Gigantopithecus

Von Michael Pilz
Veröffentlicht am 14.12.2005Lesedauer: 2 Minuten

Haare & Federn

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Besitzt die Menschheit ein genetisch-kollektives Urgedächtnis? Sieht so aus: Die Sagen, Mythen und Legenden werden von gigantischen Reptilien belebt wie alte Seekarten von Ungeheuern. Nordische Geschichten kennen Riesenbären, in Arabien raunen sie von Riesenvögeln, und in Asien wird vom Yeti und vom Kong erzählt. Noch immer scheinen diese Kreaturen gegenwärtig. Nicht nur in der Welt von Film und Fantasy. Die Suche nach dem Riesenkraken und dem Tatzelwurm ernährt ein ganzes Heer beneidenswerter Kryptozoologen und Fossiliengräber.

1935 stieß der Deutsche Ralph von Koenigswald in Hongkong in der Apotheke auf einen monströsen Kieferknochen und dazugehörige Zähne. Später wurden in Vietnam und China weitere Teile des Gigantopithecus gefunden. Dieser größte aller Affen wurde auf mehr als drei Meter Körperhöhe hochgerechnet und auf ein entsprechendes Gewicht von einer guten halben Tonne. In den fünfziger Jahren gruben Paläontologen im chinesischen Guangxi noch weitere Zähne und Gebeine aus. Und zwar inmitten von Fossilien des normalgewachsenen Frühmenschen. Die seltsame Gesellschaft wurde nun in Kanada bestätigt: Jack Rink, Geochronologe an der McMaster Universität Ontario, datierte die Funde auf ein Alter von 100 000 Jahren. Auch schloß Rink in Anbetracht der Zahnschmelzspuren auf einen eher gutmütigen Kong. Der Affe kaute lieber Bambus, als die aufrecht durch die Welt eilenden Winzlinge in Panik zu versetzen.

Es ist also anzunehmen, daß der Proteinverächter nicht der hellste, schnellste und den Menschen daher unterlegen war. Gigantopithecus starb kläglich aus. In den Legenden trat er dafür auf als stolzes Ungetüm, das vieles auf sich zog. Vor allem Menschheitsängste, die sich schließlich doch immer beherrschen ließen. Größe ist nicht alles, sagt der mitleidige Mensch im Kino. Allen kulturellen Argwohn richtet er gegen die zukünftige Weltherrschaft der Maus (Literatur: Douglas Adams' "Per Anhalter durch die Galaxis") oder der Ameise (siehe: Edward O. Wilsons "Ants"). Aber das wären völlig andere Filme.


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