Nachlaufendes Bild
Manchmal schaue ich herein, bei Instagram. Die hiesigen Algorithmen kennen, so scheint es, die dunklen Ecken meiner Seele, was nicht wundert, wenn ich so einer Gothic-Seite folge. Ab und zu werden mir so Bilder präsentiert, die ich meist überfliege, weil, so brennnend interessiert mich das nun auch nicht. Anders dagegen ein Bild neulich, natürlich war es nur kurz da und schnell wieder fort, ohne von mir gesichert zu werden. Aber im Gedächnis geblieben ist es dennoch, das mutmasslich gemalte (oder generierte) Bild ging subkutan. Ich versuche es mal zu beschreiben.
Ein vermülltes, dreckiges Zimmer. An einem überdimensionalen Heizkörper sind verwahrloste, spärlich bekleidete und schmutzstarrende junge Frauen mit Ketten gefesselt. Überall Essenreste und Abfall. Erst zeitversetzt nehme ich etwas nicht sofort Augenscheinliches wahr, ein Detail, das mir im gezeigten Elend erst einmal durchgegangen ist. Erst dachte ich an Zöpfe, aber nein, die gequälten Frauen haben Flügel, die zusammengerollt und gefesselt sind. Alle. An der Stelle erstarre ich kurz und scrolle dann schnell weiter.
Muss wohl etwas mit mir zu tun haben, sonst hätte es mir nicht so eine Gänsehaut gemacht. Ein Engel bin ich nicht, dafür muss ich wohl noch einige Male wieder herkommen, auf diese Erde. Wenn überhaupt. Aber das mit den gefesselten Flügeln verfolgt mich, vermutlich lassen eigene Blockaden grüßen.
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Irgendwo dahinten ist Licht. Hinter diesen dicken Rolladen, die vor unseren alten Fenstern und vor meiner Seele hängen. Solange ich eine Ahnung davon habe, gehe ich weiter. In 1, 2, oder 3 Jahren ist nichts mehr, wie es ist. Soviel ist sicher. Mein ungeliebter Beruf (war nicht immer so), ein fast 18jähriger Kater, der nächtens mit seinen Ahnen spricht und meine gut 90jährige Mutter und gewisse eigene Derangiertheiten. Alle zusammen sorgen gerade für reichlich Kurzweil, freundlich formuliert. Und doch läuft sie, die Uhr. Und danach? Irgendwas mit Flügeln, ungefesselt, und mit Licht. Wird sich finden.
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