Nicholas Ofczarek und die Musicbanda Franui überwältigten am Samstag im bummvollen Linzer Musiktheater mit Thomas Bernhards Skandalroman „Holzfällen“. Bernhards gnadenloser Blick auf eine selbsternannte kunstsinnige Gesellschaft entfaltete sich dabei scharfzüngig und komisch zugleich.
Selbstinszenierung, Anbiederung an die Macht, elitäre Kunstblasen und erstickende Provinzialität: Thomas Bernhard ist auch in Zeiten von Social Media aktuell. Sein Roman „Holzfällen“ richtet den Fokus auf einen Ich-Erzähler, der in einem Ohrensessel sitzt und in einer ununterbrochenen inneren Tirade die österreichische Kulturszene, die Gastgeber und vor allem sich selbst zerlegt.
Maßgeschneidert für Nicholas Ofczarek, weil er alles hat, was Bernhard hier verlangt: Radikalität, Humor, sprachliche Musikalität, Präsenz, den Mut zu Momenten der Hässlichkeit, Präzision – und den Mut, sich völlig zu verausgaben.
Rasen und Zertrümmern
Ofczarek polterte genial durch den verbalen Sturzbach, der das „künstlerische Abendessen“ überflutet: Während die Gastgeber auf den Burgschauspieler warten, der noch als Ekdahl in Ibsens „Wildente“ auf der Bühne des Burgtheaters steht – dieser „Künstlerzertrümmermaschine und Talentevernichtungsanstalt“ –, steigert sich der Ich-Erzähler in Raserei.
Ein Minister hat keine Ahnung
Seine Hasstiraden werden zum musikalischen Motor, getragen vom präzisen Zusammenspiel mit Franui. Die Musicbanda war mit ihrer Spezialität zu hören, die sie bekannt gemacht hat: dem Zelebrieren von Trauermärschen und Trauermusik.
Ein Vollbad in Sprache und Musik, und auch Lachen durfte sein in der zweieinhalbstündigen Vorstellung, denn es ist doch eine hochaktuelle Gesellschaftsschelte! Besonders gefeiert wurde der Satz: „Ein Minister, der keine Ahnung von Kunst hat, bestellt den Burgtheaterdirektor.“ Nach diesem Hochamt für Bernhard erhob sich das Publikum zu einem lang anhaltenden Schlussapplaus!
Nächste Termine von Ofczarek und Franui am Wiener Burgtheater: 20. 2. und 2. 3. 2026.
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