Jeder weiß, ich bin Atheist.
Nicht aus Rebellion, nicht aus Frust, nicht militant, nicht missionarisch. Sondern aus Überzeugung. Ich glaube an das, was sich zeigen lässt. Alles andere ist spannend – aber eben Spekulation.
Kürzlich stellte sich eine interessante Frage:
Was wäre, wenn Gott tatsächlich auftauchen würde? Also nicht in einem Traum oder einer Wolke, sondern wirklich – sichtbar, unmissverständlich, mit Glanz, Gloria und vielleicht einer Flasche Wein unter dem Arm.
Und ja, auch dann würde ich wohl nicht mehr Atheist sein.
Aber nicht, weil ich plötzlich glauben würde.
Sondern weil ich es dann wüsste.
Atheismus bedeutet für mich nicht zu glauben: keine Behauptung ohne Beleg. Keine Tod ohne Leben und kein Leben ohne Tod. Wenn eine göttliche Instanz auftaucht und mir den kosmischen Fingerzeig liefert – nun ja, dann verändert sich der Status.
Glaube wird ersetzt durch Erfahrung und Wissen.
In so einem Moment wäre die eigene Weltanschauung nicht widerlegt, sondern schlicht überholt.
Der Atheist würde zum Beobachter.
Nicht zum Gläubigen – denn Glauben braucht man nur, wenn man nichts sieht.
Wahrscheinlich würde ich nach dem Schock erst mal ein Glas Rotwein brauchen.
Dann würde ich überlegen, wie man das Erlebte in Öl auf Leinwand bringt. Vielleicht mit Lichtstrahlen, vielleicht ganz minimalistisch. Vielleicht als ironisches Selbstporträt mit göttlicher Erscheinung im Hintergrund, leicht genervt, weil ich schon wieder alles hinterfrage.
Der Punkt bleibt: Wenn Gott auftaucht, ist der Atheismus überflüssig – nicht widerlegt, sondern erledigt.
Man steigt von der Tribüne der Theorie auf das Spielfeld der Tatsache.
Bis es so weit ist, bleibe ich bei dem, was ich habe:
einen wachen Geist, einen gesunden Zweifel und das Gefühl, dass der Sinn des Lebens nicht unbedingt in himmlischen Etagen geschrieben stehen muss.
Falls Gott doch noch kommt – bitte mit einer Flasche Wein.













