Papers by Moreno Caronello

Entwicklungsphasen und ästhetische Versuche um das Konzept "Hermeneutik-Ontologie: Kunst, Wissens... more Entwicklungsphasen und ästhetische Versuche um das Konzept "Hermeneutik-Ontologie: Kunst, Wissenschaft, Wahrheit" in der deutschsprachigen Literatur der Jahrhundertwende. Unsere Fragestellung ist vielleicht die älteste, die im Verhältnis "Kunst -Wahrheit" formuliert wurde: Kann die Kunst dem Menschen etwas Wesentliches über die Wirklichkeit sagen? Kann sie ihm zu den "Dingen an sich" überhaupt deuten bzw. ihn zu ihnen führen? Um diese Frage beantworten zu versuchen, nehmen wir als philosophischen Ausgangspunkt die 1873 entstandene Schrift Über Wahrheit und Lüge im Außermoralischen Sinn von Friedrich Nietzsche. Die Grundkonzepte um Kunst-Wahrheit werden wir dann jeweils in unterschiedlichen Autoren der deutschsprachigen Literatur um der Jahrhundertwende XIX-XX Jhdt. vergleichen und uns weiter fragen, ob ihre ästhetischen Ergebnisse entweder ontologisch oder hermeneutisch geprägt sein können. Die in Anspruch genommenen Schriftsteller sind Thomas Mann (insbesondere in der Novelle Tonio Kröger), Hugo von Hofmannsthal (Ein Brief) und Franz Kafka (in den Erzählungen Ein Hungerkünstler und Forschungen eines Hundes).
Ein Versuch über das Erzähl-, Drama- und Prosawerk Heinrich von Kleist mit Schwerpunkt Textanalys... more Ein Versuch über das Erzähl-, Drama- und Prosawerk Heinrich von Kleist mit Schwerpunkt Textanalyse. Bachelorarbeit 2011

Moreno Caronello -Seminararbeit für deutsche Kulturgeschichte -12.6.2013 Warum Kultur? Versuch, d... more Moreno Caronello -Seminararbeit für deutsche Kulturgeschichte -12.6.2013 Warum Kultur? Versuch, durch Freud einen Zusammenhang zwischen Religion und Krieg zu finden. Im 1932 entstandenen Briefwechsel zwischen Albert Einstein und Sigmund Freud Warum Krieg? versuchen die zwei Wissenschaftler, über die Ursprünge des Krieges nachzudenken und darüber, ob es möglich ist, den Menschen von diesem zerstörerischen Verhängnis zu befreien. Insbesondere kann Einstein sich nicht von der Idee gewinnen lassen, dass eine so fortgeschrittene Zivilisation -wie die abendländische -keine Lösung für die Friedensetablierung finden kann. Es scheint also, dass der Mensch zum Kriege verdammt ist. Er fragt auch den Psychologen, ob er eine Erklärung für die bereitwillige Teilnahme der Masse am Krieg hat, obwohl allen klar ist, dass der Krieg nur Schäden und Zerstörung mit sich ziehen kann. Einstein versucht an einigen Stellen sich selbst eine Antwort zu geben: Er erkennt, dass ein Zusammenhang zwischen Recht und Macht in der Zivilisationsentwicklung entstanden ist, durch den die Behörde eines zivilisierten Staates die inneren und äußeren Konflikte auflösen können. Die Zivilisation schafft Rechte, die durch die Macht des Zivilisationsstaates respektiert werden müssen. Einstein versucht auch zu vermuten, warum der Krieg eine so große Teilnahme gewinnt: Es lebe im Menschen "ein Bedürfnis zu hassen und zu vernichten", das "leicht geweckt und zur Massenpsychose gesteigert werden" 1 könne. So Einstein. 5 Sigmund Freud, Die Enttäuschung des Krieges, in: Studienausgabe IX, Fischer, Frankfurt a. M., 1970, S.36 6 Sigmund Freud, Das Unbehagen in der Kultur , a.a.O., S.61 7 Ebd. 3 dass die Völker ihren Leidenschaften weit mehr als ihren Interessen gehorchen. Die Völker verwenden ihre rationellen Interessen, um ihre Leidenschaften zu rationalisieren. 8 Um welche Leidenschaften geht es aber in jeder Erscheinung des Seelenlebens, d.h. auch in Krieg und Kultur (bzw. Religion)? Freud nennt sie "Triebe": Im Grunde genommen sind diese von zweierlei Art, es gibt nämlich einen Liebestrieb (den "Eros") und einen "Destruktionstrieb" (auch "Todestrieb" benannt). Der Eros hat als Ziel die Bindung mit sich selbst und mit der Außenwelt, und zwar Selbsterhaltung und die ihm entsprechende Libido an bestimmten Objekten zu fixieren. Das Ziel des Destruktionstriebes ist im Gegenteil, Zusammenhänge aufzulösen und die Dinge zu zerstören. 9 Die Entwicklungen der Seele sind aber eigentümlich, in dem sie sich nicht nur nach vorne bewegen, sondern auch rückgängig oder unregelmäßig abspielen. Entwicklungsstufe stehen nicht in einer chronologischen Reihe, sondern sie bleiben irgendwie in unserem Geiste gespeichert und erfahren oft Regressionen zu früheren Stufen, die früher für ganz beschlossen gehalten wurden. Während des Entwicklungsverfahrens der Psyche können primitive Zustände "immer wiederhergestellt werden; das primitive Seelische ist im vollsten Sinne unvergänglich" 10 . Das primitive Seelische kann durch bestimmte Erfahrungen erweckt werden: der Krieg stellt eine dieser Gelegenheiten dar. Im Kriege wird der Mensch wieder gewalttätig und rachsüchtig, als ob er sein primitives Geistesleben nie vergessen hätte. Der Todestrieb (genau wie der Eros) mag auch jahrelang schweigend bleiben und dann plötzlich auftauchen. Das ist tatsächlich was Einstein in seinem Brief an Freud meinte, als er vom Hass-und Zerstörungsbedürfnis im Menschen schrieb, der mit dem Krieg wieder erweckt wird oder in der Lage ist, den Lust an Krieg zu verursachen. Die Kultur -und, mit ihr, die Religion -ist "ein Prozess im Dienste des Eros" 11 . Sie stellt aber gleichzeitig das stärkste Hindernis der Aggressionsneigung dar. Dieser Aggressionstrieb vertritt den Todestrieb und er teilt sich mit dem Eros die Weltherrschaft. Der Verzicht auf Triebbefriedigung zu Gunsten einer zivilisierten Gesellschaft gleicht dem Triebverzicht der Libidoentwicklung des einzelnen Geistes. Das Bewusste -das Ich -muss sich mit der 8 Sigmund Freud, Die Enttäuschung des Krieges, a.a.O., S.47 9 Vgl. Sigmund Freud, Abriss der Psychoanalyse, Reclam, Stuttgart, 2010, S.12 u. ff. 10 Sigmund Freud, Die Enttäuschung des Krieges, a.a.O., S.45 11 Sigmund Freud, Das Unbehagen in der Kultur, a.a.O., S.72 4 Realitätsprüfung 12 auseinandersetzen, um sich als solches zu behaupten. Das Ich muss aber beschränkt werden, indem er sich des Todestriebes und des Eros bedient, oder von ihnen Beförderungen bekommt. Die "Instanz", die diese Beschränkungsrolle spielt, ist das Über-Ich. Das Über-Ich enthält alle sittlichen Gesetze und ersetzt die Autorität der Eltern in den Erwachsenen. Es entsteht daher ein Schuldgefühl, wenn das Ich dem Über-Ich nicht gehorcht. Das Kind gehorcht den Eltern aus Angst vor dem Liebesverlust. Anders geht es im Falle des Über-Ichs vor: der Befriedigungsverzicht des Ichs lässt eine Spur hinter sich. Der Wunsch bleibt im Unbewussten -d.h. im Es -bestehen und es kommt ein Schuldgefühl zustande, das ein großer Nachteil der Über-Ich-Einsetzung darstellt. Freud nennt das die Gewissensbildung. Triebverzicht zu Gunsten der Kultur heißt also Angst vor der inneren Autorität (dem Über-Ich) und daraus folgende Gewissensangst. Dieses Schuldgefühl ist Vertreter des Unbehagens in der Kultur, das vom Seelenleben heraus in die äußere Wirklichkeit projiziert wird und zum Tragischen am Leben steigt. Genauso werden die Anforderungen des Über-Ichs nach außen umgestaltet, und zwar werden sie von Gott vertreten. Als Minderungsmaßnahme gegen Leiden und um den Glück zu versichern wird die Wirklichkeit wahnhaft umgebildet. "Als solchen Massenwahn müssen wir auch die Religionen der Menschheit kennzeichnen" 13 . Religion und Krieg sind also beide von einem Triebverzicht verursacht, insbesondere entstehen sie nach dem Verzicht einer Befriedigung des Todestriebes, die sich in zwei entgegengesetzten Ergebnissen umbilden kann: das erste (die Religion) wird im Dienste des Eros hergestellt, das zweite (der Krieg) kommt aus dem Destruktionstrieb heraus.
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