Kriminelle Banden

„Schockanrufe“: Wie dreiste Täter abkassieren

Niederösterreich
19.02.2026 20:00

Mehrere „Keilerzellen“ wurden von Ermittlern des Landeskriminalamtes NÖ gesprengt: Kriminelle Banden machen mit Kautionstrick Millionenbeute. 17 Täter sind in Haft!

Im Schock ist rationales Denken oft schwierig. Diese Situation nutzen Kriminelle schamlos aus. Sie setzen ihre Opfer unter Druck und nutzen vermeintliche Notlagen schamlos aus. Beim sogenannten „Kautionstrick oder Medizintrick“ werden die meist betagten Opfer oftmals um viel Geld gebracht. Schmuck oder auch Goldmünzen werden als Kaution entgegengenommen, nachdem etwa die Tochter einen tödlichen Unfall verursacht haben soll. So die laut Innenminister Gerhard Karner „besonders hinterhältige“ Masche, mit der Banden derzeit auf Beutezug sind.

Innenminister Karner und Andreas Holzer, Direktor des Bundeskriminalamtes (Mitte), mit ...
Innenminister Karner und Andreas Holzer, Direktor des Bundeskriminalamtes (Mitte), mit Polizeichef Popp(Bild: Imre Antal)
Reiche Beute: Ein Teil des sichergestellten Bargeldes
Reiche Beute: Ein Teil des sichergestellten Bargeldes(Bild: LKA NÖ)
Zahlreiche Mobiltelefone wurden nach der Festnahme eines Abholers sichergestellt.
Zahlreiche Mobiltelefone wurden nach der Festnahme eines Abholers sichergestellt.(Bild: LKA NÖ)
(Bild: LKA NÖ)
(Bild: LKA NÖ)
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4 Schockanrufe, LKA, Landeskriminalamt NÖ, Zerschlagung Keilerzelle Bild #22-233655145 | Bearbeiten Bildtext 5 Schockanrufe, LKA, Landeskriminalamt NÖ, Zerschlagung Keilerzelle Bild #22-233655164 | Bearbeiten Bildtext 6 Schockanrufe, LKA, Landeskriminalamt NÖ, Zerschlagung Keilerzelle Bild #22-233655162 | Bearbeiten Bildtext Draggable item 22-233655144_1771429929379 was dropped over droppable area 22-233655161_1771429930508 Danke für Ihr Vertrauen in WordPress.Version 6.8.2 Medien-Uploads Alle Entfernen Hier klicken oder Datei hineinziehen(Bild: LKA NÖ)

Akribische Ermittlungen zeigen Vorgehen
Wie berichtet, gelang den Spezialisten des Landeskriminalamtes NÖ in Zusammenarbeit mit der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft die Zerschlagung zwei „Keilerzellen“ (Call-Center) in Wien und Brünn. Ob als falsche Polizisten, Ärzte oder Staatsanwälte, werden die Opfer am Telefon von „Keilern“ zur Herausgabe von Wertsachen an „Abholer“ überredet. 23 Täter konnten ausgeforscht werden, der Schaden beläuft sich auf knapp fünf Millionen Euro. Wie dreist die Betrügerbanden dabei vorgehen, bringen die akribischen Ermittlungen ans Licht.

Zitat Icon

Die Täter kommen allesamt aus dem Ausland. Die KI wird solchen Betrugshandlungen in den nächsten Jahren einen Boost geben.

Stefan Pfandler, Leiter Landeskriminalamt NÖ

Codewort: „Operation Casus“
Unter dem Decknamen „Operation Casus“ kam Ende September des Vorjahres der Hinweis, dass mit heimischen Mobilnummern telefonische Anbahnungen von Österreich in die Slowakei erfolgen. Schnell wurde klar, dass die „Keilerzelle“ von Wien aus mit „Schockanrufe“ agiert. Durch Informationen aus Tschechien und Deutschland gelang es, einen 25-jährigen Slowaken als Kopf der Bande ausfindig zu machen. Nach der Überprüfung von mehreren hunderten Unterkünften konnte der Gesuchte in einer Wohnung in Wien samt drei Komplizinnen festgenommen werden.

Daten & Fakten

  • Richtige Polizisten oder auch Ärzte holen niemals Bargeld oder Schmuck ab!
  • Vorsicht bei unbekannten Anrufern!
  • Fragen Sie sich: Kann die Geschichte stimmen? Sprechen Sie sofort mit Verwandten und Freunden!
  • Geben Sie keine Details über Ihr Vermögen preis!
  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen und legen Sie auf! 
  • Lassen Sie keine Unbekannten in Ihre Wohnung!
  •  Übergeben Sie niemals Geld oder Wertgegenstände an Unbekannte!
  • Fordern Sie von angeblichen Polizisten oder Polizistinnen einen Dienstausweis! Kontaktieren Sie die Notrufnummer 133 und fragen Sie, ob es diesen Polizisten oder Polizistin wirklich gibt!
  • Nehmen Sie Warnungen von Bankangestellten ernst!
  • Sprechen Sie mit Ihrer Familie über diese falschen Polizisten! Vor allem ältere Generationen sind betroffen!

Von dort aus hatte die „Keilerzelle“ ihren Beutezug betrieben. Unter einer Couch versteckt, wurde auch jenes Mobiltelefon, mit dem an diesem Tag die telefonischen Anbahnungen in die Slowakei erfolgten, sowie weitere Handys und SIM-Karten sichergestellt. Der 25-Jährige wartet nun in der Justizanstalt Josefstadt auf seine Verhandlung. Unter den ausgeforschten Tätern ist der Tscheche Robert D. (44), der als „Logistiker“ über Abholungen mehr als eine halbe Million Euro erbeutete. Aber auch der 20-jährige Pole Jakub S. hatte versucht, über Geldabholungen rund 1,5 Millionen Euro zu ergaunern.

Geld gestohlen – Vertrauen missbraucht
Der 42-jährige Sasa D. aus Bosnien konnte Anfang Februar des Vorjahres festgenommen werden, nachdem ihm in Summe 14 geglückte und versuchte Abholungen mit einem Gesamtschaden von rund 800.000 Euro nachgewiesen werden konnten. Patryk M. soll etwa in Ternitz und Hollabrunn auf Beutezug gewesen sein. Insgesamt 17 Täter konnten auf frischer Tat festgenommen werden. „Diese Betrugsform ist besonders perfide. Denn hier wird nicht nur Geld gestohlen – hier wird Vertrauen missbraucht“, betont auch Landespolizeidirektor Franz Popp.

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