Gelesen: Uwe Johnson – Vergebliche Verabredung. Teils aus größeren Kontexten herausgenommene Erzählungen, sagen mir einmal mehr: Johnson lässt sich nicht zwischendurch lesen, da muss man eine regelrechte Phase haben, sich auf die Zeit, den Ton, den Inhalt einlassen können/ wollen, dann ist es lesbar.
Karl Bruckner – Sadako will leben. Über Sadako Sasaki, die Atombombe, die Kraniche. Kurzes Kinderbuch, eindrücklich, heute ist Japan zwar immer noch weit weg, aber nicht mehr so fremd und entfernt, wie zu der Zeit, als das Buch entstanden ist. Beklemmend, daher auch heute noch unbedingt zu lesen.
Jenny Erpenbeck – Aller Tage Abend. In Paju war ich beim koreanischen Verlag von Jenny Erpenbeck und konnte sogar eine Übersetzung davon sehen. Ob es allerdings viel gelesen wird, kann ich nicht sagen. Ich hoffe es.
Bertolt Brecht – Geschichten vom Herrn Keuner. So die richtige Schullektüre, ich konnte es teils nicht ertragen, da wirkt der gute Deutschunterricht noch Jahrzehnte später nach. Brecht würde heute irgendwo irgendso ein super famous Blog/ Mikroblog schreiben, umjubelt, geklickt, gehypt, aber unlesbar.
Therese Hörnigk – Christa Wolf. Noch mal Metatexte zu Christa Wolf, 1989 (der Band entstand früher) taucht überhaupt einmal offiziell der Name Uwe Johnson in einer DDR-Publikation auf. Hallo Leseländler, wir sprechen jetzt mal über einen Autoren, von dem bisher nur geraunt wurde, den ihr nicht lesen durftet, den nur die mit den fein geschliffenen Fingernägeln (die und die) kannten und jetzt erkennt mal schnell seine Bedeutung. Die Wolf immer wieder mit guten Gedanken und entlang des Buchs immer wieder Hinweise auf kleinere und kleinste Texte – sind die eigentlich schon alle in einer Gesamtausgabe verfügbar?
Kim Sohee – 자리. Eine Graphic Novel über zwei Zeichnerinnen, die (in Seoul, wo denn sonst, das Land in Wirklichkeit ist groß, aber das Land im Kopf ist verengt auf Seoul) eine bezahlbare Wohnung suchen und von Untergrundwohnungen, unbeheizten/ unbeheizbaren Quartieren, von Klos in der Küche und verrückten Mitbewohnern, von jederzeit drohendem Eigenbedarf gequält nichts finden. Gelernt dadurch das Wort 버티다, noch eins für durchhalten.
Angefangen habe ich mit Kim Su-Bin: 여름이 반짝. (~ Der Sommer glitzert) Zunächst harmloser Start: Da verlässt eine Fünftklässlerin (Lina) am letzten Tag vor den Ferien die Schule, wird noch von einer Klassenkameradin (Sawol) gepiesackt, gerät dann auf dem Dorf in eine verhältnismäßig gefährliche Situation mit einer Kuh, wird von ihrer Klassensprecherin (Yuha) “gerettet” und will der dafür nicht mal danken – stattdessen rufen sie sich gegenseitig noch zu “du wirst sterben”… Lina hasst alles am Dorf, wo sie mit ihrer Oma leben muss. Noch einen Monat muss sie aushalten. Am Abend darauf folgt ein Anruf der Klassensprecherin, bei dem sie immer noch nicht einlenken mag. Sie will zudem nicht mit ins Kino kommen am nächsten Tag und legt auf, selbst als ihr die Klassensprecherin noch verspricht “morgen bekommst du etwas von mir”- und dann ist am nächsten Tag die Klassensprecherin tot. Was für ein Einstieg in ein Kinderbuch, da musste ich mich nicht mal mehr zusammennehmen und habe zwei, drei Seiten über mein tägliches Pensum hinweg gelesen… Ich bin mittlerweile auf Seite 153 von 194, also könnte es im März hier etwas mehr darüber zu lesen geben. Vielleicht.
Daneben Peter Blickle: Der Bauernkrieg. Eine ganz normale Zusammenfassung, sprachlich allerdings fiel es mir wirklich schwer zu folgen. Schön, dass frühneuhochdeutsche Zitate völlig unübersetzt stehen bleiben, allerdings zweifle ich da langsam an mir…
Gehört: (nur ab Anfang Februar, und unvollständig!)
Die dritte Zivilisation (BR 1999). Ganz gute Sci-Fi, mehr nicht. Bei den Strugatzkis bin ich mir danach immer noch nicht sicher, ob ich mich dann doch endlich mal näher mit ihnen beschäftigen soll.
Die Reise um die Erde in 80 Tagen (WDR 1968). Nach der Kohout-Version jetzt eine andere, eher konventionell, geht.
Mord mit Fortsetzung (SR 1966). Ein relativ alter Krimi, über den Pastewka-Krimi-Podcast Kein Mucks draufgekommen. Ganz ok, wie immer: den perfekten Mord gibt es natürlich nicht.
Die Vermessung der Welt (zwei Teile, NDR 2007). Im Gegensatz zum Buch kein Reinkommen, schrecklich.
Ihr Name steht im Protokoll (WDR/ SFB 1984). Eindrucksvoll zur Wannseekonferenz, ich habe bereits darüber geschrieben.
Der Ausflug der toten Mädchen (DLF/ RBB 2022). Ich musste mich stark konzentrieren, eher nichts.
Doberschütz und der Krieg der Generäle (WDR 2016). Ah ja, so kann man die Geschichte rund um Markus Wolf auch erzählen, eher wenig Tiefgang, gefiel mir nicht. In der Tat: weil kein Ostler die Geschichte wirklich erzählt hat, bzw. die Akten vermutlich nicht im Ansatz so atemberaubend sind, werden die Westler uns noch die nächsten 7x 77 Generationen unsere Geschichte erzählen. Hurra!
Die Mondnacht (BR/ NDR/ SDR/ SFB 1976). Sehr schöne Sci-Fi nach Lem, danach bin ich endlich bereit, mich intensiver damit zu beschäftigen. Gut gemacht, Idee, Umsetzung, auch nach über 50 Jahren noch hörenswert.
Sonnenlotos (Rundfunk der DDR, 1988) Zum Glück kann man alte Aufnahmen von Hörspielen immer noch problemlos finden, so auch die Vertonung von Anatolij Kims Sonnenlotos. Gut gemacht.
Die Bürgen (Rundfunk der DDR, 1979). Nur die Stimmen lassen einen dabeibleiben, der Rest ist eher mau.
Rückkehr zur Erde (SDR, 1974) auch nach Lem, aber nicht so gut wie Mondnacht.
Test (SRF, 2008), gut ist die Stimme von Florian Lukas, nervig sind manche Effekte. Aber ok, damit erstmal alles, was ich im nu von Lem finden konnte gehört.
Kosemund (DLRK, 2009), wären da nicht die Stimmen von Klaus Manchen, Ursula Karusseit und dem New Yorker von der DEFA, Karl Heinz Choynski, ich hätte es nicht hören wollen. Recht schlecht.
Königsallee (WDR, 2015), ThM trifft Klaus wieder, aha, ok, nichts besonderes. Martin Brambach als sächselnder Hotelmitarbeiter als einziges Highlight.
Die Befreiung oder Liesgen hör zu (Rundfunk der DDR, 1983). Totenbettmonolog von Luthers Frau, Katharina von Bora. Gudrun Ritter unverkennbar und gut.
Lise Meitner oder die Spaltung der Welt (BR, 2026), ich schrieb ja schon darüber, dass solche Fehler nerven.
Aussteigen ist nicht (Rundfunk der DDR, 1986), eher schwach.
Die Vegetarierin (NDR, 2017), bis auf die schlecht gesprochenen Namen ganz ok, ich merke, dass ich das Buch bereits wieder weitgehend vergessen habe.
Der kaukasische Kreidekreis (WDR, 2006), eine Aufführung, ich kann mich nicht mehr gut erinnern.
Selbstlos (WDR, 2006), schwache Sci-Fi, vor allem, weil ich das Vorgehen bei der Lebenszeitbegrenzung nicht so recht nachvollziehen konnte.
Murder on the Orient Express (BBC, 1992), passend dazu habe ich das Hörspiel unter Kopfhörern genossen. BBC halt.
Der Chinese am Fenster (WDR/ HR, 1971), Soundcollage von Ror Wolf, nicht noch einmal.
Around the World in Eighty Days (BBC, 1991), noch ein BBC-Hörspiel aus den frühen 90ern, schön gemacht.
Die Schule der Diktatoren (Deutschlandradio Berlin/ ORF, 1994), nach Kästner, gut gemacht.
Auf Norwegisch habe ich Gjerningsmann ukjent (NRK, 1984, Täter unbekannt) gehört. Das geht weitgehend, ist aber schon schwierig, zu folgen. Aber warum nicht. Zumindest schön, dass die NRK-App auch einzelne Episoden zum Abruf im Ausland hat, mich nervt dieses ewige “Diese Medien können in deinem Land nicht abgerufen werden” > Bei Hörspielen, Mensch, man kann es auch übertreiben…
Zurzeit noch nicht fertig bin ich mit “Jorden rundt paa 80 dager” (NRK, 1959/ 60), denn das sind immerhin 14 Folgen, ein Glück, dass ich die Geschichte jetzt zum hundertsten Mal gehört, gelesen oder gesehen habe.
Zwischendurch: “Der zerbrochne Krug” (1951, Rundfunk der DDR) und “Flüchtlingsgespräche” (1970, ebenda). Wirklich: zwischendurch, aber ich muss mich wirklich konzentrieren.
Gesehen: (unvollständig, ich gebe es zu) Auch in diesem Monat wieder viel Popcorn-Kino/ Flugzeugfilme. Interessant war ein Film über Leibniz mit Edgar Selge, danach habe ich endlich einmal Aimee und Jaguar in Gänze gesehen. Wenigstens in Auszügen konnte man Originalaufnahmen bei Führer und Verführer sehen, ich war überrascht. Den Film selbst fand ich mittelprächtig, Stadlober hin oder her. Ich will keine Menschelei, nicht bei diesen Gestalten, nicht mal den Ansatz!
Der Rest an Filmen war irgendwas, ich hab es vergessen, was wohl hoffentlich gut ist. Das koreanische Fernsehen hatte übrigens wieder haargenau The Equalizer (1-3) gezeigt, immer schön eingeschränkt: das Blut fließt in Strömen, aber die Zigarette ist ab Entzündung weitreichend verpixelt.
Ach so, als Ausnahme unter dem vielen Popcorn-Zeugs will ich nur Die Verurteilten (The Shawshank Redemption) erwähnen. Der Film war gut, vermutlich vor allem der Schauspieler wegen, oder weil einen einfach dieser Gefängnisausbruch so überrascht. Warum kann Hollywood nicht immer so was machen?










