Wabi-Sabi

Januar 7, 2026 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Zifferblätter von Uhren können mit der Zeit altern, dunkler werden. Rolex Händler sprechen bei ganz dunklen Zifferblättern gerne von →Tropical, obgleich die Uhr niemals in den Tropen war. Der allgemein gebräuchliche Terminus für die Verfärbung ist →Patina. Wenn die vollständig gleichmäßig wäre, würde das niemanden stören, aber meistens sieht das eher so ähnlich aus wie auf disem Photo. Man sollte nicht versuchen, mit sogenannten Zifferblattbürsten und irgendwelchen Flüssigkeiten dem Ganzen beizukommen. Mein Uhrmacher, der alles konte, hat mir mal den ganzen braunen Firnis vom Zifferblatt einer alten Eterna abgezogen. Sah danach wie neu aus, nur der SchriftzugEterna hat bei der Methode etwas gelitten. Wenn man ein schönes neues Zifferblatt haben will, dann sollte man sich an Spezialisten wie Bethge oder Causemann wenden. Die sind seit mehr als einem halben Jahrhundert im Geschäft, die können so etwas. Der Zifferblatthersteller Cador kann das auch. Der Händler, der diesen King Seiko Chronometer anbot, sagte nicht, dass die Uhr ein völlig versifftes Zifferblatt hätte. Er sagte, dass dies ein seltenes Wabi-Sabi Zifferblatt sei, das die Uhr noch wertvoller machte.

Dieses Wabi-Sabi ist ein japanisches ästhetisches Konzept, das die Schönheit in unvollkommenen Dingen sucht, eine Ästhetik des Unperfekten. Wenn man zum Zen Buddhismus neigt, wird einem Wabi-Sabi vertraut sein. Vom Zen Buddhismus verstehe ich nicht so viel, obgleich ich Zen and the Art of Motorcycle Maintenance.(hier im Volltext) gelesen habe. Man kann Wabi-Sabi als einen Gegenentwurf zu der westlichen →Ästhetik des Schönen sehen, an der sich seit Plato die Philosophen abgearbeitet haben. Allerdings ist die japanische Lehre inzwischen schon ein wenig kommerzialisiert. Und damit meine ich nicht den Uhrenhändler, der ein versifftes Zifferblatt als edles Wabi-Sabi  verkaufen will. Nein, die Vogue gebraucht den Begriff neuerdings häufig und hat schon eine Seite Make-up-Trend: Das japanische Wabi-Sabi zelebriert das Imperfekte.

Um auf die Zifferblätter zurückzukommen: ich lasse sie bei meinen Uhren eigentlich wie sie sind. Ich habe mir einmal von Bethge ein neues Zifferblatt für eine Certina aus den vierziger Jahren machen lassen, das ist sehr gut geworden. Ich kämpfe seit Jahren mit mir, ob ich meine Enicar Sherpa 300 zu Bethge schicken soll. Aber dann finde ich die Patina, die das Zifferblatt bei jedem Lichteinfall anders aussehen läßt, doch sehr interessant. Und die Indices mit den kleinen imitierten Brillis des Seapearl Modells leuchten so schön. Ich genieße das jetzt als Wabi-Sabi.

Im letzten Jahr boten mir meine →Lieblingshändler diese Grand Seiko Quartz zum Kauf an. Sie war von einem Fachmann in Dänemark in ihrem elektronischen Inneren voll überholt worden, hatte aber als Schönheitsfehler ein gleichmäßig helles café au lait Zifferblatt. Das Photo hier täuscht ein wenig, die Farbe ist wirklich gleichmäßig. Ich kaufte die Uhr, weil sie ein originales Stahlarmband (signiert in der Schließe mit GQ) hatte. Das ist bei einer alten Grand Seiko Quartz relativ selten. Und die Zifferblattfarbe finde ich sehr schön. Und vornehm. Eben ein bisschen Wabi-Sabi.

Regattastart

Dezember 4, 2025 § Hinterlasse einen Kommentar

Wenn eine Segelregatta beginnt, müssen alle Boote gleichzeitig an der Startlinie sein. So wie wir das hier auf der Werbeanzeige der Firma Aquastar aus Genf sehen können. Die extra für die Skipper eine Uhr herausgebracht hatte, die die zeitliche Orientierung vor dem Start erleichterte. Das Modell heißt Régate, was französisch für Regatta ist. Die Firma →Aquastar gibt es erst seit 1958, sie ist spezialisiert auf Taucheruhren. In dem Post Taucheruhren wurde die Firma allerdings nicht erwähnt, ich dachte, ich hebe sie mir für später auf. Aber in dem Post Blazer war schon eine Aquastar Geneve Regate Olympic Start zu sehen, die allerdings von der Firma Tissot kam. Auch die Firmen Duward, Heuer und Lemania haben solche Segleruhren gebaut. Lemania hatte auch eine Uhr mit dem Namen des dänischen Seglers →Paul Elvström im Programm. Omega offerierte später mit der →Seamaster APNEA noch etwas Ähnliches. Heute sind diese Uhren selten und sehr teuer geworden.

Es sind Chronographen, die anstelle der üblichen Hilfszifferblätter fünf Kreise auf dem Zifferblatt haben. Wenn man den Drücker oberhalb der Krone drückt, springt der rote Sekundenzeiger auf Null. Und die fünf Scheiben, die eben noch die Farbe des Zifferblatts hatten, färben sich mit einem Schlag blau. Und hier können wir sehen, dass der Sekundenzeiger noch sechzehn Sekunden laufen muss, dann ist die linke Scheibe ganz rot. Dann ist die erste Minute vergangen. Danach färben sich minutenweise alle Scheiben rot, danach minutenweise schwarz. Wenn der letzte Kreis wieder schwarz ist, muss man mit dem Boot an der Ziellinie angekommen sein. Sie können das Ganze auch auf diesem kleinen *Video sehen.

Die Uhr ist 39 mm groß, wiegt 100 Gramm und ist mit 16 Millimetern ziemlich dick. Der →Flyback Chronograph der Firma Lemania (Kaliber 1345), den Albert Piquet konstruiert hatte, braucht viel Platz. In den ersten Uhren war noch ein →Felsa 4000N mit einem aufgesetzten →Modul gewesen, aber das konnte nur fünf Minuten zählen. Doch die zehn Minuten, die der Segler nach dem ersten Startschuss hat, sind wichtig. Also ging man zu dem Lemania Kaliber über. Wenn Sie viel Zeit haben, können Sie hier die →Regattaregeln lesen. In einer alten Firmenbroschüre kann man lesen guaranteed waterproof to sixty feet, aber ich glaube, das ist ein Druckfehler. Das Gehäuse der Uhr ist so massiv, dass sie bestimmt hundert Meter wasserdicht ist.

Frédéric Robert, der die Uhr auf den Markt brachte, brauchte dafür keine neue Firma zu gründen, er änderte einfach den Namen der Firma, die er von seinem Vater geerbt hatte. So wurde aus Daniel JeanRichard die Firma Aquastar. Die Firma Daniel JeanRichard, die heute Girard-Perregaux gehört, hat hier im Blog schon einen interessanten Post, der leider nicht so häufig gelesen wurde. Meine  Aquastar Geneve Regate Olympic Start ist aus den späten siebziger Jahren, ich habe sie seit einem Vierteljahrhundert. Mein Uhrmacher hatte sie mir damals geschenkt. Ich habe der Uhr gerade eine Revision und ein neues Armband (orange) spendiert. Nord- und Ostsee hat die Uhr nie gesehen. Aber auf Kindergeburtstagen war sie früher eine Sensation. Heute nicht mehr, da glotzen die Kiddies alle nur noch auf ihr Handy.

Segelboote kommen ziemlich häufig in diesem Blog vor. Gesegelt bin ich mit meiner Aquastar nie, in den Jahren des Segelns hatte ich immer meine Tissot Seastar Seven oder die →Tissot T12 mit dem Gay Frères Band am Arm. Die beide nach mehr als einem halben Jahrhundert und mehreren Berührungen mit dem nassen Element immer noch sehr gut gehen. Die besten Posts über Segelboote in diesem Blog sind: SegelbooteMax OertzBaselsaudadeDie Weser: ein langer Fluss, ein langer Text.

6.666.666

Oktober 23, 2025 § Hinterlasse einen Kommentar

Mit dem Post Literatur tauchte am 3. Januar 2010 um 22:22 ein neuer Blogger im Internet auf. Der wusste noch nicht so recht, was er wollte. Und er wusste auch nicht, wie das Ganze funktioniert. Seit dem Juli 2010 wurde der Blogger Jay von Googles Zählmaschinen gezählt, vorher nicht, das hatte er mit denen so abgemacht. Wie viele Leser er hatte, wusste Jay erst am Endes des Jahres 2010, weil er die Seite mit der Leserstatistik noch nicht gefunden hatte. Inzwischen weiß er das. Heute mittag waren es 6,666,666. 

Genau um 13:15. Das hat mir meine neue Citizen Crystron gesagt. Wo ich nun beinahe alle Seiko Quarzuhren der siebziger Jahre habe, dachte ich, ich müsste auch mal eine von Citizen haben. Die Uhr mit dem Namen ✺Crystron war Citizens Flaggschiff der siebziger Jahre. Es gab davon auch eine Mega Version in Gold, die 4,5 Millionen Yen kostete und die genaueste Uhr der Welt war. Dies hier ist eine einfache schlichte Crystron, keine Crystron 4 Mega. Kostete auch nicht die Welt, die 4 Mega Modelle kosten nach fünfzig Jahren heute immer noch vierstellig. Die Crystrons der siebziger Jahre sind allerdings schon ein wenig rar geworden. Meine 36 mm breite und sehr flache Uhr sieht in der Wirklichkeit besser aus als auf diesem Photo. Charmanterweise hat die Uhr noch ein Acrylglas und geht märchenhaft genau. Nach einem Vierteljahr immer noch an der Atomzeit dran. Das HAQ (High Accuracy Quartz) Werk soll fünf Jahre mit einer Batterie laufen.

Google KI weiß natürlich nicht, woher der Name Crystron kommt, der Blogger Jay weiß das aber. Seikos erste Quarzuhr hieß Astron, und dieser Name hat etwas mit Astronomie zu tun. Aber Crystron? Es sind zwei englische Wörter, aus denen der Name gebildet wurde. Zum einen crystal, zum anderen electronic, mit beiden Dingen hat eine Quarzuhr ja etwas zu tun. Ich fand das Originalband (CQ signiert, für Citizen Quartz) auf dem Photo in der Anzeige nicht so toll, aber der Herr Reitberger von der Firma Tokei Japan hat mir noch ein anderes Citizen Band spendiert. Liegt auf dem Photo links neben der Uhr. Hatte ich dran gebaut, das war aber ästhetisch nix. Diese Uhr, die aussieht, als hätte Dieter Rams sie designed, brauchte das flache Originalband. Das hat sie jetzt wieder.

Die 6.666.666 Leser von heute werden noch nicht mit Whisky gefeiert, weil ich immer noch Husten, Schnupfen, Heiserkeit habe, aber es geht aufwärts.

last, but not least: die Seiko Lord Quartz

August 5, 2025 § Hinterlasse einen Kommentar

Was mit einer Seiko Quarzuhr anfing, ist inzwischen zu einer kleinen Sammlung geworden. Jetzt habe ich für jeden Wochentag eine. Vielleicht sollte ich mich bei der Selbsthilfegruppe der Japan Quartz Verrückten anmelden, die es im Uhrforum gibt. Als ich die 6.400.000 Leser erreichte, erwähnte ich meine Seiko QT. Dass ich eine QZ besaß, habe ich schon in dem Post niemals nie sagen erwähnt. Die →QZ mit dem Diamond Dust Zifferblatt, die ich sehr mag, blieb bei der letzten Sommer- oder Winterzeit Umstellung einfach stehen. Aber die Firma Tokei Japan, der ich meine Seiko Sammlung verdanke, wusste Rat. Die haben nämlich einen Spezialisten in Dänemark, der fünzig Jahre alte Quarzuhren servizieren und reparieren kann. Hat ein bisschen gedauert, aber ich bekam Zwischenberichte und Photos von den Fehlerquellen. Der Fachmann hat die Uhr auch neu einreguliert, das kann man ja mit den High End Quarzwerken der siebziger Jahren machen, die alle noch sieben oder neun Steine haben. Billige Quarzwerke haben heute keine Lagersteine mehr, die kann man auch nicht mehr reparieren, die wirft man einfach weg. →Ali Express liefert ein neues Werk für99 Cent. Der tolle Service von Tokei Japan hat mich übrigens keinen Pfennig gekostet, und die Uhr läuft im Augenblick synchron mit der Funkuhr.

Meine älteste Quarzuhr ist von 1972, die jüngste von 1978. Beinahe alle sind JDM Uhren (Japanese Domestic Market). Lediglich die Modelle QR, QT und QZ sind unter den Namen Seiko Quartz 2002, 3003 und 4004 nach Europagelangt. Diese Uhr ist aus dem Jahr 1972, das kann man an der Zahl auf dem Gehäuseboden ablesen, die mit einer 2 anfängt. Die Uhr hat auch noch keinen glatten Gehäuseboden, der verschraubte Deckel vom Batteriefach steht hervor. Batteriefresser, pflegen Flohmarkthändler zu sagen, wenn sie diese Uhren sehen. Weihnachten 1969 war Seiko mit der ersten →Quarzuhrauf den Markt gekommen. Hundert Exemplare in Gold zum Preis von 450.000 Yen. Dafür hätte man sich auch einen Toyota Corolla kaufen können. Der Gehäuseboden der Astron sah dem Boden dieser Uhr sehr ähnlich.

Die  ✺Seiko Lord Quartz kam 1978 als letzte aus der Seiko Aristokratie von Grand, King und Lord auf den Markt. Obgleich sie in der Seiko Hierarchie unter der King Seiko positioniert war, war sie teurer als die King Seiko, weil sie ein ganz neues Werk hatte. Sie wurde nur zwei Jahre gebaut und ist deshalb ziemlich selten. Seiko hörte damals auf, die schweineteuren High End Quarzuhren zu bauen und ging zu Uhren über, die man bezahlen konnte. Die bekamen den Namen Type II,  die waren noch nicht wirklich billig, aber doch viel preiswerter. Und es gab sie in 95 Modellvarianten. Quarzuhren waren in den siebziger Jahren teuer, auch die erste deutsche Quarzuhr, die Junghans →Astro Quarz, kostete beinahe tausend Mark. Eine japanische Seiko war noch teurer, aber sie war auch the world’s standard. Damit konnte die Firma werben, die die Quarzuhr erfunden hatte. Und die wirklich an diese Uhr glaubte. Und deshalb alle Patentrechte für die ganze Welt freigegeben hatte.

Die Seiko Lord Quartz war aus HSS (hardened stainless steel); auf diesen Stahl, der eine HBW Härte von 450 auf der Brinell Skala hatte, war Seiko ganz besonders stolz. Diesen Stahl haben auch die Superior und viele Grand Seiko und King Seiko Modelle. Meine Lord Seiko hat ein sogenanntes linen dial, das von ganz feinen Linien durchzogen ist. In Zifferblättern ist →Seiko ja ganz groß, man kann schon sagen, dass die Japaner Zifferblattfetischisten sind. Eine ✺Grand Seiko mit einem Diamond Dust Zifferblatt wird von Sammlern heute immer noch gesucht. Was in den siebziger Jahren das Diamond Dust Zifferblatt war, heißt heute bei Grand Seiko (die inzwischen nicht mehr ein Modellname, sondern eine eigene →Firma sind) nicht mehr Diamond Dust, sondern →snowflake.

Das Quarzwerk in der Lord Seiko (zuerst Kaliber ✺Kaliber 7143, dann das teurere Kaliber ✺7853) ist kein Batteriefresser mehr, es soll fünf Jahre mit einer Qualitätsbatterie laufen. Das kann ich nicht mehr testen, denn ich habe meine Lord gerade einem guten Freund geschenkt. Ich konnte sie entbehren, weil ich ja für jeden Wochentag eine High End Quarzuhr habe. Das sind die drei cuties, die mit einem Q anfangen, drei Grand Seikos (eine mit dem originalen →Stahlband) und die Superior. Die Lord war nie wirklich mein Liebling, sie war mir zu modern und zu elegant, hatte nicht mehr das scharfkantige →Tanaka Design. Und sie war mir zu flach, meine geliebte QT ist vier Millimeter höher. Und dicker. Deshalb mag ich die Dinger, weil sie so knuffig sind. Die frühen Quarzuhren von Seiko mit den ersten →38er Kalibern hatten noch keine Temperaturkompensation wie die ✺Superior oder die →Twin QuartzUhren. Brauchen sie auch nicht, sagte mir ein Fachmann, die haben so dicke Gehäuse, da macht sich keine Temperaturänderung am Quarzwerk bemerkbar. Ich glaube das mal.

Noch mehr zu Seiko in den Posts: königlichein letztes Mal: SeikoCronosdie goldene SeikoQuarzuhren (III)ChronometerQuarzuhren (II)niemals nie sagenMoerisQuarzuhrenWeltzeituhren

Schreibfehler

Mai 19, 2025 § Hinterlasse einen Kommentar

Schreibfehler passieren mir immer wieder. Zum Glück korrigiert mein Freund Georg die immer wieder aus dem Text heraus. Schreibfehler eines Bloggers in einem Post sind nicht so schlimm, in offiziellen Dokumenten sollen sie nicht sein. Dass in dem Wehrpass, den ich vom Kreiswehrersatzamt bekam, Jesus statt Jay stand, das war schon ein schlimmer Fehler. Ich habe keinen neuen Wehrpass bekommen, die haben nur drin radiert, das Jesus ist immer noch ein bisschen zu sehen. Mein Opa besaß diese Briefmarke, die oben rechts auf dem Bild ist. Da steht statt Deutsches Reich etwas drauf, das ein klein wenig anders ist. Nämlich Dfutsches Reich. Opa glaubte immer, dass die Briefmarke sehr wertvoll sei. Das Deutsche Reich war zwar futsch, aber die Briefmarke war nicht wirklich wertvoll. 

Dass Uhrenfirmen mal einen Fehler bei den Zifferblättern machen, ist schon vorgekommen. In dem Post Groschmann dägi finden Sie eine IWC mit einem unglaublichen Zifferblatt. Die Firma Rolex hat mal bei einer →Daytona vergessen, dass Wort Daytona drauf zu schreiben. Aber der schönste Schreibfehler ist ganz neu. Er betrifft eine Damenuhr aus der Kollektion Inauguration First Lady von Donald Trump. Die kommt aus der Schweiz von einer Firma, die eine Million Private Label Billiguhren im Jahr herstellt. Eine dieser Uhren hatte sich jemand für 640 Dollar auf der Seite GetTrumpWatches gekauft, um sie seiner Gattin zu schenken. Als die Uhr ankam, musste der Käufer feststellen, dass da nicht Trumpsondern Rump draufstand. Das Wort rump bezeichnet im Englischen das Hinterteil. Ja, wenn man Uhren aus der Donald Trump Limited Edition bestellt, dann bekommt man schon etwas ganz Besonderes.

Vor einem Jahr kam Trump, der auch schon Bibeln und Rasierwasser verkauft hat, mit einer Uhr für 100.000 Dollar auf den Markt.  Die goldene →Trump ‚Victory‘ Uhr beschrieb der Guardian als This ostentatious gold monstrosity might just be the tackiest thing he – or indeed anyone – has brought out, ever. Neben diesem Monster gab es eine Linie von Trump Uhren, die nur 600 Dollar kosteten. Innen drin tickt ein japanisches Werk, das Seiko NH35, dass Seiko längst an Dritthersteller ausgemustert hatte. Kostet bei Temu und Ali Express 20 Dollar. Für den Namen Trump muss man ein bisschen mehr bezahlen. Auch wenn man nur Trumps Hinterteil bekommt.

6.400.000

März 26, 2025 § Hinterlasse einen Kommentar

Dass hier am frühen Morgen die Zahl von 6.400.000 Lesern auftauchen würde, das war war mir gestern Abend klar. Ich feierte das Ereignis, indem ich mir bei kleinanzeigen um Mitternacht eine gerade reduzierte →King Quartz Seiko kaufte. Die hatte ich noch nicht, beinahe alle anderen 70er Jahre Quarzuhren von Seiko besitze ich schon. Das war die große Zeit von Seiko, als sie beinahe jedes Jahr ein neues Quarzwerk zu Preisen zwischen 2.500 und 25.000 Dollar herausbrachten. Dass ich eine Seiko QT (Bild), eine der ersten Quarzuhren von Seiko, aus dem Jahre 1973 besitze, wissen Sie noch nicht. Sie ist groß, schwer und scharfkantig. Ich weiß nicht, ob das noch das →Tanaka Design oder schon das Space Age Design ist. Meine Freunde bei Tokei Japan hatten mir da zum Geburtstag ein besonderes Angebot gemacht, jetzt weicht das Monster nicht mehr vom Arm. Wenn man das QT englisch ausspricht, erhält man das Wort cutie, ein kleines Schätzchen. Und das ist diese Uhr auch. Die neue King Quartz wird hier irgendwann im Blog auftauchen; und ich gönne mir heute am Abend einen kleinen Whisky, oder einen kleinen Whiskey wie am Saint Patrick’s Day. Und ich bedanke mich bei den vielen Lesern und bei dem Daniel, der mir einen schönen Preis für die luxuriöse King Quartz gemacht hat.

Chronometer

Februar 12, 2025 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Observatorien von Neuchâtel, Genf und Kew, die seit dem 18. Jahrhundert bestanden, haben neben dem Beobachten von Sternen auch Uhren getestet. Spätestens als John Harrison dem Board of Longitude die erste genaue Uhr der Welt lieferte (die Larcum Kendall nachbaute), wussten sie, dass sie in der Zukunft nicht nur Sterne beobachten würden. England brauchte genau gehende Marinechronometer, um die Seeherrschaft zu gewinnen. Das Britannia rule the waves verdankt England seinen Uhrmachern. Zuerst kamen nur Taschenuhren zur Prüfung, die als Marinechronometer bei der Flotte Einsatz fanden. Die hatten noch keine Ankerhemmung, die die Uhren heute haben, die hatten eine Chronometerhemmung. Wie diese Hemmung funktioniert, können Sie hier im ✺Modell sehen. Nach den Uhren mit Chronometerhemmung kamen die sogenannten Halb-Chronometer. Das waren Uhren mit Schweizer Ankerhemmung und einer sehr großen Kompensationsunruhe, die in verschiedenen Lagen feingestellt waren. Der Begriff half-chronometer taucht in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf.

In Deutschland wurden die Marinechronometer bei der 1874 gegründeten Deutschen Seewarte in Hamburg geprüft. Hier lieferten die Chronometermacher aus HamburgGlashütte und →Kiel ihre Uhren zur Prüfung an. Was die Firmen für die Prüfung einreichten, sah häufig nicht wie eine normale Uhr aus. Dies ist ein Movado Marinechronometer, der 1927 die höchste Genauigkeit erreichte. Werte, die meine beiden Movados nie erreichen werden, weder die 28-steinige Kingmatic noch der goldene alte Movado Celestograph.

Die Prüfung für Armbanduhren war für die Sternwarten lange Zeit kein Thema. Zwar ließen seit den 1920er Jahren immer wieder einzelne Hersteller, wie zum Beispiel Rolex, Einzelstücke und kleine Mengen von Uhren zu Werbezwecken testen, aber die umkämpften jährlichen Genauigkeitswettbewerbe in Neuchâtel begannen erst 1945. Zu diesen Wettbewerben reichten die Firmen nur kleine Zahlen von Uhren ein, häufig immer wieder dasselbe Werk. Max Studer, der Regleur und Technische Direktor von Patek hat diese Uhren einmal als hochgezüchtete Formel 1 Renner bezeichnet. Das war die große Zeit von Omega mit ihrem Omega 30 T2 und Zenith mit dem Kaliber 135, die belegten immer die ersten Plätze. Rolex war da nie zu sehen, Hans Wilsdorf war beleidigt und stieg aus den Wettbewerben aus. Sagte, dass er nur noch in Kew prüfen lassen würde. Solche in Kew geprüfte Uhren hat es zwar gegeben, aber es waren in den meisten Fällen Einzelstücke.

Die Wettbewerbe in Neuchâtel fanden 1968, kaum dass sie bgonnen hatten, ein Ende, niemand weiß so Recht warum. Es wurde geargwöhnt, dass die Schweiz befürchtete, dass Seiko, die ab 1963 an den Wettbewerben teilnahmen, die ersten Plätze einnehmen würde. 1965 hatten drei Seiko Werke den Titel Chronometer bekommen, es reichte nur für den 114. Rang. Allerdings konnte Daini Seikosha einen sechsten Platz in der Gesamtwertung aller Hersteller erringen. 1966 qualifizierten sich 32 Seiko Werke, von denen das beste auf Rang neun kam. Daini Seikosha belegte in der Herstellerwertung den dritten Platz. Ein Jahr später waren Daini Seikosha und Suwa Seikosha mit ihren Uhren auf den Plätzen zwei und drei. Dass sich die Schweiz jetzt vor den Japanern fürchtete, was nur berechtigt. Aber wahrscheinlich lag der Abbruch an einem anderen Grund. Und das waren die Quarzuhren, die man zugelassen hatte, die natürlich jeden mechanischen Chronometer schlagen würden. Einen solchen Wettbewerb führen zu wollen, hieße Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

Die Japaner reisten nicht ab, sie glaubten an das per aspera ad astra. Und wechselten von Neuchâtel nach Genf, wo immer noch Chronometerwettbewerbe stattfanden. Die eigentlich nur für in Genf ansässige Firmen vorgesehen waren. Die kleine Sternwarte auf dem Rücken der Omega Constellation zeigt die Genfer Sternwarte, weil Omega damals eine Niederlassung in Genf hatte. Deshalb konnten sie auch eine Modell Geneveherausbringen. Wie Seiko es geschafft hat, in Genf zugelassen zu werden, weiß ich nicht. Aber der Wechsel von Neuchâtel nach Genf war eine gute Entscheidung, denn die Uhrmacherin Kyoko Nakayama wurde für das Werk, das sie einreguliert hatte, ausgezeichnet. Sie war die erste Frau, die an einem Schweizer Observatorium eine solche Auszeichnung erhalten hatte. Es war bisher eine Männerwelt gewesen, in der Regleure wie Alfred Jaccard (Omega), Ephrem Jobin (Zenith) und André Zibach  (Patek) einen Starstatus hatten. Nun sind auch Frauen dabei. Das japanische Arbeitsministerium verlieh Kyoko Nakayama 1971 den Titel Great Craftsperson in the Present World. Ihre Firma schenkte ihr eine Grand Seiko 62GS. Das fünfeckige Kaliber R-67 Uhrwerk, das sie 1968 einreguliert hatte, und all ihre Werkzeuge, mit denen sie gearbeitet hatte, sind heute im Seiko Museum zu besichtigen.

1968 war auch ein gutes Jahr für Daini Seikosha, die ihr neu entwickeltes Handaufzugswerk Kaliber 4500 (ein Verwandter des Kalibers 54 der Cronos) nach Genf brachten. Zwar erreichte ein Drittel der Uhren nicht die Bedingungen, aber der Rest bekam ein Zertifikat. Die Uhren wurden in Japan in Goldgehäuse eingeschalt und hatten Astronomical Chronometer Officially Certified auf dem Zifferblatt. Astronomisch war auch ihr Preis, die Uhren kosteten ein Mehrfaches einer Grand Seiko. Das Wort astronomisch stand deshalb auf der Uhr, weil Neuchâtel damals den Namen Observatoire Astronomique et Chronometrique de Neuchâtel führte. Die Uhren, die die Chronometernorm verfehlten, waren allerdings in Japan in hauseigenen Tests genau gegangen. Was war passiert? Wahrscheinlich hatten sich auf der langen Flugreise die Unruhspiralen magnetisiert, dieses Risiko bestand sogar bei den Nivarox Spiralen immer. Bei den neuen Nivachron Spiralen soll eine Magnetisierung ausgeschlossen sein. 

In dem Konkurrenzkampf der Seiko Töchter hatte jetzt Daini Seikosha die Nase vorn. Das begann mit der King Seiko 44-9990, die viele Sammler heute für die schönste und beste Seiko halten. Daini nahm dieses Werk als Basis und erhöhte die Zahl der Halbschwingungen der Unruhe auf 36.000. Normalerweise haben Schnellschwinger eine ganz kleine Unruhe, aber Daini behielt die Größe der Unruhe des Kalibers 44 bei und setzte stattdessen auf eine enorm starke Feder. Fachleute empfehlen dem Sammler daher, die Uhr nicht ganz aufzuziehen. Bei Schnellschwingern, die mit einem speziellen Öl versehen sind, besteht immer die Gefahr, dass die Federkraft Zacken aus den Zahnrädern heraushaut.

Daini Seikosha baute dieses Werk von 1968 bis 1974, es war das letzte Handaufzugswerk der Firma. Es war auch das letzte Werk der Firma, das von Hand gebaut worden war, danach kam die Automatisierung der Herstellung. Das Werk fand sich nicht nur in der King Seiko, sondern auch in der Grand Seiko 45GS. Das Werk gab es in verschiedenen Qualitätsstufen, manche hatten Chronometer oder VFA (Very Fine Adjusted) auf dem Zifferblatt. Da, wo Chronometer draufsteht, ist nach fünfzig Jahren auch noch Chronometer drin. Meine 45KS, die hier schon im Januar auftaucht, würde heute noch so ein Bulletin de Marche bekommen.

Ich sah die Uhr bei kleinanzeigen, wo sich manchmal interessante Uhren finden. Der Preis für die wirklich seltene Uhr war fair, aber ich wollte sie nicht kaufen. Ich schrieb aber den Verkäufer an und gab ihm die Adresse meines Uhrenblogs, in dem schon viele Seikos waren. Der Blog gefiel ihm, und wir kamen ins Gespräch. Ich wollte den Seiko Chronometer immer noch nicht kaufen, er war teurer als mein Zenith Chronometer oder der Eterna Chronometer. Ich hatte mir eine Obergrenze gesetzt, und ich wollte ja auch keine Uhren mehr kaufen. Der nette Verkäufer sah mein Dilemma. Und er machte etwas Erstaunliches, er setzte den Preis, der eigentlich schon viel zu niedrig für diese Seiko in einem erstklassigen Zustand war, noch einmal herunter.

Den Preis hätte er niemand anderem gemacht, aber nachdem er sich durch den halben Uhrenblog gelesen und auch SILVAE nicht ausgelassen hatte, wusste er, dass sie Uhr in guten Händen war. Das mit den guten Händen sagen sie bei dem blöden Horst Lichter auch immer, und wir wissen, dass es eine Lügenfloskel ist. Nirgends wird über Uhren so gelogen und soviel Unsinn erzählt wie bei Lichter. Die 45KS hat natürlich noch ein Goldplättchen auf dem Boden, manche von den späteren 45KS haben das nicht mehr. Die Uhr ist jetzt an einem hellgrünen Krokoband von Cornelius Kaufmann, das habe ich mal billig vor Jahrzehnten von einem Händler bekommen. Bei dem Preis, den ich damals für eine Handvoll Bänder der Premium Kollektion (Swiss Made) bezahlt habe, vermute ich immer noch, dass die von einem Lastwagen gefallen waren. Ich bin dem Marcel dankbar, dass ich diese Uhr gekriegt habe, die es außerhalb Japans kaum geben wird. Er ist schon ein klein wenig traurig, dass er die Uhr verkauft hat, aber es tröstet ihn, dass sie jetzt wirklich in guten Händen ist. 

Cronos

Januar 19, 2025 § Hinterlasse einen Kommentar


Das sind zwei Uhrwerke der japanischen Firma Seiko, sie sehen sich ziemlich ähnlich. Das linke Werk ist das 54A in einer Seiko Cronos, das rechte ist eine Fortentwicklung des Cronos Werks, es findet sich in der King Seiko 44. Weshalb Seiko den Namen Cronos so geschrieben hat, weiß ich nicht, sie hatten später auch mal ein Modell namens Chronos. Das ist allerdings kein Modell, das von Sammlern gesucht wird, eine alte Seiko Cronos schon.

Man weiß nicht so ganz genau, wer dieser griechische Chronos war, den Goethe als Schwager Kronos bedichtete, aber er hat irgendetwas mit der Zeit zu tun. Weshalb wir seinen Namen in Chronometern, Chronographen und einem Uhrenmagazin namens Chronos wiederfinden. Dieser Chronos wird häufig mit dem Titanen Cronus verwechselt, der der Vater von Zeus war. Der hatte als Attribut, wie Kunsthistoriker diese Beigaben nennen, die Sense. Welches Instrument er auch immer verwendete, er ist derjenige, der seinen Vater Uranos kastrierte. 

Mit all dem hat der Vater der Zeit, der Flügel hat und den Zodiac Bogen dreht, nichts zu tun. Aber irgendwann (nicht in griechischer Zeit) bekam er auf Bildern, Deckengemälden  und Statuen, bei denen er eine Allegorie der Zeit ist, auch diese mörderische Sense in die Hand. Falls Sie ihre Kenntnis von griechischen Göttern, Halbgöttern und Helden auffrischen wollen, kann ich die Lektüre des Posts Heldensagenempfehlen. Das ist ein Post, der schon siebeneinhalbtausend Leser hat (genau zwanzigtausend Leser weniger als der Post Morning Coat).

Die sehr flache 36 mm große Cronos kam 1958 auf den Markt. Es war eine Uhr, mit der die Firma Daini Seikosha dem Modell Seiko Marvel von Suwa Seikosha Konkurrenz machen wollte. In der Geschichte von Seiko hat die Marvel mit 23 Steinen eine besondere Bedeutung, weil man sie als eine Vorstufe der Grand Seiko ansehen kann. Dazu habe ich  hier eine sehr interessante Seite mit dem Titel The birth of Grand seiko or how the Marvel changed Seiko’s history. Wir sind jetzt zehn Jahre vor der Zeit, da Seiko die erste Quarzuhr auf den Markt bringt. Die beiden Abteilungen von Seiko (Suwa und Daini) kämpfen darum, wer die flachste Uhr mit einen Qualitätswerk auf den Markt bringt. Sie werden in dem Jahrzehnt, bevor sie die Welt mit der Quarzuhr Seiko Astron überraschen, erstaunliche Uhren bauen. Alle diese Uhren waren JDM Uhren (Japanese Domestic Market), viele hatten ein Chronometerzertifikat.

Man kann das bei dieser Seiko Goldfeather aus dem Jahre 1960 sehen, dass sie ein ganz flaches Uhrwerk hat. Nur drei Millimeter war es hoch, das flachste Werk der damaligen Zeit. Und es waren zum ersten Mal Werke, die Seiko vollständig selbst konzipiert und gebaut hatte. Vorher hatten sie noch Werke aus der Schweiz bezogen (zum Beispiel von Moeris) und Schweizer Werke kopiert. Jetzt sind sie wirklich eine Manufaktur. Man bezeichnet im Englischen diese eleganten Uhren als dress watch, also Uhren, die man bei besonderen Gelegenheiten trägt. Wenn Daini die Goldfeather hatte, dann hatte Suwa 1960 die → Liner, eine flache dress watch (die es auch als Chronometer gab), die allerdings nur vier Jahre gebaut wurde,

Man trägt damals eine dress watch zu eleganten Anzügen und zum Smoking. Was dieser Herr hier trägt ist definitiv keine dress watch, das ist eigentlich nur geschmacklos. Zurückhaltung ist bei Uhren in den sechziger Jahren noch angesagt. Die Mark Zuckerbergs, die Uhren für 900.000 Dollar tragen, gibt es noch nicht. Im ersten James Bond Film hält man sich noch an die Konventionen, da trägt James Bond auch nicht die fette Rolex, die ihm der Produzent Cubby Broccoli für die Dreharbeiten geliehen hatte; nein, er trägt eine goldene Gruen mit dem Kaliber 510. Sean Connery hat die goldene Gruen übrigens in mehreren Filmen getragen, wir können sie auch in Goldfinger sehen, wenn er mit Oddjob kämpft und die Welt rettet. Kann man alles mit einer Gruen machen, dafür braucht man keine Omega oder Rolex.

Die erste Cronos sah aus wie eine Golduhr, das Gehäuse war allerdings nicht reines Gold, sondern 14K Gold Filled. Das ist aber schon beinahe richtiges Gold. Das Gold Filled Verfahrenwurde früher von den amerikanischen Herstellern von Taschenuhren verwendet, die auf ihre Produkte bis zu siebzig Jahren Garantie gaben. Meine Cronos aus den sechziger Jahren sieht immer noch wie neu aus. Seiko brachte 1959 die Cronos auch mit einem Edelstahlgehäuse heraus, das allerdings nicht mehr acht Millimeter flach war wie die goldene Cronos. 

Es war keine dress watch mehr, es war eine Sportuhr, auf deren Boden → WaterProof stand. Fünfzig Meter sollten es sein. Den Gehäuseboden zierte das kleine Seepferdchen, das sich auch auf meiner alten Seiko Champion 850 Sea Horse (und meiner Skyliner) findet. Seiko verwendete das Seepferdchen als Symbol für wasserdichte Uhren nur bei den Handaufzugsuhren. Wasserdichte Automatikuhren bekamen einen Delphin auf den Gehäuseboden. Auf dem Zifferblatt stand entweder Water50Proof oder Sea Horse und wenn Sie diese Uhr, die Seiko auch als die erste ✺Taucheruhr bewarb (wie man hier sehen kann), mal in voller Arbeit sehen wollen, dann klicken Sie dieses ✺Video an.

Diese beiden Cronos Modelle, die verschieden sind wie Tag und Nacht, haben eins gemeinsam: das Uhrwerk 54. Es hat 21 Rubine und eine ziemlich große (11,5 mm) Unruhe. Die Unruhe wird nicht, wie das bei Armbanduhren sonst üblich ist, von einem Kloben gehalten. Sie ist stabil unter einer Brücke angebracht. Rolex hat sein Kaliber 3135 seit 1988 auch unter einer Brücke. Die Konstrukteure von Uhrwerken wussten immer um diese leichte Schwäche der Stabilität der Antriebseinheit. Deshalb verschraubte Dr Kurtz bei seinen in Westdeutschland hergestellten Glashütter Uhren (die zum ersten Mal in Deutschland eine Breguetspirale hatten) den Kloben ziemlich massiv doppelt. Aber auch bei Seiko war man bei der Lord Marvel und der ersten Grand Seiko mit einem breiten Kloben, doppelter Verstiftung und einer Schraube auf der sicheren Seite.

Daini Seikosha nahm 1961 das Werk der Cronos als Basis für die Kaliber 44A und 4402A der King Seiko. Das Werk bekam zwei Steine mehr und kriegte eine Feinregulierung (manche Modelle hatten auch einen Sekundenstopp). Es war die beste Uhr, die Daini Seikosha bisher gebaut hatte. Sie konnte durchaus mit der Grand Seiko (die auch eine Brücke für die Unruhe hatte) konkurrieren, die später auf den Markt kam. Und wie die Grand Seiko hatte die 44KS auch ein Goldmedaillon auf dem Gehäuseboden. Die Grand Seiko 45GS war 1968 die Antwort von Suwa Seikosha auf die 44KS von Daini. Der Wettbewerb der beiden Seiko Töchter brachte die besten japanischen Uhren der sechziger Jahre hervor.

Eine alte Cronos im guten Zustand zu finden, ist schwierig geworden. Ein Händler bei kleinanzeigen schreibt: In letzter Zeit sind selbst gewöhnliche Cronos in gutem Zustand auf dem japanischen Markt nicht mehr aufgetaucht. Dies ist ein Zeitmesser, der für Vintage-Seiko-Sammler gedacht ist. Meine Cronos hatte ich Weihnachten von einem netten Typ aus Dresden zu einem günstigen Preis bekommen. Er versicherte mir, dass die goldenen Indizes auf dem Zifferblatt aus echtem Gold seien. Ich will das mal glauben, sie sehen auch wirklich nach echtem Gold aus. Die Uhr kam sogar mit einem unbenutzten originalen Seiko Lederband. Das musste aber weichen, sie hat jetzt ein dunkelgrünes Krokoband, das eine andere Uhr für diesen kleinen Schatz hergeben musste. Es war der letzte Uhrenkauf des Jahre 2024. 

Obgleich der Uhrenmarkt eigentlich ziemlich tot ist und die Preise exorbitant geworden sind, ist mir doch in diesem Jahr mit viel Suchen und diplomatischen Verhandlungen gelungen, einige Uhren verhältnismäßig preiswert zu bekommen, die auf jeder Sammlerliste eines Uhrenfreundes stehen. Das war der Eterna Chronometerdie Zenith Defy und die Zenith Captain Chronometer. Und dann kam dank meiner Freunde bei Tokei Japan noch die Seiko Superior hinzu. Die killer watch, die nicht von meinem Arm weicht. Nichts davon war vierstellig. Bei ebay und Chrono24 hätten die Uhren das Drei- und Vierfache gekostet. Ich habe zum Abschluss noch ein Bild von meiner goldenen Cronos (noch mit dem orginalen blauen Seiko Lederband). Sie können hierbei schön sehen, wie flach diese Uhr ist.

Citizen

November 26, 2024 § Hinterlasse einen Kommentar


Dies ist meine erste Citizen, ein Flohmarktfund zur D-Mark Zeit. Auf dem Zifferblatt und dem Schraubboden steht Parawater, so hatte die Firma ab 1959 ihre wasserdichten Uhren benannt. Die Uhr kostete damals nur kleines Geld, und der Händler sagte: Citizen Uhren laufen immer. Das traute ich dieser Uhr zu, sie war nie getragen worden. Die hellgrüne Leuchtmasse zwischen den Indizes und auf den Zeigern (sogar die kleine Kugel auf dem Sekundenzeiger) leuchtet nach einem halben Jahrhundert immer noch. Die Uhr hat ein wirklich gutes Handaufzugswerk mit einundzwanzig Steinen, das die Kalibernummer 1802 hat. 

Das Werk ähnelt dem Seiko Kaliber 6222, und man hat das Gefühl, dass das alles japanische Klone des guten alten Schweizer ETA 1080 der fünfziger Jahre sind. Hier auf dem Bild können wir links das Werk der Seiko Super aus dem Jahre 1950 erkennen, rechts ist das ETA 1080. Auf einer Seiko Seite steht zu diesem Thema: The ETA 1080 was a ground breaking movement and defined the architecture of many manually wound movements for the next decade. The similarity between the Seiko movement and the ETA movement developed at the same time is remarkable. While the size and overall architecture are clearly the same, the actual location of the pinions do not line up exactly so one movement is not a direct clone of the other. However, the ‘Super’ was never claimed by Seiko to be an in-house movement so does this mean the super was in some way related to the Swiss movement? We think it probably was.

Citizen Uhren laufen immer, erzählte mir nicht nur der Flohmarkthändler. Auch mein Uhrmacher sagte das. Er verkaufte die Promaster wie geschnitten Brot an Segler, Camper und Angler. Die Uhren gehen immer, sind wasserdicht  und leuchten nachts im Zelt.Ich habe einen Citizen Wecker bei ihm gekauft, der von einer dicken Batterie gespeist wird. Wenn der klingelt, dann hört man das noch in den nächsten Stockwerken des Hauses.

Ich schreibe heute über die japanische Uhrenmarke ✺Citizen, weil vor hundert Jahren zum ersten Mal der Name Citizen auf einer →Taschenuhr erschien. Deshalb hat man in diesem Jahr zur Feier eine Taschenuhr herausgebracht, die so aussieht wie das Modell von früher. Das Snowflake Zifferblatt soll wohl bedeuten, dass in den hundert Jahren viel Schnee in Japan gefallen ist. In Japan liebt man ja diese Snowflake oder Diamond Dust Zifferblätter für Luxusuhren, das ist bei Seiko nicht anders. Das Werk ist auf dem neuesten Stand der Technik, hat sogar eine Stoßsicherung. Und es ist mit seinen Côtes de Genève und der perlierten Platine ja auch optisch schön anzusehen.

Aber zu Schönheit kommt bei Uhren noch die Genauigkeit, und auch da glänzt das Werk. Auf den Schenkeln der Unruh können Sie Schrauben und Gewichte sehen. Wenn man so etwas baut, dann will man eine Uhr feinregulieren. So fein, dass sie ein Chronometerzeugnis bekommt. Denn damit wird sie ausgeliefert, allerdings wird es schwierig, solch eine →Jubiläumsuhr zu kaufen. Zum einen liegt sie preislich mit 7.000 Euro erheblich über dem Flohmarktpreis meiner hundert Jahre alten IWC Taschenuhr, zum anderen wird es weltweit nur hundert Stück geben.

Meine Zenith Taschenuhr, die neben dem Computer liegt, ist schon erwähnt worden. Wenn der Uhrmacher Petersen die überholen würde, wäre sie bestimmt wieder ein Chronometer. Aber der Uhrmacher hat im Augenblick zu viel zu tun; und ich warte noch, dass ich meinen Eterna Chronometer zurückbekomme. Meine Bunn Special schafft die Chronometernorm bestimmt ohne Schwierigkeiten, die superflache goldene Hamilton aus den 1930er Jahren auch. Die beiden letztgenannten und meine alte IWC sind Uhren, die nach hundert Jahren auch noch dieses Chronometerzeugnis bekommen würden, das die Jubiläums Citizen hat. Taschenuhren können sehr genau gehen, wenn man sie über hundert Jahre in einer Lage laufen lässt. Und ihnen von Zeit zu Zeit ein Tröpfchen Öl an der richtigen Stellen spendiert.

1918 war das Shokosha Watch Research Institute von Kamekichi Yamazaki gegründet worden, aus dem die Firma Citizen hervorging. Uhren produzierte man noch nicht, man bildete erst einmal Uhrmacher aus. Aber im Dezember 1924 hat man diese erste 15-steinige Taschenuhr (es gab sie auch mit zehn Steinen) fertig, die den Namen Citizen trägt. Den Namen soll der Bürgermeister von Tokio Shimpei Goto vorgeschlagen haben, eine Uhr für die Bürger sollte es sein. Eine der ersten Uhren verehrt man dem Kaiser, der mit dieser Uhr sehr zufrieden ist. 1924 taucht auch ein anderer japanischer Firmenname auf, da erscheint zum ersten Mal der Markenname Seiko auf dem Zifferblatt einer Armbanduhr der 1881 gegründeten Firma von Kintarō Hattori. Den Namen Seiko lässt sich die Firma auch gleich als Markennamen schützen. Aber im Gegensatz zu Seiko ist Citizen noch keine Firma, es ist erst einmal nur der Name einer Uhr. Sechs Jahre später wird daraus mehr. Da kauft Yosaburo Nakajima (Bild), der vorher für eine Schweizer Firma in Tokio tätig war, das Shokosha Watch Research Institute und gründet mit einigen anderen die  Citizen Watch Co., Ltd. Es wird die größte japanische Uhrenfabrik werden. 

Es ist auch Schweizer Kapital und Know-How bei der Gründung dabei gewesen. Und man muss auch betonen, dass alle japanischen Uhren der 1920er Jahre mit Schweizer Maschinen gefertigt wurden. Ohne die Schweiz geht noch nichts in Japan. Der eigentliche Gründer von →Citizen ist ein Schweizer namens →Rodolphe Schmid, der in Neuchâtel eine Uhrenfabrik mit dem Namen Cassardes besaß. Schmid war als Dreiundzwanzigjähriger 1894 nach Yokohama gekommen, handelte mit Uhren und hatte in den 1920er Jahren eine Uhrenfabrik mit zweihundert Beschäftigten in Tokio. In seiner Firma arbeiteten als Geschäftsführer Yosaburo Nakajima und Ryoichi Suzuki, die heute als die Citizen Gründer gefeiert werden. 

Der Markenname Citizen wurde 1930 in der Schweiz von der Uhrenfabrik R. Schmid & Co. eingetragen, die auch als Lieferant von Uhrenteilen und Zifferblättern von Citizen auftrat. Schmid hatte zusammen mit seinen Geschäftsführern Yosaburo Nakajima und Ryoichi Suzuki auch noch eine kleine Firma namens Star Watch Company, mit der sie Schweizer Uhren importierten. Insbesondere die Mido Multifort. Denn jetzt sind unkaputtbare Armbanduhren wie die Mido Multifort und die Wittnauer Allproof (die sich schon in dem Post Sportuhren findet) angesagt, nur so etwas kann man in Asien verkaufen. 

Alle drei Armbanduhren, die Citizen in den dreißiger und vierziger Jahren herausbringt, sind Kopien von Mido Uhren. Die ersten Citizen Werke nach Schweizer Vorbild sehen noch recht einfach aus. Im Absatz oben ist das 15-steinige Werk der Type F, der ersten Armbanduhr im Jahre 1931. Diese schlichte und einfache Uhr kostet heute bei ebay tausend Euro. Vielleicht gibt es ja Sammler dafür. Ich hätte lieber den Chronometer, den Citizen von 1962 bis 1966 gebaut hat, um der Firma Seiko mit ihren Grand und King Chronometern zu zeigen, dass sie so etwas auch könnten. Zwischen dem ersten Armbanduhrenwerk von Citizen und diesem Chronometer liegen genau dreißig Jahre und ganze uhrmacherische Welten.

Heute ist Citizen, die durch ihren Werkehersteller Miyota auch andere Firmen beliefern, der größte japanische Uhrenhersteller. Wenn man sich einmal die Chinesen wegdenkt, über deren Produktionszahlen man nichts weiß, ist Citizen wahrscheinlich der größte Uhrenhersteller der Welt. Genaue Verkaufszahlen gibt es nicht, aber man schätzt, dass die Firma zweihundert Millionen Uhren im Jahr verkauft. Dagegen nimmt sich der Schweizer Riese Rolex mit einer Million wie ein Zwerg aus. Wenn bei der Gründung der Firma Citizen auch die Schweiz ein bisschen mit ihm Spiel war, sieht das heute anders aus: Citizen kauft sich ein bisschen von der Schweiz. Im März 2012 erwarb die Citizen Watch Ltd die in La Chaux-de-Fonds ansässige Firma Prothor Holding, zu der die Prototec SA, die La Joux-Perret SA und die Luxusuhrenhersteller Graham Watches SA und Arnold & Son (The British Masters) gehörten. Im Mai 2016 kaufte Citizen die Schweizer Frédérique Constant Gruppe mit den Marken Frédérique Constant, Alpina und Ateliers de Monaco.

Früher sagte man zu den Uhren von Citizen Kaufhausuhren, weil man sie bei Karstadt und Hertie kaufen konnte und nicht beim Juwelier erwarb. Von den Kaufhäusern ist wenig übriggeblieben. Karstadt heißt jetzt Galeria, hat aber immer noch Citizen im Angebot. Die preiswerteste Citizen Uhr kostet 99 Euro, die teuerste 695 Euro. Was man nicht bei Galeria kaufen kann, ist das Luxusmodell →The Citizen, das soviel wie eine Rolex kostet und zur Hundertjahrfeier auch in Deutschland erhältlich sein soll.

Ich weiß nicht, ob Citizen etwas für Sammler ist, aber ich habe mir im Jubiläumsjahr eine Citizen gegönnt, die vielleicht eine kleine Seltenheit ist. Denn da, wo normalerweise der Firmenname auf dem Zifferblatt steht, steht bei dieser Uhr ✺Nippon Express Co. Ltd. Es ist eine Jubiläumsuhr aus dem Jahre 1968, die an verdiente Mitarbeiter von Nippon Express ausgegeben wurde. Die Uhr hat eine schöne Größe von 36 mm und liegt dank der tief gezogenen Hörner (spider lugs) auch sehr gut auf dem Arm. In der Uhr werkelt ein 17-steiniges Automatikwerk, das ist nix Dolles. Aber die Uhr geht immer, sogar sehr genau. Weil eine Citizen immer geht.

niemals nie sagen

November 14, 2024 § Hinterlasse einen Kommentar

Als ich den Post und jetzt nix mehr geschrieben hatte, machten sich einige Leser Sorgen um mich. Fragten, ob ich krank sei. Und versicherten mir, dass man niemals mit dem Sammeln aufhöre. Das sei ja der Sinn des Sammelns. Gut, ich wollte mit der Zenith Defy aufhören, denn so etwas bekommt man so schnell nicht wieder, vor allem nicht zu dem Preis. Aber ich gucke trotzdem immer noch in die Kataloge, die mir die Firma Henry’s freundlicherweise zusendet, so wie wie ich in die Kataloge von Antiquariaten gucke. Bücher sind billig geworden, aber leider nicht alle. Das, was man sucht, ist immer teuer, das ist eine Grunderfahrung des Sammelns. Am besten sucht man nicht gezielt, sondern überlässt das Finden dem Zufall. In einem erstaunlich gut sortierten Antiquariat bei ebay fand ich Joseph Darracotts England’s Constable: The Life and Letters of John Constable von der Folio Society, ungelesen und noch im Schuber, für sieben Euro. Portofrei. Obgleich ich schon zahlreiche Bücher über John Constable habe, habe ich das Buch doch gekauft.

Und obgleich ich ja eigentlich keine Uhren mehr sammle, habe ich doch einige gekauft. Das fängt mit dieser Dugena Watertrip an, die mal in den siebziger Jahren eine Taucheruhr war. Es gibt davon eine Vielzahl von Modellen, die je nach Gehäuse hundert oder zweihundert Meter wasserdicht waren. Die Dinger sind ziemlich teuer geworden, aber dieses Teil mit den orangefarbenen Indizes und den leuchtenden Zeigern, bei dem skin diver auf dem Gehäuseboden steht, war erstaunlich preiswert. Hat ein Handaufzugswerk, das von der Firma Bifora kommt. Die hatten ja sogar mal ein Chronometerwerk im Angebot gehabt. So eine Bifora Unima mit der Schwanenhals Feinregulierung kostet heute schon richtiges Geld. Meine Watertrip hier hat nicht mehr dieses Band, sie hat jetzt ein dickes schwarzes Band aus Haifischleder. Das muss eine echte Taucheruhr haben. 

Da ich gerade die Bifora Unima Chronometer erwähnt habe, muss ich auf einen Zenith Chronometer kommen, den ich bei kleinanzeigen fand. Ich bekam keine zittrigen Finger, als ich die Anzeige sah, in der eine Zenith Captain Chronometre angeboten wurde. Ich wollte ja keine Uhren mehr kaufen. Und ich besaß ja, da haben mehr als dreißig Jahre Flohmärkte ihre Spuren hinterlassen, ein halbes Dutzend Zenith Uhren. Da braucht man eigentlich keine mehr. Ich kenne noch alle Händler, bei denen ich sie gekauft habe. 

Manche habe ich schon hier im Blog erwähnt, von dem netten Herrn Brandt aus Hameln (der im Post Flohmarkt erwähnt wird) habe ich eine Zenith Defyund eine Zenith Surf. Vom Holger eine Sporto und von Barni die AF/D. Was für alta frequenza precisione steht. Zenith verkaufte sehr viele Uhren nach Italien. Das kann man bei ebay noch merken: die besten Uhren sind bei italienischen Händlern. Zenith belieferte auch die italienische Marine mit der 200 Meter wasserdichten S-58 Uhr. Da hatte der für die Regierung tätige Händler Antonio Cairelli in Rom die ganze Produktion von 2.500 Uhren aufgekauft. Cairelli belieferte auch die italienische Luftwaffe mit Zenith Chronographen. Was ich jetzt bei kleinanzeigen sah, war etwas ziemlich Luxuriöses und Seltenes. Wenn die Uhr gut war, dann wäre das zu dem Preis ein Schnäppchen. Es war eine Zenith Captain Chronometre. Nicht in Gold, wie dieses Modell hier. Das hier wird um 1950 eins der ersten Captain Modelle gewesen sein. 

Die goldene Captain sieht ein klein wenig wie ein Klon dieser Omega Constellation hier aus, aber das war etwas, wo Zenith mit der Linie Captain hinwollte. Noch höher hinaus. In der Captain Linie, die über zwanzig Jahre lang gebaut wurde, finden sich viele Golduhren und viele Uhren, die den Schriftzug Chronometre auf dem Zifferblatt haben. 

In dem goldenen Constellation Klon klötert  eine Hammerautomatik, das Kaliber 133, das Ephrem Jobin für Zenith konstruiert hatte. Ich will nichts gegen Hammerautomatikwerke sagen, wenn man sie vorsichtig behandelt, können sie lange eine Uhr aufziehen. Ich habe sie in Uhren von Alpina, Cyma, Eterna, Omega und Tissot. Die Alpina President ist am lautesten. Das kleinste Werk ist in meiner Cyma Watersport, einer sehr eleganten Uhr. Sie können es hier sehen. Bei anderen Firmen füllen die Hammerautomatikwerke die Uhrengehäuse aus. Hier nicht. Dafür macht die Uhr auch nur ganz leise Geräusche

Ich wollte nie eins von den Wald-und Wiesenmodellen haben, auf deren Zifferblatt Captain steht. Ich wollte, wie wahrscheinlich alle Zenith Sammler, entweder die erste in Gold mit der Hammerautomatik oder dieses spezielle siebziger Jahre Modell haben, das firmenintern den Namen la tortue hatte. Das heißt auf deutsch Schildkröte, und den Namen hat sie, weil sie wie der Rücken einer Schildkröte aussieht. Die buckelige Uhr ist mit 38 mm auch größer als die Vorgänger. Es ist eins dieser typischen siebziger Jahre Monster, die Sie in dem Post was Fettes am Arm sehen können.

Und sie hat mit dem Kaliber 2562 PC auch das neueste Automatikwerk der Firma, das 28.800 Halbschwingungen schnell ist. Das Werk, das auch in der zweiten Serie der 3642 Defy verbaut wurde, sieht genauso aus wie all die anderen Zenith Kaliber der 25er Reihe. Hat aber eine Feinregulierung, weil es ein geprüfter Chronometer ist. Von alledem konnte man bei dem Angebot bei kleinanzeigen nichts sehen. Da gab es nur ein einziges mickriges Bild der Uhr. Ich bat den Händler um einige bessere Bilder. Er schickte welche, aber man konnte darauf wenig von der Uhr erkennen. Die Feinregulierung sah aus, als wäre sie mit Rost überzogen. Ich bedankte mich und winkte ab.

Kaufte mir erstmal eine verhältnismäßig preisgünstige Seiko QZ bei Tokei Japan. Die QZ war die letzte teure Quarzuhr von Seiko in den siebziger Jahren, die kam 1975 auf der Seiko Preisliste nach der Grand Quarz und der King Quarz. Sie blieb nicht lange im Angebot, denn ab 1977 kamen die Seiko Type II Uhren auf den Markt, die die Hälfte einer QZ kosteten. Und von denen Seiko fünfundneunzig verschiedene Modelle baute, das ist unglaublich. Die QZ hat ist ein knuffiges Teil, man merkt dem Gehäuse an, dass das noch Wertarbeit war. 

Vor allem, wenn man tagelang die Mikrokratzer aus dem Gehäuse poliert hat, dann kennt man die Uhr gut. Das Tollste an der Uhr ist natürlich dieses Diamond Dust Zifferblatt, das manchmal auch als Snowflake bezeichnet wird. Das tauchte zuerst auf der Grand Seiko auf, es war für die Uhr eine Art Markenzeichen (und Grand Seiko Uhren haben heute immer noch solche Zifferblätter). Es ist unglaublich, welchen Aufwand die Firma Seiko mit ihren Zifferblättern treibt. Auf den ersten Blick erscheint es wie ein schlichtes weißes Zifferblatt, aber auf den zweiten Blick erkennt man die Struktur.

Der Händler, dem ich zum Abschied meine Internetseite mit den Zenith Uhren geschickt hatte, meldete sich plötzlich wieder. Er schickte erst einmal bessere Bilder vom Innenleben der Uhr. Und schrieb dann, dass die Uhr in einem sehr guten Zustand sei, er hätte sie bei einem holländischen Zenith Händler gekauft. Die Zenith Captain Chronometre rückte wieder in mein Blickfeld. Die Photos sahen gut aus, kein Rost auf der Feinregulierung, die Geschichte mit dem Holländer klang glaubhaft. Ich dachte einen Tag nach und machte ein Kaufangebot, das etwas unter seiner Preisvorstellung lag. Er nahm das umgehend an. Ich glaube, er hatte auf einen Spinner wie mich gewartet. 

Die Uhr wurde mir zwei Tage später von der Briefzustellkraftübergeben, dieses neue Wort habe ich von DHL gelernt. Hieß früher Briefträger oder Postbote. Wir haben ja für vieles neue Wörter, die sich glücklicherweise nie in meinen Blog verirren. Die Uhr war wirklich in einem ausgezeichneten Zustand, keine Flecken auf dem Zifferblatt, keine Kratzer auf dem Glas. Und kein Rost im Werk. Ich entfernte, das etwas defekte Armband und spendierte der Uhr ein neues 20 mm Band. Sie bekam das weiße Straußenlederband, das vorher die Seiko Grand Quartz gehabt hatte, das sieht gut an dieser Uhr aus. Die Seiko Grand Quartz konnte nicht enttäuscht sein, sie hat jetzt ein dunkelgrünes Krokoband bekommen, das hatte ich noch in der Schublade. Ich habe diesen Post mit der Seiko QZ am Arm geschrieben. 

Die Zenith Captain Chronometre tüdelt auf dem automatischen Uhrenbeweger herum, das kann ihr nicht schaden. Vor über fünfzig Jahren bewarb Zenith das Modell mit diesem Text, in dem dem potentiellen Kunden versichert wurde, dass man in der Zeit, in der man dieses Modell polierte, zwanzig andere Uhren hätte bauen können. In dem Text besucht der démon de la vitesse die Zenith Werke in Le Locle, um ihnen zu sagen, dass man Uhren viel. viel schneller bauen könne: Vous, chez Zenith, vous me peinez. Regardez vos concurrents. Des gens connus. Chacun de leurs ouvriers fait 100, 200 montres par jour. Et vous qui êtes au moins aussi bien équipés qu’eux, vous interdisez à vos régleurs de dépasser 10 montres per jour. Aber Zenith gibt dem Werben des Teufels der Geschwindigkeit nicht nach. Das war auch gut so.

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