Mein Album der Woche: Take Me Back To Eden | Sleep Token

Von Sleep Token kannte ich vorher zwei Song, Chokehold und The Summoning, die mir beide so gut gefallen haben, dass ich mir das komplette Album mit Kopfhörern auf dem Bett angehört habe. Für sich einzeln stehend sind die Lieder klasse, in der Albumgesamtheit funktionieren sie für mich aber nicht so gut.

Smarthpone, auf dessen Display das Ablumcover von "Take Me Back To Eden" angezeigt wird, Umramt von gut gepolsterten schwarzen Kopfhörern.

Sleep Token vermischen verschiedenen Stile und Musikgenres, alles, was sie da machen, ist gekonnt und auf hohem Niveau, aber auch wenn eine solche Mischung in dieser Summe relativ selten zu hören ist, sind die einzelnen Teile relativ konventionell geraten. Balladen- bis Autotune-Pop immer wieder ergänzt um harte Metalpassagen, die mich aber nie so vom Hocker hauen, wie zum Beispiel Bloodywood mit seinem wilden Mix.

Take Me Back To Eden ist glatt durchproduziert, was auch der, auf mich etwas affektiert wirkende, Gesang zeigt (ein Kritiker verglich ihn mit Peter Steele von Type O Negative, was passt, nur, dass der Sänger hier nicht so tief singt und eine größere Bandbreite besitzt). Trotzdem ist das keine schlechte Musik, einzelne Songs wissen durchaus zu überzeugen, in voller Albumlänge ist mir die Musik aber erstaunlicherweise etwas zu repetitiv und nicht ausreichend abwechslungsreich, da immer wieder die gleichen Schemata verwendet werden. Hab ich einmal das Konzept durchschaut, wissen die Songs nicht mehr wirklich zu überraschen.

Die Texte sind nach meinem – zugegeben – etwas oberflächlichen Eindruck relativ seicht geraten. Klassischer Beziehungskram, prätentiöse Plattitüden.

Das liest sich jetzt wie ein Verriss, soll aber keiner sein. Sleep Token sind nett anzuhören, das ist schon besser als das Meiste, was heute in der musikalischen Richtung erscheint, ist für mich aber nicht die größte Progrock/metal-Offenbarung seit Tool.

Die ersten beiden Titel Chokehold und The Summoning sind richtige Bretter und nicht umsonst die Single-Auskopplungen. Hier ist alles perfekt zusammengemischt, harte Riffs, langsamer, epischer Gesang, leicht Popanklänge, psychodelische Gitarren, Wall of Sound.

Doch schon in Granite geht es mir etwas zu poppig weiter, auch wenn am Ende noch mal ein schweres Riff reinknallt. Gleiches gilt für Aqua Regia mit langweiligem Refrain, das dann aber eine nette Jazz-Piano-Einlage hat.

Vore knallt dann wieder richtig, mit seinem Death-Metal-Gesang und der presslufthammerartigen Doublebase, was aber für sich nichts Herausragendes ist und erst mit den Stilwechseln im Verlauf des Songs interessanter wird. Wobei ich den balladenartigen Breakdown wieder etwas langweilig finde.

Ascensionism beginnt als reiner Popsong, der mir so gar nichts gibt und relativ eintönig vor sich hin plätschert, bis dann wieder die schweren Riffs und Pianoklänge einsetzen. Für sich nicht schlecht, aber im Album-Kontext hat sich das Prinzip bei mir jetzt etwas abgenutzt, auch wenn es im Song wohl die erwähnte Ascension darstellen soll.

Are You Really Okay fängt mit einer netten Folk/Hippie-Gitarre, die sich als catchy Hook durch den gesamten Song zieht. Nur leider gefällt mir, die Art zu singen einfach nicht, auch wenn es richtig gut und nuanciert ist.

The Apparation ist sehr elektroniklastig, das zu erwartende Crescendo mit E-Gitarren-Riffs und Klassik-Synthesizern, die das Orchester ersetzen, birgt keine Überraschungen.

Glatter, reiner Pop mit Autotune-Sound ist dann DYWTYLM (Do You Wish That You Love Me). Nach der bisherigen Songformel im Album-Kontext eine willkommene Abwechslung, aber kein Lied, das mich vom Hocker haut, mit belanglosem, seichtem Text.

Bei Rain gibt es dann wieder das übliche Schema mit poppigem Balladenanfang bis hin zur episch angelegten Gitarren-Riff-Steigerung.. Bleib für mich aber langweilig.

Take Me Back To Eden fängt schön melancholisch an und nach dem üblichen Epic-Metal-Crescendo gibt es eine erfrischende Rap-Einlage, bevor es mit dem Refrain weitergeht. Insgesamt ist der Song wie ein Best-of aller musikalischen Elemente, die Sleep Token auf diesem Album präsentieren.

Euclid startet mit einer netten Klaviermelodie, wie eine 90er-Jahre-Familienserie, der Gesang ähnelt in seinem Rhythmus aber doch zu sehr vielen anderen Songs. Dazu gibt es wieder kurze Rockunterbrechungen, die sich im Laufe des Songs steigern.

Wie schon erwähnt, dass ist musikalisch schon ziemlich gut gemacht und präsentiert, einzelne Songs höre ich mir gerne an, für Albumlänge reicht es bei mir nicht, was wohl einfach Geschmackssache ist.

Album der Woche heißt einfach, dass ich mir einmal in der Woche ganz in Ruhe ein Album mit Kopfhörern auf dem Bett anhöre, das ich noch nicht kenne, und dann hier meine Gedanken dazu schreibe. Aufgrund meiner aktuellen Arbeitsbelastung schaffe ich das aber nicht wöchentlich.