Historische Aspekte des Veganismus (4/4) – Theorie und Praxis einer „veganen“ Ernährung im 19. Jahrhundert

Die Mannigfaltigkeit der Argumente gegen Tierprodukte soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Praxis im 19. und frühen 20. Jahrhundert keine vegane, sondern eine vegetarische war. Historische Aspekte des Veganismus (4/4) – Theorie und Praxis einer „veganen“ Ernährung im 19. Jahrhundert weiterlesen

Historische Aspekte des Veganismus (3/4) – Gesundheitliche bzw. biologische Gründe für eine „vegane“ Ernährung im 19. Jahrhundert

Tuberkulose und Cholera1: Die großen Seuchen des 19. Jahrhunderts, beide hervorgerufen durch Bakterien, standen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Konsum von Milch. Cholera wurde vor allem durch mit Fäkalien kontaminiertem Trinkwasser ausgelöst, mit verunreinigtem Wasser gestreckte Milch stellte eine weitere Ursache der Krankheit dar. Tuberkulose (auch Schwindsucht genannt) wurde über den Speichel infizierter Menschen oder – als Zoonose – die Milch kranker Kühe übertragen. Historische Aspekte des Veganismus (3/4) – Gesundheitliche bzw. biologische Gründe für eine „vegane“ Ernährung im 19. Jahrhundert weiterlesen

Historische Aspekte des Veganismus (2/4) – Tierethische Gründe für eine „vegane“ Ernährung im 19. Jahrhundert

Keine Tiere zu töten, war für Vegetarier/innen des 19. Jahrhunderts eine zentrale Motivation um Fleisch von ihrem Speiseplan zu streichen. Inwiefern dieser Grundsatz den Konsum von Eiern oder Milchprodukten betraf, dazu existierten unterschiedliche Auffassungen. Historische Aspekte des Veganismus (2/4) – Tierethische Gründe für eine „vegane“ Ernährung im 19. Jahrhundert weiterlesen

Historische Aspekte des Veganismus (1/4) – Einleitung

Vor zwanzig Jahren war „veganisch“ zu essen noch ein weitgehend unbekanntes Phänomen in Österreich und Deutschland1. Mittlerweile ist die Auswahl an veganen Produkten in Supermärkten außerordentlich groß und zunehmend mehr Restaurants bieten vegane Gerichte an.
Anlass genug für einen Blick auf die Geschichte der veganen Ernährung im 19. und frühen 20. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum – bevor es den Begriff „vegan“ gab.

In einer Serie von Blogbeiträgen begebe ich mich auf die Spur der „Vegetarier strengster Observanz“ (so eine der Bezeichnungen für Menschen, die keinerlei Tierprodukte konsumierten). Historische Aspekte des Veganismus (1/4) – Einleitung weiterlesen

„Kum ikh bafrayen diken, kreatur!“* Die vegetarische Poesie des Melech Ravitch (Rezension)

Es war in Wien im Jahr 1912 als der neunzehnjährige Melech Ravitch buchstäblich über Nacht zum Vegetarier wurde. Wien verließ der Dichter bereits 1921 wieder (um sich nach einigen Jahren in Warschau und zahlreichen Reisen in Montreal niederzulassen). Vegetarier blieb er sein Leben lang. Vegetarismus bzw. das Schlachten von Tieren spielen auch in einigen Gedichten von Melech Ravitch (1893-1976) eine zentrale Rolle. Und das auf eine Art und Weise, die den Literaturwissenschafter Irad Ben Isaak veranlasst hat, von „vegetarischer Poesie“ zu sprechen. „Kum ikh bafrayen diken, kreatur!“* Die vegetarische Poesie des Melech Ravitch (Rezension) weiterlesen

Bertha von Suttner und der Vegetarismus

Heute vor hundertzwanzig Jahren, am 10. Dezember 1905 wurde Bertha von Suttner der Friedensnobelpreis zugesprochen. Ein Anlass, sich die Verbindung der Friedensaktivistin zum Vegetarismus anzusehen. Auf diversen Zitate- und Vegetarismus-Websites wird Suttner gerne (und ohne Quellenangabe) zitiert, und zwar mit den Worten „Meiner Überzeugung nach wird auch einst die Zeit kommen, wo niemand sich wird mit Leichen ernähren wollen, wo niemand mehr sich zum Schlächterhandwerk bereit finden wird. Wie viele unter uns gibt es schon jetzt, die niemals Fleisch äßen, wenn sie selber das Messer in die Kehle der betreffenden Tiere stoßen müssten!“1 Ist dieses Zitat tatsächlich von Bertha von Suttner und falls ja, in welchem Zusammenhang steht es? War die Nobelpreisträgerin gar selber Vegetarierin? Bertha von Suttner und der Vegetarismus weiterlesen

Kochen nach Lahmann

Ignaz Langenecker schwor darauf und servierte in seinem Thalysia sogar eine „Lahmann-Torte“ als Reminiszenz an den Dresdner Arzt1. Leopoldine Rehnelt bewarb ihr Restaurant in der Köstlergasse damit und Kurorte in verschiedenen Teilen der Monarchie setzten darauf als therapeutisches Mittel gegen unterschiedliche Beschwerden. Die Rede ist von der Zubereitung vegetarischer Speisen nach den Richtlinien von Heinrich Lahmann. Was kann man sich darunter vorstellen und warum fanden auch Wiener Wirt/innen dieses Konzept nachahmenswert?

Inserat. In: Tagespost, 25.08.1907: 11.
Inserat, in: Neues Wiener Tagblatt, 22.02.1913: 48.

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„Fleisch“ im Wien Museum – auch eine Vegetarismus-Ausstellung?

Ab sofort im Wien Museum: Die Sonderausstellung “Fleisch”; Foto©BP

Ausgerechnet am 1. Oktober, dem Welt-Vegetarier-Tag, lud das Wien Museum zur Eröffnung der Ausstellung „Fleisch“. Dieser Zufall kann als durchaus programmatisch angesehen werden: Die Sonderausstellung im Obergeschoss des Museums am Karlsplatz beleuchtet die Geschichte des Fleischkonsums in Wien.

Wenn auch die Zucht und Herkunft, Schlachtung und Verarbeitung jener Tiere, die auf den Tellern der Wiener/innen landeten bzw. landen, im Mittelpunkt stehen, so wird das Thema nicht ohne Brüche präsentiert. „Fleisch“ im Wien Museum – auch eine Vegetarismus-Ausstellung? weiterlesen

Vegetarische Kochbücher

Mit dem Süddeutschen Vegetarianer-Kochbuch erschien 1872 das erste vegetarische Kochbuch der Habsburgermonarchie. Bis zum Ersten Weltkrieg folgten vier weitere. Wer waren die Autor/innen, welche Gerichte empfahlen sie für alle, die fleischlos kochen wollten und wer waren die Leser/innen von So sollt Ihr essen! oder der Zukunftsküche?
Dieser Frage bin ich in einem Vortrag bei den Tagen der historischen Kochkultur nachgegangen und – in erweiterter Form – im schriftlichen Beitrag für den Konferenz-Band. Vom Keil zum Buch zum Blog ist jetzt online und ich möchte alle Beiträge darin aufs Wärmste empfehlen. Sie liefern einen spannenden Querschnitt durch mehrere Jahrhunderte Kochbuch-Kultur mit vielen Schmankerln und Gustostücken.

Vegetarier auf Urlaub

Wie verbrachten Vegetarier/innen um 1910 ihren Urlaub? Ferienreisen waren zu jener Zeit noch nicht weit verbreitet. Es gab weder einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaub noch „Urlaubsgeld“, wie heute bei angestellten Erwerbstätigen. Wer es sich zeitlich und finanziell leisten konnte, fuhr jedoch entweder auf Sommerfrische (siehe dazu den Blogbeitrag aus dem Jahr 20191) oder unternahm kürzere Reisen. Da die Vegetarier/innen um 1900 hauptsächlich dem Bürgertum entstammten, zählten sie zu jenen, die sich jährlich fragen konnten: Wo soll’s denn hingehen? Vegetarier auf Urlaub weiterlesen

Vegane Ernährung und Fleischersatzprodukte zu Beginn des 20. Jahrhunderts

„Pflanzenfleisch“ aus Nüssen und / oder Getreide, Sojaprodukte und rein pflanzliche Rezepte in vegetarischen Zeitschriften: Vor dem Ersten Weltkrieg gab es zwar den Begriff „vegan“ noch nicht, das Konzept einer Ernährung ohne Tierprodukte jedoch schon. Für das Magazin Vegan.at der Veganen Gesellschaft Österreich habe ich einen Blick auf die durchaus beachtliche Palette rein pflanzlicher Produkte geworfen. Nachzulesen in der aktuellen Ausgabe des Magazins, die soeben erschienen ist. Mitglieder der Veganen Gesellschaft bekommen das Vegan.at automatisch zugeschickt. Eine Probe-Nummer kann über ein Formular auf der Website bestellt werden, wo das ganze Magazin auch als pdf zum Lesen und Download bereitgestellt ist.

Scheidungsgrund Vegetarierin?

Die Story hatte alles, was sich Zeitungen mit einer Vorliebe für Skandale wünschen konnten: Eine anfangs romantische Liebesbeziehung, die in einen Scheidungskrieg mündete, kuriose Details und die unmittelbare Involvierung des österreichischen Hochadels. Kein Wunder, dass in Wien 1907 über die „Scheidung Wölfling“ teilweise im Tagesrhythmus berichtet wurde. Im Mittelpunkt dabei standen Leopold Wölfling, als Erzherzog geboren, und Wilhelmine Adamović-Wölfling, exzentrische Vegetarierin – wenn man der Darstellung in manchen Zeitungen trauen darf. Scheidungsgrund Vegetarierin? weiterlesen

Vegetarische Schrebergärten

Denkt man an die Rauchschwaden gegrillter Würste und Koteletts, die heute durch die Schrebergartenanlagenziehen, ist es schwer vorstellbar, dass die erste Kleingartensiedlung in Österreich eine vegetarische war. Doch es waren Vegetarier/innen, die erstmals um 1905 den Traum der Idylle im Grünen verwirklichten. Vegetarische Schrebergärten weiterlesen

Ein veganes Weihnachtsmenü anno 1913/14

Gutes Essen gehörte auch vor über hundert Jahren zum Weihnachtsfest dazu (so man es sich leisten konnte). Vegetarisch lebende Menschen machten da meist keine Ausnahme. Und auch jene, die Tierprodukte ganz aus ihrem Speiseplan gestrichen hatten, wollten auf Kekse und Festtagsbraten nicht verzichten. Die Vegetarische Warte, die Vereinszeitschrift des Deutschen Vegetarierbunds und das zentrale Organ der deutschsprachigen Vegetarier und Vegetarierinnen, stellte zu diesem Zweck – nicht nur zur Weihnachtszeit – Rezepte zur Verfügung. Für diesen Blogbeitrag habe ich einige der „Kochvorschriften“ ausgewählt und nachgekocht. Ein veganes Weihnachtsmenü anno 1913/14 weiterlesen