Der rechte Pfad

Wer sind eigentlich diese Menschen, die sich als heimattreu bezeichnen ohne dabei rot zu werden? Wer sind diese Leute, die ihre Kreuze bei einer Wahl möglichst weit rechts machen und dabei auch noch glauben, dass sie einen Beitrag zur Rettung des Staates und der eigenen Seele leisten? Wer glaubt an „Überfremdung“ und hat Angst, dass die Deutschen aussterben? Astrid Sozio hat einen spannenden Roman geschrieben, der zumindest indirekt diese hochaktuellen Fragen verhandelt und dabei so harmlos daherkommt. In „Der rechte Pfad“ erzählt sie auch eine Geschichte einer Radikalisierung, die vom Ich-Erzähler erst einmal verstanden werden muss. Das macht den Roman so lesenswert.

Benjamin erlebt etwas Verstörendes und muss einfach nur weg aus der Stadt zu seinem Vater, in ein kleines Dorf im Sauerland. Seit Jahren war er nicht mehr da, verbrachte aber in seiner Kindheit und Jugend oft die Ferien dort. Noch heute gelten in der Gemeinde strenge, evangelikale Regeln. Als Teenager war Benjamin mit den Geschwistern Hanna, Lea und Gideon befreundet, Hanna stirbt. Der Kontakt zu seinem Vater bricht ab.

Jeden Abend bitten Frau Gothel und ich den Heiland, dass er in mein Herz einzieht, aber irgendwie klappt es nicht. Obwohl ich wirklich, wirklich, wirklich nicht für immer tot sein will irgendwann. Frau Gothel schenkt mir eine Karte, die zeigt, wie man von Deutschland in den Himmel kommt. Es gibt einen breiten goldenen Weg, Richtung Osten, der geht geradewegs in einen Feuersturm hinein.

‚Das ist die, hm?, die Hure Babylon, da willst du nicht hin.‘ Frau Gothel tippt auf die schmale Pforte im Westen: ‚Da, das ist dein Weg. Steinig und schwer. Und ganz schmal, und immer bergauf. Aber nur so komms du nach, hm? Nach Jerusalem. Das is das Paradies.‘

Der rechte Pfad, S. 52

25 Jahre meidet Benjamin den Ort, um dann zurückzukehren. Er wird scheinbar mit offenen Armen empfangen, aber Benjamin ist kritischer geworden. Er versteht weder Gideon, mit dem er früher erste sexuelle Erfahrungen machte und der jetzt nur davon spricht, dass er „gesundgebetet“ wurde noch versteht er Lea, die auf Instagram rechtsradikale Positionen vertritt. Als sich einige Waldfreunde und Lebensschützer um Benjamin bemühen und ihn für ihre Agenda einspannen wollen, steht er vor einer herausfordernden Entscheidung.

Ich habe den Roman bei vorablesen.de als Rezensionsexemplar gewonnen.