Natürlich hat der Staat genug Mittel, sie in die Schranken zu weisen. Man besteuert ihr Vermögen, kontrolliert ihre Firmennetzwerke mit Werkzeugen des Kartellrechts, sieht ihnen auf die Finger, wo sich Korruption oder Einflussnahme auf die Politik offenbaren, und man lässt sie vor dem Richter die Hacken zusammenschlagen, wenn sie ihre Steuern hinterziehen. Ihre Ausbeutung, die sich bis in den privaten Rahmen fortsetzt, die gewohnheitsmäßigen Umweltstraftaten, die bei jeder Benutzung von Luxusjachten und Privatjets an der Tagesordnung sind, Erpressung und Betrug, was auch immer in dieser Dreckschicht zum guten Ton gehört, um die Exklusivität zu erhalten, werden mit drakonischen Strafen und sozialer Ächtung geahndet. Eben noch Supermilliardär mit dem Hang, Dienstmädchen zu vergewaltigen, jetzt schon Langzeitinsasse in einer Einrichtung, die kostengünstig ohne das lästige Resozialisierungsgedusel auskommt. Wir müssen nur wollen.

Allein sie wollen nicht, denn sie tanzen uns auf der Nase herum. Sie kaufen Regierungen und ganze Volkswirtschaften, lassen Länder verarmen und in Infektionswellen versinken, weil der Profit für die gängigen Arzneimittel immer noch etwas höher sein könnte, und schließlich kaufen sie Kinder, die sie benutzen und wegschmeißen. Sie lassen gekaufte Politiker und ökonomisch interessante Opfer an der Widerlichkeit ihres entmenschten Verhaltens und an der nicht abwaschbaren Schuld teilhaben, wie man jemandem Drogen spendiert, um ihn an die Nadel zu kriegen. Die Grenzen dieser Parallelgesellschaft laufen, der Name sagt es, nie so, dass irgendwo eine Überschneidung zu erwarten wäre. Das Recht, wie es die zivilisiert verfassten Gemeinschaften kennen, spielt hier keine Rolle, nicht einmal die eines dreist verschwiemelten Zerrbildes, das zum Scheingefecht mit der realen Welt taugt. Wir lassen sie gewähren, kontrollieren sie weniger als einen Armen, der von Transferleistungen überleben muss, und lassen uns von ihnen auf der Nase herumtanzen wie von einem verzogenen Drecksbalg, dem Diener hinterräumen. Und dann gaukeln sie uns noch durch ihre Medien – wir nutzen sie alle, sie gehören nur inzwischen ihnen – dieses antisoziale Verhalten als Erfolgsstory vor, damit der Normalverbraucher, einem Bettler unter der Brücke näher als einem Einfachmillionär, ihre Fresslust als Vorbild verteidigt.

Es gäbe einen Ausweg, die Geschichte hat ihn an entscheidenden Wendepunkten gewählt, um sich dieser apokalyptischen Zersetzung zu erwehren. Multimilliardäre brauchen die Gesellschaft, um von ihr zu leben. Umgekehrt sieht die Sache schon ganz anders aus. Wie blutig es verläuft, sehen wir dann. Eine Enteignung und die Abschaffung des Adels, in welcher Form auch immer, wäre ja durchaus drin. Man müsste nur das geltende Recht der Mehrheit anwenden. Dazu ist es unter anderem auch da. Alles andere können wir uns nicht mehr leisten.





Der Preis ist heiß

9 04 2026

04:03 – Ein silbergrauer SUV fährt langsam über die Ausfahrt der ÖRÖL-Tankstelle am Hermann-Klönzkes-Ring auf den Platz vor der Autowaschanlage. Das Motorengeräusch erstirbt, die Scheinwerfer verlöschen. Gilbert D. (38) steigt aus dem Fahrzeug. Mit seinem Smartphone schießt er ein Foto der beleuchteten Preisanzeige: Diesel 2,459 Euro, Super E10 2,259 Euro pro Liter. Er geht wieder zu seinem Wagen. Dieser Tag wird noch lang sein.

04:23 – Taxifahrerin Gundemarie Z. (49) zapft an der 1 dreißig Liter Diesel, zahlt mit Tankkarte und verlässt zügig wieder das Gelände. Unterdessen hat Kassenkraft Merle G. (27) das Fahrzeug vor der Waschstraße entdeckt. Sie ist noch unschlüssig, da sie bis sechs Uhr alleine das Geschäft führen muss.

04:31 – Da zu dieser Zeit normalerweise kaum Kunden zu erwarten ist, geht G. kurz vor die Tür und beobachtet das Fahrzeug im Dunkeln. Nichts regt sich im Inneren. Vielleicht handelt es sich doch nicht um einen Überfall.

04:44 – Am Straßenrand vor der Tankstelle hält ein Mittelklassewagen. Christian L. (44) steht halb auf dem Radweg, daher schöpft niemand Verdacht.

05:02 – Die schwarze Limousine der 3er-Reihe rollt unbeleuchtet und im Schritttempo die Ausfallstraße entlang. Direkt gegenüber der Tankstelle bremst Ahmet T. (23) den Viertürer geschmeidig ab, lässt aus Gewohnheit einmal kurz den Motor aufheulen und stellt dann die Maschine aus.

05:19 – Ein älterer Transporter kommt auf der Gegenseite angefahren. Karlheinz P. (66) parkt das weiße Fahrzeug, auf dem unschwer die Aufschrift Puhlheimer Sanitär zu erkennen ist, direkt vor dem bayerischen Sportfabrikat. P. kurbelt die Seitenscheibe der Fahrertür herunter, schnipst eine Zigarette hinaus und starrt auf die beleuchtete Anzeigetafel mit den Kraftstoffpreisen.

05:21 – Zur Sicherheit setzt T. sein Auto um einen Meter zurück. Er will nicht riskieren, bei einem plötzlichen Wendemanöver wertvolle Sekunden zu verlieren.

05:24 – P. zündet sich eine weitere Zigarette an. In einem unerwarteten Moment dreht er den Schlüssel im Zündschloss herum, legt den Rückwärtsgang ein und setzt bis auf zehn Zentimeter zur Motorhaube von T.s Wagen auf. Ein heiserer Wutschrei ertönt hinter der getönten Windschutzscheibe.

05:35 – Plötzliche Hektik auf dem Gelände. Ein roter Kleinwagen fährt an Säule 3. Martin V. (31) steigt aus, betritt das Ladengeschäft und kauft einen Becher Automatenkaffee. D.s Finger krampfen sich ins Lenkrad. W. nimmt die Unruhe jedoch nicht zur Kenntnis. Er steigt in sein Auto, fährt zur Ausfahrt und biegt in Richtung Gewerbegebiet ab.

05:44 – Auf seinem Motorroller knattert Tilman K. (25) die Straße entlang. An der Einfahrt der Tanke hält er an, rollt mit verminderter Geschwindigkeit am Ladeneingang vorbei und stellt das Zweirad auf der hinteren Parkfläche ab, bevor er durch eine blau lackierte Stahltür mit der Aufschrift Nur für Personal das Geschäft betritt. Er löst G. ab. Die Frühschicht beginnt.

05:58 – Ein bis wenige Millimeter über den Asphalt tiefergelegter Roadster bajuwarischer Provenienz legt eine kreischende Vollbremsung auf der linken Spur hin. Der Beifahrertür des Wagens entsteigt Yeşim S. (22), wie immer von ihrem Freund erst unmittelbar vor Schichtbeginn gebracht. Aus den Bassboxen lässt die CD Schranzzz Atttakkk Vol. XIV die Scheiben der Fahrzeuge im Sichtbereich rhythmisch vibrieren. Murat R. (30) wartet, bis S. den Eingang erreicht hat. Dann lässt er simultan zur Lichthupe den 550-PS-Motor im Stand aufheulen und jagt knapp fünfzig Meter bis zur roten Lichtzeichenanlage vor dem Kreisverkehr.

06:00 – Panische Blicke bei L. Der Super-Preis muss unbemerkt auf 2,258 gefallen sein. Hektisch rechnet er durch, ob sich jetzt bereits eine neue Tankfüllung lohnen würde. Zur Vorsicht hatte L. am Vorabend mit Hilfe eines Schlauchs den Kraftstoff bis auf einen kleinen Rest entfernt und durch einige Kilometer Fahrt in die benachbarte Ortschaft samt Rückweg für ausreichend freies Volumen gesorgt.

06:12 – Ruckartig setzt T. sein Fahrzeug um einen Meter zurück. Das hässliche Knirschen kurz vor dem abrupten Stopp erklärt sich aus der hektischen Lenkbewegung, die den Wagen in Unwucht bringen und für kurzen, aber nachhaltigen Kontakt von zwei Sportfelgen und dem Kantstein sorgen.

06:16 – P. wirft eine weitere Zigarette aus dem Fenster. Er hat den minimalen Preisrutsch aus der Tafel verfolgt, nimmt ihn aber teilnahmslos zur Kenntnis. Sein Kastenwagen schluckt Diesel.

06:29 – Für jähe Bewegung sorgt das Umspringen der Anzeige auf 2,249. D. wischt sich den Schweiß von der Stirn. L. sucht hektisch nach dem Smartphone und öffnet die App, um im Falle eines plötzlichen Bezahlvorgangs gerüstet zu sein.

06:51 – Kerstin M. (47) fährt an Säule 1 heran und startet den Tankvorgang. Der Kraftstoff fließt nicht wie vorgesehen in die dazu konstruierte Öffnung, so dass sie das Manöver abbricht und zur Kasse geht.

06:54 – D. wird von einer Panikattacke geschüttelt. Er hält sich am Sitz fest und atmet schwer. Was, wenn gerade jetzt die Vorräte zur Neige gehen?

06:56 – K. begleitet die Kundin zur Säule. Auch er kann nicht wie beabsichtigt den Wagen mit Benzin betanken, es handelt sich um einen technischen Defekt. Da jedoch Säule 2 einwandfrei funktioniert, ist M. nach kurzer Zeit zufriedengestellt.

07:00 – Ein nagelndes Geräusch verkündet den Start von P.s Transporter. Aufreizend langsam setzt er den Wagen zurück, genau vor die Schnauze des 3ers. Die sich vor Wut überschlagende Stimme von T. bestätigt seine millimetergenaue Lenkleistung.

07:15 – S. läuft einmal quer über das Gelände und klopft an die Scheibe von D.s SUV. Dieser stellt sich taub, so dass S. kräftig mit der Faust gegen die Fahrertür hämmert. Keine Reaktion. S. wird dem Kollegen mitteilen, dass sie nicht wie von der Geschäftsleitung gefordert den Kunden nach seinen Wünschen befragen konnte.

07:28 – Jens N. (42) fährt schneidig direkt auf die Zapfsäulen zu und kommt dort mit seinem Cabrio zum Stehen. Nonchalant steigt er aus, winkt zu den anderen wartenden Fahrern herüber und schlendert über den Grünstreifen auf den Gehsteig.

07:38 – Achtsam rollt T. mit seinem fahrbaren Ding bei leichtem Linkseinschlag um gut einen Meter zurück. Das Motorengeräusch erstirbt, er steigt aus und nimmt die deutlichen Spuren an den Felgen in Augenschein. Es ist kein schöner Anblick.

07:55 – Die Halterfeststellung ergibt, dass N. in zwanzig Tankstellen im Umkreis von mehreren hundert Kilometern Hausverbot hat. Offenbar hatte er schon mehrmals versucht, einen freien Platz an der Zapfanlage widerrechtlich zu besetzen. S. ruft die Polizei.

08:00 – Jetzt kommt Bewegung in die Sache: 2,244, immerhin ein halber Cent nach unten. L. überschlägt die Ersparnis und bezieht die Prognosen für bevorstehende Preiserhöhung sowie die Anstiege der vergangenen Tage mit in seine Annahmen ein. Bei 2,229 wird er zuschlagen. Definitiv.

08:03 – Ein Streifenwagen hält vor der Ladentür. Während Polizeihauptmeisterin Kati E. (33) N.s Auto in Augenschein nimmt, lässt Polizeimeister Sören W. (35) sich von S. und K. den Sachverhalt schildern. Der nach wie vor auf dem Radweg parkende L. wird von E. ermahnt, seinen Wagen an anderer Stelle abzustellen. Da er aussagt, zur Tatzeit gerade über den Sinn des Lebens nachgedacht zu haben, kann er nicht zur Sache befragt werden. W. bestellt einen Abschleppwagen für das Cabrio.

08:11 – D. hat die Anwesenheit der Beamten an der Tankstelle ängstlich beobachtet. Er hat sich in den Fußraum des Fahrersitzes geduckt, so dass der SUV wie ein Kundenfahrzeug vor der Waschanlage wirkt und nicht die Aufmerksamkeit von E. erregt, die gut zehn Meter entfernt das Fahrzeug mit dem offenem Verdeck auf Spuren untersucht.

08:23 – Quasi zeitgleich treffen sowohl N. als auch das Einsatzfahrzeug des Abschleppdienstes ein. Für Oldřich H. (56) ein lukrativer Auftrag, den er gerne annimmt. Alle Versuche von N., sein Cabrio vom Hebezeug zu entfernen, stoßen bei H. auf Ignoranz. Weder ein 50-Euro-Schein noch die Drohung, ihm die Mafia auf den Hals zu hetzen, bringen ihn vom Vollzug ab. N., der sich weigert, sich gegenüber den Beamten auszuweisen, tritt schließlich gegen ihr Streifenfahrzeug und spuckt nach PHM E., die ihn mit einer gezielten Drehung seiner Schultergelenke bäuchlings auf den Betonboden befördert. Er wird zur erkennungsdienstlichen Behandlung nach §81b StPO auf das Polizeikommissariat 14 in der Max-Mörkel-Allee verbracht.

08:42 – Ein plötzliches Blinken auf der Anzeige, gefolgt von sekundenlangem Verlöschen der Ziffern und einem diffusen Pixelsalat lösen bei L. einen Anfall von Kammerflimmern aus. Leider haben die Preise sich nicht verändert.

08:44 – Höhnisch wirft P. den Motor an. Der Diesel tuckert einige Minuten lang vor sich hin, bis durch zu viel Luft in der Einspritzung der Wagen röchelnd versuppt. P. schlägt voll Zorn auf sein Lenkrad, was das Kraftstoffsystem auch nicht wieder in Gang bringt. T. betätigt den Fensterheber. Er lehnt sich nach draußen und fragt hämisch, ob P. ihm ein klopffestes Steuerrad empfehlen kann.

08:46 – Super E10 springt völlig unerwartet auf 2,219 Euro pro Liter. Wie im Rausch betätigt L. den Anlasser. Es orgelt und orgelt. Der Wagen bewegt sich nicht. Dazu stellt L. fest, dass der Akku seines Telefons inzwischen den Dienst quittiert hat und er weder Bargeld noch eine Karte mit sich führt.

08:50 – Kein anderer Fahrer ist bereit, L. mit einer kurzzeitigen Finanzspritze auszuhelfen, damit der wenigstens einen Kanister und einige Liter Benzin kaufen kann. Auch seine Uduschi-Armbanduhr mit Goldimitatauflage kommt als Tauschmittel nicht in Betracht. Der Traum ist aus.

09:04 – D. verlässt sein Fahrzeug. Er läuft unauffällig zum Ladenhäuschen, wo er einen Hut auf die blond gelockte Perücke setzt, mit der ihn niemand erkennen soll. S. argwöhnt, dass sie ihn schon einmal gesehen haben muss, kann sich aber nicht mehr an ihn erinnern. D. geht mit zwei XXL-Bechern Espresso zurück zu seinem SUV.

09:17 – Immerhin hat K. dem unglücklich auf dem Radweg gestrandeten L. erlaubt, vom Festnetzgerät im Büro aus seine Ex-Freundin Cindy A. (24) um Hilfe zu bitten. Sie erinnert ihn daran, dass er ihr noch knapp 2.000 Euro schuldet. Das Telefonat ist nach wenigen unschönen Gesprächszügen vorbei. L. setzt sich wieder ins Auto und wartet auf Godot.

09:29 – Im Handstreich startet T. den Motor, schlägt das Steuer voll ein uns setzt sich mit einem riskanten Fahrmanöver direkt vor P.s Transporter. Der Blick auf die Anzeigetafel und der Weg zum Angriff auf die Zapfsäulen sind wieder frei.

09:43 – Meinrad J. (47) stoppt genau gegenüber der Tankstelleneinfahrt, um den Heimwerkermarkt Hammer & Farbe zu besuchen. Dabei stellt er seinen Kombi genau hinter den weißen Transporter von P., der damit so eingekeilt ist, dass dieser nicht mehr ausparken kann. Bevor P. dieser Zwangslage gewahr wird, ist J. über den Parkplatz im Geschäft verschwunden.

09:55 – Mit einem altmodischen Blechbehältnis betritt Henriette C. (79) die Tanke, zapft an Säule 2 und geht in den Laden, um zu bezahlen. Der Kanister bleibt derweil neben der Säule stehen, bis L. gebückt aus dem Auto huscht, ihn ergreift und mit ihm zurückkehrt. Die alte Dame versieht sich keines Irrtums und geht mit einer Tageszeitung und einer Eistüte ihres Wegs.

10:00 – Während sich der Super-Preis fast erwartbar auf 2,209 Euro senkt, schreitet L. zur Tat. Lässig öffnet er die Klappe am hinteren Kotflügel, entfernt den Drehverschluss und gießt den Inhalt des Kanisters in den Tank.

10:18 – D. verlässt kurz den SUV. Die Flüssigkeit muss raus. S. reagiert einen Moment zu spät, sie erreicht das Fahrzeug erst, als er wieder unter einer Plastikplane auf der Rückbank liegt.

10:24 – Es bewegt sich nicht. Auch wenn er sein Fahrzeug bis zur Ausfahrt geschoben und alles unternommen hat, um dem Motor zu starten, will sich das Ding noch immer nicht erfolgreich an der gewünschten Aktion beteiligen. L. schreit, drischt auf diverse Innen- und Außenteile seines Wagens ein und ist sich bisher noch nicht bewusst, was die Betankung eines Benziners mit Diesel an Folgen für den Motorblock hat.

10:36 – Endlich kommt J. mit einem Säckchen Teelichte aus dem Do-it-yourself-Geschäft. Um der Straßenverkehrsordnung Genüge zu tun, schreitet er vor Antritt der Fahrt einmal um sein Automobil und nimmt trotz der engen Parksituation alle relevanten Parkmeter in seine Beobachtung mit hinein. Danach prüft er gemäß des seinerzeit vermittelten Wissens aus der Fahrschulausbildung Wasser, Öl, Licht, Kraftstoff und Elektrizität, bevor er sich startbereit festgurtet.

10:39 – Für das aggressive Verhalten von P. hat J. nach der lauten Ansprache keinerlei Verständnis. Als ranghoher Beamter einer Landesbehörde kennt er zwei Wege, fachliche Kompetenzen zielführend zu diskutieren. Einer davon ist die Eingabe eines Schriftsatzes zur juristischen Prüfung. Nach dem anderen macht er P. unmissverständlich klar, dass er gleich etwas erleben wird, gegen das Hiroshima ein Kindergeburtstag gewesen sein dürfte.

11:01 – D. blickt nun konzentriert auf die Anzeige, deren Leuchtpunkte vor seinen Augen zu tanzen beginnen. Kurz überlegt er, das Radio anzustellen, fürchtet aber, dadurch Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. So bleibt er ins Lenkrad verkrampft sitzen.

11:06 – P. wirft die letzte Zigarette aus dem Fenster und beschließt, die Pole-Position einzunehmen. Er wirft mühsam den Motor an, setzt ein kleines Stück zurück und fährt dann quer über die Fahrbahn. Auf der Auffahrt der Tankstelle rumpelt zunächst das Getriebe. Dann setzt der Antrieb stuckernd aus und der Lieferwagen bewegt sich nicht mehr. P. zieht die Handbremse an. Sein Fahrzeug steht halb auf der Auffahrt, halb auf dem Gehsteig.

11:10 – Die alte Dieselmaschine ist nicht mehr zur Kooperation bereit. Indessen haben sich bereits ein halbes Dutzend weiterer Fahrer auf der linken Spur, ordnungsgemäß auch auf dem Radweg, für eine rechtzeitige Betankung in der letzten Viertelstunde vor dem Preisanstieg in Stellung gebracht. Ab und zu werden Fenster heruntergelassen, um bei P. nach den Plänen zur Beseitigung des Kastenwagens zu fragen. Es gibt seitens der Wartenden Angebote, die Situation zu klären durch Abschleppen des Wagens, Zerlegung vor Ort oder schwere Gewalteinwirkung mittels stumpfer Gegenstände.

11:14 – Heikki Å. (28) bremst sein vollelektrisches skandinavisches Oberklassemodell direkt vor der Einfahrt, da er den Luftdruck in seinen Reifen an der Tankstelle kontrollieren und Wischwasser in den Vorratsbehälter füllen möchte. P. bescheidet den Wunsch, ihn durchfahren zu lassen, abschlägig und fügt noch einige despektierliche Bemerkungen zum Wagen sowie der Frau auf dem Beifahrersitz an. Der baumlange, stämmige Mann, der in Espoo eine Kampfsportschule betreibt, zeigt für die verbalen Ausfälle wenig Verständnis. Kurz danach steigt Iina B. (26) aus. Die mehrmalige finnische Meisterin im Kickboxen spricht Dank eines Germanistikstudiums fließend Deutsch und hat „Dreckschlampe“ gut verstanden. Nach einem unvermittelten Fußfeger hebelt sie ihm den rechten Ellenbogen in die Nase. Vereinzelter Applaus aus der Warteschlange vor der Einfahrt begleitet die Abfahrt der beiden Touristen.

11:26 – Ein Kamerateam des rechtspopulistischen TV-Senders Fake Alien hält vor der Tankstelle. Anchorman Julian V. (44) baut sich vor der Anzeigetafel aus, während Mitarbeiter Jannik J. (23) die Aufnahme vorbereitet. In der Sprechprobe geht V. den Text durch, in dem er Robert Habeck als „Drahtzieher der verjiddelten Weltelite“ und „woken Totengräber der deutschen Herrenrasse“ bezeichnet, der durch explodierende Benzinpreise die „Auslöschung des arischen Autoverkehrs“ und die „Umvolkung der BRD GmbH“ betreibe.

11:33 – E. und W. unterbrechen die Aufnahmen und erteilen den Rechtspopulisten einen Platzverweis. K. hatte die Polizei angefordert, da er V. bereits als Ruhestörer kenne und mehrmals ein Hausverbot gegen ihn ausgesprochen habe. Bei einer Rangelei nennt V. die Polizeihauptmeisterin eine „behinderte Judensau mit der Fettfresse von Ricarda Lang“. W. macht ausgiebig Gebrauch von seinem Schlagstock.

11:44 – Die Autoschlange umfasst inzwischen gut fünfzig Fahrzeuge, die sich hupend für die Freigabe der Einfahrt einsetzen. Da P. nach dem Kontakt mit der jungen Skandinavin nicht mehr aufzufinden ist, scheint die Situation nur durch kollektives Handeln lösbar.

11:48 – Alle Versuche, den Wagen mit angezogener Handbremse zu bewegen, schlagen fehl. Beherzt schreiten nun Zbigniew Z. (27) und sein Bruder Bronisław (25) zur Tat, indem sie den Transporter mit roher Gewalt zum Kippen bringen. Dieser neigt sich und fällt auf die Beifahrerseite, wobei er sich dreht und mit dem Fahrgestell in Richtung Einfahrt zum Liegen kommt. Ein Problem wurde gelöst, ein anderes ist entstanden. Die Wartenden üben Kritik.

11:54 – K. ruft erneut den Abschleppdienst an, muss aber zur Kenntnis nehmen, dass so gut wie alle verfügbaren Kräfte in der Stadt sich derzeit im Einsatz befinden. Auch Telefonate aus dem längst über hundert Autos zählenden Wartekollektiv sind nicht erfolgreicher.

11:57 – T. verliert die Nerven. Die Maschine des 3ers heult auf. Abrupt tritt T. das Gaspedal durch und lenkt den Mittelklassewagen quer über den Hermann-Klönzkes-Ring auf die Tankstelle zu. Da das schleudernde Fahrzeug nach der frontalen Kollision mit dem Bordstein ausbricht und nicht schnell genug abbremsen lässt, sorgt erst die beidseitige Berührung des Unterbodens mit den Waschbetonsteinen um den Grünstreifen der Tanke für eine stabile Auflage, die weitere Schäden an der Karosserie verhindert.

11:59 – Nach längerem Schaukeln in der Fahrgastzelle gewinnt das vordere Fahrwerk wieder Bodenkontakt. T. schießt sofort mehrere Meter nach vorne und prallt mit der Schnauze auf einen der Stützpfeiler, die das Flachdach über den Zapfsäulen tragen. Der Wagen prallt ungebremst gegen die 2. Die Aufbauten der Zapfanlage werden aus der Bodenverankerung gerissen.

12:00 – Völlig unbemerkt springt die Preisanzeige um und weist auf die ab sofort gültige Bemessung für den Kraftstoffkauf hin: ein Liter Diesel kostet 2,599 Euro, für einen Liter Super E10 werden 2,479 Euro verlangt.

12:01 – Durch die plötzliche Geräuschentwicklung ist D. aus dem Tiefschlaf erwacht. Wie in Trance betätigt er den Anlasser, legt den Gang ein und tritt aufs Gas. Schon nach zwei Sekunden kracht sein SUV in die Beifahrerseite von T.s Wagen. Der 3er schleudert dadurch die Reste von Zapfsäule 2 endgültig zur Seite. Beide Fahrzeuge bleiben einen Augenblick lang stehen. Die Motoren ersterben.

12:02 – Eine gewaltige Detonation zerreißt die Mittagsstille. Das austretende Autogas, das sich in Sekundenbruchteilen entzündet hat, bildet einen gut zehn Meter hohen Feuerball, dessen Druckwelle die Fahrzeuge im Umkreis wie Bonbonpapier durch die Gegend pustet. Verstärkt durch die Benzindämpfe entwickelt sich eine unerwartete Hitze, die Teile des Dachs aus schwer entflammbarem Material sofort herabtropfen lassen. Der weiße Kastenwagen wird so stark beschleunigt, dass er eine gerade Schneise durch die Baustoffabteilung von Hammer & Farbe schlägt und mit einer mittleren Dicke von anderthalb Zentimetern an die hintere Wand der Halle gedrückt wird. Noch mehrere Stunden lang regnet es Metallteile auf die Autobahn an der Anschlussstelle West. An dieser ÖRÖL-Filiale wird bis auf Weiteres niemand mehr tanken. So endet der Vormittag an einer Ausfallstraße in einer deutschen Großstadt, deren Bewohner einfach nur preiswert an Kraftstoff kommen wollten.





Wehrkraftzersetzer

8 04 2026

„Liebe Landsleute, wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise unmöglich geworden ist. Stellen Sie sich bequem, noch ist ja kein Krieg. Erst mal machen wir Sie mit den rechtlichen Grundlagen vertraut, das reicht aus.

Nach §3 II Wehrpflichtgesetz haben männliche Personen nach Vollendung des 17. Lebensjahres eine Genehmigung des zuständigen Karrierecenters der Bundeswehr einzuholen, wenn sie die Bundesrepublik Deutschland länger als drei Monate verlassen wollen. Ist ja so schwer jetzt nicht, oder? Gut, dann hätten wir das geklärt. Natürlich ist das mit dem Genehmigungsverfahren erst mal nicht so einfach, die Karrierecenter sind zwar unterbesetzt, aber die Fachkräfte wissen eh noch nicht, wie das funktionieren soll. Wenn Sie jetzt eine längere Kreuzfahrt buchen oder für ein Auslandssemester verreisen wollen, dann ist das problematisch, aber zum Glück nicht für den Staat. Ihr Kraftfahrzeug kann ja auch nur da zugelassen werden, wo man wohnt. Und welcher Deutsche will nicht behandelt werden wie sein Auto?

Wieso das Karrierecenter heißt? Arbeitsamt heißt auch Jobcenter, obwohl Sie bei dem Laden nie einen Job kriegen. Fragen Sie nicht so blöd, das ist eben Modernisierung durch die SPD.

Haben Sie denn jetzt noch Fragen? Frauen? Ich sehe da kein Problem. Irgendwer muss doch hier im Land dafür sorgen, dass wir mehr arbeiten, sonst ist der Wohlstand in Gefahr, den unsere Jungs draußen sichern. Sie dürfen auch mal damit rechnen, dass die Bundesregierung Gesetze macht, bei denen sie sich etwas gedacht hat. Kommt ja selten genug vor. Außerdem gab es das schon seit Adenauer, dass im Spannungsfall die Reisefreiheit aufgehoben wurde. Da der jetzige Bundeskanzler allerdings auch als schwere Störung im Betriebsablauf durchgehen wird, läuft das eben umgekehrt. Sie haben den ja nicht umsonst gewählt.

Sie kennen das vielleicht noch aus der letzten deutschen Diktatur, oder aus der vorletzten. Da wird Ihnen Freiheit versprochen, und dann ist die plötzlich weg, weil wegen ist nicht. Beim letzten Mal waren es die Russen, die haben Ulbricht eine Mauer bauen lassen, jetzt sind es die Interessen des internationalen Kapitals, die haben leider nur Merz. Aber was der alles so verspricht, so schlecht ist der gar nicht. Man muss nur dran glauben.

Warum das nicht für Migranten gilt? Gute Frage eigentlich, wollen Sie sie selbst beantworten? Also erstens ist die Bundeswehr keine Fremdenlegion, da dienen nur richtige Deutsche, und damit wir noch länger herumjammern können – irgendwo ist halt immer Wahlkampf oder der Söder nimmt wieder zu viel Sendezeit in Anspruch – werden wir auch die deutsche Staatsbürgerschaft weiterhin sehr restriktiv verleihen. Und zweitens könnten wir damit einen Präzedenzfall schaffen, wenn sich ein Migrant, der hier geduldet ist, auf einmal selbst abschiebt, von der Bundeswehr remigriert wird und daraus ein Bleiberecht ableitet, das ihm ein Gericht zuspricht. Wir wären am Arsch, auf einmal eine Bundeswehr, die unsere Freiheit am Hindukusch verteidigt, weil sie die Gegend kennt!

Wie das kontrolliert wird? Schauen Sie, wir haben die Grenzkontrollen ja nicht ohne Grund, und wo der Bundesinnenminister an der Verfassung und am EU-Recht vorbei die Einreise von Ausländern verhindern will, die hier Grundrechte durch eine Inanspruchnahme missbrauchen wollen, da kann er natürlich auch Inländer von der Ausreise abhalten, bevor sie das tun. Das geschieht wie damals in der DDR, da wurden die Bürger auch davor bewahrt, Republikflüchtlinge zu werden. Und jetzt schützt Sie der Bund an der Grenze, damit Sie nicht als Wehrkraftzersetzer enden. Das ist aber alles völlig im Rahmen des geltenden Rechts, was vor allem dem Bundesinnenminister schrecklich leid tut. Er hätte ja lieber für die Polizei Bundeswehreinsätze im Innern, aber es bleibt vorerst beim Polizeieinsatz für die Bundeswehr.

Ob das denn keiner gemerkt hat? Nein, solche Gesetze werden ja größtenteils einfach so aus der Schublade geholt, in manchen Bereichen schreiben die auch schon Beraterfirmen ohne Störung durch die Regierung, da kann man dann nichts machen. Ein Grund ist, dass es offiziell gar keine Sanktionen gibt. Es handelt sich also um Gesetzesverstöße, die aber keine Strafe nach sich ziehen, solange es der Regierung passt. Wenn Nazis sich als Bauern verkleiden und einen Minister mit Waffengewalt am Verlassen einer Fähre hindern, dann ist das höhere Gewalt. Wenn sich ein paar Leute auf der Straße festkleben, dann muss man die zusammenschlagen und dafür sorgen, dass sie nicht als Lehrer oder als Juristen arbeiten dürfen, weil sie eigenmächtig die Einhaltung von Verfassungsrecht gefordert haben. Das steht eben nicht jedem zu. Merken Sie sich das.

Wenn es jetzt wirklich zum Verteidigungsfall kommen sollte, weil alles schief läuft – Diesel bei zehn Euro, man weiß ja nie – dann will sich die Regierung wenigstens nicht vorwerfen lassen, sie hätte nicht alles versucht. Als gleich zu Anfang der Pandemie die Maskenpflicht kam, hat auch jeder den Anfang der Diktatur gewittert. Und dann hat die sich als goldrichtig erwiesen. Fragen Sie Spahn. Das ist der Spannungsfall zwischen Rechtsstaat und Bürgern, vertrauen Sie uns, wir misstrauen Ihnen ja auch. Und falls Ihnen gar nichts mehr einfällt, kommen Sie zur Truppe, da spendieren wir Ihnen einen Auslandsaufenthalt, der viel länger als drei Monate dauern könnte. Und wir bringen Sie auch wieder zurück. Wie auch immer.“





Schnapsidee

7 04 2026

„… wieder zu alter Größe führen werde, die der Bundesrepublik als Musterland von Demokratie und Leistungsbereitschaft ihre Würde zurückgebe, um mit einer Politik von klarem Sachverstand und Zukunftsorientierung das Land wieder an die Spitze der Staatengemeinschaft zu bringen. Kubicki sei bereit, als Vorsitzender die FDP in einen…“

„… überraschend gekommen sei. Es sei dem Vorstand zwar klar gewesen, dass der 74-Jährige erst das Ableben des Parteiurgesteins Gerhart Baum habe abwarten wollen, dennoch sei man in dieser Stunde doch sehr…“

„… die Kandidaten Höne und Dürr sich nicht zu einer Stellungnahme hätten bewegen lassen. Es sei für sie nach Ansicht von Beobachtern unmöglich, den Geisteszustand des Schleswig-Holsteiners zu beurteilen und angemessen auf seinen…“

„… sich der ehemalige Vorsitzende Lindner an die Positionen des alten Parteifreundes während der Ampelkoalition erinnere. Kubicki habe regelmäßig alle Vorschläge der anderen Kabinettsmitglieder als Unsinn bezeichnet, gegen alles polemisiert und aus Prinzip gegen jeden Kompromiss gestimmt. Damit sei er geradezu als ideale Persönlichkeit für die Position des…“

„… jetzt mit neuem Selbstbewusstsein die politischen Debatten in diesem Land anführen wolle, statt ihnen hinterherzulaufen. Welche diese seien, könne Kubicki zwar derzeit noch nicht genau sagen, es sei aber sein Ziel, dies möglichst schnell nach seiner Wahl zum…“

„… das Alter alleine kein Kriterium für eine erfolgreiche Kandidatur sei, entweder im ersten, zweiten oder in einem weiteren Anlauf sein Ziel zu erreichen. Dazu habe Leutheusser-Schnarrenberger darauf verwiesen, dass mit Friedrich Merz ein weiterer mit malignem Narzissmus diagnostizierter Schwerstalkoholiker seit Jahren die…“

„… einer gemeinsamen Regierung mit Union und AfD eine Absage erteilt habe. Linnemann sehe weder einen Wahlausgang, bei dem die FDP auf die beiden Parteien als Juniorpartner zurückgreifen werde, noch wolle er die seit langem geplante und in zahlreichen Ressorts auch schon vorbereitete gemeinsame Linie mit den Nationalsozialisten von einer so unsicheren…“

„… belustigt reagiert habe. Scholz sei nicht überrascht, habe aber auch nicht damit gerechnet, dass man in einem Weinkeller eine Schnapsidee von derartigem…“

„… nicht gut angekommen sei, da sie dem Kieler die Befriedigung seiner eigenen Eitelkeit als Motivation vorwerfe. Strack-Zimmermann müsse sich jetzt im Gegenzug die Frage gefallen lassen, warum sie nicht die Eier besitze, ihn in der offenen Feldschlacht um den Vorsitz zu…“

„… sich der Bundesvorstand der Liberalen mit der neu gestifteten Jürgen-Möllemann-Medaille für den Kampf um die Meinungsfreiheit bedanken wolle. Mit seiner Aussage, der ehemalige Minister für Wirtschaft und Klimaschutz im Bundeskabinett Habeck sei ‚eine linksgrüne Schwuchtel‘ und wolle ‚seinen Landsleuten die Gasheizung anzünden‘, spreche Kubicki allen anständigen Deutschen aus dem Herzen und drücke eine tiefe Liebe zum…“

„… sich deutlich vom rassistischen Programm der AfD unterscheide. Die FDP wolle nicht alle Migranten aus Deutschland abschieben, sondern nur arme, alte oder vom Sozialstaat abhängige, die nicht durch große Vermögen ein Mitspracherecht an der wirtschaftlichen Entwicklung des deutschen…“

„… nur ein Gerücht sei, dass die Kampagne von Jacques’ Wein-Depot mit Sachspenden unterstützt werde. Es gebe bei den Freidemokraten ein gut funktionierendes Netzwerk von…“

„… Unterstützung von ehemaligen Ministern bekomme. Mit Niebel, Brüderle und Rösler seien drei Weggefährten bereit, ihn auf dem Weg ins Bundeskanzleramt zu begleiten, damit er sich im Falle einer Alleinregierung nicht über mangelndes Fachpersonal für eine zukunftsorientierte…“

„… nicht von ihm oder der Partei autorisiert gewesen sei. Generalsekretärin Büttner habe die weitere Verwendung von Bild- und Tonaufnahmen sowie Zeugenaussagen untersagt, auf denen er die Frage, was ihn von den anderen Kandidaten unterscheide, mit der Antwort, es seien gut dreißig Zentimeter, mit denen er alle tief in den…“

„… zu mehr Sachlichkeit und gegenseitigem Respekt aufgerufen habe. Andererseits rate Habeck dem ehemaligen Bundestagsvizepräsidenten, sich nicht der Störung der Totenruhe schuldig zu machen, was als Straftat im Amt eine besonders…“

„… habe der PARTEI-Vorsitzende Sonneborn klargestellt, dass er weiterhin nicht auf Leihstimmen einer Spaßpartei zurückgreifen wolle, auch wenn diese sich an Schmierigkeit weit über das übliche Maß hinaus als…“

„… steuerliche Fördermöglichkeiten angeboten habe, wenn er die Partei in eine Selbsthilfegruppe für alte weiße Männer umwandeln wolle. Habeck wolle sich durchaus als verständnisvoller…“

„… nicht den Tatsachen entspreche. Es sei nach Büttners Bericht zutreffend, dass während des Bundesparteitages im Hans-Dietrich-Genscher-Haus Der Untergang in der erweiterten TV-Fassung gezeigt werden solle. Unwahr sei jedoch, dass die Finanzierung dieser öffentlichen Filmvorführung aus der Privatschatulle von Strack-Zimmermann und ihrem…“

„… in der Sonntagsfrage weiterhin unterhalb von drei Prozent läge. Kubicki wolle diese klar manipulierte Behauptung gerichtlich durch ein…“





Verkehrsfluss

6 04 2026

„Das geht nicht.“ „Weil?“ „Naja, das kann eben nicht gehen, weil das nicht funktioniert?“ „Ja, so in etwa.“ „Und wir müssen ja auch berücksichtigen, dass wir so eine Situation noch nie…“ „Das war am Sonntag.“ „Also 1973.“ „Und wenn ganz normale Menschen zur Arbeit fahren, dann ist das eben nicht am…“ „Aber wenn die am Sonntag nicht arbeiten, dann kann man doch gerade am…“ „Sie linksgrüne Verbotsdrecksau!“

„Vor allem, wenn eine Frau das sagt – eine Frau!“ „Die hat man zu lange nicht…“ „Hähähä!“ „Was hat das denn damit zu tun?“ „Sachverständige – diese Schlampe soll erst mal Kanzlerin werden!“ „Waren Sie schon mal Kanzler?“ „Nee, aber er hat auch ein Problem mit Frauen.“ „Dabei ging es doch nur um ein Tempolimit.“ „Dann kommt man ja nie an auf Arbeit!“ „Ja, das ist schlimm, wenn man mal fünf Minuten eher…“ „Der deutsche Arbeiter muss genug Schlaf kriegen!“ „Ich dachte, der soll mehr arbeiten?“ „Dann sollen sich die Faulpelze Jobs suchen, bei denen sie zwischendurch Schlaf kriegen.“ „Beispielsweise als Kanzler.“ „Hähähä!“

„Momentan geht es ja erst mal nur um ein Tempolimit.“ „Schlimm genug!“ „Hören Sie mal, 45 von 46 Ländern…“ „Im Grundgesetz steht nicht umsonst das Widerstandsrecht!“ „Unsere deutsche Leitkultur darf nicht schon wieder von solchen ausländischen Autobahnfritzen zerstört werden!“ „Wen meinen Sie denn?“ „Hitler war Österreicher.“ „Ja, stimmt.“ „Und deshalb müssen wir freie Fahrt in den wirtschaftlichen Untergang…“ „Sie sind auch so ein Wärmepumpenschwein!“ „Was hat das denn mit…“ „Wir müssen doch die Nachfrage nach Benzin stabilisieren, sonst…“ „Dann müsste bei noch mehr Umsätzen durch steigende Preise ja der Preis sinken.“ „Und wenn dann der Preis sinkt?“ „Dann steigt er wieder, so geht das eben.“ „Aber nur noch einmal am Tag.“ „Aber langfristig könnte er so stark steigen oder sinken, dass das jetzt im Gesamtbild wie eine Senkung aussieht.“ „Oder ein Anstieg.“ „Das kann man jetzt überhaupt noch nicht beurteilen.“ „Deshalb brauchen wir jetzt ja einen geregelten Anstieg, damit mehr für den Verbrauch, als für die Senkung…“ „Dabei wird doch der Preis für Benzin und Diesel auch nicht auf der deutschen Autobahn gebildet, sondern auf dem Weltmarkt.“ „Muss man behindert sein, um so eine Scheiße zu labern?“ „Sagt die Bundeswirtschaftsministerin.“ „Da sehen Sie mal, was Frauen alles können.“

„Also wenn jetzt die Nachfrage steigt…“ „Es reicht ja, wenn sie nicht sinkt.“ „Soll denn der Sprit jetzt billiger werden oder nicht?“ „Ja, aber nur im Vergleich.“ „Wozu?“ „Damit mehr Verbraucher sich in der…“ „Im Vergleich wozu?!“ „Ja, zum Preis ohne Knappheit.“ „Also muss er billiger werden, da er durch mehr Verbrauch, der ihn teurer macht, noch teurer wird und dadurch automatisch billiger wird?“ „Eher umgekehrt.“ „Dann wird er ja doch wieder teurer.“ „Also im Endeffekt billiger.“ „Dann sinkt ja die Nachfrage.“ „Bloß nicht, dann wird er so billig, dass wir uns den nicht leisten können!“ „Dann springt eben die Bundesregierung ein.“ „Und womit?“ „Na, mit Steuergeldern.“

„Wir können uns jetzt keine Regierung leisten, die nichts tut!“ „Also was schlagen Sie vor?“ „Dass die Regierung endlich…“ „Aber doch nicht so!“ „Das haben Sie auch bei der Steuerreform und bei den Krankenkassen gesagt.“ „Es muss ja mal etwas passieren, es darf nur nichts geschehen!“ „Also mir nicht, des Rest ist eigentlich egal.“ „Wir wollen eine Regierung, die endlich mal regiert, aber eben nicht in unseren Tank hinein!“ „Das ist doch wieder nur eine Bevorzugung der Elektromobilität!“ „Wie kommen Sie denn jetzt darauf?“ „Es geht los mit Fahrverboten für richtige Autos, dann dar man nur noch mit E-Autos fahren, und irgendwann gondeln die gemütlich mit 60 über die Autobahn, weil keine Sau ihren Verkehrsfluss stört.“ „Die Schweine!“ „Das ist der Anfang vom Ende!“ „Ich sage doch, es steht alles schon im Grundgesetz!“

„Können nicht alle mit dem Bus fahren, die auf das Auto verzichten wollen?“ „Theoretisch wäre das möglich, aber zum Glück fährt ja nicht überall ein Bus.“ „Wenn sie nicht Bus fahren können, sollen sie doch die Straßenbahn nehmen.“ „Es ist ja auch nicht verboten, dass man auf der Autobahn nur Tempo 60 fährt.“ „Das würde den Verkehrsfluss aber erheblich stören.“ „Das sieht man ja bereits bei Tempo 30.“ „Auf der Autobahn?“ „Nein, da ist das bei Tempo 100.“ „Also alle fahren 100, und wenn einer 30 fährt…“ „Schon bei 60.“ „Dann kriegt der deutsche Arbeiter nicht genug Schlaf!“ „Bei 60 würde ich nicht unbedingt…“ „Wenn die bei 180 kurz wegsacken, sind sie dreimal so lange unfallfrei gefahren, das senkt die Unfallquote!“ „Aber dazu müssen dann eben alle 180 fahren.“ „Weil das sonst den Verkehr aufhält.“ „Sage ich ja, 60 ist viel zu gefährlich.“ „Und was ist überhaupt mit diesen Mindestlohnempfängern, die 500 Kilometer zur Arbeit pendeln müssen?“ „Die gibt es doch gar nicht.“ „Wenigstens ist der Bus für die zu teuer.“ „Hähähä!“

„Kann man da nichts irgendwie umschichten?“ „Pendlerpauschale!“ „Die kriege doch dann auch die Radfahrer.“ „Das hat uns gerade noch gefehlt!“ „Auf jeden Fall keine Stromsteuersenkung.“ „Wenn das nur den Grünen und ihren Elektroautos nützt, will ich das auch nicht!“ „Die Luftverkehrssteuer soll doch auch wieder gesenkt werden.“ „Weil die FDP-Sozialisten Deutschland in den Ruin treiben wollten!“ „Wem nützt das denn?“ „Für die FDP kommt das zu spät.“ „Also ich bitte Sie, wer fliegt denn jeden Morgen zur Arbeit?“ „Wären Sie mal Bundeskanzler geworden.“