Keep going. Nummer 6.

Kalt geworden, was? Hui. Bei uns in Richterswil ist alles leicht überzuckert. Oben in Einsiedeln oder im nahen Skigebiet lockt ein Schneespaziergang. Ihr werdet es sicher auch gesehen oder gehört haben. Die Bauern hatten diese Tage viel zu tun, die Blüten an Bäumen und Sträuchern vor dem nächtlichen Frost zu schützen. Interessant ist, dass Wasser gesprüht wird. Das Wasser gefriert und hüllt die Blüten ein. Die Temperatur, die in der Eishülle entsteht, ist wärmer als der Frost. Null Grad tut den Blüten wenig.

Wir sind in der Woche vor Ostern. Morgen ist Palmsonntag. Keep going, ist das was mich die letzten Wochen hier inspiriert hat. Und ich überlege weiterzumachen. Wöchentlich ein „Keep going“ schreiben. Dran bleiben. Gedanken formulieren. Mich dem Leben und der Endlichkeit stellen. Aber auch der Verantwortung für diesen Blog. Für meine mitschreibende Blogkollegin Brig „da sein“. Bianca zieht grad um und meldet sich im Mai zurück.

Es ist wie es ist. Mal laut, mal leise. Mal traurig, mal fröhlich. Das Leben kommt und der Tod auch. Das Schöne und das weniger Schöne. Die Welt, die sich verändert. Die Zuversicht und die Angst, der Schrecken und die Freude. Allein sein oder zusammen sein. Alles nah beieinander.

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Das Kompostierfest von Rösi

Humor ist, wenn man trotzdem lacht 😀 Man muss nicht immer todernst sein. Auch wenn es um den Tod geht. Über den Tod zu lachen heisst nicht, dass er einem egal sind. Humor kann dem Unfassbaren die Schwere nehmen. Ja, vielleicht wirkt Lachen machmal sogar tröstlich.

Die folgende Berichterstattung einer Beerdigung hat mir ein Freund zugeschickt. Er hat sie auf dem Heimweg von eben dieser im Zug aufgeschrieben. Das Rösi, welches beerdigt wurde, ist ihm wahrscheinlich nicht allzu nah gestanden, aber es gehörte zur Verwandtschaft und wurde über 100 Jahre alt. Da erweist man schon mal die letzte Ehre.
Seine, wenngleich humorvollen Zeilen lassen vermuten, dass ihr Abschied ihn dennoch beschäftigt hat und mit dem lieben Gruss zum Schluss wirkt der Bericht schon fast wie eine Würdigung. Ich musste beim Lesen jedenfalls schmunzeln. Interessant ist ja, dass das Kompostierfest – wie er die Beerdigung nennt – eigentlich gar nicht vorkommt. Weder Erde noch Kompost. Aber lies doch selbst…

Ich war gestern mit Köbi in Zürich an einem Kompostierfest, weil mein letztes Grossbäsi Rösi im 101. Jahr ihrer irdischen Existenz von dieser Welt abberufen wurde. Dabei diente der Friedhof Enzenbühl als Abschussrampe, beziehungsweise in Anbetracht der für diesen Fall gewählten, überdimensionalen Gegebenheiten, quasi als Weltraumbahnhof. 

Alles begann, unter einem rigoros exekutierten Sicherheitsdispositiv, pünktlich um 13:30 Uhr mit der Besammlung von ca. 90, zumeist namhaften Trauergästen. Danach erfolgte unter den konsternierten Blicken aller Anwesenden die unwiderrufliche Bestückung mit den letzten heiligen Sakramenten, das Aufwärmen der gigantischen Trägerraketen und zuletzt als Höhepunkt – die finale Zündung durch den von göttlicher Inspiration und pyrotechnisch beseelten Priesters, welcher dank seiner kompetenten Entourage und langjährigen Beziehungen in die innersten Zirkel des BAZL (Bundesamt für Zivilluftfahrt), veranlassen konnte, dass der Luftraum, zwecks ungestörter Abflugmanöver, während einer Viertelstunde im Umkreis des Friedhofes gesperrt wurde. 
Spätestens an diesem Punkt war man sich, auch dank der souveränen Leistungen durch seine Hochwürden, Herrn Gottlob Engeli, der irreversiblen Tragweite der Geschehnisse, welche unmittelbar bevorstanden und sich vor unseren ungläubigen Blicken zu entfalten drohten, im Klaren. 

Das Lift-off erfolgte pünktlich um 14.00h. Eintritt in die Erdumlaufbahn bereits ca. 14.02h. So konnten wir alle auf den Bildschirmen ihre letzte Reise live mitverfolgen, wie sie in exorbitaler Manier, regelrecht wegkatapultiert und im Rahmen ihrer letztwilligen Verfügung auf einem eigens dazu reservierten Stern, durch ein fachmännisches Landemanöver parkiert wurde. 
Adios liebes Bäsi Rösi, ruhe in Frieden
🙏

KI hat seinen Humor verstanden
😄😄😀

Keep going. Nummer 5.

Schon Samstagabend! In der fünften Fastenwoche.

Was läuft bei dir? Läuft es? Ich startete mit „Keep going“ vor fünf Wochen. Ich gucke nach wie ich es formuliert hatte: „Keep going, in dem Sinne: So ist es jetzt. Vielleicht langweilig oder inspirierend, erhellend oder fragend, augenzwinkernd oder ernst. Gesund oder krank. Traurig oder glücklich“.

Letzte Woche erzählte ich aus meinem Hotel im Allgäu. Schlafe ich sonst wie eine Bärin und stehe in meinem Alltag morgens erst gegen acht auf, war ich dort morgens um 7 eine der ersten beim „Morgenschwumm“. Ich war oft die einzige, die draußen schwamm. Einmal hatte ich die Duschhaube übergestülpt, damit meine Haare nicht nass wurden. Niemand hat’s gesehen ;-). Das Wasser ist thermalwasserwarm. Draußen stimmten die Vögel ihre frohen Morgenlieder an. Frühling lag in der Luft. Ich hörte Stille. Nebenschwaden vom warmen Wasser stiegen auf.

Ich schrieb später in mein Tagebuch:

Wenn ich ganz still werde und mich nicht mehr bewege
das Wasser zur Ruhe kommt und nur noch der Wind zarte Wellen wirft –
sich der Wald, der Himmel und die Wolken im Wasser spiegeln,
mein Hals die Grenze zwischen Wasser und Luft ist.
Stille draußen wie drinnen
und mich ruhig macht
atme ich tief
höre alles nur noch gedämpft.
Im Wasser. Weit weg. Versunken.

Ein schöner Moment.

In Basel am Münsterplatz fotografiert

Mit meiner Kamera war ich die letzten Tage unterwegs. Ich suche nach Licht und Schatten. Nach Stillleben. Dachte ich zunächst, ich mag Streetfotografie, ist es wohl eher eine Kombination aus Momenten, die sich ergeben aus dem Zusammenspiel von Form und Farbe. Fremde Menschen spontan zu fotografieren ist zwar sehr interessant aber auch mutig, die Kamera „drauf zu halten“. Manchmal werde ich skeptisch beäugt. Deshalb schließe ich mein heutiges „Keep going“ mit meinem „best pic“ aus Basel. Habt es schön und genießt den Sonntag. Die Eissaison hat schon begonnen.

Wenn einer die Geburt überlebt hat…

…dann wird ihn der Tod auch nicht gleich umbringen

Mein Mann sprach nie über den Tod. Jedoch konnte er bei passenden Gelegenheiten diesen Satz salopp in die Runde einwerfen und die Leute zum Lachen bringen. Damit hatte er dann alles gesagt, was es zu sagen gibt.

Seit er nicht mehr da ist, denke ich oft an seinen Witz und an die bekannte Geschichte von Henri J.M. Nouwen, in welcher sich Zwillinge im Mutterleib über das Leben nach der Geburt unterhalten. Vielleicht kennst du sie auch.
Die Geschichte berührt mich immer wieder, wenn ich sie höre.
Wie geht es dir damit?

Keep going. Nummer 4.

Wir sind in der Mitte der Fastenzeit angekommen. Vor drei Wochen war Aschermittwoch. In drei Wochen beginnt die Karwoche. Ich bin seit Sonntag im beschaulichen Oberstaufen. Der Ort ist bekannt für seine Schrothkur. In meinem Hotel kann man außerdem Intervallfasten, Basenfasten oder Heilfasten. Ganz wie der Darm es bevorzugt. Ich genieße leichte leckere Küche, denn ich soll zunehmen. Wegen der Osteoperose soll mehr Polster auf die Rippen, mehr Eiweiß ins Blut, Calcium und Vitamin D nicht vergessen, bestenfalls mit Sonnenbestrahlung.

Keep going also. Mit Trampolinspringen locke ich meine Knochen, stärker zu werden. Mit Krafttraining baue ich meine Muskeln auf.

Und natürlich begegnet mir das Sterben und der Tod. In den Nachrichten. In der Zeitung. Privat. Vor allem bin ich neugierig auf die alten Menschen, mit denen ich hier kurzweilig ins Gespräch komme. „Ich habe mir einen Limousinenservice gebucht. Bin bald 100. Ich fahre nicht mehr Zug. Ich muss am Samstag nach Düsseldorf. Man muss immer weitermachen und nicht aufgeben“. Ich gebe zu, die alte Dame hat mich beeindruckt und ich weiß es ja schon lange: Für jedes Problem gibt eine Lösung ;-). Zwei ebenfalls hoch betagte Damen aus der Schweiz sitzen bei den Mahlzeiten nahe meinem Tisch und erzählen. Sie fahren beide noch Auto. „Nächste Woche wird kontrolliert, ob wir noch fahren dürfen“. Ich wünsche ihnen Glück.

Unsere neue Mitautorin Brigitt

Ich habe es schon angedeutet. Brigitt ist seit vielen Jahren eine unserer treuen Mitschreiberinnen bei Blogaktionen. Wir haben uns vor kurzem im Nachbarort am Zürichsee auf einen Kaffee getroffen. Währenddem wir über das Leben und den Tod sprachen, haben wir leckeren Kuchen gegessen und in die Sonne geblinzelt.

Brigitt schreibt selbst seit Jahren in ihrem Blog Brigwords. In der Menüleiste vom Totenhemd-Blog ist sie nun bei den Autor*innen mit dabei. Unkompliziert und regelmäßig lesen wir mehr von ihr mittwochs. Fangen wir einfach mal an. Sei willkommen Brigitt.

Keep going. Nummer 3.

früher am Morgen

Das ist doch herrlich! Brigitts Eltern! Beide 91 und ihrem Alter entsprechend munter. Brigitt wird hier im Totenhemd-Blog zukünftig mitschreiben. Mindestens alle vier Wochen regelmäßig … Bald mehr dazu. Keep going. Ich schicke euch Frühlingsgrüße vom See und reblogge von Brigitts Blog.

Keep going. Nummer 2.

Die 2. Woche in der Fastenzeit. Letzte Woche schrieb ich über die Themen „Do nothing“, „Keep going“. Es ist wie es ist.

Winkekatzen im japanischen Lieblingsshop Homu, Basel

Was ist mir begegnet? Die Winkekatzen in Basel sind mir begegnet. Sie saßen still im Schaufenster und ihr Arm winkte gleichförmig im Takt. Hoch. Runter. Hoch. Runter.

  • Im Fasten-Wegweiser 2026 aus dem Andere Zeiten Verlag las ich über die Einfachheit eines Lebens, über die Tasse Tee am Morgen fürs gemeinsame Gespräch.
  • und über das langsame Gehen: Der Wert des Lebens steckt im Augenblick. Ich zitiere:
    Nicht das, was uns durch die Welt und unser Leben rennen lässt ist das, was uns berührt oder das, was wir erinnern. Meistens jedenfalls nicht. Nein, die Momente, auf die es ankommt, sind eher langsam, besinnlich, bewusst erlebt. Dieser Text hatte die Endlichkeit unseres Lebens im Blick. Wie wäre es mit „langsam gehen“? Den Winkekatzen eine Weile zuschauen?
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Keep going

Sprüngli Café Zürich

Keep going“ – so habe ich Anfang Januar einen Text begonnen – mit der Hand ins Notizbuch geschrieben. Seitenlang. In einem schönen Zürcher Café habe ich gesessen und geschrieben. Es floss sozusagen aus meinen Fingern. Hinterher tat mir mein Ellenbogen weh, dass ich erstmal lahmgelegt war rechts. Links geht es jetzt wieder. Mein Handgelenk ist kräftiger und beweglicher geworden. Nur noch die Finger brauchen einige Zeit, bis sie sich wieder geschmeidig bewegen können. Der Nerv ist immer noch sehr beleidigt vom blöden Sturz. Es hätte nicht sein müssen. Es hätte aber auch schlimmer kommen können. Inzwischen gucke ich wieder – fast genesen – froh in die nahe Zukunft.

In einem Basler Schaufenster

Wie sind deine ersten Wochen im Jahr gelaufen? Bist du zufrieden? Heute am 20. Februar sind wir am Anfang der Fastenzeit. In der Schweiz geht es aber mit Karneval erst richtig los. In unserem Ort genauso wie in Zürich locken die Karnevalevents und Umzüge. Der Basler Straich findet kommenden Montag statt. Gefeiert wird bis Mittwoch und Sprüche geklopft – Schnitzelbänke vorgetragen (das sind Spottlieder bzw. das Konzentrat des Basler Fasnachtswitzes). Dann ist Ruh‘ auch in der Schweiz.

Klosterwein Silentium

Letztes Wochenende am Valentinstag waren mein Mann und ich eine Nacht im Kloster Kappel. Wir haben ein Valentinstagevent im Kloster verbracht mit Apéro, besinnlicher Feier und Candle-Light-Dinner. Das war sehr nett. Mal etwas ganz anderes und außergewöhnlich. Mein Mann hat mich damit überrascht.

Wie Ihr bemerkt habt, ist es ruhig geworden im Totenhemd-Blog. Die Prioriäten meiner geschätzten Mitschreiber*innen haben sich verschoben. Auch meine Interessen haben eine andere Richtung eingenommen. Nach wie vor finde ich das Thema „Leben und Sterben“ wichtig und interessant, mir fehlt aber eine Sparringspartner*in, die das hier mit mir stemmt und wuppt mit Ideen und Inspiration. Für mich darf es deshalb jetzt mal eine Weile dümpeln. Dazu kommt mir gleich die Idee, einmal wöchentlich in der Fastenzeit über dieses „Dümpeln“ nachzudenken. Mir fallen dazu im gleichen Moment meine Online-Meditationssessions mit/bei Jeff Warren ein. Vor allem sein wöchentliches Meditationsprojekt: „Do nothing Project“. Ich sag euch, das Beste was mir begegnen konnte in meinem „Lahmgelegt-sein“. Bewusst hinsetzen, atmen, fokussieren, nichts. Jeff kommt zwischendurch rein mit Gedanken, Impulsen, Reflektionen. I love it.

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