Ostpunk Henryk Gericke und der Popkultur-Historiker Bodo Mrozek sprechen im Podcast der Heinrich-Böll-Stiftung über Punk im Osten und dessen Bündnisse mit dem West-Punk (via):![]()
6. Oktober 2020
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Ostpunk Henryk Gericke und der Popkultur-Historiker Bodo Mrozek sprechen im Podcast der Heinrich-Böll-Stiftung über Punk im Osten und dessen Bündnisse mit dem West-Punk (via):![]()
Der Terror des NSU ist keine Ausnahmeerscheinung in der Geschichte der Bundesrepublik, sondern steht in einer Tradition. Doch anders als die Taten der RAF ist diese Terrorgeschichte nie ins allgemeine gesellschaftliche Gedächtnis vorgedrungen und daher auch kaum referenzierbar - weder im Alltag, noch in den Behörden, in den Medien oder bei der Polizei.
Was das bedeutet: Bei jeder Tat immer wieder neues Erstaunen darüber, die Rede vom historischen Einschnitt, von einer Zäsur - "nicht für möglich gehalten". Wer so spricht, betreibt aktive Verdrängungsarbeit, kaschiert die Kontinuität des rechtsextremen Terrors und rückt dessen Opfer und Überlebende in die Unsichtbarkeit. "Wir haben ja von nichts gewusst", diesen Satz hört man im Hinblick auf deutsche Geschichte zu oft. Für eine Haltung, die sich dadurch auszeichnet, nichts wissen zu wollen und auch andere am besten nichts wissen zu lassen, ist er naheliegend.
(Bild: Muenih, Wikipedia/gemeinfrei)
Aber: Es ändert sich etwas. Zumindest in Ansätzen. Der 40. Jahrestag des rechtsextremen Anschlags aufs Oktoberfest im Jahr 1980 etwa bietet Anlass zur Rückschau. Bei dem Anschlag starben Gabriele Deutsch, Robert Gmeinwieser, Axel Hirsch, Markus Hölzl, Paul Lux, Franz Schiele, Ignaz Platzer, Ilona Platzer, Angela Schüttrigkeit, Errol Vere-Hodges, Ernst Vestner und Beate Werner. Der Attentäter selbst kam ebenfalls ums Leben.

Heute vor 100 Jahren wurde Primo Levi geboren. Bereits 1947 legte der Shoah-Überlebende mit seinem Buch "Ist das ein Mensch?" Zeugnis ab über die Vernichtungsmaschinerie der Deutschen. Der BR bringt daraus eine einstündige Lesung (mp3):

Tolles Dokument "aus den Archiven" beim Deutschlandfunk Kultur: Die RIAS-Live-Reportage von der Mondlandung - ein schönes Kuddelmuddel zwischen nicht funktionierenden Schalten, sich überschlagenden Ereignissen und einander ins Wort fallende Moderatoren, die aber - wohlgemerkt - einen richtig guten Job machen. Der Stand der Medientechnik der 60er lässt die Reportage immer wieder in Gefilde umkippen, die man heute dem Genre "Klangkunst" zuordnen würde.

"1202, 1202": Wenn man sich in der letzten Phase des Landeanflugs auf den Mond befindet und der Bordcomputer einem fortlaufend meldet, dass er schon einmal vorsorglich selber abgestürzt ist, dann weiß man, was Muffesausen wirklich ist. Ein Longread auf "Wired" befasst sich ausführlich mit diesem Moment, als die Mondlandung (nicht einmal mehr) am seidenen Faden hing. Deutlich ausführlicher ist da noch der BBC-Podcast "13 Minutes to the Moon", der diese Krise in den letzten 13 Minuten der erste Mondlandung zum Anlass nimmt, um das Jahre dauernde Unterfangen "einen Mann auf den Mond und sicher wieder nach Hause zu bringen" detailliert aufzufächern. Toll produziert und sehr hörenswert (auch wenn sich dafür mit Hans-Zimmer-Bombast die Ohren zukleistern lassen muss).
Bonus: Das "Apollo 11"-Album der NASA auf Flickr.
Die heile Welt des Verbrechens: Stephan Derrick und die BRD (RBB Kulturradio, 2018)
"Derrick" ist German Hauntology. Ein Blick in die alte BRD und deren "ästhetisches Inventar", wie es in diesem sehr guten Radiofeature von Rafael Jové an einer Stelle passend heißt. Der Titel "Die heile Welt des Verbrechens" sollte nicht abschrecken: Der vor allem von Unkundigen in die Welt gesetzte Mythos, Derricks Kriminalfälle spielten weltabgerückt in einer überschaubaren, biederen Welt, wird hier nicht bedient, bzw. er wird aufgefächert: Es gibt einen frühen, es gibt einen späten "Derrick", es gibt Abgründe, Leerstellen - und, sehr richtig beobachtet, mitunter "Twin Peaks"-artige Trance-Meditationen in Sachen TV-Weirdness. Dazu passend: Ein Gespräch mit Horst Tappert aus dem Jahr 1988, gefunden als Podcast bei der Deutschen Welle. (mp3)
Der einsame Tod des Herrn D. (Deutschlandfunk, 2017)
Ein Plattenbau in Ost-Berlin: Fünf Jahre lang lag ein älterer Herr tot in seinem Sessel - von Nachbarn und Behörden blieb der Tod unbemerkt. Johannes Nichelmann begibt sich auf Spurensuche: Ein intensives Feature über städtische Einsamkeit. (mp3)
Krieg im Kopf (Deutschlandradio Kultur, 2016)
Lou Brouwers spricht mit Kriegsveteranen. Über ihre Erfahrungen, seelischen Verletzungen und wiederkehrende Traumata. Ein behutsames Feature, das ganz von seinen teils bedrückenden O-Tönen lebt. (mp3)
Eine Jugend am Ende der DDR: Wo wir zu Hause waren (MDR, 2009)
Lotta Wieden gibt in ihrem Interview-Feature den Erfahrungen jener Menschen aus der ehemaligen DDR Raum, die den Mauerfall als Kinder und junge Jugendliche erlebt haben - und also zu jung waren, um sich in ein kritisches Verhältnis zu ihrem Land zu setzen. Entsprechend irritierend erlebten sie die Wendezeit - mit langfristigen Folgen. (mp3)
"1968" begann in Deutschland am 2. Juni 1967 - mit dem tödlichen Schuss auf Benno Ohnesorg. Die Radiosender erinnern mit einigen Beiträgen an diese Zäsur der deutschen Nachkriegsgeschichte: ![]()
In der Sendung "Radiowissen" des Bayerischen Rundfunks arbeitet Michael Zametzer die Geschichte Ohnesorgs als "tragische Ikone der 68er" bündig auf:
Als Co-Produktion von RBB, NDR und BR entstand Margot Overaths Feature "Chronik einer Hinrichtung" (Sendungsmanuskript als pdf), das auf die Details des Tathergangs und dessen Aufarbeitung eingeht. Update: Dank Dlf Kultur ist das Feature derzeit wieder online.