Horroctober: Film-Kurzkritiken

11 Horrorfilmtipps habe ich für euch. Darunter alte Schinken aus Italien und Spanien, aber auch gelungen Prequels zu Klassikern und ganz aktuelle Grusler. Etwas Argento-lastig, aber auch mit einem besonderen Geheimtipp, den vermutlich nicht so viele kennen. Progressiver oder gar innovativer Horror ist hier nicht dabei.

Lesetechnisch ist bei mir diesen Monat wenig Richtung Horror gelaufen, da ich ein Science-Fiction- und ein Fantasy-Manuskript für Gutachten lesen musste. Einzig White Horse von Erika T. Wurth habe ich geschafft, über eine Bad Ass Urban Native und Metalhead in Denver, die mittels indigener Mythologie und Visionen das Verschwinden ihrer Mutter vor vielen Jahren aufklärt und es auch mit toxischer Männlichkeit und Rassismus zu tun bekommt. Ausgezeichneter Roman, den ich aber weniger als Horror und mehr als Familiendrama mit übernatürlichen Elementen empfunden habe. Ist ein Own-Voice-Roman – bisher leider nicht auf Deutsch erschienen.

Cover von "White Horse", zeigt eine vermutlich junge indigene Frau mit schwarzen Haaren udn einer runden Sonnenbrille, in denen sich gelbes Sonnelicht und eine schattenhaft Gestalt spiegeln.

Gefehlt hat mir dieses Jahr eine gute neue Horrorserie von Mike Flanagan oder was aus dem europäischen Ausland. Dafür habe ich die zweite Staffel der Anthologie-Serie Them bei Prime gesehen, bei der die Horroraspekte aber auch eine eher untergeordnete Rolle spielen. Vor allem geht es um Polizeigewalt, Korruption und Rassismus zur Zeit des Rodney-King-Vorfalls in Los Angeles. Auf sehr hohem Niveau gefilmt.

Eigentlich hatte ich mir für den Horroctober auch Alien: Isolation im Steam-Sale gekauft, bin aber noch nicht mal dazu gekommen, es mir herunterzuladen. Habe mir jetzt vorgenommen, es im Weihnachtsurlaub zu spielen. Bis dahin dürfte ich auch Romulus gesehen haben.

Filme

Dagon

In Buch- und Hörspielform kann man mich mit Lovecraft inzwischen jagen, aber Filmen gegenüber bin ich weiterhin aufgeschlossen. Mit den Werken von Brian Yuzna und Stuart Gordon (Re-Animator) bin ich durchaus vertraut, aber Dagon ist mir zu Beginn des neuen Jahrtausends irgendwie entgangen. Der Film verlegt die Handlung in ein spanisches Dorf und schafft es, dort im Dauerregen, trotz einiger mäßiger Effekte, eine unheimliche Stimmung aufzubauen. Junges Paar gerät in die Fänge von Fischmenschen, die Dagon huldigen. Inszeniert wie ein Survival-Game, macht der Film durchaus Spaß, wenn man bereit ist, sich auf die günstige, aber liebevoll ausgestattet Produktion einzulassen.

Profondo Rosso (Deep Red, Die Farbe des Todes)

Dario Argentos dritter Film und sein Durchbruch. Gilt vielen Argentonados als sein Meisterwerk, ich fand ihn in der ungekürzten Fassung leider etwas langatmig. Stilistisch und optisch ist er ein klarer Fortschritt zu den beiden Vorgängern, und auch, was den Härtegrad angeht. Was in der gekürzten Fassung fehlt, sind vor allem Dialoge, die in der langen langweiligen. Ansonsten typischer Slasher mit schönen Setpieces und ansprechender Farbgestaltung, gefilmt vor einer tollen Kulisse in Turin. Die Musik ist klasse, dürfte John Carpenter für seinen Halloween-Soundtrack inspiriert haben.

Don’t Disturb the Sleeping Dead (1974)

Auch bekannt als Let Sleeping Corpses Lie, The Living Dead at Manchester Morgue (obwohl der Film gar nicht in Manchester spielt, sondern auf dem Land), Don’t Open the Window (was mir das geringste Problem für die Protagonist*innen zu sein scheint); Invasion der Zombies und No profanar el sueño de los muertos (ist eigentlich eine spanische Produktion). Ein früher Zombiefilm, der sich stark an Night of the Living Dead orientiert. Leider habe ich nur die gekürzte Fassung sehen können, aber bei Schnittberichte nachgelesen, was fehlt. Nur ein paar für die damalige Zeit heftigen Spaltterszenen, die nicht wirklich fehlen, da die Stärke des Films seine dichte Atmosphäre vor der englischen Landkulisse ist sowie die schnittige Inszenierung, was nicht nur am rasanten Fahrstil und dem zackigen Inspektor liegt, sondern daran, dass der Film schön auf den Punkt inszeniert ist, ohne unnötige Längen und Leerlauf. Es geht Schlag auf Schlag, dazu noch ein kleiner politischer Kommentar zum reaktionären England. Ich bin nicht der größte Zombiefilmfan, aber der hier macht Spaß, auch wenn der Grund zur Zombifizierung ein ganz profaner ist, und ohne den mythologischen Überbau eines Lucio Fulcis daherkommt.

Eigentlich dürfte ich gar nicht über den Film schreiben, da er in Deutschland meines Wissens nach noch beschlagnahmt ist. Was nicht daran liegen dürfte, dass er noch zu brutal ist, sondern dass sich noch kein Label erbarmt hat, die Aufhebung der Beschlagnahmung zu beantragen. Ich habe den Film also nur ganz hypothetisch gesehen, und so würde meine Rezension aussehen, hätte ich ihn wirklich geschaut.

Im Hölle auf Erden-Lexikon, auf dessen Urteil ich mich seit 30 Jahren bei älteren Filmen verlassen kann, wurde dieser Film als „holprig inszeniert“ total verissen. Ich erhebe Einspruch.

Malum

Fieser kleiner Horrorfilm über eine junge Polizistin, die in einem alten Polizeirevier allein eine letzte Nachtschicht schiebt und einen Albtraum erlebt, dem es in der ersten Hälfte gelingt, eine unheimliche Atmosphäre und Spannung aufzubauen, dessen Schockeffekte sich im letzten Drittel aber etwas abnutzen und beliebig werden und dessen Goreeffekte etwas zu brutal ausfallen. Die hätte der Film gar nicht nötig gehabt. Hat mich gegen Ende etwas verloren, aber trotzdem sehenswert. Die Spezialeffekte-Leute sind garantiert Fulci-Fans.

The Church (1989)

Von Dario Argento produziert, sollte es ursprünglich der dritte Teil der Demonii-Reihe werden, wurde es dann aber zum Glück doch nicht. Die beiden Filme haben zwar ihre stimmungsvollen Momente und machen Spaß, sind aber auch recht trashig ausgefallen. The Church von Michele Soavi schlägt deutlich ernstere Töne an und ist über weite Strecken atmosphärisch sehr dicht inszeniert, was auch an der Musik von Goblin und dem Sounddesign liegt, vor allem aber am tollen Setdesign und dem Schauplatz in der alten deutschen Kirche. Die wurde von Teutonenrittern im Mittelalter über einer dämonischen Hinterlassenschaft gebaut, die jetzt überzubrodeln droht. Dazu ein wenig Rosmary’s Baby und etwas Fürsten der Finsternis und fertig ist ein unheimlicher Gruselfilm, der gar nicht so splattrig daherkommt, wie die Demonie-Filme. Michele Soavi hat übrigens ein paar Jahre später auch den großartigen DellaMorte DellAmore gedreht. Der Hechtsprung durch die Fensterscheibe kam überraschend. Das hier ist der Geheimtipp, den ich meinte.

The Sect

Der Nachfolgefilm von Michele Soavi schlägt eine ähnlich Thematik an, hat aber nichts mit The Church zu tun. Hier geht es um eine junge Frau, die einem mysteriösen alten Mann begegnet, der ein unheimliches Interesse an ihr zeigt, und eine Sekte, die halt so macht, was satanische Sekten machen. Sehr ungewöhnlich inszeniert, mit einigen richtig schönen Szenebildern bzw. Kulissen, ein paar wenigen brutalen Szenen, aber auch einigen Längen in seinen zwei Stunden Laufzeit. Fand ihn etwas schwächer als The Church, kenne aber auch Leute, die diesen hier mehr mögen. Drehbuch stammt von Argento. Wurde der im gleichen deutschen Landhaus gedreht? Und was hat Soavi nur mit dem Lustigen Taschenbuch?

Hier der bessere Trailer, den ich aber aufgrund seiner Altersbeschränkung nicht einbetten kann.

Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe (1970)

Der Debütfilm von Dario Argento ist kein Horrorfilm, sondern ein Thriller, der schon ein paar leichte Giallo-Elemente enthält, diese aber noch nicht voll ausspielt. Ist eher ruhig inszeniert, relativ geradlinig, enthalt aber schon die späteren Argento-Kuriositäten in Form schräger Figuren und einer Handlung, über deren Logik man nicht weiter nachdenken darf. Ein Amerikaner in Italien wird Zeuge eines Mordversuchs, ermittelt selbst, wird von der Polizei einbezogen, als sei er Mitglied bei den drei Fragezeichen und gerät natürlich ins Visier des Killers. Interessant, wie viel Wissenschaft hier bei den Ermittlungsarbeiten eingesetzt wird.

Tulpa (2012)

Mit Tulpa von 2012 eifert Regisseur Federico Zampaglione eindeutig seinem großen Vorbild Argento nach, und weist einige Parallelen zu Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe und Profondo Rosso auf, unter anderem das Outfit des Täters und einen Mord mit heißer Flüssigkeit. Und wer Argentos Film gesehen hat, kann schon früh erraten, wer in diesem Swingerclub-Slasher die schwarzen Handschuhe trägt. In einigen Einstellungen wird die Argento-Ästhetik mal mehr, mal weniger erfolgreich kopiert, zum Beispiel bei den Außenaufnahmen des Bungalows oder bei den Kamerabewegungen in seinem Innern, doch meist kommt der Film mit einer Softporno-Ästhetik daher, deren Mängel er durch einige ultrabrutale Szenen zu kaschieren versucht, in deren Sadismus sich der Film regelrecht ergötzt.

Doch Musik, Sounddesign und das Timing reichen nicht mal ansatzweise an die Vorbilder heran und passen nie so richtig zu den gezeigten Szenen. Ich hoffe mal, dass Regisseur Zampaglione mit jedem Film besser wurde, denn der Trailer zu seinem aktuellen Film The Well hat mir gut gefallen und ich hoffe, dass der Film – der dieses Jahr auf dem Fantasy Filmfest lief, wie einst Tulpa – bald bei uns im Heimkino erscheint (Kai Meyer – mein Hausexperte in Sachen italienischem Horrorfilm – fand ihn allerdings furchtbar). Wie man die Giallo-Ästhetik auch heute noch stimmungsvoll hinbekommt, zeigen Filme wie Amer oder Berberian Sound Studio deutlich besser.

Die Nacht der reitenden Leichen (1972)

Die Reihe lief früher mal im Nachtprogramm von RTL, wo ich sie als Kind gesehen habe. Und irgendwie geisterten die Titel der Filme immer ein wenig mit Kultcharakter durch Gesprächen über Horrorfilme. Völlig unberechtigt, denn der erste Teil ist eine holprig inszenierte Gurke. Mir waren aus dem Film exakt zwei Szenen in Erinnerung geblieben. Nämlich jene, in denen die Leichen der Tempelritter reiten. Und reiten müssen sie auch. So lahm, wie sie zu Fuß unterwegs sind, bekommen sie sonst nichts erledigt. Alles andere besteht aus drögem Rumgelatsche und langweiligem Gelaber, dazu noch eine völlig unnötige Vergewaltigungsszene. Einzig die Reitszenen sind halbwegs unheimlich inszeniert. Von der Atmosphäre italienischer Horrorfilme dieser Zeit keine Spur. Aber mal schauen, ob die Fortsetzungen besser geworden sind.

Vielleicht wurde ich hier auch Opfer meiner überzogenen Erwartungen, hervorgerufen durch 30 Jahre zurückliegender verfälschter und übermystifizierter Erinnerungen.

New Life

Gut besetzter Low-Budget-Film, bei dem lange nicht klar ist, worum es wirklich geht, weshalb ich hier auch nicht zu viel verraten will. Am besten auch nicht den Trailer anschauen. Eine junge Frau befindet sich auf der Flucht durchs Land Richtung kanadische Grenze. Warum ist unklar. Wer sie verfolgt auch. Scheint aber eine ernste Sache zu sein und bekommt dann eine nette Genre-Wendung. Die erfindet das Rad nicht neu, aber durch seine ruhige Inszenierung kommt der Film sehr erfrischend daher, allerdings auch spannungsarm.

The First Omen

Das Prequel zu Rosmary’s Baby, Apartment 7A, fand ich ziemlich dröge und langweilig, weil es dem großen und stimmungsvollen Vorbild nichts Neues hinzufügt, und den Film praktisch noch mal nacherzählt, nur alles deutlich schwächer und plakativer.

First Omen ist das Prequel zu The Omen von 1974 und macht alles besser als obiges Beispiel. Vor der malerischen Kulisse Roms wird aus der Perspektive einer jungen amerikanischen Nonne erzählt, wie es zur Geburt und Adoption Damiens kam. Dabei wirkt der Film wie ein italienischer Horrorfilm der 1970er und schafft es, trotz vieler Anspielungen auf das Vorbild doch eigene Wege zu gehen, dabei aber trotzdem gruselig zu bleiben. So geht Prequel! Hätte ich vorher nicht gedacht und nicht viel erwartet.

Regisseurin Arkasha Stevenson merke ich mir mal vor. Sie zeigt ein tolles Stilbewusstsein.

Ich habe auch noch Freitag der 13. Teil 2 gesehen, der ist aber nicht weiter der Rede Wert. Heute Abend werde ich mir auf Mubi The Substance ansehen. Und davor noch das Horrorspezial von KinoPlus mit Bela B. und Thilo Gosejohann als Gäste. Letzte Woche gab es auch schon eine schöne Folge zu aktuellen Horrorstarts mit Antje.

Happy Halloween! Der wahre Horror beginnt sowieso erst am 4. November.

Unnützes Wissen über Manga und Anime | Jasmin Dose, Jan Lukas Kuhn und Stefan Mesch

Was ihr schon immer über Mangas und Animes wissen wolltet, aber nicht zu fragen wagtet, gibt es in diesem kompakten Buch, das jede Menge interessanter Fakten und Empfehlungen zu japanischen Comics und Zeichentrickfilmen enthält, sich aber auch kritisch mit den beiden Medien auseinandersetzt.

Taschenbuchausgabe des Buchs "Unnützes Wissen über Manga und Anime".

Wie ich zum Anime gekommen bin, habe ich ja kürzlich in meinen Wochenrückblick beschrieben. Mit 14 Jahren Akira 1993 noch auf VHS in der Videothek ausgeliehen, und ich war dem japanischen Zeichentrickfilm verfallen. Nur leider war der damals kaum in Deutschland zu bekommen. Zwei Jahre später brachte ein Mitschüler den Katalog der Anime Connection of Germany mit, die immerhin die Titel von Manga Entertainment aus England importierten. Darunter war viel Schmuddelkram wie Urotsukidoji, Fist of the North Star, Wicked City, Vampire Hunter D und andere Werke, die in Darstellung von Frauen nicht gut gealtert sind (und auch damals eigentlich schon daneben waren). Erst in der zweiten Hälfte der 90er etablierten sich Anime-Serien wie Dragonball oder Sailor Moon im deutschen Fernsehen, und mit dem Einzug der DVD erschienen auch regelmäßig Filme.

Mangas hingegen gingen größtenteils an mir vorbei. Comics las ich damals nur gelegentlich, weil sie mir als Schüler und Student zu teuer waren, kaufte mir nur ab und zu mal einen Manga wie Spirit of Wonder oder Blade of the Immortal. Erst vor wenigen Jahren, mit den großartigen Werken von Jiro Taniguchi, entdeckte ich auch japanische Comics für mich und lese aktuell mit großer Begeisterung Rehen wie Boys Run The Riot und Blame!

Als ich vor einigen Jahren für Tor Online einen dreiteiligen Artikel mit dem Titel Alles, was man über Animes wissen muss, schrieb, musste ich feststellen, dass es kaum Sachbücher zu dem Thema gibt, und vor allem keine zu Animes und auf Deutsch. Weshalb ich um jedes neue Buch zu diesem Thema dankbar bin, auch wenn es nur unnützes Wissen enthält. 😉

So wahllos und unzusammenhängend die kurzen, tweetmäßigen Einträge im Buch von Jasmin Dose, Jan Lukas Kuhn und Stefan Mesch wirken, bieten sie trotzdem eine gute Übersicht oder zumindest einen kleinen Einstieg in die Geschichte und Entwicklung von Mangas und Animes in Japan. Manga heißt übrigens einfach Comic und Anime animierter Film, was in Japan auch westliche Werke mit einschließt. Anime und Manga als eigenes Medium existiert so Japan-spezifisch eigentlich nur außerhalb des Landes.

Die Wurzeln reichen weit zurück, bis zu großen Künstler wie Katsushika Hokusai. Das Buch stellt erst mal ein paar allgemeine Fakten zur Beliebtheit und den Erfolgen von Mangas und Animes weltweit vor, bevor es dann in nach Jahreszahlen strukturierten die historische Entwicklung der beiden Medien schildert. Es wird Grundwissen vermittelt zu den einzelnen Untergenres und den Grundbegriffen, es wird erklärt, was Mangas für Kinder ausmacht und jene für Erwachsene.

Die Autor*innen sind dabei aber auch stets (ideologie-) kritisch, gehen auf problematische Themen und Tropes ein, benennen Sexismus und Fehlverhalten von Mangakas und Animekünstler’innen, liefern aber auch einen ganz tollen Überblick über die Vielfalt und Vielseitigkeit dieses Mediums und zahlreiche Empfehlungen. Sie erwähnen, welche Werke für wenn eventuell problematisch sein könnten. Prekäre Arbeitsbedingungen werden ebenso angesprochen wie der immer noch sehr geringe Anteil an Regisseurinnen bei Animes. Es wird mit der Kritik aber auch nicht übertrieben oder moralisiert. In der Regel sprechen die Fakten für sich.

Ein paar kleine Kritikpunkt gibt es aber schon zu erwähnen, auch wenn sie nicht wirklich groß ins Gewicht fallen. Manche Absätze sind etwas zu kryptisch geraten. Wenn in einem zwei-Wort-Satz der Begriff »Rape Culture« erwähnt ist, könnte das gerade junge Leser*innen überfordern. Da hätte ich mir eine genauere Erklärung gewünscht. Nicht alle sind damit vertraut. Erst gegen Ende des Buchs wird etwas darauf eingegangen. Und manchmal kann ich nicht ganz erkennen, wie die Informationen zu verschiedenen Werken in einem Absatz miteinander zusammenhängen.

Kritische Äußerungen zu Mitarbeiterführung von z. B. Isao Takahata bleiben auch zu vage, da kann ich mir in dem Fall nur etwas vorstellen, weil ich die Doku The Kingdom of Dreams and Madness gesehen habe und weiß, dass sowohl er als auch sein Ghibli-Mitgründer Hayao Miyazaki im persönlichen Umgang schwierigen Menschen sind bzw. waren und viele Mitarbeiter*innen gekündigt habe, weil sie mit dem Druck und dem Führungsstil nicht klarkamen.

Aber wie erwähnt, das sind nur kleine Kritikpunkte, die den Gesamteindruck kaum trüben.

Ich habe eine Menge interessanter Fakten aus dem Buch gelernt: In Japan stammen z. B. 70 Prozent aller Gewinne mit Mangas aus digitalen Angeboten wie Manga-Apps. Pokemon ist finanziell erfolgreicher als Star Wars. Oder dass mein Lieblingsfilm von Hirokazu Koreeda (kein Anime) Unsere kleine Schwester auf einem Manga (von Akimi Yoshida) basiert, der aber leider nie übersetzt wurde.

Als Nachschlagewerk ist das Buch nur bedingt geeignet, aber das will es vermutlich auch gar nicht sein. Es eignet sich vor allem als Einstieg in die Thematik, bietet aber auch für erfahrene Anime- und Manga-Fans noch eine Fülle an interessanten Fakten, die gerade durch den kritischen Blick der Autor*innen neue Perspektiven eröffnen. Auch wenn man keine in die Tiefe gehende Analyse erwarten darf. Meine Leseliste ist jetzt leider bedenklich gewachsen.

Meine Woche: VG-Wort goes KI, Mangas übersetzen und der Anime-Klassiker Akira

Wie Mangas übersetzt werden und warum das so schlecht bezahlt wird; die Anime-Serie The Great Passage über das epische Unterfangen ein Wörterbuch zu erstellen; Der Junge und der Reiher und wie meine Oma fast verhinderte, dass ich den Anime-Klassiker Akira schauen konnte sowie meine Meinung zum Holmes-Hörspiel Die Büchse der Pandora uvm.

Collage aus vier Bildern, drei kleine oben, ein großes unten:
1. Szene aus "Akira", Hochhausschlucht mit Bücke, auf der etwas brennt, oben stehen zwei Menschen und blicken darauf hinab.
2. Links Dualipa, rechts George Saunders, im Video-Gespräch
3. Szene aus "The Great Pasage". Eine Katze schläft vom Mond beschienen auf einem Holzbalkon
4. Sonnenuntergang mit leicht bewölktem Himmel, eingerahmt Regenrinne und Balkongeländer.

Für den Aufreger der Woche sorgte in meiner Bubble die VG Wort mit einer E-Mail, die sinngemäß besagte: Wenn du nicht umgehend widersprichst, werden wir dein Werk und deine Seele an den KI-Teufel verkauft, damit der damit fleißig Datamining betreiben kann. Na ja, ganz so war es nicht, aber die Mail war so unglücklich formuliert, dass viele das glaubten – ich konnte sie auch nicht so recht einschätzen. Bei Nina George könnt ihr nachlesen, dass es sich dann doch etwas differenzierter verhält. Es ist wohl der Versuch der VG-Wort, die KI-Thematik irgendwie ansatzweise anzugehen, um eine praktikable Lösung für jene Kreative zu schaffen, die von ihr vertreten werden.

Manga

Stiftung Lesen benutzt KI-Bilder: „Ein fatales Signal“

Wie der Umgang mit KI und der Kritik an ihrer Verwendung nicht laufen sollte, hat die Stiftung Lesen gezeigt, die für eine Kampagne KI generierte Bilder verwendet hat und auf die berechtigte Kritik daran wenig souverän reagiert. Nachzuhören beim NDR.

Offener Brief zur Honorarsituation der Manga- und Light-Novel-Übersetzenden im deutschsprachigen Raum

Mangas und Light Novels, die aus dem Japanischen übersetzt werden, boomen. Trotzdem werden die Übersetzer*innen so schlecht bezahlt, dass 57% der Befragten sich nicht vorstellen können, längerfristig in diesem Beruf zu bleiben. Eine Situation, die ich sehr gut nachvollziehen kann. Übersetzungen aus dem Japanischen müssten sowieso schon besser bezahlt werden als welche aus dem Englischen, ganz unabhängig von Inflation und kalter Progression. Denn es ist mehr Arbeit. Es gibt drei verschiedenen Schriftsysteme, über 2.000 Kanji-Zeichen, die jedes Mal wieder im Kontext interpretiert werden müssen. Dazu das ganze kulturelle Hintergrundwissen, das sich angeeignet werden muss, um die Sprache auch wirklich richtig zu verstehen. Also liebe (Manga-) Verlage, wenn ich die Wahl zwischen Englischer und Deutscher Übersetzung habe, entscheide ich mich in der Regel für die Deutsche, auch wenn sie teurer ist, einfach weil ich es unterstützen möchte, dass diese Werke aus dem Japanischen bei uns übersetzt werden. Bitte bezahlt dann auch eure Übersetzer*innen anständig!

Hier geht es zum offenen Brief.

Über das Übersetzen von Mangas

Wie Mangas überhaupt übersetzt werden, dazu gibt es bei TralaLit einen sehr guten Essay von Cheyenne Dreißigacker. Sie schildert anhand ihrer persönlichen Biografie, wie sich ein Berufseinstieg gestalten kann und geht auch auf die Details der Manga-Übersetzung in der Praxis ein.

Ausstellung

Manga Hokusai Manga

Im Japanisches Kulturinstitut in Köln läuft noch bis zum 30. November eine Ausstellung zum wohl bekanntesten japanischen Künstler Katsushika Hokusai (das „U“ ist stumm). Es geht aber wohl nicht um direkte Werke von ihm, sondern sein Werk aus Perspektive heutiger japanischer Manga-Künstler*innen.

Youtube

Dua Lipa In Conversation With George Saunders

Auf dem Youtube-Kanal Service 95 Book Club gibt es ein sehr interessantes Gespräch zwischen der britischen Sängerin Dua Lipa und dem amerikanischen Autor George Saunders. Vor allem geht es um sein Buch Lincoln in Bardo – das schon viel zu lange auf meiner Leseliste steht.

Service 95 ist ein Magazin, dass von Dua Lipa gegründet wurde und mit dem sie wohl ihre Liebe zur Literatur auslebt. Gibt schon einige Interviews von ihr mit Autor*innen.

Radio

Phantastische Literatur – der Carcosa Verlag

Carcosa hat gerade einen Lauf, was mediale Präsenz angeht, was auch verdient ist, angesichts des tollen Programms. Jetzt war der Deutschlandfunk Kultur zu Gast bei Hannes Riffel, der mit seinem Verlag inzwischen in Wittenberge residiert.

Serie

The Great Passage

Ist eine Anime-Serie, in der es um die Erstellung eines neuen Wörterbuchs geht, dargestellt, als ginge es um die Entdeckung eines neuen Kontinents. Eine cozy Slice-of-Life-Geschichte, mit liebenswürdigen Figuren und viel Liebe zur Sprache. Die Serie hat nur elf Folgen und in der zweiten Hälfte ist es ihr anzumerken. Da gibt es Zeit- und Handlungssprünge, denen ich nicht immer ganz Folgen konnte, so verdichtet wie hier erzählt wird. Als hätten die Macher*innen während der Produktion erfahren, dass es keine zweite Staffel geben wird, und sie jetzt alles schnell gerafft erzählen müssen.

Immerhin umfassen die elf Folgen einen Handlungszeitraum von 14 Jahren. In der einen Folge haben zwei der Hauptfiguren noch ihr erstes Date, in der nächsten wird ganz beiläufig erwähnt, dass sie verheiratet sind. Eine Person, die in der ersten Hälfte öfters auftaucht, ist plötzlich ganz verschwunden, eine andere verstorben, was wir nur durch ein Foto mit zwei Räucherstäbchen erfahren. Eigentlich eine schön subtile Erzählweise, die ohne viel Worte auskommt (in einer Serie, in der es um 240.000 verschiedene Wörter geht), aber teilweise gehen dadurch der emotionale Impact und die Verbindung zu den Protagonist*innen verloren. In der letzten Folge gibt es aber doch noch einen emotionalen Abschluss mit allen Figuren. Insgesamt eine ganz tolle Serie, nicht nur für Leute, die sich für die japanische Sprache interessieren.

The Great Passage, das leider nur noch kurze Zeit bei Prime im Programm enthalten sein wird, basiert auf dem gleichnamigen Roman von Shion Miura, den es zumindest in englischer Übersetzung gibt. Die Realverfilmung gibt es zwar aktuell im JFF-Theater, aber leider nicht in unserer Region. Was ich nicht so ganz nachvollziehen kann. Normalerweise trifft das nur auf Filme zu, die in Deutschland schon einen Verleih haben, dass ist aber bei diesem Film nicht der Fall, der ist nirgendwo erhältlich.

Prime

Hörspiele

Sherlock Holmes – Die neuen Fälle #57: Die Büchse der Pandora

Cover der hier erwähnten Hörspielfolge. Zeigt ein beleuchtetes Festzelt in einem Londone Park, in der einige Männer in altmodischen Anzügen die Gläser erhoben haben.

Inzwischen (siehe letzten Wochenrückblick) habe ich die Büchse der Pandora geöffnet und bin wenig angetan. Die KI-Stimmen klingen schon nach den Originalen, aber der Sprachrhythmus während der Sätze ist eine Katastrophe. Das hört sich so gekünstelt an, als würde es von Siri oder so kommen. Vor allem in den Dialogen. In Watsons Erzählpassagen ist es etwas besser, aber die beiden hören sich an, als würden sie ständig aneinander vorbei reden. Da fehlt die Dynamik zwischen den Sprechern, was dadurch kaschiert werden soll, dass sie sich unterbrechen, was aber nicht funktioniert. Auch die Betonungen passen oft nicht. Manchmal sind sie sogar zu emotional und überzogen, so hätte Groeger das nicht gespielt.

Aber auch unabhängig davon ist die Folge nicht gut geschrieben, vor allem der Auftakt ist endlos langatmig. Auch die Produktion hört sich nicht mehr so gut an. Habe gehört, da wurde das Studio ausgetauscht. Für mich ist mit dieser Folge jetzt Schluss. Ich muss aber auch zugeben, dass sich im Verlauf des Hörens wohl ein gewisser Gewöhnungseffekt einschleicht und die Stimmen nicht mehr so künstlich wirken. Regie führt ausgerechnet Christian Rodes Frau Kathrin, und ich frage mich, ob sie ihrem verstorbenen Mann damit einen Gefallen getan hat.

Filme

Der Junge und der Reiher (Kimitachi wa Dō Ikiru ka)

Da ich völlig ohne Vorwissen an Hayao Miyazaki aktuellen Film herangegangen bin, ohne einen Trailer gesehen oder etwas über den Inhalt gewusst zu haben, werde ich auch hier nicht groß auf den Inhalt eingehen. Er scheint auf jeden Fall autobiografisch angehaucht zu sein, ist der Vater im Film doch wie Miyazaki eigener, ein Flugzeugfabrikant im 2. Weltkrieg. Ansonsten gibt es viele bekannte Theme, vor allem aus seinem Spätwerk, die hier zu einer stimmigen Mischung zusammengebracht werden. Vor allem der Auftakt ist visuell und von der Atmosphäre her ganz toll geraten. Wir erkunden mit dem Jungen zusammen einige Rätsel und Mysterien, bevor es dann richtig ins Abenteuer geht. Nur im letzten Drittel schwächelt der Film für mich, weil die Handlung dort für etwas zu beliebig wird und nicht immer ganz nachvollziehbar ist. Trotzdem ein sehr lohnenswerter Film, der die bekannte Ghibli-Magie versprüht.

Akira

Am 9. Oktober 1992 erschien Akira in Deutschland auf VHS, am 12. habe ich ihn mir ausgeliehen und mein Leben war danach ein anderes. Doch der Reihe nach.

Anfang der 1990er waren Animes in Deutschland noch kein Begriff, obwohl wir alle wohl schon welche gesehen hatten. Zumindest in Serienform durch Captain Future, Saber Rider, Biene Maja oder Heidi. Nur wussten wir nicht, dass die Serien eigentlich aus Japan kamen. An Filme vor Akira kann ich mich nicht erinnern. Es dürfte mein erster Anime gewesen sein.

Am 12. Oktober 1992 feierte ich meinen 13. Geburtstag. Auf halber Strecke zwischen Bushaltestelle und unserem Haus lag die Dorfvideothek, die von einer Freundin meiner Mutter betrieben wurde, weshalb ich mir da alles außer Pornos ausleihen durfte. Wie ich auf Akira aufmerksam wurde, weiß ich nicht mehr, vielleicht durch die Cinma oder eine andere Zeitschrift. Für den Tag hatte ich ihn mir aber reserviert und kam so kurz nach Zwölf mit dem Bus an, lieh mir den Film aus und eilte nach Hause, um schnell mein Mittagessen herunterzuschlingen und die Hausaufgaben hinzuschludern, damit ich endlich Akira gucken konnte, bevor um 15.00 Uhr die Verwandtschaft zum Kaffee vor der Tür stand, die vorgab meinen Geburtstag feiern, sich aber eigentlich nur miteinander über Leute unterhielt, die ich nicht kannte oder die mich nicht interessierten. Aber immerhin brachten sie Geschenke mit.

Gesagt, getan, die Schulhefte wieder in den Rucksack gesteckt, machte ich erste Schritte Richtung Videorekorder, doch bevor ich die Kassette auch nur einlegen konnte, klingelte es an der Tür. Verdammt! Wer konnte das sein? Hoffentlich nur der Postbote oder die Zeugen Jehovas. Es war meine Oma … zwei Stunden zu früh. Der Familienzweig auf der mütterlichen Seite hatte die Angewohnheit, immer zu früh auf der Matte zu stehen. Aber zwei Stunden!

Es lief dann wie immer, meine Mutter schwätzte mit meiner Oma über Leute, die ich nicht kannte oder die mich nicht interessierten, und ich saß die ganze Zeit da wie auf heißen Kohlen und dachte: Männo, ich will jetzt endlich Akira gucken!

Es dauerte bis abends, dass ich ihn endlich sehen konnte, und er hat mich umgehauen, es war der Beginn einer langen Leidenschaft für Animes, die bis heute anhält. Ich habe ihn mir auch gleich auf eine Leerkassette überspielt und seit dem viele Male in der alten Synchro gesehen (bis mein Videorecorder den Geist aufgab), mir ein paar Jahre später auch den tollen Soundtrack auf CD gekauft. Im Prinzip kenne ich ihn inzwischen fast auswendig, doch auf Japanisch habe ich ihn gestern zum ersten Mal gesehen (und die letzte Sichtung liegt auch schon lange zurück).

Der Film hat mich noch genauso begeistern können wie damals. Vor allem die beeindruckende Kulisse des futuristischen aber doch herunterge- und verkommenen Neo-Tokyos, doch auch die treibende bis ätherische Musik und das Sounddesign. Die Cyberpunkästhetik der 80er funktioniert bei mir heute noch. Die japanischen Synchronsprecher der Hauptfiguren Kaneda (wird wie Kanada ausgesprochen, nur mit „e“ in der Mitte) und Tetsuo hielt ich erst für zu jung, aber es wird ja erwähnt, dass sie noch unter 15 sind. Bei allem Spektakel und den revolutionären technischen Asprekten ist Akira vor allem ein Film über Freundschaft.

Die Manga-Vorlage von Regisseur Katsuhiro Otomo habe ich leider noch nicht gelesen.

Geburtstag

Apropos Geburtstag. Meinen habe ich das letzte Mal mit 16 Jahren gefeiert (neben meinen Freunden war auch mein Klassenlehrer Herr Reif zu Gast; es gab Kartoffelsalat im Keller; und ich weiß noch, dass ich REMs New Adventures in HiFi und Sepulturas Roots auf CD geschenkt bekommen habe). Seitdem nie wieder, so viel mache ich mir aus meinem Geburtstag, bei Facebook habe ich seine Anzeige abgeschaltet, damit mir die Leute nicht gratulieren. Doch über eine Sache freue ich mich doch jedes Jahr, nämlich Bücher geschenkt zu bekommen, die mir zu teuer sind, um sie selbst zu kaufen.

Die gebundenen Ausgaben von "Das Einhörnchen, das rückwärts leben wollte" und "Der eiserne Marquis".

Der neue Moers ist nur eine Kurzgeschichtensammlung mit Flabeln aus Zamonien, Der eiserne Marquis von Thomas Willmann soll ein ganz furioser historischer Fantasyroman mit Steampunk-Anleihen sein. Ich werde berichten.

Fotos

Nach dem Taubenmassaker (siehe hier) hat die örtliche Tauben-Gang personell aufgerüstet. Auf dem Baum gegenüber meines Arbeitszimmers hängen sie jetzt zu fünft ab.

Fünf Tauben hocken in unterschiedlicher Höhe auf meinem Baum.

Der Blick aus meinem Schlafzimmerfenster ist immer der Gleiche, aber nie derselbe (oder umgekehrt?). An den Sonnenuntergängen mit den unzähligen Wolken- und Farbkonfigurationen kann ich mich nie sattsehen.

Ausblick

Nächste Woche gibt es keinen Wochenrückblick, da ich Samstag den ganzen Tag auf dem BuCon in Dreieich sein werde.

Meine Woche: KI im Hörspiel und der Horroctober

Ausführlich habe ich mir Gedanken über den Einsatz von KI im Hörspiel gemacht, und warum ich das im Fall von Sherlock Holmes – Die neuen Fälle für respektlose Nekromantie halte. Dazu ein paar Horrorfilmbesprechungen und meine Meinung zur zweiten Staffel von Rings of Power.

Collage aus vier Bidern, drei kleine oben, ein großes unten:
1. Szene aus "Baghead", ein alter, schwerer Holzstuhl in einem Keller, von einer Lampe beleuchtet.
2. Altmodischer Kinderwagen steht auf einem Felsen vor blauem Himmel.
3. Die spitze Krone Morgoths aus "Rings of Power".
4. Fünf Monster-Clowns in bunter Aufmachung, halten alle eine Torte in der Hand.

Auch diese Ausgabe fällt wieder etwas knapper aus, da meine letzten beiden Tage aufgrund des schönen Wetters von Gartenarbeit geprägt waren und ich auch noch ein Manuskript lese, das ich begutachten muss.

Artikel

Japan’s Ramen Shops Are Shutting Down Faster Than Ever

Immer mehr Ramen-Restaurants in Japan müssen schließen. Grund dafür sind die hohe Inflationsrate und der schwache Yen. Was für Touristen eine gute Sache ist, sind die Preise in Japan dadurch aktuell so günstig wie nie zuvor, bedeutet für viele kleine Restaurants, dass sie ihre Kosten nicht mehr decken können.

Fantasy, Sprache und Genre

Jasper Nicolaisen hat einen schönen Beitrag zum Thema Sprache in der Fantasy verfasst. Welche Rolle spielt Sprache dabei, uns in phantastische Welten zu ziehen?

Musik

Maximume the Hormone feat. Atarashii Gakko

Meinung

KI im Hörspiel – Die Büchse der Pandora

Im Hörspiel haben in den letzten Jahren vor allem zwei Themen auf dem Markt gut funktioniert: Grusel (á la Lovecraft) und Sherlock Holmes. Und so wurde er mit einer Flut an Umsetzung der klassischen Geschichten aber auch mit Pastiches überschwemmt. Oliver Naujoks hat mal in einem Artikel aufgezählt, was es alles an Holmes-Hörspielen gibt, da schlackerten sogar mir, der schon viele kennt, die Ohren.

Für mich gibt es aber nur eine Reihe, die ich höre: Sherlock Holmes – Die alten Fälle und Die neuen Fälle mit Christian Rode (als Holmes) und Peter Groeger (als Watson). Auch in den schwächeren Folgen sind die beiden ein herrliches Gespann, dem ich stundenlang zuhören könnte („Ja wie denn, was denn“). Leider sind beide 2018 verstorben. Trotzdem erschienen bisher weiter neue Folgen, da wohl schon viel vorproduziert wurde und der Verlag die Veröffentlichungen gestreckt hat. Doch jetzt sind sie anscheinend am Ende angelangt, möchten mit der erfolgreichen Reihe aber weitermachen. Das könnte natürlich einen Sprecherwechsel bedeuten, aber vermutlich hören viele Fans die Reihe auch vor allem wegen der Sprecher Rode und Groeger.

Da hilft nur digitale Nekromantie. Zur am Freitag erschienenen Folge Die Büchse der Pandora heißt es, die Sprecher seien mit Hilfe technischer Unterstützung aufgenommen worden. Was wohl bedeuten dürfte, die Stimmen kommen aus der digitalen Konserve. Und so hört sich die Hörprobe, die ich mir auf Thalia.de angehört habe, auch an.. Finde, das klingt furchtbar. Es sind schon ihre Stimmen, aber es hört sich so steril und abgehackt an, als würden sie auf dem Amt irgendwelche Vorschriften vorlesen. Ich warte mal die ersten Meinungen zu der Folge ab, aber wenn das wirklich nur noch KI ist, bin ich raus. Dann hätten sie besser neue Sprecher geholt, wenn sie unbedingt mit Sherlock-Holmes-Storys weitermachen wollen.

Ich möchte mich auch ehrlich gesagt gar nicht auf KI-Sprecher*innen einlassen. Beim Pumuckl war immerhin noch ein echter daran beteiligt. Hier sind es jetzt zwei verstorbene. Aber irgendwann (und bei Hörbüchern ist es ja bei manchen Unternehmen schon so weit) kommen die Stimmen dann ganz aus der Konserve, weil es billiger ist. Das ist eine Entwicklung, die ich nicht unterstützen möchte. Und ich finde, dass dadurch auch die Leistung der Sprecher*innen im Studio herabgewürdigt wird.

Ich bin jetzt fast ganz durch mit dem Bobcast (siehe letzter Wochenrückblick), wo in jeder Folge darauf eingegangen wird, welche Eigenheiten die verschiedenen Sprecher*innen so haben, und wie das ihre Sprechleistungen zu etwas Besonderem macht. Das hat mir noch mal deutlich vor Augen geführt, wie wichtig der menschliche Faktor dabei ist.

Werden sich dann in 20 Jahren KIs in einem Podcast darüber unterhalten, wie es damals war, innerhalb von Sekunden bestimmte Hörspielfolgen zu generieren?

Darauf, wie sich das Ganze anhört und wie die Entwicklung weitergeht, bin ich natürlich trotzdem neugierig. Vielleicht höre ich mir die Folge mal ganz an, allein damit ich qualifiziert mitreden kann.

Meine Lektüre

Da gibt es nicht wirklich was Neues zu vermelden. Im September hatte ich angefangen, das E-Book von Alan Moores Jerusalem in der deutschen Übersetzung zu lesen, die Anfang November bei Carcosa erscheinen wird. 10% habe ich bisher geschafft und lese es wirklich gerne. Doch mir ist jetzt der Horroctober dazwischengekommen und das Buch hat auch 1.400 Seiten, weshalb ich bezweifle, dass ich es dieses Jahr noch durchbekomme.

Cover des Romans "Jersualem" von Alan Moore. Zeigt den schwarzen Rahmen einer auf dem Kopf stehenden Kirche, darüber ein weißes Gasometer.

Horroctober heißt, dass ich jedes Jahr im Oktober Horrorfilme und -serien schaue, und auch Horrorbücher lese. Lust habe ich auf okkulte Thriller, da habe ich einige interessante Tipps auf Facebook bekommen. Allerdings konnte ich nicht wie geplant am 1. Oktober damit starten, da ich am 30. September noch ein Manuskript zur Begutachtung reinbekommen habe.

Horroctober

Einen wirklich Plan für den Horroctober habe ich nicht. Oft entscheide ich spontan, was ich mir anschaue. In Sachen Serien wollte ich es noch mal mit American Horror Story versuchen – obwohl ich es eigentlich besser weiß, denn bis auf die erste Staffel hat mir keine weitere gefallen. Die zehnte, Double Feature, sollte es jetzt sein, weil die erste Hälfte eine Hommage an den Kleinstadthorror von Stephen King sein soll. Doch subtiler Aufbau von Atmosphäre, Grusel und Mysterien ist Ryan Murphys und Brian Falchucks Sache nicht. Da geht es von Anfang an mit dem Holzhammer los. Den Rest der Staffel werde ich mir wohl sparen.

In Sachen Filmen habe ich endlich mal Rosmary’s Baby gesehen. Da kommt auch keine Gruselstimmung auf, aber das soll sie auch gar nicht. Hier geht es um ganz andere Theme, vor allem um die Rolle von Frauen und Müttern in der Gesellschaft (der 1960er). Erstaunt war ich, dass es kaum Morde gibt, und die finden auch alle Off-Screen statt. Einzig eine Leiche ist zu sehen. Die Atmosphäre der Bedrohlichkeit wird mit ganz anderen Mitteln aufgebaut. Vor allem die Ausweglosigkeit der Situation, in der sich die Protagonistin befindet.

Killer Klowns From Outer Space ist ein Kusiosum, das Fans trashiger Filme gesehen haben sollten. Außerirdische, die Aussehen wie Monster-Clowns, landen in einer amerikanischen Kleinstadt und fangen an, die Bewohner*innen umzubringen. Eigentlich eine simple Story, relativ tumb umgesetzt, wären da nicht das tolle Setdesign und die Aufmachung der Clowns. Ich dachte, der Film wird auch splattrig, das ist aber nicht der Fall, wir Zuschauer*innen werden hier in Zuckerwatte gepackt.

Baghead

Junge Frau erbt von ihrem entfremdeten Vater eine alte Kneipe, in deren Keller sich eine ungewöhnliche Mitbewohnerin befindet. Schnell wird das Erbe zum Fluch und sie muss es mit einer übernatürlichen Wesenheit aufnehmen. Ist ganz nett gemacht, das Konzept nicht neu, aber stimmig umgesetzt. Doch mit deutlichen Schwächen. So richtig Spannung will nicht aufkommen und der Expositionstalk gegen Ende ist zu sehr mit dem Holzhammer präsentiert.

WOW

Serien

Rings of Power (2. Staffel)

Der Herr der Ringe war eines meiner ersten Fantasybücher (wenn auch nicht das allererste), und ich habe es damals geliebt, in meinem Leben aber maximal drei bis viermal gelesen (ohne die Anhänge, die bei der grünen Klett-Cotta-Ausgabe nicht dabei waren). Die Verfilmungen haben ich zweimal gesehen, einmal im Kino und einmal auf DVD. Das Sillmarillion habe ich ebenfalls gelesen und erinnere mich noch vage an die Passagen über Saurons Zeit bei den Valar und wie er das Schmiedehandwerk erlernt hat. Ich bin also keiner großer Tolkien-Buff und inzwischen hängt mir seine immer noch dominanten Präsenz in der Fantasy zum Hals raus.

Trotzdem sehe ich mir die Serie an. Die erste Staffel fand ich schon mehr als durchwachsen. Während sich Wheel of Time nach einer ebenfalls schwachen Auftaktstaffel deutlich steigern konnte, habe ich das bei Rings of Power nicht so empfunden. Das ist einfach more of the same, mit ein paar gelungenen Momenten, wie den großartigen ersten fünf Minuten der Finalfolge, mit dem Dialog zwischen den beiden Durins.

Ansonsten kann ich mit dem (Held*innen)Pathos wenig anfangen. Der passt zwar zu Tolkiens Werk, aber so auf den Bildschirm gebannt, ist mir das zu viel. Und Numenor langweilt und das ewige Gelaber von Sauron nervt. Tolkien hatte schon seine Gründe, ihm im Herr der Ringe keinen Text zu geben.

Fotos

Wolken über Hilgert

Von der untergehenden Sonne angestrahlte Wolkendecke, die wellenförmig am Himmel über zwei Hausdächern liegt.