Fabio Gstrein bescherte Österreichs Ski-Herren im Slalom eine mehr als versöhnlichen Abschluss der Spiele. „Der Tag wird für immer einen großen Stellenwert für mich haben“, sagte er.
Eine halbe Stunde machte Fabio Gstrein in der Mittagspause die Augen zu, aß was, dann kam Ehefrau Lisa im Hotel vorbei. „Das reden mit ihr hilft immer, sie hat mir gut zugeredet“, grinste der 28-Jährige. Der danach als Dritter des ersten Durchgangs sein Herz in die Hand nahm, voll attackierte. „Bei Olympia gibt es nur hopp oder dropp – ich wusste, wenn es grün aufleuchtet, habe ich die Medaille. Der Moment war gewaltig“, grinste „Ötzi“.
„Hat so großes Potenzial“
Silber! Was für eine Erleichterung für das ganze Team, da fiel vielen rot-weiß-roten Trainern und Betreuern ein Stein vom Herzen. „Cool, dass ich mal zwei Läufe zusammengebracht habe“, so Fabio. Der dafür sorgte, dass die mageren Spiele Österreichs Herren in Bormio ein versöhnliches Ende nahmen. „Das wird für immer einen großen Stellenwert in meinem Leben haben.“
Im Ski-Zirkus heißt es seit Jahren, Gstrein sei einer der besten Techniker – doch zu oft machten ihm die Nerven einen Strich durch die Rechnung. Bisher reichte es für den oft lässig wirkenden Fabio, kein Mann der großen Worte, erst zu zwei Podests. „Ich hoffe, dass die Medaille in ihm einen Ruck auslöst“, sagte ein erleichterter Cheftrainer Marko Pfeifer. „Fabio hat so großes Potenzial – leider hat er es noch zu selten auf den Punkt gebracht.“
Auch in dieser Saison, die eine Achterbahn war – zu Saisonstart war Gstrein oft schnell, aber nur in einem Lauf. So ging die Selbstverständlichkeit flöten. „Es war“, nickte Fabio, „ein schwieriges Jahr mit vielen Tiefs. Aber ich bin stolz, wie ich mich da rausgekämpft habe.“ In Kitzbühel machte es mit einem starken zweiten Lauf klick, es folgte Rang 5 in Schladming – und nun der emotionale Höhepunkt.
Schweizer Spiele
Beim Empfang im Hotel fiel er seiner Lisa in die Arme, beide weinten Freudentränen. Die zwei hatten im August geheiratet, am Gletscher in Sölden, bei Schneefall. „Ich bin so stolz auf ihn. Wir haben hart dafür gearbeitet, Höhen und Tiefen gemeinsam durchgemacht – dass er sich so belohnt, ist Wahnsinn“, „heulte“ Lisa.
Da freuten sich auch die Eltern Anita und Gotthard mit, die eine Skischule leiten, früher selbst Rennen gefahren sind. „Bei uns ist Skifahren keine Entscheidung, es gehört dazu“, erzählte Fabio, der in seiner Freizeit am Hof seines Bruders Sandro mithilft und sich um die maschinellen Dingen kümmert – etwa Traktor fahren oder Holz schneiden. Es sei ein „guter Ausgleich“, so Gstrein. Der nicht der erste Olympia-Medaillengewinner der Familie ist, 1988 gewann Großcousin Bernhard Silber in der Kombi.
Neben Gstrein strahlte auch Loic Meillard, der nach WM-Gold nun auch erstmals auf den Olympischen Thron fuhr und seine dritte Medaille in Bormio holte. Es war zudem das vierte Schweizer Ski-Gold in Bormio. Bronze ging vor den Augen von Frau und Sohn an Henrik Kristoffersen. Halbzeit-Leader Atle Lie McGrath fädelte in der Entscheidung ein, verließ bitter enttäuscht die Strecke und legte sich in den einsamen Wald. Während die Top drei im Ziel gefeiert wurden – so nah liegen Freud und Leid oft beisammen.
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