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2023, Letter 1/23
Kurzes Interview zu literarischen Beziehungen zwischen Deutschland und Brasilien / Breve entrrevista sobre as relações literárias e culturais entre Alemanha e Brasil
Monatshefte special issue: Sprache und Rache 111.3, 2019
Rache und Sprache fügen sich in echohaftem Reim aneinander, und tatsäch-lich scheint die Rache in der Sprache wörtlich enthalten. Dennoch gibt es keine nachweisliche etymologische Verbindung zwischen den beiden Wör-tern, wohl aber einen systematischen Zusammenhang: Sowohl in der Rede oder schriftlichen Kommunikation als auch in der Rachetat steht Wechsel-seitigkeit im Zentrum und ein Austausch soll etabliert werden. Die Sprache sucht nicht allein als Frage eine Antwort-in der Form einer These erheischt die Rede Erwiderung, als Klage verlangt sie Gehör, als Befehl fordert sie Gehorsam. Eine Rachetat sucht ebenso eine Erwiderungslogik zu etablieren, indem sie beansprucht auf eine Kränkung zu antworten und häufig eine Antwort in Form einer Gegenrache evoziert. Bereits zu Beginn des zwanzig-sten Jahrhunderts sehen die Anthropologie und die Psychoanalyse die Wech-selseitigkeit als strukturelle Analogie zwischen Sprache und Rache, wenn sie Klagen und Gewalt als zwei mögliche Antworten auf Todesfälle miteinander korellieren (Durkheim 658; Freud, GW IX 170-83). Aus verhaltenstheoreti-scher Sicht betonen jüngst Yoshimura und Boon, dass Rachehandlungen auf Austausch und Wechselseitigkeit bedacht sind: ,,revenge is not simply a behavior , but rather is a communicated message" (Yoshimura/Boon 2). Die Nähe von Sprache und Rache, die in der fundamentalen Rolle der Etablierung eines Austauschs liegt, betrifft freilich keineswegs allein deutsch-sprachige Gesellschaften und Literaturen. Doch zum einen macht der Reim von Rache und Sprache auf die Relation aufmerksam, die in anderen Sprachen weniger hervorsticht. A ¨ hnlich phonetisch geht die russische Autorin Stepa-nova vor, wenn sie in einem Text von 2018 eine spezifische Präsenz der Rache in der deutschen Sprache und Erinnerungskultur hört: ,,Im deutschen Wort ,Erinnerung' schwingt für ein russisches Ohr ein ferner Anklang an die Er-innyen mit, die Rachegöttinnen, die den Schuldigen bis ans Ende der Welt vorfolgen" (Stepanova 271-72). 1 Zum anderen hat die Relation von Sprache und Rache als zwei Weisen der Etablierung von Wechselseitigkeit in deutsch
Sp/Rache (ICLA 2016) Zur Einleitung der Sektion " Sprache und Rache " möchte ich die Relation verdeutlichen, auf die der Reim – oder die Entsprechung – im Titel aufmerksam macht. " die rache / der sprache / ist das gedicht " , schreibt Jandl. 1 Dabei erscheint die Sprache als Agens der Rache. Meist aber werden Sprache und Rache in ein Substitutionsverhältnis gestellt, wobei der Charakter und die Logik der Rache je als gesichert vorausgesetzt wird: als Erwiderung auf eine Kränkung, die schmerzhaft trifft, und durch die Sprache als anderer Modus der Erwiderung ersetzt werden kann. Die an römischen Begriffen orientierte Rechtsgeschichte sowie die Psychoanalyse etwa gehen von dieser Strukturgleichheit aus. Die Geschichte, die sich das Recht von seiner Begründung erzählt, weist der Rache meist den Platz einer archaischen Vorgängerin zu: Mit der Kodifizierung des Rechts sei das ältere System der Erwiderungsmoral und der rituellen Totenklage, die zur persönlichen Vergeltung aufruft, ersetzt worden durch
Noch vor einigen Jahrzehnten wurden asiatische, afrikanische und andere Kulturen als "exotische" Lebensweisen wahrgenommen. Diese Kulturen waren von Geheimnissen umhüllt und faszinierten europäische Gelehrte. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg gewann die Untersuchung interkultureller Kommunikation an Bedeutung, doch es waren zunächst vor allem Diplomaten und Geschäftsleute, die sich damit befassten. Globalisierung weltweit zu großen Migrationsbewegungen. Europa wird zu einer neuen Heimat für Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen und Milieus. Doch die größere Nähe hat Konflikte nicht entschärft und uns die Angst vor dem, was uns fremd ist, nicht genommen. Die Frage, wie Kommunikation ohne einen gemeinsamen kulturellen Erfahrungshorizont erfolgreich sein kann, bleibt weiterhin offen. Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns auch mit einigen weiteren, verwandten Fragen befassen. Zunächst gilt es zu verstehen, was Kultur ist, aus welchen Elementen sie besteht, wie Menschen miteinander kommunizieren und welche Aspekte für die interkulturelle Kommunikation von Bedeutung sind. Unter Kultur verstand man lange die materiellen Erzeugnisse, beispielsweise die Kunstwerke, die sich in Museen ausstellen lassen und typisch für ein bestimmtes Gebiet sind. Doch Kultur ist mehr als ihre materielle Komponente. Sie ist die Summe all dessen, was dazu beiträgt, ein Volk, eine Gemeinschaft oder eine Gruppe von Menschen von anderen zu unterscheiden. Sie ist die Quelle, welche Wörtern, Sätzen, Gesten und allem anderen, was zur Kommunikation benutzt wird, Bedeutung verleiht. Sie ist ein gemeinsamer Wissensschatz, der dem Kommunikator hilft, eine Botschaft zu formulieren und dem Rezipienten hilft, diese zu entschlüsseln. Ohne dieses Wissen wäre es fast unmöglich, andere zu verstehen. Dieser gemeinsame Wissensschatz, der sich im Lauf der Jahrhunderte herausbildet und weiterentwickelt, ist fest verbunden mit der Religion, der Geschichte und der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung einer Gemeinschaft. Was der Gesellschaft die Kultur ist, ist dem Einzelnen das Gedächtnis, sagt Triandis. Menschen werden durch gemeinsame Erinnerungen miteinander verbunden und gewinnen daraus ein Gefühl der Zugehörigkeit und Identität. Kultur ist die gemeinsame
2021
In diesem Arbeitspapier stellen wir die Schwierigkeiten zusammen, auf die wir beim Verarbeiten von Transkripten gesprochener Sprache (Interviewdaten) in hermA gestoßen sind, und geben Empfehlungen für die zukünftige Handhabung, insbesondere bezüglich der Integration in den Transkriptionsprozess, wenn solche Daten computergestützt weiterverarbeitet werden sollen.
2016
Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, verboten. Kein Teil dieses Werkes darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in irgendeiner Form reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Ausgehend von elementaren Fragen, was überhaupt eine Sprache ist, welche Sprachtypen und Sprachfamilien es gibt und welche Rolle dabei Lautsysteme und Schriftarten spielen, werden grammatikalische und strukturelle Analysen verschiedener Sprachen - vor allem Sanskrit, Altgriechisch, Latein, Deutsch, Chinesisch und Japanisch - in philosophischer Perspektive vorgestellt. Daran anschließend werden die Thesen einiger der wirkmächtigsten europäischen Sprachphilosophen in ihren Grundzügen interpretiert: Francis Bacon, Leibniz, Herder, Wilhelm von Humboldt, Nietzsche, Cassirer und Heidegger. Die Interpretationen leiten über zum Hauptteil des Buches, in dem es um Fragen des Selbst-, Fremd- und Weltverstehens im Zusammenhang mit verschiedenen Sprachen und Sprachebenen geht. Unter besonderer Berücksichtigung der interkulturellen Philosophie fragt Rolf Elberfeld nach dem Verständnis von Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart, nach den Auffassungen von Subjekt und Objekt, von Aktivität und Passivi...
Doing Applied Linguistics
Die jeweiligen lokalen Standardsprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und Rumantsch werden in der obligatorischen Schule gelehrt, damit SchülerInnen "einen Platz in Gesellschaft und Berufsleben finden" (HarmoS, S-Konkordat, 2007: Art. 3a). Texte in der deutschsprachigen Berufspraxis weichen jedoch von der offiziellen schweizerdeutschen Standardsprache ab. Kann eine Dynamik festgestellt werden, die zu einer sprachpolitischen Diskussion über die schweizerdeutsche Standardsprache führen muss? 1 Die schweizerdeutsche Standardsprache Die deutsche Schweiz ist durch eine Diglossie-Situation der Dialekte und des schweizerdeutschen Standards geprägt (vgl. Siebenhaar & Wyler, 1997; Werlen, 1998; Werlen et al., 2002). Kindern wird bereits in der Grundschule beigebracht, dass der Dialekt als "Mundart" und der schweizerdeutsche Standard als "Schriftdeutsch" zu bezeichnen sind, "denn die hochdeutsche Sprache wird auf ihre Funktion in der Schriftlichkeit reduziert" (vgl. Ziberi-Luginbühl, 1998: 13). Den schweizerdeutschen Standard findet man darum insbesondere in Zeitungen, amtlichen Texten, der Kommunikation von Organisationen, Schulen, Berufsschulen etc. Eine Dynamik in Bezug auf die Diglossie-Situation in der deutschen Schweiz, die sich in den neuen Medien und der Literatur manifestiert, stellt die mediale Diglossie in Frage. Nicht nur in SMS, d. h. in konzeptionell mündlichen, aber schriftlich medialen Situationen, wird vermehrt Dialekt geschrieben. Auch die Rapporte der Aussendienstmitarbeiter (AD-Mitarbeiter-zur Zeit der Datenerhebung sind nur Männer im AD-Team) einer Handelsfirma, die in der Studie "Sprachmanagement im professionellen Netzwerk" mitgewirkt hat, weisen Muster auf, die nicht dem schweizerdeutschen Standard entsprechen. An welchen Normen orientieren sie sich? Ein Einfluss auf die Schreibsprache durch die Literalisierung der oralen Dialektkultur wird von Dürscheid (2011: 179) festgestellt. Sie spricht das Thema der Oralität der Dialektkultur und von dialektal verfassten SMS an. Textsorten, die sich zwischen einer konzeptionell mündlichen und einer konzeptionell schriftlichen Ausdrucksweise (vgl. Koch & Oesterreicher, 1994) befinden, könnten diesem Einfluss besonders ausgesetzt sein. Die Rapporte der AD-Mitarbeiter werden auf diese Vermutung
Erscheint in: Wahrheit, Wissen und Erkenntnis in der Literatur: philosophische Beiträge. Hrsg. von Christoph Demmerling und Íngrid Vendrell Ferran. Berlin: Akademie Verlag, 2014.
Orientiert man sich an der Anzahl der einschlägigen Publikationen, so kann man feststellen, dass die Aufmerksamkeit, die Philosophinnen und Philosophen dem Thema Literatur widmen, in den letzten Jahren stark zugenommen hat. 2 Dies ist nicht zuletzt der Formulierung verschiedener vermeintlicher Paradoxa geschuldet, etwa dem Paradox der Fiktion, also der Frage, ob wir genuine Emotionen für fiktionale Personen empfinden können, obwohl wir wissen, dass diese nicht existieren; dem Paradox der Tragödie bzw. des Horrors, also der Fragen, wie es möglich ist, dass wir uns an einer Tragödie bzw. einem Horrorfilm erfreuen, obwohl die dargestellten Ereignisse Mitleid oder Entsetzen hervorrufen sollten; oder der Frage nach dem kognitiven Wert fiktionaler Werke, also der Frage, ob fiktionale Texte kognitiven Gehalt haben und also unser Wissen bereichern können, obwohl die in ihnen enthalten Propositionen falsch sind. 3 In diesem Befund manifestiert sich ein zwiespältiges Bild, das den Zustand der Disziplin gut wiedergibt: Während sich die Philosophie der Literatur immer mehr zu einer selbständigen philosophischen Teildisziplin entwickelt, ist festzustellen, dass viele Beiträge zur Debatte kein genuines Interesse für Literatur zeigen. Oft stehen vielmehr Fragestellungen der Sprachphilosophie, der Erkenntnistheorie, der Metaphysik oder der Gefühlstheorie im Mittelpunkt, die außerdem zumeist nicht am Phänomen Literatur, sondern an dem der Fiktion abgearbeitet werden -was sich nicht zuletzt in den eben erwähnten Paradoxa zeigt. 1 Ich danke Daniel Steuer für wertvolle Hinweise und Anregungen zu einer früheren Fassung dieses Textes. 2 Als Beleg für das zunehmende Interesse sowie dafür, dass die Philosophie der Literatur daran ist, sich zu einer eigenständigen philosophischen Teildisziplin zu entwickeln, kann der Hinweis genügen, dass die Anzahl der Anthologien, Hand-und Einführungsbücher zur Philosophie der Literatur in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Vgl. John/Lopes (2004), Eldridge (2009), Lamarque (2009), Hagberg/Jost (2010) sowie Carroll/Gibson (im Erscheinen). 3 Diese Problemstellungen sind freilich nicht neu, sind aber durch pointierte Diskussionsbeiträge wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Ich erinnere hier für das Paradox der Fiktion an Radford (1975), für das Paradox des Horrors an Carroll (1990) und für das Problem des kognitiven Gehalts der Fiktion an Stolnitz (1992).
Zeitschrift für Psychodrama und Soziometrie, 2018
ab, suchen leidenschaftlich und finden uns wieder in den Bemühungen, der schwierigsten Kommunikation aller Beziehungsarten, weil sie eben der ehrlichste Spiegel von uns ist, auf die Spur zu kommen. Dazwischen werden szenische Gedanken über die verschiedenen Stadien der Liebe und ihrer Sprachen eingebracht.
Visions of Community– VISCOM, 2018
Dass jedes Volk seine Sprache hat, scheint aus dem Blickwinkel unserer Kultur zunächst selbstverständlich. Seit der Antike gilt Sprache als ein, ja zuweilen als das Definitionsmerkmal des Volkes: "Der Inbegriff von Menschen, welche dieselbe Sprache reden". 1 Der moderne Nationalismus ging noch weiter und hat in der Sprache den Ausdruck der innersten ‚Seele' eines Volkes gesehen; oft wurde davon ein politischer Auftrag abgeleitet. 2 "Soweit die deutsche Zunge reicht", so Ernst Moritz Arndt 1813, sollte "ganz Deutschland" geeint werden. 3 Dementspechend war und ist die Durchsetzung und einheitliche Lehre der Nationalsprache, oft genug auch die Unterdrückung anderer auf dem Territorium eines Nationalstaates gesprochener Sprachen ein zentrales Anliegen vieler europäischer Nationalbewegungen. 4 Im Europa des 21. Jahrhunderts werden Baskisch, Katalanisch, Irisch, Walisisch, Korsisch als unverzichtbare Wesensmerkmale ‚unterdrückter' Nationen propagiert, selbst dort, wo kaum jemand sie als Muttersprache spricht. Auch wo nationale Einheitlichkeit nicht gewaltsam angestrebt wird, kann der Sprachenstreit zu politischer Lähmung führen, so bei den Bemühungen, Belgien schrittweise sprachlich aufzugliedern. Die Debatte um ein paar zweisprachige Ortstafeln mehr oder weniger wurde noch im 21. Jahrhundert in Kärnten von führenden Politikern populistisch angeheizt. Nach zwei Jahrhunderten nationaler Sprachpolitik wird deutlich, dass der Traum von der sprachlich und ethnisch einheitlichen Nation nicht realisierbar ist. Nicht einmal die alten Nationen Westeuropas, England, Frankreich und Spanien, sind frei von Widerständen gegen die nationale Einheitssprache; im Gegenteil, diese verliert eher an Boden. Auch kleine Nationen wie die Schweiz, Belgien oder Finnland sind mehrsprachig, während Sprachen wie Deutsch, Französisch, Englisch oder Niederländisch in mehreren Nationen als Mehrheitssprache gesprochen werden. Sprache und nationale Identität sind also selbst mit großem politischem Aufwand und in langen Zeiträumen nicht zur Deckung zu bringen, so ließe sich die bisherige Erfahrung der europäischen Moderne zusammenfassen. Freilich, die moderne Nation ist letztlich territorial und nicht notwendiger Weise ethnisch begründet. Die unüberbrückbare Differenz zwischen Sprache und nationaler Identität könnte auch daran liegen. Sollten wir daher die Identitätswirksamkeit der Sprache auf der Ebene der Ethnie suchen? 5 Aus dem modernen Befund ist diese Frage gar nicht so leicht zu beantworten, denn ethnische Gruppen sind in Europa, aber auch anderswo vom Prozess der Nationsbildung erfasst und in ihrer Rolle verändert worden: gleichgültig, ob sie selbst zur Nation wurden und nach Vereinheitlichung eines unweigerlich vielsprachigen Territoriums strebten, oder ob sie als Minderheit in einem fremden Nationalstaat Halt an der Sprache suchten. Die Geschichte des Frühmittelalters hingegen gibt gute Vorausset
Pandemi ve Sonrası Germanistik, 2022
Sakarya Maden, S. & Arabacı, B. (2022). Mehrsprachiger und multikultureller Fremdsprachenunterricht: Eine Litereturrecherche. In: S. Sakarya Maden, H. Asutay, S. Akol Göktaş, R. Şentürk, B. Arabacı (Ed.) Pandemi ve Sonrası Germanistik (pp. 162-183). Trakya Üniversitesi. ISBN:978-975-374-337-2
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