Date Nr 3 – das Desaster

Ich bin aufgeregt diesmal. Spiele vor lauter Aufregung mit dem Gedanken, das Date einfach abzusagen. Aber nein. Ich bin fertig, der Lippenstift sitzt, die Freundin weiß Bescheid, um mich notfalls zu eretten.

Es ist abends und ich weiß, ich bin noch nicht soweit. Nicht nach der Exgeschichte, die 6 Monate herliegt, nicht nach der Wolfgeschichte, die 2 Wochen herliegt. Ich brauche einfach Zeit allein. Auch wenn ich mir noch so sehr wieder dieses Gefühl wünsche. Dieses Gefühl von Anziehung und Gespanntheit, Vertrautheit, Nähe, Sex.

Ich bin wieder an dem Punkt, an dem ich niemanden attraktiv oder interessant finden kann. So auch heute.

Der Abend beginnt schrecklich. Semi-aufgeregt laufe ich durch die Straßen, alles ist voller Menschen. Mein Blick ist konzentriert und meine Gedanken sind bei meinem Date: Wie wird es werden, sieht er so aus wie auf den Bildern?

Auf einmal, hält mich jemand fest, nicht so ein bisschen, sondern mit dem Arm komplett um meinen Körper. Verwirrt denke ich: Hat mein Date mich etwa erkannt und hält mich auf, so dass wir gemeinsam zum vereinbarten Treffpunkt gehen?

Aber nein. Es ist er. Der Wolf. Ich bin auf dem Weg zu einem verdammten Tinderdate und laufe ausgerechnet dem Wolf in die Arme.

Wolf: Wo gehst du hin, was machst du hier? Bist du allein?

Ich fühle mich so unwohl. Oh Gott, Schicksal 😦

Ich: Momentan bin ich noch allein, aber später nicht mehr.

Auf keinen Fall will ich sagen, dass ich ein Date habe. Warum eigentlich nicht? Irgendwie geht es ihn nichts an, es fühlt sich nicht richtig an. Also frage ich ihn aus, wo er hin geht, um sicher zu sein, dass wir uns nicht mehr über den Weg laufen werden heute.

Wolf: Ich bin ab 22 Uhr da und da, komm doch vorbei, falls es sich ändert (ich also alleine bin wieder).

Ich(denke): Einen Scheiß werde ich tun!

Ich(sage): Und was soll ich dann da?

Wolf: Einen Schnaps mit mir trinken.

Alles klar. Kein Bedarf. Du beschissener Lügner. (Entschuldigung).

Wir verabschieden uns, ich laufe in die falsche Richtung weiter, biege um die Ecke und stelle mich an die Hauswand. Oh mein Gott. Ich bin total aus dem Konzept. Hilfe. Ich rufe meine Freundin an. Sie beruhigt mich. GEH zu deinem Date!!.

Ich versuche mich zu sammeln und gehe zum Treffpunkt. SEINER Bar, die Bar des Wolfes. Gibt es nicht genug andere Bars? Schon, aber diese Bar hat mein Date vorgeschlagen und ich wollte irgendwie kein Aufsehen erregen und eine andere vorschlagen. Keine Ahnung, ich bin einfach irgendwie……..unfertig im Kopf.

Ich warte also davor. Der Wolf sagte mir eindeutig er wäre heute woanders, das beruhigt mich. Ich warte auf mein Date. Ich sehe ihn. Er sieht aus wie ein Model. Es ist unglaublich. So ein schöner Mann, wie aus dem Film. Dunkle Locken, braune Augen, Dreitagebart, sportlich, Lederjacke. Und mir ist es egal !! Hahahahahahahah, wir setzen uns. Ich bin noch mitgenommen von der Begegnung mit dem Wolf. Und es kommt noch schlimmer.

Mein Date und ich setzen uns nach draußen nachdem er uns etwas zu Trinken gekauft hat. Wer sitzt mir direkt gegenüber, direkt im Blickfeld? Der Wolf. Er sitzt da und isst. Er ist erst um 22 Uhr woanders, jetzt haben wir es 21 Uhr. Es ist einfach nur verrückt. Ich versuche mich auf mein Date zu konzentrieren, auf sein wahnsinnig hübsches Gesicht.  Es gelingt mir nicht, meine Augen wandern immer zum Wolf, der quasi hinter ihm sitzt. Das Date dreht sich schon um, um zu schauen, was da interessantes hinter ihm sitzt. Es ist so peinlich.

Ich höre nur die Hälfte von dem, was er erzählt. Er ist erfolgreich im Beruf, Mitte 30, hübsch, nein schön, extrem sportlich, nett, nicht arrogant, kleine Berührungen. Ich bin nicht bei ihm. Neben uns sitzt eine Gruppe extrem betrunkener Briten aus Manchester. Sie sprechen uns an. Sagen das ER so verdammt ‚Handsome‘ ist und warum zum Teufel er noch Single ist. Ich kanns nicht glauben.

Dieser Abend ist verrückt.

Mein Date merkt, dass ich mich unwohl fühle und denkt, es wäre wegen der Briten.

Date: Sollen wir uns woanders hinsetzen, vielleicht nach hinten?

Oh mein Gott nein, da sitzt doch der WOLF !!!

Ich: Nein, nein, alles gut. (gezwungenes Lächeln)

Die Briten hören nicht auf, von ihm zu schwärmen, wie gut er aussieht und das er wunderschöne Augen hat. Stimmt, ja. Aber ich beobachte den Wolf. Ich habe ja fast keine Wahl! Schließlich geht er. .

Mein Date will sich eine Wohnung kaufen. Okay okay okay, ich stelle Fragen, deren Antwort mich nicht interessiert. Null. Er verkauft sich als guter Fang, große Wohnung, lebt alleine, im Ausland studiert, will Kinder, guter Job.

Er ist wahrscheinlich der bestaussehendste Mann, den ich je gedatet habe, vollstens mein Typ, dunkel und groß, Locken.

Und ich? Fange an zu blocken. Rede über die Unterschiede zwischen uns beiden. Er ist ja schon ganz woanders im Leben. Er ist so höflich. Er merkt, wie unwohl ich mich fühle, fragt ob ich gehen will.

Schließlich gehen wir. Er bringt mich zu meiner U-bahn.

Date: Wir können uns ja nochmal treffen, wenn du magst. Komm gut nachhause und schreib mir, wenn du zuhause bist.

Küsschen links und Küsschen rechts.

Ich hatte noch nie so dringend das Bedürfnis nach Hause zu kommen.

Am nächsten Morgen, wache ich auf und beschließe: Kim, genieße den Sommer allein. Alles andere wäre Wahnsinn.