Montag, 260119

Nachlaufendes Bild

Manchmal schaue ich herein, bei Instagram. Die hiesigen Algorithmen kennen, so scheint es, die dunklen Ecken meiner Seele, was nicht wundert, wenn ich so einer Gothic-Seite folge. Ab und zu werden mir so Bilder präsentiert, die ich meist überfliege, weil, so brennnend interessiert mich das nun auch nicht. Anders dagegen ein Bild neulich, natürlich war es nur kurz da und schnell wieder fort, ohne von mir gesichert zu werden. Aber im Gedächnis geblieben ist es dennoch, das mutmasslich gemalte (oder generierte) Bild ging subkutan. Ich versuche es mal zu beschreiben.

Ein vermülltes, dreckiges Zimmer. An einem überdimensionalen Heizkörper sind verwahrloste, spärlich bekleidete und schmutzstarrende junge Frauen mit Ketten gefesselt. Überall Essenreste und Abfall. Erst zeitversetzt nehme ich etwas nicht sofort Augenscheinliches wahr, ein Detail, das mir im gezeigten Elend erst einmal durchgegangen ist. Erst dachte ich an Zöpfe, aber nein, die gequälten Frauen haben Flügel, die zusammengerollt und gefesselt sind. Alle. An der Stelle erstarre ich kurz und scrolle dann schnell weiter.

Muss wohl etwas mit mir zu tun haben, sonst hätte es mir nicht so eine Gänsehaut gemacht. Ein Engel bin ich nicht, dafür muss ich wohl noch einige Male wieder herkommen, auf diese Erde. Wenn überhaupt. Aber das mit den gefesselten Flügeln verfolgt mich, vermutlich lassen eigene Blockaden grüßen.

Irgendwo dahinten ist Licht. Hinter diesen dicken Rolladen, die vor unseren alten Fenstern und vor meiner Seele hängen. Solange ich eine Ahnung davon habe, gehe ich weiter. In 1, 2, oder 3 Jahren ist nichts mehr, wie es ist. Soviel ist sicher. Mein ungeliebter Beruf (war nicht immer so), ein fast 18jähriger Kater, der nächtens mit seinen Ahnen spricht und meine gut 90jährige Mutter und gewisse eigene Derangiertheiten. Alle zusammen sorgen gerade für reichlich Kurzweil, freundlich formuliert. Und doch läuft sie, die Uhr. Und danach? Irgendwas mit Flügeln, ungefesselt, und mit Licht. Wird sich finden.

Dienstag, 230411

Ostern 2023 ist vorüber, mit viel Familie, was mich gefreut hat. Wieder ist so genannter Alltag, und doch ist etwas anders als zuvor. Die Arbeit läuft sich langsam warm, man urlaubt noch ein wenig. Zeit, um Liegengebliebenes aufzuarbeiten. Auch mal gut. Kleiner Höhepunkt der Osterfeiertage: FB-Algorithmen im Verbund mit meiner angeborenen Neugier führen mich zu einem längst verloren geglaubten alten Freund. Das ist etwas besonderes, weil die meisten Menschen, mit denen ich einst zu tun hatte, entweder sehr gut mit sich selbst bzw ihrer Familie beschäftigt sind (in unserem Alter eher die Regel denn die Ausnahme) – oder tot. Auch das ist Teil der Wahrheit.

Zeit für Bilder, die für sich selbst sprechen.

Ölberg mit Morgensonne.

Friedhofskirche mit Angeber-Magnolien.

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Kalkuliertes Ableben

Das Algorithmen mit Risiko-Faktoren arbeiten und so die Prämienhöhe mancher Versicherung berechnen, ist an sich nichts Neues. Neu dagegen ist mir diese kalte Kosten-Nutzen-Analyse made in USA. Alles, was machbar ist, wird auch angewandt … es ist gruselig. Maschinen errechnen so das potentielle Todes-Datum, spielen sich mitsamt ihren Programmierern Gott-ähnlich auf.

http://www.tagesschau.de/inland/todesalgorithmus-101.html

Niemand bezweifelt ein Abwägen von medizinischen Eingriffen, abhängig vom Lebensalter. So ist mir das Schicksal einer alten Dame noch gut in Erinnerung. Mit 92 Jahren stimmte sie dem Einsatz eines Herzschrittmachers zu, um anschließend nach einem Sturz und folgender Bettlägerigkeit fast ein Jahr lang nicht sterben zu können. Des Menschen Wille kann in letzter Konsequenz grausam sein.

Geht es jedoch so weit wie nun in den Staaten, ist für mich eine rote Linie überschritten. Was nicht viel helfen wird, da früher oder später alle Unsäglichkeiten ihren Weg nach Europa finden werden, leider. Was bleibt, ist die Hoffnung, den Maschinen beizeiten ein Schnippchen schlagen zu dürfen, siehe das im Artikel angeführte Beispiel.

Und ich gebe dann auf, wenn ich aufgebe, und nicht, weil mir eine Maschine das sagt.

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