Pick me

Ich habe in letzter Zeit so wenig Lust, zu schreiben. Gestern habe ich sogar das erste Mal seit langem wieder mal an die Vertrautheit einer Beziehung gedacht. Ich weiß, wann das passiert. Wenn ich eine besonders große Sehnsucht nach Liebe habe. Es ist sogar eher körperlich. Das Gefühl, dass mich jemand im Arm hält, mir über den Kopf streichelt und meine Hand hält und ich jemanden atmen spüre, ganz nah.

Es ist genau dieses Bedürfnis, das sich meldet. Sicherlich ist es jetzt schon ein Jahr her bald, seitdem ich das gefühlt habe. Das war übrigens mit dem Schriftsteller, nicht mit dem Italiener.

Ich tausche mich mit wunderbaren Menschen aus, würde sagen dass ich authentischer bin als noch vor Jahren, doch diese Liebe fehlt mir. Das ist ein ganz spezieller Schmerz. Er ist in diesen Momenten so groß, dass ich mich sehr verletzlich fühle. Ganz leer irgendwie, als ob die letzte Liebe jetzt aus mir hinaus geflossen ist und nun ist der Vorrat leer. Ich habe das Gefühl, dass man es mir ansieht: Ah, seht, da ist eine ungeliebte Frau, eine Single-Frau.

Ich auf Dating-Apps? Ich hab den Bezug verloren. Jedenfalls zu den klassischen, gängigen. Ironischerweise werde ich so oft draußen angesprochen, wie noch nie zu vor. Ich muss fast einfach nur ein bisschen länger irgendwo rumsitzen. Ich misstraue aber diesen Männern per se. Pick-up Artists, Player, Gigolos tun das, flüstert es in mir. Tue ich manchen unrecht? Ich werde es nie erfahren, denn ich lass mich auf niemanden ein.

Ich fühl mich ganz komisch in dieser Hinsicht, vielleicht tatsächlich ein bisschen, als ob ich die Hoffnung verloren hätte. Den Glauben.

Mein Leben läuft gegen Ende des Jahres wirklich gut. Ich habe einige wunderbare Menschen kennen gelernt, Dinge auf den Weg gebracht, die mir etwas bedeuten. Jobmäßig hat sich einiges erfüllt. Ich lektoriere jetzt tatsächlich Bücher, die ich mag 😀 Der Wechsel war wichtig.

Doch mir fehlt Liebe, Liebe in einer vertrauten Beziehung. Ohne Drama, ohne Lüge, ohne Unsicherheit, ohne Distanz.

Ich fühle mich so unglaublich alt. Ich habe den Fehler gemacht in letzter Zeit einige Jane Austen Romane zu lesen. Die schwelgen alle genauso in diesem liebessehnsüchtigen Szenario und heiraten dann doch alle. Im Alter zwischen 18 und 26. Happy End.

Darüber hinaus ist Ende Gelände, alte Jungfernzeit, keine Chance mehr. So wie Jane Austen selbst stets unverheiratet blieb und mit 41 starb.

Wie konsequent ich mich von all diesen Drama-Beziehungen frei gemacht habe in diesem letzten Jahr, unausgegorene Männer die nur ein schaler Heiltrank waren gegen das Symptom der Liebessehnsucht. Ich habe nun keine Bauchschmerzen mehr, seitdem ich sie weglasse, aber ich bin trotzdem hungrig. Vielleicht spüre ich es jetzt umso stärker, da ich nicht durch das anhaltende Drama abgelenkt bin?

Wann gewöhnt man sich daran, wann findet man sich final damit ab, dass man diese aufrichtige Liebe wohl nicht mehr erfahren wird?

Gerade wenn man nicht mehr bereit ist, aus Wunschdenken heraus die Augen zu verschließen, oder die Brotkrümel anzunehmen, die man hier da bekommen könnte.

Es schmerzt mich, dass ich meine kostbare Zeit mit so vielen Idioten verbracht habe. Und doch verstehe ich es, wie Menschen trotz Lügen, Untreue, Drama sich gegenseitig wärmen, um wohl irgendwie Mensch zu bleiben.

Mother

Wir reden nicht über Gefühle. Außer über Schlechte. Und dann sollten diese am Besten nichts mit unserer Beziehung zu tun haben, sondern mit dem garstigen Nachbarn von oben.

So wuchs ich auf. Wenn ich mich als Kind gemault habe und weinte, dann war dies das höchste der zulassbaren Gefühle etc pp.

Meine Mutter kann das einfach nicht. Ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen war schlichtweg nie ein Thema. Nie. Und das ist doch so paradox, weil wir doch alle fühlen. Irgendwas.

Ich selbst musste es erst lernen, meine Gefühle zunächst wahrzunehmen und sie dann ernstzunehmen und sie schließlich auszudrücken. Doch wenn ich das bei ihr tue, dann ist das für sie „ein Mund verbieten“, wenn ich ihr beispielsweise sage, dass ich nicht möchte, dass sie so mit mir spricht, weil mich das verletzt.

Mir würde das nie in denn Sinn kommen, einfach eine Person (dann auch noch wissentlich) weiter zu verletzen mit meinem Verhalten. Ich muss es dabei, auch nicht komplett verstehen, um damit aufzuhören. Auch empfindet sich mich von oben herab, wenn ich ihr Dinge erkläre.

Fast fünf Jahre Therapie sind aber einfach mehr Therapie, als null Jahre Therapie. Und deswegen weiß ich auch um die Dynamik, dass vor allem sehr unsichere Menschen ein Problem mit selbstsicheren Menschen haben (können). Dass dies dann als Arroganz abgewertet werden kann. Genauso wie eher Menschen, die sehr wenig in Kontakt mit ihren eigenen Gefühlen stehen, ein Problem damit haben (können), wenn man seine eigenen Grenzen formuliert. Das ist dann schnell einfach nur eine Unverschämtheit.

Manchmal sehe ich die Rolle nahezu umgekehrt: Meine Mutter ist das trotzige Kind, welches sich emotional nicht regulieren kann und ich bin die Erwachsene (Mutter), die tief durchatmet und sich die Trotzausbrüche anhört.

Am Ende ist meine Mutter immerhin dazu in der Lage, zu reflektieren, dass sie deshalb so reagiert, weil sie nichts anderes gewohnt ist, weil sie es selbst nicht anders kennt und sie es auch deshalb als überwältigend empfindet, wenn jemand so klar auftritt und sagt: Ich möchte das nicht.

Ohne, dass dies einen Beziehungsabbruch darstellen muss oder sie für sich selbst weiß, dass sie kein schlechter Mensch ist, wenn man ihr sagt, dass einen manche Dinge eben verletzen.

Ich fühle mich wirklich manchmal so, als müsse ich die Starke sein in dieser Beziehung. Und ja, das ist auch für mich in dem Zusammenhang nicht einfach, weil das Bild der weisen und starken Mutter, zu der man aufschauen kann und lernt, auch in mir verankert ist. Und welches in diesen Fällen leider nicht der Realität entspricht.

Ich liebe meine Mutter. Und sie ist mir wichtig. Und ich musste diejenige sein, die ihr das sagt, als Erste, sodass sie es mir auch sagen konnte. Und so das Eis gebrochen wurde. Ihre emotionale Versteinerung zumindest für diesen Moment aufweicht.

Meine Mutter ist eine blitzgescheite Frau, mit einem scharfen Verstand und einer großen Neugier und Offenheit. Dennoch. Es erfüllt mich mit Traurigkeit, dass sie selbst im Jahr 2023 einer Therapie so ablehnend gegenüber steht. Sie hätte doch nichts zu verlieren. Sie könnte vielmehr immer weicher werden, sich selbst und ihre Gefühlswelt kennenlernen und verstehen.

„Durch die Welt irrlichtern“, hörte ich heute jemanden sagen. Und ich denke, so fühlt sich das dann an, wenn man so wenig über sich Bescheid weiß.

Ich würde es ihr so sehr wünschen und bin stolz auf sie, meinetwegen dann eben wie die Mutter, die ich nie hatte, als sie am Ende des Gesprächs meinte, dass sie einiges mitnimmt, über das sie nachdenken wolle.

Rien ne vient

Wie wäre das wohl für dich, wenn du all diese Seilschaften loslassen würdest, die du nur noch an dich hälst, weil sie dich ab und an unterhalten, deinen, uns allen eigenen, Narzissmus streicheln, aber die doch allzu sehr bedeutungslos sind und wie ein netter Film auf Netflix anmuten, der dich für den Moment unterhält, an den du dich aber schnell, schneller, gar nicht mehr erinnerst: „Das war doch der….wo dieses….ach, wie hieß der gleich, was mit K…“.

Ich höre französische Musik, so leicht wie ein Croissant. Außen leicht und voll schwermütiger Butter. Also besser anschauen als reinbeißen. Fragezeichen.

Ich rauche bei der Arbeit in der Küche während der Handwerker ein neues Waschbecken im Bad anschraubt. Findet er seine Erfüllung in seiner Arbeit? Und wenn nicht dort, wo dann? Ich unterhalte mich später mit ihm eine akademische Viertelstunde und seine Augen rutschen immer wieder ab, auf mein nicht sichtbares Dekolleté und ich denke mir mehrfach „Hä?“.

Er ist der erste Mann in meiner Wohnung nach Giovanni (minus Verwandtschaft). Ich rede mich mit ihm hinein in die Bedeutungslosigkeit. Das Gespräch verpufft so schnell, wie der blaue Rauch meiner Gauloises aus dem Küchenfenster. Mein Interesse an Männern tendiert gegen Null. Hartnäckigkeit beeindruckt mich nicht mehr. Ich brauche es nicht mehr. Die Leere dahinter und mein früheres Ego, das sich so tief vergrub in diese Spinnweben der amourösen Geflechte, widern mich heute fast an. Ich sage fast, denn ich will dann doch nicht so hart mit mir ins Gericht gehen. Es hat sich nur einfach abgenutzt. Das Thema Mann. Das Thema Suche.

Denn eigentlich bin ich auf der Suche nach etwas anderen. Und auf jedem einzelnen Pfad des Scheiterns, habe ich versucht mich selbst einzufangen.

In dieser letzten Suche, hat sich so viel Hoffnung und Täuschung hineingelegt, sodass ich nicht mehr sehen konnte und wollte, was ist. Und was nicht.

Schöne Frau leidet. Durch die Männer und diese Liebe. Ich bin dieses Narrativ so leid. So sehr, dass ich innerlich unruhig werde, wenn eine langjährige Freundin mir ihr Leid klagt. Und ich von außen schon zu gut ihr immerselbes Muster erkenne.

Er sendet dir uneindeutige Signale? Ja, dann lass es. Du weißt nicht, was du willst? Ja, dann lass es.

Es hat exakt drei Jahre feinster Freudscher Analyse am eigenen „schöne Frau leidet“-Leib gebraucht, bis ich das nicht nur verstanden habe, sondern verinnerlicht. Und das ist a hell of a difference.

Klingt nach abgeklärter, kaltem Zigarettenrauch Attitüde?

Mag sein. Aber momentan mach ich mir endlich mal über das Thema Beziehung und Liebe keine Sorgen, sondern eher über ein potenzielles das hier: https://www.youtube.com/watch?v=MjGm5auzbZM

Die Suppe ist runtergekocht auf das Wesentliche, die Essenz. Was macht mich glücklich, so sehr, dass diese Jagd und andauernde Beschäftigung mit diversen Pfeifen nicht mehr nötig ist. Ein okayes Leben wie jetzt gerade reicht anscheinend nicht aus. Ich habe mir den Status ok aufgebaut, aber das ist wohl nicht genug. Und es ist für niemanden genug, der sich ständig in selbstgewählte Spirenzchen verwickelt. Es war wie eine Art Hobby – und es ist wunderbar ein leidenschaftliches Hobby zu haben, wenn es einen nur nicht immer mehr auffrisst.

Liebe ist kein Hobby.

Ich plane einen kleinen Aufenthalt in Hamburg nächsten Monat. Ein Wiedersehen mit dem Schriftsteller. Wer hätte das nur gedacht, dass diese Verbindung die beständigste zu sein scheint? Ich freue mich, ihn zu sehen. Er bedeutet mir sehr viel, auf eine Art, wie einem sein Lieblingsbuch etwas bedeutet. Und das geht wohl nicht so schnell vorbei, auch wenn die Nähe immer nur auf eine gewisse Seitenanzahl begrenzt bleibt.

Ich plane über meinen Geburtstag einen einmonatigen Aufenthalt in Rom. Da gibt es einiges zu planen. Ich brauche Italien. Auch diese Bedeutung bleibt.

Und ich plane meinen Job dieses Jahr zu kündigen. Ich brauche dieses Prestige nicht mehr und die alten Schinken, die ausgetretenen Pfade.

Wir alle wollen immer besser, aber ich bin erstmal glücklicher mit anders. Um wieder freier atmen zu können.

Und so verbringe den Freitagabend mit all diesen seltsamen Gefühlen, die sich in ausgewählten Büchern und Songs widerspiegeln. Und die ich mehr im Hier und Jetzt versuche zu etablieren. Zum Anfassen.

Italien: Pink

Teil 1 findest du hier.

Ich beschließe nun endlich die Tür zu öffnen, denn langsam wird es im fensterlosen Bad stickig und die Aufregung lässt mich wahnsinnig werden. Ich reiße die Tür auf und will rausstürmen, um es hinter mich zu bringen. Doch er war quasi an die Tür gelehnt, als er durch die Tür mit mir gesprochen hat. So knallen wir jetzt quasi gegeneinander und ich halte die ganze Zeit mein Gesicht gesenkt, weil mir alles furchtbar peinlich ist. Ihr müsst euch vorstellen: All die Monate haben wir miteinander gesprochen, ich habe wirklich alles mit ihm geteilt. Momente der Einsamkeit, der Freude, der Lust. Durch die Distanz fällt es mit der Zeit einfacher, Dinge zu teilen und man gewöhnt sich an diese einzigartige Situation der Nicht-Nähe verbunden mit großer Intimität.

Und nun stehen wir voreinander, oder beieinander, er nimmt mich sofort in den Arm und hält mich fest umschlungen. Er küsst mich zahllose Male auf die Stirn, denn immer noch halte ich mein Gesicht wie eine keusche Jungfrau unten und wage es gar nicht ihn richtig anzuschauen. Ich erkenne den Geruch seines Parfums aus den Briefen, ich sehe seine Hände, die ich so wunderschön finde und so oft in Videochats gesehen habe. Er hält mich fest, schiebt mich ein bisschen von sich, um mich besser sehen zu können und jetzt kommt mein neurotisches Ich zum Vorschein, um nicht weiter wie eine Salzsäule zu Boden zu starren: „Weißt du was, wie wäre es wenn wir dir deine Lippen nachziehen. Du weißt, wie sehr ich deine Lippen mag!!“

Ich ziehe ihn aufs Bett, wir sitzen nebeneinander und ich färbe seine Lippen mit demselben rosarot, das ich gerade trage.

Giovanni ist wie immer, ruhig und macht das mit, da er weiß, dass dies eine Übersprungshandlung ist von mir, da ich es nicht ertrage sich jetzt so seltsam anzustarren die ganze Zeit und ich etwas tun muss. Außerdem ist er ein Mann, der selten Nein sagt zu irgendwelchem Unsinn. Vielleicht ist er auch einfach nur pragmatisch, denn er sagt: Ja, nur zu, irgendwann wird dein Lippenstift sowieso auf meinen Lippen sein. Erledigen wir es also gleich…

Ich sitze also mit ihm gemeinsam auf dem Bett, schminke ihn und langsam beruhige ich mich. Ich kann seine Nähe wahrnehmen, während ich das tue, ihn in Ruhe anschauen, ohne dass es zu starrig ist und alles ist gut.

Ich spüre sofort, dass ich ihn anziehend finde, wie er da neben mir sitzt, in seinen Hosenträgern und Ruhe und Selbstbewusstsein ausstrahlt. Selbst mit strahlend rosaroten Lippen. Irgendwann küssen wir uns und ich bin erleichtert, denn auch hier, stimmt die Chemie absolut,

An diesem Tag verlassen wir das Zimmer und das Bett gar nicht mehr. Ich bin erschöpft, aufgeregt, erleichtert, angezogen, ausgezogen und dieses Gefühl, dass wir uns so gut kennen, durch all die Monate des Gesprächs muss langsam gleichgesetzt werden, mit der Realität, mit dem Physischen. Endlich endlich endlich.

Am Abend holt er Pizza und ich schwebe auf Wolke 7. Ich bin weder angespannt, noch komisch, noch schäme ich mich für irgendwas. Er sagt mir immer, ich soll ihm alles sagen, was ich brauche, egal was es ist und er wird das wirklich sämtliche Tage auch so machen.

Pretty in pink

Mir fällt gerade kein Titel ein. Wollte den Beitrag schon Laptop nennen, da ich gerade mit einem neuen Laptop schreibe, den er mir ausgesucht hat, weil ich echt keine Ahnung habe.

Er. Er hat auch zwei Fotos von uns ausgesucht, sie auf die gleiche Größe gebracht und nebeneinander gefügt. Das hat er ausgedruckt und mir per Post geschickt. Inklusive Brief. Geschrieben auf altrosanem Briefpapier, das parfümiert ist.

Ja, das strotzt nur so vor romantischem Kitsch. Aber ich akzeptiere das. Weil er sich halt bemüht und ich will nicht zynisch sein. Es gibt kein Ziel. Was mag das schon sein?

Uns trennen Welten. Damit meine ich nicht unbedingt die Distanz. War schon einmal jemand in Neapel? Ich schon….Und er zählt nicht besonders zu den modernen Männern. Oder weltaufgeschlossenen. Letztens hat er mich gefragt, ob wir in Deutschland Spaghetti Bolognese kennen. Ähm…..ja….. Es gibt hier sogar Pesto…

Sei´s drum.

Jenseits des Kitsch und der Ignoranz (vielleicht kann man auch Naivität dazu sagen) ist er unglaublich lieb. Einfach nur lieb. Lieb. Freundlich und unglaublich….bei mir. Mein Herz ist wieder weich. Dazu hat es wohl diese doppelte Menge an Romantik gebraucht. Wie ganz viele Pflaster aus Romantik die über diese Herzensrisse geklebt wurden. Heilen kann ich nur alleine. Und vor Enttäuschung schützt mich nichts. Aber er trägt zur Heilung bei mit all diesen Dingen. Und dafür bin ich dankbar. Auch wenn die Blase sich in Luft auflösen sollte, wenn wir uns treffen. Weil uns Dinge einholen, die wir einfach so momentan nicht abbilden können. Oder weil sonst was ist.

Ich habe es wieder erlebt, wie das sein kann. Könnte. Ein Mann, der sich Mühe gibt, sich ausdauernd interessiert für mich. Und für den Sex unglaublich an Emotionalität gebunden ist.

Er ist wie eine warme Badewanne voller warmherzigen Gefühls, in die ich mich reinlege.

Kälte

Ich atme Kälte ein. Sie trifft auf meine gut durchblutete Haut, mein warmes Blut. Kälte und Wärme treffen aufeinander und ich liebe das Gefühl, dieses leichte Stechen, wenn ich die kalte Luft einatme. Es fühlt sich an, als würde innerlich aufgeräumt, reine Klarheit breitet sich in meinem Kopf aus. Und ich fühle meinen Körper. Ich spüre meine eigene Wärme, wenn ich mit Kälte in Berührung komme. Oder sie mit mir.

Nur leider ist dieses angenehme Gefühl nicht von Dauer, das Prickeln, das Lebendige.

Denn am Ende gewinnt immer die Kälte. Je mehr Zeit vergeht, desto lähmender wird sie. Und irgendwann werde ich gefühllos und taub. Die Kälte hat überhand genommen, die Wärme gierig aufgefressen.

Und ich friere und fühle mich ihr ausgeliefert. Und der Überlebensinstinkt weiß, ich muss gehen. Mich retten.

Dies ist eine Beschreibung meines Liebeslebens, vielleicht die Beschreibung vieler unglücklicher Lieben. Und der Versuch, zu fühlen. Da zu viel Wärme die Angst schürt, sich zu verbrennen. Da zu viel Wärme, zu Beginn weniger belebend wirkt.

Vielleicht ist es auch eine Art Gewohnheit geworden. Und ganz ohne Zweifel, können wir vorher nicht wissen, was in dem anderen wirklich vorgeht und wie eine Begegnung verläuft. Doch meist erahnen wir den anderen.

Ich bin die Frau für die Kalten. Da mein Kapital meine Emotionalität ist.

Aber jetzt hat er mich verloren. Doch nur ich kann es fühlen, nur ich kann es erleben, nur ich bin lebendig. Wie furchtbar, wenn die Kälte für immer in einem Mensch wohnt. Wenn die Fähigkeit zu lieben betäubt ist. Ich weine nicht um mich, sondern um ihn.

Und das aus Liebe. Ganz unperfekt. Und ich kann es sagen, es aussprechen, für mich ist das kein Gesicht verlieren, sich die Blöße geben oder hat etwas mit Stolz zu tun. Denn dann wäre es keine Liebe.

Wie immer, wird es einige Zeit brauchen, bis ich mich wieder aufgewärmt habe. Vielleicht auch etwas länger, denn immerhin kommt jetzt der Winter.

Wolfsperspektive (Teil 1)

Die folgenden Zeilen stammen nicht von mir.


TEIL 1

Sie: Kann ich mich hier irgendwo verstecken?

Ich blicke auf und versuche so teilnahmslos wie möglich zu sein. Bloß nicht zu viel Interesse zeigen. So tun als hätte ich sie nicht schon seit ihrem betreten der Bar beobachtet. Meiner Bar. Meinem Revier. Hier bin ich Wolf und du Schaf. Beobachten, auf den richtigen Moment warten, zuschlagen.

Ich: Bitte was?

Sie: Das klingt vielleicht komisch, aber kann ich mich bei dir irgendwo verstecken?

Es wird nicht das letzte mal sein das etwas komisch klingt bei ihr.

Hilfesuchend schaut sie mich an. Blond. Vielleicht auch eher dunkelblond. Oder Straßenköterblond. Keine Ahnung – Ich bin Barkeeper, kein Frisör. Schöne Augenbrauen. Ein perfekter Schwung. Alles an ihr scheint einem perfekten Schwung zu folgen. Ein Schwung aus dekadenter Schönheit und makelloser Weiblichkeit. Volle Lippen, verführerisch Rot. Schlanker Hals und ein ausgeprägtes Schlüsselbein. Irgendwie habe ich eine Schwäche dafür, wenn es sich unter der Haut abzeichnet.

Ich: Wieso willst du dich bei mir verstecken? Wovor?

Sie: Vor schnöseligen Porschefahrern die mir nur von ihrem Job und ihrem Geld erzählen. Die ganze Stadt ist voll damit. Es langweilt mich.

Single. Eventuell neu in der Stadt. Ohne Frage Zugezogen. Vielleicht für ein Studium. Abwarten.

Sie: Alle sehen sie in mir immer nur das perfekte Blondchen, das sie sich in’s Schlafzimmer stellen wollen.

Obwohl für meinen Geschmack zu dünn, zu wenig dran, weckt sie endgültig meinen Jagdinstinkt. Blonde Klischeeschönheit mit großer Abneigung gegenüber materiellem Besitz und langweiligen Karrieretypen.

Ich drehe meinen Körper in Blickrichtung meines Kopfes. Angriffshaltung. Breitseite. Sozusagen. Das subtile signalisieren von Interesse. Interesse signalisieren, Interesse bekommen. Klappt immer.

Sie (abschätzend über meinen Arm streichend): Und was machst du so?

Ich: Ich bin Barkeeper und fahr Motorrad.

Das sitzt.

3…2…1… mögen die Spiele beginnen. Ich lasse ihr keine Zeit um etwas zu erwidern sondern laufe ein paar Schritte weg in Richtung Barmitte.

„Zwei Bier bitte.“ „Flasche oder Glas?“ „Flasche.“ „Alles klar, 6 Euro bitte.“ „Mach 7“ „Vielen dank, 3 für dich zurück.“ „Danke.“

Ich spüre ihren Blick in meinem Rücken. Verlangen, Lust, Sehnsucht, Begeisterung, Neugierde und definitiv 2 Drinks zuviel. Rar machen. Klappt immer.

Was folgt ist ein klassischer Flirt. Sie an der Bar, ich dahinter. Gestik und Mimik, das spielerische Austesten von Grenzen, zeigen dass man die Regeln kennt, dass man das Spiel verstanden hat. Großes Tennis.

Schüchternes wegschauen, beiläufiges berühren, gekonntes Ausspielen ihrer weiblichen Reize, subtil genug um nicht den Eindruck zu erwecken sie wäre einfach zu haben, offensive Fragen und freche Antworten. Sie weiß genau was sie tut. Typ Gegner. Nicht Opfer. Ich bin begeistert!

Ich ziehe die Barkeepermasche noch ein paar Minuten durch. Ich Wolf, Sie Schaf. Es gefällt ihr.

Wir tauschen Kontakte aus und sie verabschiedet sich mit einem gekonnt eindeutigen Blick.

Die Tür fällt hinter ihr zu.

Und ich stelle sie Gedanklich in mein Schlafzimmer.

 

Vorerst.


Fortsetzung folgt

Mach deine Tür auf (Teil 2)

Er ist weg. Ich liege im Bett. Fühle mich absolut verletzt. Verwirrt. Wütend. Habe ich auch verletzt? Ich weiß gar nichts mehr sicher, nur das ich mich absolut nicht gut fühle in diesem Moment. Und das kann nicht der Sinn der Sache sein. Also setze ich mein Vorhaben diese Sache zu beenden in die Tat um. Aber zuvor schreibt er: Das nächste Mal sagst du bitte was du willst, so ist das doch völliger Quatsch ! 😦

Ich(schreibe): Wir sollten uns nicht weiter treffen. Ich kann das so einfach nicht.

Wolf: Ich wusste das du das schreiben wirst wenn ich gehe. Und warum du mir jetzt nicht sagst, dass ich meinen verdammten Arsch zurück in dein Bett schwingen soll, versteh ich nicht….

Ich: Und warum du gehst, obwohl du doch eigentlich wissen müsstest, dass ich will das du bleibst, verstehe ich auch nicht!

Wolf: Mach deine Türe auf!

Er ist also nicht gegangen. Irgendwie habe ich das geahnt. Ich gehe raus, öffne die Tür und komme mir mehr als bescheiden vor, weiß nicht was ich sagen soll. Er dreht sich um und sagt: Spring auf!!

Ich: Wie?!?

Er hebt mich auf und trägt mich die Stufen hoch bis in mein Zimmer , legt mich schließlich ins Bett. Und sich dazu.

Ich: Ich weiß nicht was ich sagen soll…

Wolf: Ich will nichts mehr dazu hören! Ich bleibe, weil ich es will!

Ich setze mich auf.

Ich: Hör zu, ich weiß trotzallem nicht, ob ich das hier kann. Ich will keine Beziehung, aber eine Affäre…ich weiß nicht. Ich weiß einfach momentan gar nichts. Diese 6 Jahre Beziehung sind nicht spurlos an mir vorüber gegangen. Das ist alles noch so kurz her.

Wolf: Also in Zukunft nur noch Sex und mehr nicht?

Ich: Nein, ich kann keine reine Sexbeziehung mit dir führen. Dazu respektiere ich dich zu sehr.

Wolf: Das nehme ich wohl mal als Kompliment.

Ich: Ich weiß trotzdem nicht ob ich eine Affäre mit dir führen kann. Vielleicht ist es einfach der falsche Zeitpunkt .

Wolf: Es ist auch nicht so, dass ich vorhabe, dich so schnell wieder gehen zu lassen. Du bist eigen, speziell. Du bist anders als die Anderen.

Ich(denke): Und du, du bist ein Wolf.

……….

Nach diesem kleinen Drama, bin ich leider auch nicht schlauer. Was will ich, was ist richtig, was ist falsch?

Mach deine Tür auf ! (Teil 1)

… Schrieb der Wolf.

Nach meinem letzten Blogeintrag war ich fest entschlossen, die Sache mit dem Wolf zu beenden. Eine Affäre? Nichts für mich.

Ich dachte schon darüber nach, wie ich ihm das am besten mitteile. Sagt man sowas per Sms? Ich meine, ich beende hier ja keine langjährige Beziehung…

Ich stellte mir schon die Konversation vor. Wie er reagieren würde.

Dann kam prompt eine Nachricht von ihm: Was macht Madame am Freitag?

Eine Steilvorlage um ihn zu antworten, dass ich denke, dass wir uns besser nicht mehr treffen. Dass ich das einfach nicht kann.

Ich drückte mich um eine Antwort, denn der Tag war stressig und ich traf mich am Nachmittag noch mit einer Single Freundin. Einer sehr erfahrenen Singlefreundin.

Natürlich kam auch irgendwann das Thema Wolf auf den Tisch.

Sie merkte wie unentschlossen ich war in dieser Sache. Die Vorstellung einer Beziehung mit dem Wolf schreckte mich ab. Aber die Tatsache, dass er keine mit mir wollte, auch. Sie meinte: Das ist so typisch Frau! Dein Stolz ist verletzt. Du willst zwar auch keine Beziehung, aber die Tatsache, dass er dich nicht will, nagt an deinem Stolz.

Tja..das stimmte mich ganz schön nachdenklich. Diese Ablehnung meiner Person als Ganzes, ist irgendwie verletzend. Ob ich auch an einer Beziehung interessiert bin oder nicht. Also was tun?

Ich beschloss den Wolf noch einmal zu treffen. Spontan zu entscheiden. Meine Gefühle genau zu beobachten. Also sagte ich ihm zu!

Freitagabend.

Der Wolf betritt die Bühne a.k.a mein Zimmer. Reden reden reden. Wir wissen was wir wollen. Aber mir ist mehr nach Reden und er nimmt sich zurück. Doch irgendwann….wird nicht mehr geredet. Zumindest nicht sehr viel.

2 Stunden später.

Er fragt: Wie sieht der Plan aus für mich? Es gibt 2 Möglichkeiten, entweder ich nehme den letzten Bus in einer halben Stunde oder du sagst mir, dass du mich gerne über Nacht hierbehalten willst.

Ich denke( verwirrt): Er fragt mich tatsächlich so etwas?!? Warum ist das nicht selbstverständlich, dass er bleiben will?

Ich sage: Was willst du denn?

Wolf: Also am gechilltesten um nach Hause zu kommen, wäre es für mich den Bus zu nehmen. Auch wenn ich natürlich absolut nicht will, dass du dich jetzt irgendwie benutzt fühlst.

Ich: Gut, dann geh!

Wolf: Wenn du willst, dass ich bleibe, musst du mir das sagen!!

Ich(wütend): Was bringt es, dass jetzt noch zu sagen, wenn es so wäre, nachdem du mir klar gemacht hast, dass du gehen willst!!

Wolf: Deine Meinung zählt doch aber auch, sonst hätte ich dich das nicht gefragt, sondern wäre einfach gegangen! Ich kann mich schließlich nicht selbst einladen bei dir zu übernachten!! Vor allem nicht nach letztem Mal!

Ich: Letztes Mal? Was meinst du?

Wolf: Als ich da gefragt habe, ob ich bei übernachten kann, warst du dir nicht mal sicher ob du das willst.

Ich: Das habe ich gesagt, weil du mich erst versetzen wolltest und ich sauer war!

Wolf: Oh, dann hab ich das wohl falsch verstanden..

Ich(sauer und wütend): Geh einfach jetzt!

Wolf: Darf ich dich küssen?

Ich: Nein!

Wolf: Warum nicht?

Zicke aka Ich: Weil ich das nicht möchte!

Er kommt mir näher, will mich auf die Stirn küssen. Ich weiche ihm aus. Er steht auf. Sehe ich da einen Hauch Verletztheit in seinen Augen? Er zieht sich an. Ich beobachte ihn. Stumm. Er will sich verabschieden. Ich weiche ihm wieder aus

Ich: Geh einfach!

Wolf: Gib mir deine Hand und ich gehe.

Ich klatsche ihm meine Hand hin.

Wolf: Das nächste Mal sagst du mir einfach was du willst, bitte versprich mir das!

Ich: Du verstehst nicht, ich sage bestimmt nicht, dass du bleiben sollst, nachdem du schon auf eine Art gesagt hast, dass du gehen willst !!

Wolf: Doch, deine Meinung ist auch wichtig. wie gesagt, ich kann mich doch nicht selber einladen! und wenn du gesagt hast, was du möchtest, kann ich immer noch entscheiden!

Ich: Geh, du verstehst anscheinend nicht!!

Und schließlich. Geht er.

To be continued