24. September 2019

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"Auferstanden aus Platinen. Die Heimcomputerszene der DDR" - Doku auf 3sat



Meinen C64 bekam ich im Februar 1989, nach dem ersten Gymnasialzeugnis, das mir die dafür zur Bedingung gestellten guten Leistungen bescheinigte. Danach war nichts mehr wie es war - meine Zeugnisse wurden schlechter, meine Spiel- und Programmierkenntnisse (wenngleich letztere nur in BASIC) besser. Allerdings saß ich im Westen - wenn auch geradezu in Sichtweite zum Eisernen Vorhang, der in Wahrheit allerdings eher ein ziemlich gut bewachter Zaun war.

Volker Strübing hingegen saß jenseits dieses Zauns, in der DDR, jenem Land, von dem es hieß, es gebe dort keine Bananen. Und somit wohl erst recht nicht jene Computer, an denen ich rumdaddelte und in die ich mit einem Lötkolben Reset-Taster einbaute. Irrtum: Auch im Osten wurde zu dieser Zeit gedaddelt, gebastelt, programmiert und gehackt, wie Strübings liebevoll gemachte 3sat-Doku "Auferstanden aus Platinen" zeigt. Ein wehmütiger, durchaus ein wenig nostalgischer, dabei aber auch sympathisch selbstironischer Rückblick auf eine Zeit, die heute unendlich weit weg zu liegen scheint - und auf ihre Mängel, ihre Idiosynkrasien, ihre Widersprüchen, ihre bizarren Schwarzmärkte und Preisentwicklungen.

Bis zum September 2020 ist dieses Stück Zeitgeschichte in der Mediathek zu sehen.

Im Kompressor, dem Magazin für Popkultur im Deutschlandfunk Kultur, gab es anlässlich dieser Doku ein halbstündiges Special, das die Perspektive auf die Komputerei des Ostens noch ein wenig erweitert (mp3-Direktlink).



(Bild: ZDF/Sabine Streckhardt)

19. November 2018

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Kosmischer Läufer Vol. 4



Auch in der DDR gab es Krautrock: So stieß der Tontechniker Martin R. Zeichnete in den frühen 70ern in Radiosendungen aus dem Westen auf die neuartige Rock- und Experimentalmusik, an der sich manche seiner Zeitgenossen jenseits des antifaschistischen Schutzwalls versuchten. Insbesondere der treibende Rhythmus hatte es Zeichnete angetan. Er witterte darin Potenzial: Könnten sich mit dieser Musik nicht vielleicht sogar die Trainingseinheiten der DDR-Sportler optimieren lassen?

8. Oktober 2018

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Derrick, Veteranen & mehr: Gute Radiofeatures

Die heile Welt des Verbrechens: Stephan Derrick und die BRD (RBB Kulturradio, 2018)
"Derrick" ist German Hauntology. Ein Blick in die alte BRD und deren "ästhetisches Inventar", wie es in diesem sehr guten Radiofeature von Rafael Jové an einer Stelle passend heißt. Der Titel "Die heile Welt des Verbrechens" sollte nicht abschrecken: Der vor allem von Unkundigen in die Welt gesetzte Mythos, Derricks Kriminalfälle spielten weltabgerückt in einer überschaubaren, biederen Welt, wird hier nicht bedient, bzw. er wird aufgefächert: Es gibt einen frühen, es gibt einen späten "Derrick", es gibt Abgründe, Leerstellen - und, sehr richtig beobachtet, mitunter "Twin Peaks"-artige Trance-Meditationen in Sachen TV-Weirdness. Dazu passend: Ein Gespräch mit Horst Tappert aus dem Jahr 1988, gefunden als Podcast bei der Deutschen Welle. (mp3)



Der einsame Tod des Herrn D. (Deutschlandfunk, 2017)
Ein Plattenbau in Ost-Berlin: Fünf Jahre lang lag ein älterer Herr tot in seinem Sessel - von Nachbarn und Behörden blieb der Tod unbemerkt. Johannes Nichelmann begibt sich auf Spurensuche: Ein intensives Feature über städtische Einsamkeit. (mp3)



Krieg im Kopf (Deutschlandradio Kultur, 2016)
Lou Brouwers spricht mit Kriegsveteranen. Über ihre Erfahrungen, seelischen Verletzungen und wiederkehrende Traumata. Ein behutsames Feature, das ganz von seinen teils bedrückenden O-Tönen lebt. (mp3)



Eine Jugend am Ende der DDR: Wo wir zu Hause waren (MDR, 2009)
Lotta Wieden gibt in ihrem Interview-Feature den Erfahrungen jener Menschen aus der ehemaligen DDR Raum, die den Mauerfall als Kinder und junge Jugendliche erlebt haben - und also zu jung waren, um sich in ein kritisches Verhältnis zu ihrem Land zu setzen. Entsprechend irritierend erlebten sie die Wendezeit - mit langfristigen Folgen. (mp3)

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