Dieser Blog entstand, als ich mich von meinem damaligen Freund trennte. In Trennung war, in dieser Übergangszeit, wo man eigentlich schon weiß: Das ist es nicht mehr, ich muss etwas ändern. Und dann schält man sich langsam aber sicher aus dem nicht mehr gut sitzenden Beziehungskleid.
Und zack – war ich Single und ich habs geliebt. Ich war so neugierig und aufgeregt, neue Leute kennenzulernen (ok, vielleicht weniger „Leute“ –>Männer) und ich hatte richtig Lust auf das ganze Dating-Game.
Nach fast sieben Jahren Beziehung auch kein Wunder, vor allem in diesem Alter. Wobei ich auch weiß, dass manch einer nach einer Trennung weniger Lust darauf hat Single zu sein. Das kommt wohl auch darauf an, wer sich von wem trennt und aus welchen Gründen.
Ich hatte damals eben Lust darauf, Dinge mal alleine zu erleben, auch das Leben an sich. Es war wichtig für mein Selbstbewusstsein, zu wissen, dass ich den Internet-Vertrag auch alleine schließen kann und die Handwerker auch alleine beschwatzen und mit ihnen verhandeln kann. Alles in allem war diese Trennung eine Emanzipation meiner Selbst, weil ich eben immer nie alleine war.
Ich führte nach dieser Trennung eine kleine, aber dafür nicht minder dramatische Beziehung mit einem Mann, den ich hier im Blog Wolf nannte. Es war Ausdruck meines gespaltenen Verhältnisses zu Beziehung damals. Denn einerseits strebte ich nach Autonomie, auf der anderen Seite wünschte ich mir auch wieder das gemütliche Nest einer festen Langzeitbeziehung, in der mein Partner meine Lieblingschipssorte aus dem Effeff beherrscht.
Beides war mit dem Wolf nicht möglich, denn er repräsentierte durch sein gesamtes Sein damals dieses Paradoxon himself. Trotzdem war es eine aufregende Zeit damals und vor allem eben das, zu dem ich fähig war.
Danach folgte….na ihr wisst schon.
Momentan faste ich. Ich faste nicht nur in Bezug auf Lebensmittel, sondern auch in Bezug auf Männer. Nicht weil ich es mir auferbürde, sondern weil mir das Interesse fehlt. Und die Energie. Der Wunsch nach Beziehung (und allem was damit zusammenhängt) schwebt zwar irgendwo in meiner Existenz, aber in eher entfernten Sphären.
Es ist kein Fokus mehr.
Und damit stehe ich wohl als Single-Frau (im gebärfähigen Alter, sorry für den Arzt-Sprech 😀 ) ziemlich oft allein da.
Ich resümierte also in Ermanglung an aktuellen Dates und Miseren letztens mehr über Frauen als über Männer und mir fiel dabei auf, dass wenn ich Frauen kennenlerne, auch wenn es nur ein kurzer Talk ist, die Männerwolke meist, nein, FAST IMMER, ziemlich schnell aufzieht und den gesamten Himmel einnimmt. Und meistens sind es auch ziemlich dunkle Wolken, Regen- und Gewitterwolken gar.
Sie dominieren das Gespräch. obwohl sie nicht mal real anwesend sind. Kluge, vermeintlich interessante Frauen, die im Leben schon so viel geschafft und gesehen haben, hatten nichts anderes im Sinn als sich über Typ xy zu beschweren, der immer noch nicht zurückgeschrieben hat. Oder über xyz, der einfach nicht mit der Sprache rausrücken will, wo sie denn jetzt nur stehen auf dem Parkett der Beziehung.
Selbst wenn ich Versuche gemacht habe, das Thema zu wechseln, landeten wir unweigerlich wieder bei Typ A, B oder C. Einem Typen, mit dem diese Frauen sich vielleicht 3 oder 4 Mal getroffen hatten, dominierte plötzlich die Welt dieser tollen Frauen. Und zwar vollumfänglich. Es gab nichts, was diese Frauen so interessierte wie dieses banale Thema. Nichts war anscheinend so spannend, so fesselnd wie irgendein Arschloch, das sie nicht wollte. Und selbst wenn „er“ kein Arschloch ist: Nach vier Treffen nimmt er ihre vollkommene Aufmerksamkeit ein und bestimmt die Laune und das Gemüt mit seinem Schreibverhalten und der Wahl oder Nicht-Wahl seiner Emojis.
Ich bin desillusioniert. Denn das passierte mir mit fast jeder Singlefrau, die ich kennenlernte. Die Suche nach Beziehung und Partnerschaft ist so natürlich wie die Lust auf Sex, aber ich begreife es nicht mehr, wie dem alles andere untergeordnet wird. Alles. Als ob Erfolge in Karriere, Fortschritte in seiner persönlichen Entwicklung und Interessen in was-weiß-ich immer immer zweitrangig sind. Und nur dann wirklich genossen werden können, gar vertieft oder etwas wert sind, wenn man irgendeinem Typ an der Seite hat.
Ich will auch n Freund. Aber ich will auch ein gescheites Leben. Einen erfüllenden Beruf, meine Interessen weiterentwickeln, besser werden im Yoga, Italienisch fließend sprechen können, n neuen Esstisch blablablala. Es gibt so unendlich viel, dass mich glücklich macht oder das mich glücklich machen könnte, wenn ich es mit derselben Hartnäckigkeit verfolgen würde, wie damals das Dating. Wenn ich auch da genauso konsequent nach einer Niederlage wieder aufstehe und von vorne beginne, wie damals nach einer Enttäuschung mit nem Typ.
In diesem Text schrieb ich weiter oben „ich begreife es nicht mehr“. Nicht mehr, weil mein Blog selbst ein ansehliches Beispiel ist, wie ich eine lange zeitlang, meine Energie und meine Leidenschaft nahezu kompromisslos in die Männersuche gesteckt habe. Und mir nach diesen Begegnungen mit den erwähnten Frauen und Gesprächen, klar wird, dass das nicht nur mir so geht. Ich wiederhole: Die Partnersuche und den Wunsch verstehe ich. Immer noch. Nur nicht, wie das eine Frau so vereinnahmt. Wenn ich einen Menschen kennenlerne, interessiert mich natürlich auch dieses Thema: Liebe, Beziehung, wo steht die Person da. Aber ich sehe es anteilig innerhalb all der Facetten, die einen Menschen nun mal ausmachen.
In letzter Zeit reconnecte ich wieder zu früheren Freundinnen, von denen ich mich immer etwas unverstanden gefühlt habe, wenn ich gemerkt habe, dass deren Interesse an meinen ewigen Dating-Stories nicht besonders ausgeprägt ist und die viel lieber über ihr neues Kunstprojekt in ihrer community sprechen. Und ich habe jetzt auch ECHTES Interesse an diesen Dingen. Und wenn die alte Schulfreundin mir in ewigen Sätzen ihr Leid klagt, warum sie Typ xy einfach nicht will, obwohl er ihr doch manchmal so nett in Whatsapp schreibt und ihren Status likt, kann ich auch nur noch sagen: Er will dich wohl nicht, so wie du ihn willst. Darüber gibt es eigentlich keine weiteren Worte zu verlieren, denn er tut es auch nicht.
Das klingt wohl alles etwas abgeklärt und wenn ich mal wieder verliebt sein sollte, dann habe ich darüber bestimmt auch mehr zu sagen. Bloß verschiebt sich bei mir nicht nur die Interessenslage, sondern auch die Prioritäten. Ein Mann, der nicht weiß was er will, der nicht klar kommuniziert, der nicht kann, der nicht will, der mir vor allen Dingen das auch sagt, den finde ich nicht mehr attraktiv. Dem messe ich keine größere Bedeutung mehr bei. Zumindest nicht als potenziellen Partner.
Ich glaube auch, dass dieses übertrieben große Fokussieren auf Männer, selbst wenn klar ist, dass die einfach nicht wollen, eine Art coping strategy ist, um sein sinnentleertes Leben mit Gefühl anzureichern. Denn die Garantie auf Gefühl, egal ob gut oder schlecht, hat man so immer.
Momentan merke ich, wie das Nicht-Daten mein Nervensystem zur Ruhe kommen lässt. Das ständige auf und ab der Gefühle kann süchtig machen. Und dann kommt einem die Ruhe unnatürlich vor und das Gehirn ist auf Dopaminentzug.
Mal sehen ob diese Phase auch so lange anhält wie die davor 😀
Wer weiß 😉