Wo sind sie geblieben die Worte?
Ich suche in den Ecken
und anderen Verstecken
Sprachlos ist bitter
Erzeugt im Innern Seelengezitter
Auch kleinste Wortkinder
hüten wie einen Schatz
Jedes Wort hat seinen Platz
im gesprochenen Satz
Beiß nicht auf die Zähne
öffne den Mund
tue endlich deine eigenen
Worte kund
Mit Ohren – Blicken und offenen Sinnen
den Neuankömmlingen
den Willkommensgruß bringen
Schließ sie ins Herz
öffne dich gleich
So wirst du an ehrlichen
Worten sehr reich
In Sprachlosigkeit liegt Ohnmacht
Ohne Macht
Ausgeliefert dem Dunkeln im Raum
Wortlos wird deine Seele verkümmern
deinen Zustand stetig verschlimmern
Deine Zunge vertrocknet
ohne Wortlichter im Raum
Deine Seele sucht Sprachfetzen
und atmet sie ein
Warum lasst ihr Worte die Seelen allein?
Ach, ihr habt sie gesucht und nicht entdeckt?
Seid eifrig – blickt unter die Decken
da müssen irgendwo tief verborgen
und ängstlich versteckt
die Seelen der Menschen stecken
Ihr Wortsucher – geht endlich ans Werk
Befreit die Seelen von ihrem Ballast
Werft Berge von Schutt auf die Halde
Wortgestöber entfaltet sich wieder
schüttelt zusammengeknüllte Gedanken
zurecht
Gibt ihnen Raum – befreit sie
aus dem Dunkel der tiefen Verliese
Noch purzeln sie alle durcheinander
ordnen sich dann und finden
Einlass in prächtige Räume
preschen ab und zu durch halb zerfallene Zäune
Sie sind wieder da – haben die entsetzliche
Sprachlosigkeit zwischen den Menschen
durchbrochen
Der Mensch darf wieder hoffen
Zweitausendundsieben habe ich diese Worte geschrieben und wußte nicht, daß ein Zeitpunkt kommen könnte, an dem ich der Meinung bin, daß sie tatsächlich passen, denn zwischen den Menschen herrscht viel zu oft kein Verstehen mehr und sie denken zu schnell an Gewalt…
Das Foto zeigt ein Werk von Corry K., die die Großmäuligkeit der Menschen unter die Lupe genommen hat.