4,8 Mio. Euro Schaden

„Schockanrufe“: Kriminelle Bande zerschlagen

Niederösterreich
16.02.2026 09:12

Der niederösterreichischen Polizei ist gemeinsam mit dem Bund ein bedeutender Schlag gegen eine kriminelle „Schockanruf“-Bande gelungen. Die Täter verursachten einen Gesamtschaden von 4,8 Millionen Euro. Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) gab dazu am Montag Details in einer Pressekonferenz bekannt.

Vor etwa vier Jahren sei die Betrugsmasche der „falschen Polizisten“ stark angestiegen, erklärte Karner zu Beginn. Täterinnen und Täter nutzten gezielt die Notlage von Betroffenen aus, oft ging es um hohe Geldbeträge. Dabei wurde nicht nur das Vertrauen in staatliche Behörden wie die Polizei missbraucht. Auch das Vertrauen in Justiz, Geldinstitute und Ärzten wurde gezielt ausgenutzt.

Die Methoden reichen vom sogenannten „Medizintrick“, bei dem Angehörige im Krankenhaus lägen und angeblich eine teure Behandlung benötigten, bis zum „Bankentrick“, bei dem Täter behaupteten, es gebe ein Sicherheitsproblem mit Bankkonten.

Callcenter ausgehoben, zahlreiche Festnahmen
Insgesamt wurden nach Angaben der Polizei 23 Beschuldigte aus Polen, Tschechien, Deutschland, der Slowakei, aus Serbien und Spanien ermittelt. 17 Personen wurden festgenommen. Die Schadenssumme beläuft sich auf 4,8 Millionen Euro. „Durch intensive grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit den Ländern und dem Bund“, so Karner, sei die Aufdeckung der Taten gelungen. 

Bisher konnten 23 Tatverdächtige ausgeforscht werden.
Bisher konnten 23 Tatverdächtige ausgeforscht werden.(Bild: Imre Antal)

Konkret wurden zwei Callcenter in Wien-Donaustadt und im tschechischen Brünn, die als Drehscheibe der Anrufe galten, ausgehoben. Diese sogenannten Keilerzellen konnten nach einem Hinweis slowakischer Behörden ausfindig gemacht und zerschlagen werden. Unter Keilungen versteht die Polizei telefonische Anbahnungen, die etwa von Österreich aus in die Slowakei und möglicherweise in weitere europäische Länder geführt werden.

Besonders die genaue Lokalisierung dieser Callcenter gestaltete sich als schwierig, meinte LKA-Chef Stefan Pfandler. Zwar konnten die telefonischen Aktivitäten aus Wien rasch festgestellt werden, der exakte Standort blieb jedoch zunächst unklar. Zudem verlegte die Tätergruppe ihren Standort oft wöchentlich, was die Aufklärung zusätzlich erschwerte. Tatorte befanden sich nach Angaben der Polizei praktisch in allen Bundesländern, und die Beschuldigten agierten auch international in teils „unternehmensähnlichen Strukturen“, unter anderem in der Slowakei, in Deutschland und Polen.

„Besonders hinterhältig“ – so bezeichneten die Behörden die Betrugsmaschen der ausgeforschten ...
„Besonders hinterhältig“ – so bezeichneten die Behörden die Betrugsmaschen der ausgeforschten Bande.(Bild: Imre Antal)

Im Hinblick auf die künftige Prävention von „Schockanrufen“ betonte Niederösterreichs Landespolizeidirektor Franz Popp: „Wissen schützt“. Je mehr über diese Betrugsmasche berichtet werde, desto besser könnten sich Menschen schützen. Männer und Frauen seien gleichermaßen betroffen, so die Polizei. Auch beim Alter gebe es keine besonders gefährdete Gruppe. „Auch junge Personen fielen auf die besonders hinterhältigen Maschen hinein“, erklärte die Exekutive.

Betrugszahlen steigen
Auch die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) beobachtet seit Jahren einen stetigen Anstieg solcher Betrugsfälle. Staatsanwälte sehen sich zunehmend mit einer „hochprofessionellen Betrugswirtschaft“ konfrontiert, betonte Wolfgang Handler, stellvertretender Leiter der WKStA. Deshalb müsse auch in Zukunft auf diese Art von Straftaten ein besonderes Augenmerk gelegt werden. Das gezielte Ausnutzen eines „Klimas der Angst“ spiele dabei eine zentrale Rolle. 

Im Bereich „Schockanruf“ waren laut Polizei 2025 hierzulande 90 vollendete Taten und 329 angezeigte Versuchshandlungen verübt worden. Die Dunkelziffer bzw. die Nichtanzeigen bei dieser Deliktform würden offensichtlich aus Scham von Betroffenen jedoch wesentlich höher sein, mutmaßen die Fahnder.

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