Reformdruck in der Wirtschaft, steigende Kosten im Tourismus und die Frage nach der Wettbewerbsfähigkeit Österreichs: Unternehmer und Präsident des sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands (SWV) Bernd Hinteregger spricht im krone.tv-Interview Klartext – und fordert spürbare Veränderungen statt „Klein-Klein“.
Im krone.tv-Talk thematisiert Hinteregger unter anderem die Beauftragung von KPMG durch die Wirtschaftskammer um 675.000 Euro netto. Die Summe sei „hoch“, räumt er ein, doch entscheidend sei das Ergebnis. Angesichts eines Budgets von über einer Milliarde Euro müsse die Evaluierung echte Effizienzsteigerungen bringen – etwa durch Digitalisierung, den Abbau von Doppelgleisigkeiten und strukturelle Reformen. „Wenn das Ergebnis stimmt, ist das Geld gut investiert“, so Hinteregger.
„Gute Ideen überzeugen immer“
Mit der Initiative „Meine beste Idee“ will Hinteregger zudem Unternehmerinnen und Unternehmer direkt in den Reformprozess einbinden. Hintergrund seien die Turbulenzen in der Wirtschaftskammer und der notwendige Neustart. Der sozialdemokratische Wirtschaftsverband habe ein Zehn-Punkte-Programm vorgelegt, gleichzeitig aber bewusst eine breite Beteiligung gestartet. „Wir haben diese Kampagne vor eineinhalb Monaten gestartet, und es sind schon über 300 unterschiedliche Ideen an uns herangetragen worden“, so Hinteregger. Diese würden nun aufgearbeitet und aktiv in die Reformgespräche eingebracht. Bis Ende März können noch Ideen eingereicht werden. „Gute Ideen überzeugen immer“, zeigt er sich kämpferisch – auch wenn es politisches Ringen brauche.
Handlungsbedarf beim Bürokratieabbau
Auch beim Bürokratieabbau sieht Hinteregger trotz der von Staatssekretär Sepp Schellhorn präsentierten 113 Maßnahmen noch erheblichen Handlungsbedarf. Das Paket sei ein erster Schritt, „aber 75 Prozent liegen noch vor uns“. Österreich leide unter zu vielen Verwaltungsebenen - von der EU bis zu den Bezirkshauptmannschaften. Hier brauche es mutige Reformen.
Den geplanten Industriestrompreis von fünf Cent bewertet Hinteregger positiv, fordert jedoch eine Ausweitung auf Klein- und Mittelbetriebe sowie Ein-Personen-Unternehmen. „Die gesamte Wirtschaft braucht wieder wettbewerbsfähige Energiepreise“, betont er.
Gezielte Investitionen im Tourismus notwendig
Im Tourismus zeigt sich laut dem Experten ein gemischtes Bild: Österreich verzeichnete zuletzt ein Nächtigungsplus von zwei Prozent, Kärnten hingegen ein leichtes Minus. Neben strukturellen Veränderungen seien vor allem gestiegene Energie-, Personal- und Lebensmittelkosten eine große Belastung. Viele Betriebe hätten zwar höhere Umsätze, aber kaum steigende Gewinne. Sein Appell: Entlastung bei den Kosten und gezielte Investitionen.
Zum Abschluss macht der Selfmade-Hotelier jungen Menschen Mut zur Selbstständigkeit. Mit einer guten Vorbereitung, Ausdauer und vollem Einsatz könne man auch heute noch erfolgreich ein Unternehmen aufbauen – „aber ohne Durchhaltevermögen geht es nicht“.
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