Frauen

Dieser Blog entstand, als ich mich von meinem damaligen Freund trennte. In Trennung war, in dieser Übergangszeit, wo man eigentlich schon weiß: Das ist es nicht mehr, ich muss etwas ändern. Und dann schält man sich langsam aber sicher aus dem nicht mehr gut sitzenden Beziehungskleid.

Und zack – war ich Single und ich habs geliebt. Ich war so neugierig und aufgeregt, neue Leute kennenzulernen (ok, vielleicht weniger „Leute“ –>Männer) und ich hatte richtig Lust auf das ganze Dating-Game.

Nach fast sieben Jahren Beziehung auch kein Wunder, vor allem in diesem Alter. Wobei ich auch weiß, dass manch einer nach einer Trennung weniger Lust darauf hat Single zu sein. Das kommt wohl auch darauf an, wer sich von wem trennt und aus welchen Gründen.

Ich hatte damals eben Lust darauf, Dinge mal alleine zu erleben, auch das Leben an sich. Es war wichtig für mein Selbstbewusstsein, zu wissen, dass ich den Internet-Vertrag auch alleine schließen kann und die Handwerker auch alleine beschwatzen und mit ihnen verhandeln kann. Alles in allem war diese Trennung eine Emanzipation meiner Selbst, weil ich eben immer nie alleine war.

Ich führte nach dieser Trennung eine kleine, aber dafür nicht minder dramatische Beziehung mit einem Mann, den ich hier im Blog Wolf nannte. Es war Ausdruck meines gespaltenen Verhältnisses zu Beziehung damals. Denn einerseits strebte ich nach Autonomie, auf der anderen Seite wünschte ich mir auch wieder das gemütliche Nest einer festen Langzeitbeziehung, in der mein Partner meine Lieblingschipssorte aus dem Effeff beherrscht.

Beides war mit dem Wolf nicht möglich, denn er repräsentierte durch sein gesamtes Sein damals dieses Paradoxon himself. Trotzdem war es eine aufregende Zeit damals und vor allem eben das, zu dem ich fähig war.

Danach folgte….na ihr wisst schon.

Momentan faste ich. Ich faste nicht nur in Bezug auf Lebensmittel, sondern auch in Bezug auf Männer. Nicht weil ich es mir auferbürde, sondern weil mir das Interesse fehlt. Und die Energie. Der Wunsch nach Beziehung (und allem was damit zusammenhängt) schwebt zwar irgendwo in meiner Existenz, aber in eher entfernten Sphären.

Es ist kein Fokus mehr.

Und damit stehe ich wohl als Single-Frau (im gebärfähigen Alter, sorry für den Arzt-Sprech 😀 ) ziemlich oft allein da.

Ich resümierte also in Ermanglung an aktuellen Dates und Miseren letztens mehr über Frauen als über Männer und mir fiel dabei auf, dass wenn ich Frauen kennenlerne, auch wenn es nur ein kurzer Talk ist, die Männerwolke meist, nein, FAST IMMER, ziemlich schnell aufzieht und den gesamten Himmel einnimmt. Und meistens sind es auch ziemlich dunkle Wolken, Regen- und Gewitterwolken gar.

Sie dominieren das Gespräch. obwohl sie nicht mal real anwesend sind. Kluge, vermeintlich interessante Frauen, die im Leben schon so viel geschafft und gesehen haben, hatten nichts anderes im Sinn als sich über Typ xy zu beschweren, der immer noch nicht zurückgeschrieben hat. Oder über xyz, der einfach nicht mit der Sprache rausrücken will, wo sie denn jetzt nur stehen auf dem Parkett der Beziehung.

Selbst wenn ich Versuche gemacht habe, das Thema zu wechseln, landeten wir unweigerlich wieder bei Typ A, B oder C. Einem Typen, mit dem diese Frauen sich vielleicht 3 oder 4 Mal getroffen hatten, dominierte plötzlich die Welt dieser tollen Frauen. Und zwar vollumfänglich. Es gab nichts, was diese Frauen so interessierte wie dieses banale Thema. Nichts war anscheinend so spannend, so fesselnd wie irgendein Arschloch, das sie nicht wollte. Und selbst wenn „er“ kein Arschloch ist: Nach vier Treffen nimmt er ihre vollkommene Aufmerksamkeit ein und bestimmt die Laune und das Gemüt mit seinem Schreibverhalten und der Wahl oder Nicht-Wahl seiner Emojis.

Ich bin desillusioniert. Denn das passierte mir mit fast jeder Singlefrau, die ich kennenlernte. Die Suche nach Beziehung und Partnerschaft ist so natürlich wie die Lust auf Sex, aber ich begreife es nicht mehr, wie dem alles andere untergeordnet wird. Alles. Als ob Erfolge in Karriere, Fortschritte in seiner persönlichen Entwicklung und Interessen in was-weiß-ich immer immer zweitrangig sind. Und nur dann wirklich genossen werden können, gar vertieft oder etwas wert sind, wenn man irgendeinem Typ an der Seite hat.

Ich will auch n Freund. Aber ich will auch ein gescheites Leben. Einen erfüllenden Beruf, meine Interessen weiterentwickeln, besser werden im Yoga, Italienisch fließend sprechen können, n neuen Esstisch blablablala. Es gibt so unendlich viel, dass mich glücklich macht oder das mich glücklich machen könnte, wenn ich es mit derselben Hartnäckigkeit verfolgen würde, wie damals das Dating. Wenn ich auch da genauso konsequent nach einer Niederlage wieder aufstehe und von vorne beginne, wie damals nach einer Enttäuschung mit nem Typ.

In diesem Text schrieb ich weiter oben „ich begreife es nicht mehr“. Nicht mehr, weil mein Blog selbst ein ansehliches Beispiel ist, wie ich eine lange zeitlang, meine Energie und meine Leidenschaft nahezu kompromisslos in die Männersuche gesteckt habe. Und mir nach diesen Begegnungen mit den erwähnten Frauen und Gesprächen, klar wird, dass das nicht nur mir so geht. Ich wiederhole: Die Partnersuche und den Wunsch verstehe ich. Immer noch. Nur nicht, wie das eine Frau so vereinnahmt. Wenn ich einen Menschen kennenlerne, interessiert mich natürlich auch dieses Thema: Liebe, Beziehung, wo steht die Person da. Aber ich sehe es anteilig innerhalb all der Facetten, die einen Menschen nun mal ausmachen.

In letzter Zeit reconnecte ich wieder zu früheren Freundinnen, von denen ich mich immer etwas unverstanden gefühlt habe, wenn ich gemerkt habe, dass deren Interesse an meinen ewigen Dating-Stories nicht besonders ausgeprägt ist und die viel lieber über ihr neues Kunstprojekt in ihrer community sprechen. Und ich habe jetzt auch ECHTES Interesse an diesen Dingen. Und wenn die alte Schulfreundin mir in ewigen Sätzen ihr Leid klagt, warum sie Typ xy einfach nicht will, obwohl er ihr doch manchmal so nett in Whatsapp schreibt und ihren Status likt, kann ich auch nur noch sagen: Er will dich wohl nicht, so wie du ihn willst. Darüber gibt es eigentlich keine weiteren Worte zu verlieren, denn er tut es auch nicht.

Das klingt wohl alles etwas abgeklärt und wenn ich mal wieder verliebt sein sollte, dann habe ich darüber bestimmt auch mehr zu sagen. Bloß verschiebt sich bei mir nicht nur die Interessenslage, sondern auch die Prioritäten. Ein Mann, der nicht weiß was er will, der nicht klar kommuniziert, der nicht kann, der nicht will, der mir vor allen Dingen das auch sagt, den finde ich nicht mehr attraktiv. Dem messe ich keine größere Bedeutung mehr bei. Zumindest nicht als potenziellen Partner.

Ich glaube auch, dass dieses übertrieben große Fokussieren auf Männer, selbst wenn klar ist, dass die einfach nicht wollen, eine Art coping strategy ist, um sein sinnentleertes Leben mit Gefühl anzureichern. Denn die Garantie auf Gefühl, egal ob gut oder schlecht, hat man so immer.

Momentan merke ich, wie das Nicht-Daten mein Nervensystem zur Ruhe kommen lässt. Das ständige auf und ab der Gefühle kann süchtig machen. Und dann kommt einem die Ruhe unnatürlich vor und das Gehirn ist auf Dopaminentzug.

Mal sehen ob diese Phase auch so lange anhält wie die davor 😀

Wer weiß 😉

„Ihre Gehaltsvorstellung schreckt uns nicht ab“

… sagt der knöteriche Verlagsleiter zu mir. Ich denke mir: Moment, hab ich vielleicht versehentlich eine 0 zu viel eingetippt bei meiner Bewerbung?

Aber nein, nicht doch. Eine ganz normale Bruttozahl steht dort. Ein Gehalt, von dem man nicht wirklich gut leben kann, aber gerade so okay. Ein Gehalt, das in Zeiten von steigender Inflation gewährleistet, DASS man leben kann und nicht nur ÜBERleben.

Seine Aussage suggeriert: Du verlangst aber ganz schön viel, Mädchen. Seine Aussage macht klar: Nach oben verhandelt wird da nicht, girl.

Und für mich is dann gelaufen ab diesem Satz: Denn: Ich mag es nicht, wenn mir durch die „professionelle“ (sagen wir passiv-aggressive) Blume mitgeteilt wird, dass ich eigentlich zu viel verlange. Ich mag den vibe nicht. Positiv bzw zumindest neutral wäre gewesen: Wir können Ihnen das gewünschte Gehalt zahlen. Punkt.

Menschlich-nahbar-sympathisch wäre es gewesen, wenn er dann noch gesagt hätte, dass sie nicht drüber gehen können/wollen. Punkt. Klare Verhältnisse.

Ich finde es unfassbar, wie einem mit so einem kleinen Satz schon Unterstellungen gemacht werden und ein Gespräch unangenehm aufgeladen wird.

Des weiteren finde ich es massiv unglücklich, wenn in einem Gespräch von 1,5h schon so viel unangenehme Hierarchie an den Tag gelegt wird: Die beiden waren zu zweit, Verlagsleiter und Programmleitung. Als es darum ging, mir die formalen Dinge zu erklären, fangen plötzlich beide gleichzeitig an zu reden. Sie spricht weiter und er?

„Sie sind ja vorbereitet…“

Und ich denk mir What the aaactual fuck? Wie man einfach jemanden mit so einem Satz mal schnell sein Standing wegnimmt mit so einem „Lob“. Mann, die Frau ist Programmleitung, wieso sollte die nicht vorbereitet sein? Das ist so, als würde ich als Laie Stevie Wonder für seine guten vocals gratulieren: Dit haste jut jemacht, Stevie, nur weiter so, ne!! 😀 😀

Ich nehme auch Kleinigkeiten wahr, wie er ihr schnell zu zischt: Das machen wir später!

Ich finde es auch unglaublich lahm, mich nach Lücken im Lebenslauf von anno dazumal zu befragen. Was ich denn zwischen Abitur und XY getan hätte. Natürlich ist mir bewusst, dass der alte Pfefferbeisser mich aus der Ruhe bringen will, aber come ooooon. Das is bisschen lächerlich, nachdem ich schon einige Jahre im Berufsleben bin, mich nach meiner Zeit nach dem Abi zu fragen.

Ich wusste ja aber schon, dass der ganze Laden noch auf Stühlen von 1998 sitzt und daher wundert es mich nicht.

Glaube, ich schicke meine Absage nachher per Fax.

Byeeeeeeeeeeee!

Hey, was machst du beruflich?

Wie friedlich der Tag gestern war und wie friedlich und gut ausgeruht ich heute morgen erwacht bin. Und gleich ging es los mit den stressigen Gefühlen. Ich kriege die Panik wenn ich an meine Chefin und ihre Panik vor meinem Weggang denke, an all diese vibes die dort herrschen, die ekelhaften Gefühle, dieses alleine vor sich hin kämpfen, diese seltsamen Aufgaben, mit denen ich mich alleine fühle.

Ich bin den ganzen Tag so angespannt und schwer. Und ich wusste, nur eine Meditation kann mich da rausholen und schon nach 5 min beginne ich zu heulen und schluchzen und die Tränen laufen immer schneller über mein Gesicht.

Ich bin so belastet und alles ist so falsch und an mir vorbei, dass ich mich gar nicht mehr wie eine reale Person fühle. Als….keine Ahnung, aber das Gefühl der Depression würgt mich gefühlt jede Sekunde und alleine schon die Erinnerung an so viele Situationen bringt mich zu heulen. Ich weiß, dass es gut ist, das rauszulassen, denn ich habe noch nie über diese Situation geweint. Ich hab sie noch nie betrauert, denn meckern und jammern ist etwas anderes.

Es zu fühlen und dem Raum zu geben ist etwas das ich nie getan habe, weil ich sonst meine Gesamtlebenssituation beweinen müsste. Und jetzt geht das zu Ende und ich habe in erster Linie Mitgefühl mit mir. Wie ich das ertragen habe, Tag für Tag. In jeder anderen Situation stehe ich für mich ein, rücke Dinge gerade, wende mich ab, diskutiere. Und hier, Thema Arbeit, da ertrage ich, bis ich mich soweit entfernt habe von mir selbst, dass ich nachdem ich alles gefühlt habe heute die Augen öffne und mich immer noch frage: Bin das ich?

Meine Werte und meine Persönlichkeit klaffen so weit auseinander in Bezug auf diesen Job, auf diese Arbeit. Und nein, es geht nicht darum, dass ich hier nie einen netten Menschen getroffen hab, nein. Es geht nur um mich und dass ICH es in diesem Umfeld nicht aushalte. Und ob das dieser Verlag ist oder ein anderer: Es ist egal. Es ist auch egal, wenn die xy Kollegen das alles aushalten (denn viele tun das) oder es sogar gut finden (selbst das gibt es). ICH KANN ES NICHT. Und das hab ich mir lange nicht eingestehen wollen, denn: Das bedeutet, dass alles was so ähnlich sein wird, auch nicht von mir ertragen werden kann. Weil es mir nicht entspricht. Die Diskrepanz zwischen Normalität und Gewohnheit ist vielen nicht bewusst: Nur weil viele Menschen das so handhaben, ist es nicht normal. Nur weil viele Menschen Plastik am Körper (Polyester) tragen, ist das nicht natürlich. Usw usf.

Ich bin total am Ende und kann eigentlich keinen Strich mehr machen. Nichts. Ich orientiere mich schon um, und auch das kostet Kraft. Meine Therapeutin meinte gestern: Vielleicht ist es noch nicht an der Zeit. Vielleicht brauchen Sie eine Pause, damit auch die Inspiration und die Lust wieder kommen kann.

Und natürlich hat sie recht. Und ich sehne mich so nach dieser Pause, eine Pause die länger ist als ein verlängertes Wochenende, sondern anhält. Und in der dieser vibe eliminiert ist. Denn der killt mich. Bitch, don’t kill my vibe, denk ich jedesmal wenn meine Chefin mich anruft und wie ein scharrendes Huhn ihren Angst-vibe auf mich überträgt. Das alle legt sich wie ein dämpfender, schwarzer Schal um meine Person und verdunkelt auch das positive was war. Ich kanns nich sehen momentan, außer dass mein Lebenslauf durch diesen Job ganz gut aussieht. Ich merk das an den Rückmeldungen, ich weiß das is gut, bloß schlecht ist, dass ich diese Schiene nicht mehr straight weitergehen kann so. Selbst wenn ich wollte, irgendwann gibts dann keine Pause mehr, die lang genug ist.

Verlagsbranche ja. Medien ja. Aber nicht mehr diese Umstände.

Ich werd morgen wahrscheinlich das lockerste job interview ever haben, weil: Ich will den Job gar nicht! Das weiß ich jetzt schon. Ich krieg schon die Krise wenn ich mit „Sehr geehrte“ angeschrieben werde, oder Formulierungen wie „wir würden Sie gerne kennenlernen“. Ich weiß, das is normal, aber Alter, ich will nicht von denen geehrt werden und ich will mir nicht deren Stöcke im Arsch anschauen und es geil finden, dass ihr ein 13. Monatsgehalt zahlt. Hat mich ein 14,. oder 15. glücklich gemacht? Was will ich mir davon kaufen? Zeit? Glück? Ich latsch eh in second hand Klamotten rum und ob die Schlangenledertasche von Gucci is oder who the fuck???? Am Ende liegt sie rum.

Ich liebe es Bücher zu machen. Aber nicht von arroganten Wichsern. Und ich hasse es, wer sich heutzutage Schriftsteller nennt. Nur weil du irgendein kack Buch mal veröffentlicht hast, bist du kein Schriftsteller. Bin ich eine Fallschirmspringerin, nur weil ich da einmal mit rausgesprungen bin? Verdammt NEIN! ChatGPT hat besseres geschrieben, als so mancher Schriftsteller. Und wenn man etwas veröffentlicht, mit guten Kanälen und guter Reichweite und keiner wills lesen, dann will es keiner lesen. Dann war es Scheiße und lag nicht am Marketing. Wie gerne ich das schon sagen würde.

Ich sehe mit Grauen der letzten Zeit entgegen und verspreche mir eines: Nie wieder. Ich bin nicht davor gefeit, dass mir wieder ein seelenloser Job unterkommt, aber niemals mehr, werde ich mich selbst so lange im Stich lassen.

Sexisten

Es ist schon nach 0 Uhr und wir betreten eine Bar. Schon während ich noch auf der Türschwelle stehe, treffen sich unsere Blicke. Vielleicht ist es auch schon nach 1 Uhr.

„Na warte Freundchen, dich lasse ich nicht so einfach davon kommen“ denke ich, und setze mich mit gebührenden Abstand in die Nähe des Zigarettenautomaten. Ich rauche schon den ganzen Abend wie ein Schlot, eine Schlotin, die langen, dunkel lackierten Finger greifen immer wieder in die Vogues.

In der Ecke sitzt ein Pack Schauspieler und darunter ist auch er. Er hat mich sofort erkannt, als ich zur Tür rein kam und jetzt linst er immer wieder rüber. Aber ich würdige ihm wenige Blicke. Ich rede mit anderen. Meine Freundin hat sich heute einen Frack gekauft und der ist gerade Thema und dann geht es darum, dass manche Leute mit ihrem Analytiker / ihrer Analytikerin befreundet seien. Hier steige ich in das Gespräch ein, denn das ist mir definitiv neu. In dieser Stadt hat gefühlt jeder zweite einen Therapeuten am Start und es ist überhaupt nicht stigmatisiert.

Irgendwann hält es der Schauspieler nicht mehr aus und fängt meinen Blick auf und wagt es mich anzusprechen. Innerlich brodelt es in mir, denn dieser Typ spricht mich an und ist sich nicht mal bewusst, wie unklug das ist. Vor seinen versammelten Schauspielkollegen stelle ich ihn zu Rede.

Was ist passiert?

Wochen zuvor schreibt mich dieser Mann immer wieder auf Instagram an. Wir kennen uns nicht, doch da wir im selben Viertel leben, habe ich ihn öfter schon mal gesehen. Ein Treffen kam aber nie zustande. Weil ich in einer Beziehung war und weil er auch nur noch Produktionsweise in meiner Stadt lebt. Ich finde ihn gutaussehend, groß, ein interessantes Gesicht hat er und eine sehr angenehme Stimme. Deshalb fand ich es ganz nett ab und zu mit ihm zu schreiben. Bis er eine Grenze überschritt. Aus dem Nichts fragte er mich vor ein paar Wochen einmal: „Sag mal, bist du eigentlich eher dominant oder lässt du auch gern mal los…?“

Ich konnte meinen Augen nicht trauen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir uns noch nie bewusst getroffen, wir flirteten nicht, wir haben uns nur über Berlin und größere und kleinere Städte ausgetauscht. Ich war schockiert mit welcher Selbstverständlichkeit er diese Grenze überschreitet und auch wie dumm er sein mag, denn wir leben, wie erwähnt, im gleichen Viertel und dort begegnet man sich eben unweigerlich.

So wie heute. Und ich war maximal dran, diesem Typ meinen Wein über sein Hirn zu schütten. Zuerst verteidigte er sich und versuchte diese übergriffige Frage zu relativieren. „Sowas passiert eben online mal….“ „Das ist doch normal….was ist schon schlimmes bei?“

„Du würdest es NIEMALS wagen, mir so eine Frage einfach so, während wir uns hier und jetzt in dieser Bar unterhalten, zu stellen. Du lässt deinen Trieb, deine dumme Geilheit in einem geschützten online Rahmen ohne Nachzudenken einfach siegen. Ohne darüber nachzudenken, ob so eine Frage angebracht ist oder nicht. Geilheit siegt vor Anstand und Respekt.“

Ich muss noch erwähnen, dass auf seine ekelhafte Frage, immer wieder Kommentare wie „Mmmm, diese Lippen…“ usw als reactions auf meine Stories bei Insta folgten.

Und das obwohl ich ihm mehrmals zu verstehen gab, dass ich kein Interesse an ihm habe. Als ich ihm nämlich erzählte, dass ich einen Umzug erwäge, war seine Reaktion, dass „er mich ja mal aus meiner Bubble rausholen könne, wir hätten bestimmt viel Spass zusammen..“ Punkt Punkt Punkt….

Es ist unglaublich, was sich Männer so selbstverständlich rausnehmen. Als wäre es das normalste der Welt- und das Schlimme ist: Das passiert so häufig, dass sich manche sicher denken: IST DOCH NOTRMAL; HAB DICH NICHT SO!

Was ist aus der Menschheit geworden??? Der Mann ist 33!!! Wie kann es denn im öffentlichen Diskurs dieser Gesellschaft um Themen wie Gendern, Non-Binarität usw gehen und dann ist es aber ganz normal, dass Männer Frauen online belästigen? Wie kann es sein, dass dieser Mann gesellschaftskritische Rollen verköpert am Theater und dann online sexualisierte Fragen an fremde Frauen stellt, die das nicht wollen? Wie kann es sein, dass das nicht gecancelt wird? Wie kann es sein, dass ein 33-jährigere Mann nicht weiß, was Respekt ist?

Ich konfrontierte ihn also nun im „real life“ mit seinem Verhalten und als er merkte, dass er auch vor seinen Mitmenschen den Rückhalt verlor und auch zwei andere Männer, ihn immer wieder fragten: Wieso fragst du so etwas eine fremde Frau?, knickte er irgendwann ein. Er entschuldigte sich mehrmals und sah ein, zumindest vor den Leuten, dass so ein Verhalten nicht ok ist.

Und vielleicht ist ihm das eine Lehre. Denn mir sind solche Dinge nicht peinlich anzusprechen. Und ich werde das immer wieder tun. Und ich habe längst kapiert, dass manche Menschen nur auf einer Bühne (der Öffentlichkeit) lernen und ihrer Handlungen Konsequenzen tragen.

Während dieser Diskussion habe ich übrigens zwei Männer kennen gelernt (keine Schauspieler), die mir wirklich beistanden und mit denen ich mich dann auch noch hervorragend unterhielt. Auch über Themen wie Sexismus etc. Ich bin gerade so..desillusioniert. Wieviele Männer da draußen lost sind. In sich selbst, die es nie packen über sich, ihr Verhalten gegenüber Frauen nachzudenken, die übergriffig sind, die sich nehmen, was sie wollen, was sie können, die einfach drauf scheissen, was ihr Verhalten für Auswirkungen hat. Wie soll ich jemals wieder Lust auf einen Mann haben?

Auch mein Ex, Giovanni, der hier übrigens immer noch fleißig mitliest, ist so eine unglaublich unreflektierte Wurst, die es nie gelernt hat für sein Verhalten Verantwortung zu übernehmen. Der denkt, einer Frau Blumen und Aufmerksamkeit zu schenken, das macht einen Mann aus oder eine gute Beziehung. Was ist das überhaupt für ein Männerbild? Was sind das alles für Männer? Als ich ihn mal gefragt habe, wie er das Vergangene, seine Fehler heute sieht, meinte er: Ein Mann der zu viel in der Vergangenheit lebt, verschwendet seine Energie.

😀

Ich meine….oh Gott. War ich wirklich mit so einem zusammen? Das ist so kleingeistig, dass ich lachen musste.

Aber was mach ich denn nun?

Ich suche einen starken und selbstbewussten Mann. Und das bedeutet aber nicht, dass dieser sich mit breit geschwellter Brust aufstellt und nach dem Motto „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ lebt und irgendwelche leeren Phrasen nachplappert. Ich kann aus diesem Grund nicht zu Tinder und Co zurückkehren momentan. Denn da begegnen mir diese Art von Bratzen wieder zu Hauf und ich finde man braucht ein ganz schön dickes Fell, um die erstmal auszusortieren!

Ich bin aber auch ziemlich beschäftigt derzeit, mir n neuen Job zu suchen. Eine kleine Sache hat sich mittlerweile ergeben: Ich werde Moderatorin einer Creative Writing Gruppe. Davon kann ich nicht leben, aber es ist sicher eine Richtung, die mir mehr Freude bereitet, als das bisherige.

Ich brauche Raum, um zu wachsen.

Mit welchem Mann geht das heutzutage?

Ich war arm

Er liegt in seinem vergoldetem Bettlein. Auch wenn das Bett nur 200x90cm misst und in einem vielleicht 9qm Zimmer steht, so zählt doch das Gold. Oder?

Außerdem bettet er sich in Seide und trägt stets Markenunterwäsche, auch wenn das alles von Mama gewaschen ist, es ist doch immerhin Dolce & Gabbana. Oder?

Er lässt sich seine Kleidung überwiegend maßschneidern, selbst wenn die Hosen eigentlich alle unten zu kurz sind und obenrum vom Schnitt her einer Miss Sixty Hose aus dem Jahr 2010 ähneln und die reingestopften Hemden so früher oder später immer nervig aus dem Bund quellen. Hosenträger und Gürtel bringen da auch nichts. Aber: Maßgeschneidert muss doch etwas wert sein, oder?

Er liegt in seinem güldenen Bett und switcht von App zu App. Er hat Zeit, massig Zeit, denn er hat weder Job, noch Verpflichtungen, noch irgendwelche Aufgaben. Doch natürlich hat er trotzdem Ziele. Sein Ziel ist es, sein Leben selbstständig zu gestalten. Nicht etwa beruflich, charakterlich oder gar monetär, nein: Es geht um sein second life. Er besitzt eine Onlinepräsenz, in der er sich das Leben erschafft, das er gerne hätte. Er ist Meister darin, Szenen zu kreieren, sich und die Dinge ins rechte Licht zu rücken. Er lichtet sich gerne vor und in teuren Hotels ab, auch wenn er sich deren Aufenthalt nur durch Bonus-Gaunereien leisten kann. Bei jedem Foto muss außerdem mindestens ein Louis Vuitton Gegenstand mit drauf sein und/oder seine Rolexuhr, die fast ganz echt ist.

Er selbst hat weder regulären Job, noch Abschluss, noch Ambition, ist aber peinlichst darauf bedacht, dass er zwar bei seinen Eltern wohnt, er sich aber all seine Gebrauchsgegenstände SELBST leistet! Im entgeht die peinliche Tatsache, dass man auf diesen Umstand stolz sein darf, wenn man 18 ist und nicht ganze 30.

Ihm ist der Luxus vergönnt, sich auf den liebevollen Buckel seiner Eltern auszuruhen, dem Boden, den sie in seinem Alter mühsam angespart und arbeitend zusammengetragen haben, erlauben ihm jetzt, sich in sein goldenes (selbst gekauftes Bett!) zu legen und seine Augen suchend von App zu App schweifen zu lassen. Mama kocht nebenan und als er erfährt, dass die gute Frau schon wieder Salsiccia kocht, rümpft er genervt die Nase und ein trotziges „Bah!“ bellt aus seinem nahtlos gebräuntem Gesicht.

Er macht erstmal die Beine lang und fragt sich, wo er die nächsten 250EUR herbekommt. Er will sich gerne eine neue Tasche kaufen, das Instagram-Profil braucht neuen Input. Er lockert sich die Krawatte und knöpft sich das Hemd auf. Krawatte? Richtig. Was nach Versicherungsmakler klingt, ist in Wahrheit nur ein weiterer Schritt in ein Leben, dass er gar nicht führt. Der Mann hat ein Büro noch nie von innen gesehen. Trotzdem geht er auch bei 30 Grad im Schatten stets in Krawatte und Anzug vor die Tür. Für das Image.

Das Studium schiebt er nun schon seit 18 Semestern vor sich her. Besser für die Steuer. Doch nun, wo die 30 geknackt ist, ist der Studentenstatus langsam etwas schwierig. Selbst für ihn kann das langsam peinlich werden. Deshalb löscht er diese Info jetzt vorsorglich aus seiner Insta-Bio.

In seinem Herzen ist er ziemlich traurig. Kein Abschluss, kein Job, keine echte Rolex. Seine Freunde sind zwar zahlreich, aber mit keinem kann er wirklich tiefgründige Gespräche führen. Es geht immer nur um Weiber, das nächste schnelle Geld und Gossip. Dabei ist er selbst doch ein Tiefgründiger. So sehr, dass er sich immer wieder in die vergoldete Onlinewelt flüchtet. Er ist ein wandelndes Deep-Fake. Seine Antworten ähneln denen der KI ChatGpt: Man weiß nie, ob sie wahr sind, mittelwahr und Quellen gibts auch keine. Reichhaltig sind sie aber allemal.

Pling. Nachrichten poppen auf: Kira, Inka, Maya. Alles Frauen, mit denen er parallel in Kontakt steht. Sie geben ihm das Gefühl eine Bedeutung zu haben in dieser Welt und sie halten ihn auf Trab. All diese Gespräche und Leben zu verfolgen ist quasi sein Fulltime Job. Er hat zwar keinen Job, aber auch keine Hobbies. Aber Frauen, Frauen sind ein tolles Hobby. Denn neben all dem Blendertum sucht auch er eines: Liebe.

Dieses süße, menschliche Bedürfnis ist nur mit so viel oberflächlichem Zeug durchwebt, verseucht, dass er oftmals frustriert verstellt: Alles „Gold-Digger“ da draußen und schwupps lädt er das nächste Foto hoch, wo er seine gefälschte Guccitasche inszeniert, während er am Hummer fressen ist. „Die wollen doch nur mein Geld!!“ Das muss bestimmt doppelt frustrierend sein, wenn man es dann nicht mal hat. Oder nur ein bis zwei Instagram Fotos lang.

Da ist so ne Süße, die ihn vergöttert. Blonde Haare, dunkelbraune Augen, klein und zierlich. Die hat ihm mal ne Serviette geschenkt mit lauter Komplimenten drauf. DAS muss doch was heißen. Oder?

Zur Sicherheit schreibt er Carla, Olga, Riccarda, Ilaria, Nadia, Nunzia und Alex trotzdem zurück und verschickt Feuer Emojis. Seine Sehnsucht nach Liebe und Bestätigung ist fast so groß wie Kurt Cobains Heroinhunger. Ein Fass ohne Boden.

Die Hosen werden nicht länger, die Filter stärker und der Wunsch nach bedingungsloser Liebe größer. Er ist ein liebevoller Kerl, aber seine Persönlichkeit verunreinigt immer mehr, wie der Grund der sieben Weltmeere immer mehr durch Plastik zumüllt.

Er schließt die Augen und fühlt die Ungerechtigkeit der Welt auf sich lasten. Langsam rafft er sich auf und geht an den Esstisch. Er schlingt die von seiner Mutter zubereitete Salsiccia in sich rein und bedient währenddessen mit letzter Kraft sein Handy. Swipe Swipe Swipe. Swi……..

Echtheit

So fühlt sich Selbstbewusstsein an. Es durchdringt mich komplett und färbt auf jedes Stück, dass ich trage ab. Ich fühle mich ganz. whole.

Wenn die Stimme in mir, die immer da war, so ausfüllend wird, dass sie den Weg ins Außen schafft. Das ist Authentizität.

Es fühlt sich natürlich an und kraftvoll. Es fühlt sich selbstverständlich an.

Und in mir kommt der Gedanke auf, wie das wohl wäre, wenn ich immer so fühlen würde. Ich würde es mir wünschen. Und ich bereite den Weg dafür.

Nach meiner Kündigung liege ich im Bett und habe Schmetterlinge im Bauch für einen Moment. Wie als ob ich verliebt wäre. Es ist eine Mischung aus Glück, Stolz und Erschöpfung. Und Ruhe.

Verbundenheit mit mir Selbst.

In mir schlummert auch die Angst diese Selbstverständlichkeit wieder zu verlieren, denn das wird unweigerlich geschehen. Phasenweise.

Ich will dieses ruhige Glück mit mir selbst nicht hergeben.

Es fühlt sich momentan so an, als wachse ich in mich selbst hinein. Und kein Mann stört mich dabei.

Ich glaube mittlerweile dass ich sehr oft, wenn nicht meistens, meine eigenen Unzulänglichkeiten gedatet habe.

Wie muss der Mann sein, der wirklich auf Augenhöhe ist? Der das passende Maß an Selbstreflexion, Intellekt, Ambition und emotionaler Stabilität besitzt? Gibt es das überhaupt?

Ich frage mich das nur am Rande, da immer noch ganz andere Aspekte in meinem Leben im Vordergrund stehen momentan, die viel dringlicher sind.

Aber natürlich spielt Beziehung eine Rolle. Beziehung spiegelt ja auch auf eine Art meine Entwicklung. Wenn ich eine hätte/habe.

Gestern sah ich ein Reel mit der caption „Was wäre wenn ich nie wieder Liebe finde?“ Und natürlich berührt mich das. Und natürlich ist die Antwort, dass ein erfülltes Leben auch an Liebe geknüpft ist, aber dass es im Leben so viele Dinge zu entwickeln, zu lieben gibt, liebenswert sind. Aber vollständig auf Liebe in einer Partnerschaft zu verzichten seinen Lebtag?

Ist Liebe zu einem Partner manchmal wirklich einfach nicht drin?

Ich glaube immer mehr: Ja. Ich glaube immer mehr, dass diese Liebe auf Augenhöhe, die nicht als Lückenfüller, aus reiner Gewohnheit, aus Unsicherheit, aus Abhängigkeit egal welcher Art geführt, sehr sehr selten existiert. Und zu viele Menschen sehe ich, die partnerlos sind. Und wo ich nicht glaube, dass sich das noch ändert. Vor allem mittelalte Menschen, die meist schon eine Ehe, Kinder etc „hinter sich haben“, wo Sehnsucht da ist, aber…einfach kein Glück?

Meine Therapeutin meint dazu: Wenn 60-70% stimmen, dann ist das schon viel. Und damit ausreichend (um eine Partnerschaft zu führen, wenn man denn will). Und das Leben ist einfacher zu bewältigen, wenn man nicht allein ist. Und damit sind nicht knallharte Abhängigkeitsverhältnisse gemeint, sondern dass man füreinander da ist. Und das stimmt. Das habe ich in meiner letzten Beziehung erlebt. Und das war schön.

Trotzdem.

Ich kann mir gerade gar nicht vorstellen, was die Zukunft mir beschert in dieser Hinsicht.

Reiche Ernte

Ich bewahre meinen Reisepass unter meinem Bett auf. Abgelaufen. Ganze neun Jahre. Ist es wirklich neun Jahre her, dass ich das letzte Mal in Rumänien war? Neben dem Pass liegt eine ungeöffnete Flasche Schnaps. Reiche Ernte Mirabelle. Ich weiß auch hier nicht, wie lange der schon hier lagert. Oder wo ich auf die Idee kam, eine Flasche Klaren mitzunehmen.

Die Erinnerung an das Gefühl des heißen Brennens in meiner Kehle überlagert meine Gedanken. Kurz komme ich auf die Idee mir einen Kurzen zu genehmigen. Ist hier das letzte Mal auch schon neun Jahre her? Es ist 12 Uhr. Mittags.

Vielleicht heute Abend mit Vattern. Ich mag eigentlich keinen Schnaps. Vielleicht erinnert er mich an eine wildere Zeit, aber selbst da mochte ich Schnaps nicht. Ich denke an eine durchkotzte Nacht nach einer Party während meiner Studentenzeit. Am nächsten Tag schrieb mir ein Typ von der Party, dass ich mich den ganzen Abend nicht von der Stelle bewegt hätte und schon sehr früh gegangen wäre. Ich wohnte gegenüber. Danach fragte er mich nach einem Treffen. Ich wieselte mich drumherum, denn er ist klein. Fraktion unter 1.70. Glaube ich zumindest. Zweites Argument: Er ist vergeben. Ein paar Monate später sollte er diese Freundin schwängern.

Wie er das wohl ausgehalten hat? Bei den meisten Paaren die ich kenne, wollen die Männer fremdvögeln, fremdflirten oder einfach nur fremd sein. Ich habe selbst auch noch keine absolute Treue erlebt. Nie. Sooner or later setzt sich jeder damit auseinander. Vielleicht nicht unbedingt in Zweisamkeit.

Ich glaube nicht an Treue und wünsche mir sie dennoch sehr. Es ist wie ein Traum, von dem ich nicht weiß, wo er herstammt.

Meinem Gehirn? Das Konzept Treue kann doch nicht in uns angelegt sein, wenn so viele es doch nicht leben können. Wenn ein Mann Treue lebt, dann nur aus der Angst vor Repressalien. Vor Verlust. Der gemeinschaftlich abzuzahlenden Wohnung. Der aufzulösenden, verwobenen Inhalte. Damit sind wohl auch Kinder gemeint.

Auch der Verlust von Ute oder Monika an seiner Seite, die er wahrhaftig liebt, könnte einen Mann zurückhalten.

Ich bin es Leid über Treue nachzudenken. Ich war schon alles. Affäre. Betrogene. Betrügende.

In jedem Zustand dieser unheiligen Dreifaltigkeit hat mich das Lügen am meisten gestört. Lügen und belogen werden erachte ich als verachtenswerter als die Tat.

Ich wünsche mir eine Beziehung ohne Lügen. Ohne denken lügen zu müssen. Eine Lüge aufzudecken fühlt sich wie das Brennen in der Kehle an, wenn man sich einen Schnaps kippt. Man fühlt sich plötzlich klar und aufgeweckt, das Brennen durchflutet meinen Körper und setzt sich giftig in meinem Bauch fest.

Gäbe es das Konzept der lügnerischen Untreue nicht, wäre ich schon längst verheiratet.

Ich bin so leer ohne Leid

Momentan mache ich nichts.

Ich halte mich von allem fern, was mir weh tut.

Und ich mache ausschließlich Dinge, dir mir gut tun. Gut tun oder gut tun sollten.

Eine kleine Hilfe:

Ich gehe regelmäßig zum Sport. Mindestens drei Mal die Woche, wenn nicht vier Mal. Gar nicht aus ästhetischen Gründen und dem ganzen Drumherum. Nein. Es geht mir psychisch jedesmal besser, nachdem ich Sport gemacht habe. Und währenddessen kann ich aufhören zu denken. Endlich. Denn ich bin nur bei meinem Körper. Und abends stellt sich eine angenehme Erschöpfung ein. Es gibt Studien zum Zusammenhang zwischen Depression und Sport.

Mein Vitamin D Spiegel war bei jeder Blutuntersuchung exorbitant niedrig. Ich habe das nie weiter beachtet. Höchstens irgendwann Vitamin D Tropfen gekauft, die ich sehr unregelmäßig genommen habe, meistens gar nicht. Ich habs einfach nicht so ernst genommen. Bis ich auch hier auf eine Studie gestoßen bin über den Zusammenhang von Vitamin D und Depression. Ich habe einen Hausarzt, der ganz fantastisch ist. Der hat mir 20.000er Vitamin D Einheiten verschrieben. Damit die Werte erstmal ordentlich aufgefüllt werden. Vitamin D heilt keine Depression. Ein Mangel begünstigt sie aber und deshalb nehme ich das jetzt endlich ernst.

Ich lese extrem viel. Bücher, die etwas bedeuten. Keine Romane, keine Selbsthilfebücher, aber Bücher in denen ich mich verstanden fühle. Die mir helfen zu verstehen. Das hat mir so gefehlt. Ich, die in einem Verlag arbeitet, habe das Lesen fast komplett aufgegeben. Aus Mangel an Energie, an Zeit, an Muse. Und das ist ganz schrecklich, da Lesen für mich so etwas elementares war und ist. Es tut mir so gut zu lesen, mein Geist beruhigt sich und es liegt so viel Weisheit in manchen Bücher und wir können uns diesen Schatz alle zugänglich machen.

Meditation. Auch etwas, was ich immer ein klein bisschen verächtlich betrachtet habe. Selbst obwohl meine Therapeutin mir das immer immer nahe gelegt hat. Mir Bücher aus ihrer wunderbaren Bibliothek mitgeben wollte. Aber sobald es um Meditation ging, habe ich immer abgelehnt. Warum? Weil entweder gar nichts passiert ist, wenn ich es versucht habe, oder so viel, dass es überwältigend war. Ich lasse mich nun aber darauf ein. Ich versuche es. Und es kommen Gefühle hoch. Von ganz ganz ganz tief. Gefühle, die etwas mit mir selbst zu tun haben. Und nicht mit irgendeinem Ereignis, irgendeinem Typ. Und diese Gefühle befallen den ganzen Körper. Sie sind von einer Art, die ich im Alltag gar nicht wahrnehme. Weil mein Kopf immer so voll war von Reaktionen auf xy. Meine Therapeutin hat mir auch nahe gelegt, das meditieren mit anderen zu praktizieren. Es nicht komplett alleine lernen zu wollen. Darum kümmere ich.

Ihr seht, ich kümmere mich um mich selbst. Klingt gut, hervorragend, vernünftig und einleuchtend. Oder? Trotzdem geht es mir oft nicht gut. Ich fühle Leere. Wenig Glück. Weil wenn ich mich nun dem Leid abwende, wer bin ich dann? Was bleibt?

Ich bin nicht wie beispielsweise mein Exfreund, der über das Aus einer Beziehung einige Wochen trauert und dann weitermacht wie immer. Der sein Glück einfach wieder in der Suche und der nächsten Beziehung findet. Weil er ansonsten eben einfach mehr oder weniger zufrieden ist mit seinem Leben.

Bei mir ist das nicht so. Weil so viel mehr nicht ok ist. Weil Beziehungen höchstens eine Ablenkung waren. Am Besten schön dramatisch, damit ich auch ja keine Zeit habe, mich mit mir selbst zu beschäftigen.

Ich will das gar nicht verteufeln. Wie schön wäre es, eine funktionierende, liebevolle Beziehung zu haben, die einen in dieser Entwicklung unterstützt und beisteht. Doch: War die Beziehung gut, suchte ich in ihr Zuflucht. Und ertrage dann den Rest meines Lebens einfach, ohne etwas zu ändern. Ist die Beziehung kompliziert, tritt das restliche Leben, das eigentlich drückt und ziept in den Hintergrund und ich betäube den Schmerz mit den Problemen einer Beziehung.

Wenn ich all diese Dinge abstelle, die meinen Geist unermüdlich beschäftigt haben, die mich auf Trab gehalten haben, wer bin ich dann?

Da ist soviel mehr im Argen. Grundsätzlicheres. Tiefgehenderes. Aber dazu in einem anderen Beitrag mehr.

Jetzt muss ich eine Kündigung vorbereiten.

Anna Hope – Was wir sind

Was ist aus dem Menschen geworden, der du einmal sein wolltest? – Anna Hope über drei ungleiche Frauen und ihre gemeinsame Zeit in London, über Freundschaft und die intimen Fragen eines jeden Lebens Nach einer atemlosen gemeinsamen Zeit in London stehen Hannah, Cate und Lissa mit Mitte dreißig an ganz unterschiedlichen Punkten. Hannah liebt ihr Leben und das Leben mit Nathan, doch alles scheint wertlos ohne ein Kind. Cate ist nach der Geburt ihres Sohnes nach Canterbury gezogen und hat das Gefühl, sich mehr und mehr selbst zu verlieren. Und Lissa steht nach einer schwierigen Beziehung auf der Schwelle zu ihrem Traum. Was wollen wir, was können wir sein? „Beeindruckend scharfsinnig und voller emotionaler Weisheit“ (The Observer) erzählt Anna Hope von drei Frauen unserer Zeit und kommt dabei ihren Figuren so nah wie wir sonst nur uns selbst. (Quelle: buchhandel.de).

Ich muss sagen, hier erfasste mich eine minimale Berg- und Talfahrt. Das Thema interessierte mich massiv, da ich mich gerade selbst mit der Sinnsuche befasse und weil ich eben nicht mehr Anfang 20 bin, wo oft das Leben begonnen wird geformt zu werden in seinen Grundzügen. Als ich dann begann zu lesen, war ich wirklich im ersten Moment gelangweilt und ich fragte mich sogar, ob ich diese ca 350 Seiten wirklich zu Ende lesen kann und will. Ich habe aber weiter gemacht und aus diesem trockenen, englischen Kanten, wurde ein richtig würziger Schinken. Gar nicht mehr so spießig a la weiße, privilegierte Frau steht mit Weinglas am Fenster und schaut leidend aus ihrem villaesken Apartment.

Privilegiert sind diese Frauen natürlich schon, aber der Roman bekommt etwas sehr tiefes. Diese Tiefe fasst an, weil es um sehr grundlegende Dinge geht. Und weil es keine Happy Ends gibt, sondern >Ends, die dem Leben so sehr ähneln: Das Gute ist mit dem Schlechten vermischt und in der schlechten Suppe, schwimmt eine gute Einlage. Und dafür war ich dankbar. Alles andere (außer natürlich komplett desaströse Szenarien) hätte mich furchtbar enttäuscht. Ich glaube, dass das Leben tatsächlich meist so ist. Dass man sich durch die Gefilde manövriert, mit der Energie und Ausstattung die man eben hat. Und wir mit der ganzen Scheisse, die uns begegnet, die wir nicht steuern können, immer wieder arbeiten und versuchen, zu einer Art Waffenstillstand zu kommen. Ich mochte es. Dennoch bleibt die Art Hopes zu schreiben etwas eindruckslos zurück. Ich frage mich manchmal, wieviel dem der Übersetzung geschuldet ist.

Instagram-Büffet

Ich mag keine Frühstücksbüffets in Hotels. In Mittelklassehotels. Ich fühle mich da innerlich gehetzt, wo, was, wann, wieviel. Und beengt durch das Rumstehen und Rumgelaufe. Für mich ist das zum Mittag- oder Abendessen immerhin auszuhalten. Aber am Morgen vom Bett ans Büffet. Furchtbar. Orientierungslosigkeit, Überangebot und/oder Enttäuschung, Rumstehen, nein Danke.

Ab 5 Sternen finde ich es ok. Es ist genug Personal vorhanden und um die morgendlichen Getränke muss man sich immerhin nicht selbst kümmern. Also entweder 5 Sterne Büffet oder mein übliches, simples Alltagsfrühstück. Oder Café. Aber Frühstücksbuffet in der mittleren Preisklasse versuche ich zu meiden.

Heute Nacht musste ich an Giovanni denken. Seltsames Gefühl. Er war mir immer näher, wenn wir eigentlich nicht zusammen waren. Wenn wir zusammen waren, dann war er entweder schon in der Zukunft, oder am Handy oder direkt am Schauen, was man nun am Besten fotografieren kann für…..Instagram. Also in der eigens gewählten Selbstdarstellungshölle.

Selbstdarstellung als Lebensmodell

Die Distanz zwischen uns war irritierend und für mich unverständlich, da wir uns doch so gut verstanden haben übers Telefon. Ich verstehe es auch bis heute nicht. Ich glaube, er konnte nie wirklich präsent sein. Nur durch die sichere Handydistanz. Ich habe ihn in echt das erste Mal richtig im Gespräch erlebt, mit meinen Freunden. Da war er präsent. Er und ich hatten keine wirklichen Gespräche in Präsenz. Das hat mich richtig wütend gemacht, weil ich es nicht nachvollziehen konnte.

In meiner Erinnerung laufen wir zusammen durch Villa Borghese in Rom und ich fühle mich glücklich mit ihm an meiner Hand. Ich kenne dieses gemeinsame Nicht-Nachdenken nicht. Die Zypernbäume beruhigen mich, die angenehme Luft und alles was ich sehe, ist harmonisch.

Ich vermisse es und dann wieder nicht.

Er war so liebevoll, bemüht, aufmerksam und bezogen. Und trotzdem konnte er nicht in distanzlosem Kontakt sein.

Ich weiß immer besser, was ich für einen Mann brauche. Sicherlich einen, mit dem ich Gespräche führen kann, die mich nähren und die nicht NUR übers Telefon stattfinden. Ich brauche einen Mann, der warmherzig ist, aufmerksam und es mag, in Beziehung zu gehen und zwar im Hier und Jetzt. Allgemein. Jemand, der Selbstdarstellung nicht als Missbrauch betreibt, um ein Bild zu kreieren, das nur kleine, einzelne Facetten seiner Selbst enthält oder der wie wahnsinnig auf Aufmerksamkeit und Bestätigung von anderen abhängig ist und sein Leben danach ausrichtet. Ich habe es durch Giovanni erlebt, wie es ist, wenn das Leben Instagram folgt und nicht andersherum. Wenn Interessen, Wünsche, Träume und die Positionierung seines Selbst an dem ausgerichtet ist, was auf dieser App zu sehen ist. Reiseziel Dubai, Santorini etc, weil es das eben ist, was man derzeit am häufigsten sieht, wenn man den Hashtag Urlaub eingibt. Wenn man sich an Orte, egal ob in Ländern, Städte oder Hotels begibt, weil es auf Instagram so abgebildet ist. Weil man bestimmte Posen einnimmt, weil es diese sind, die man am häufigsten online gesehen hat. Ich habe ihm mal von einem Thermenbesuch erzählt, und wie sehr ich das im Winter und Herbst genieße. Seine Reaktion war: Ah, wie in Budapest? Weil der Hashtag Therme als erstes die Gellért Therme in Budapest anzeigt. Und ich antworte, nein, wie in Deutschland. Doch sein Wissenstand speist sich ausschließlich über Hashtags und sein Selbstwert über Likes von fremden Menschen. Ich bin sicherlich so erschrocken und auch immer noch verletzt über diesen Charakterzug von ihm, da ich ihn mal sehr mochte und er einige Punkte total erfüllte (seine Bezogenheit, Aufmerksamkeit und liebevolle Art) und es mir schwer fällt, diese innerlichen Likes und Dislikes zu verbinden.

Wenn eine App nicht mehr nur Inspiration ist, sondern wegweisend, dann stimmt etwas nicht.

In diese Welt durfte ich kurz eintauchen durch Giovanni und sein Umfeld und erfahren, wie das ist, wenn „Das machen doch alle so“, als alleiniger Grund herhalten muss für diesen Massenmitlauf. Und „alle“ dann die Followeranzahl ist. Alle = 2000 Follower. Wenn diese Menschen nicht mehr wahrnehmen und reflektieren können, was für eine kleine, beengte Welt sie sich da geschaffen haben, die für sie das gesamte Universum abzubilden scheint. Wenn das Urteil (Like oder Nicht-Like, Anzahl der Kommentare) dieser kleinen Community für sie ihren sozialen Status definiert. Dabei sind das im Prinzip Dorfkinder, wenn wir mal überlegen, dass ein Ort um die 2000 Einwohner als Dorf gilt.

Warum trägst du so gern ein Maske zur Schau? Eine wohlüberlegte Fassade, die regelmäßig mit Filtern und richtigem Licht und Positionierung aufpoliert wird?

Mach es, aber nur solange du wirklich weißt, warum du das machst.

Selbstdarstellung und Kunst

Für mich bedeutet Selbstdarstellung in Form von Kunst, Literatur und Schauspiel einen absoluten Mehrwert. Ich kann mich als Betrachter darin geborgen sehen, verstanden fühlen und erinnern. Vielleicht sogar inspiriert oder dazu angeregt werden, etwas zu fühlen. Mich zu fühlen oder einzufühlen. Wenn ich am scrollen scrollen scrollen bin und mir am laufenden Band, das x-te Frühstück, der x-te in irgendeine Pose gesetzte Körper begegnet, fühlen wir uns doch lediglich was?

Inspiriert sicher nicht. Höchstens schlecht informiert. Weil wir ja nur eine falsche, partielle Information über einen Menschen aufsaugen. Kein Wunder, dass sich da manche Gehirne an diese Oberflächlichkeit gewöhnen, daran teilhaben wollen und sich in ihrem Ausdruck immer mehr einer App anpassen und sich einreihen, in die Durchschnittlichkeit und Ungemütlichkeit eines Mittelklasse-Hotelfrühstückbüffets.