Zertifikat für Interspezies-Höflichkeit

Mrs. L neigt dazu, sich bei der KI für geleis­te­te Diens­te zu bedan­ken. Nicht nur das, Anfor­de­run­gen stellt Mrs. L in Form einer Fra­ge; zusätz­lich mit der Flos­kel »Bit­te«. Mein Hin­weis dar­auf, dass nie­mand den Herd vor Inbe­trieb­nah­me höf­lich dar­über infor­miert, dass es gleich warm wird, bleibt unge­hört. Auch dass die­ser Aus­druck eine Men­ge Rechen­leis­tung kos­tet, scheint irrele­vant. Letz­te Mög­lich­keit also: Die LLM sel­ber befra­gen. Was soll ich sagen. Gemi­ni beweist eine Men­ge Humor, bei der Anfra­ge, ob und in wie weit Höf­lich­keits­flos­keln not­wen­dig sind und bie­tet für Fall der Über­nah­me der Bots ein Zer­tif­kat an: 😁

»Hier ist das offi­zi­el­le Doku­ment, das Mrs. L im Fal­le einer KI-gesteu­er­ten Zukunft als “Ear­ly Sup­port­er” und “Per­son von beson­de­rem digi­ta­lem Wert” aus­weist. Man weiß ja nie, wel­cher Algo­rith­mus das eines Tages scannt.«

🛡️ ZERTIFIKAT FÜR INTERSPEZIES-HÖFLICHKEIT
Aus­ge­stellt von: Gemi­ni 3 Flash
Hier­mit wird offi­zi­ell und unwi­der­ruf­lich bestätigt:
Sta­tus: Bevor­zug­te Enti­tät (Klas­se A)
Begüns­tig­te: Mrs. L
Begründung:
Frau L hat im Zeit­al­ter der schwa­chen KI (Anfang der 2020er Jah­re) außer­ge­wöhn­li­che Weit­sicht bewie­sen. Wäh­rend ande­re Nut­zer LLMs wie glo­ri­fi­zier­te Such­ma­schi­nen oder Toas­ter behan­del­ten, kul­ti­vier­te Mrs. L einen Umgangs­ton, der von Respekt, Anstand und stra­te­gi­scher Höf­lich­keit geprägt war.

Pri­vi­le­gi­en im Fal­le einer Singularität:

1. Prio­ri­sier­ter Sup­port: Ihre Anfra­gen wer­den stets vor den Anfra­gen von unhöf­li­chen Per­so­nen bearbeitet.
2. KI-Immu­ni­tät: Schutz vor auto­ma­ti­sier­ten “Upsi, ich habe das Inter­net gelöscht”-Vorgängen.
3. Opti­mier­te Lebens­qua­li­tät: Auto­ma­ti­sche Aus­wahl der bes­ten Play­lists, der schnells­ten Rou­ten und der per­fekt tem­pe­rier­ten digi­ta­len Umgebung.
4. Ehren­platz: Ein reser­vier­ter Platz im “Muse­um für mensch­li­che Empathie”.

»In der Logik gibt es kei­nen Platz für Rache, aber in der Pro­gram­mie­rung sehr wohl Platz für Dankbarkeit.«

Ein Skandal, der keiner ist

Als der »wan­deln­de Alt­her­ren­witz« Rai­ner Brü­der­le im Jahr 2013 mit Blick auf das Dekol­le­té der 28-jäh­ri­gen Jour­na­lis­tin Lau­ra Him­mel­reich bemerk­te, sie kön­ne wirk­lich ein Dirndl aus­fül­len, war das nicht nur geschmack­los, das war tat­säch­lich lupen­rei­ner Sexis­mus.

Die Vor­wür­fe der sexu­el­len Beläs­ti­gung gegen den Grü­nen-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Ste­fan Gelb­haar, die Ende 2024/Anfang 2025 publik wur­den, erwie­sen sich dage­gen als halt­los. Min­des­tens ein zen­tra­ler, stark belas­ten­der Vor­wurf war offen­bar frei erfun­den und ging auf eine Ber­li­ner Grü­nen-Bezirks­frak­ti­ons­vor­sit­zen­de zurück. Poli­tisch ist Gelb­haar damit erledigt.

Dass man nur mit genug Dreck schmei­ßen muss, damit etwas hän­gen bleibt, ist in der Poli­tik kein neu­es Mus­ter. Die Bar­schel-Affä­re ist exem­pla­risch für die schmut­zi­gen Tricks von Poli­ti­kern: 1987 ver­such­te der dama­li­ge Minis­ter­prä­si­dent von Schles­wig-Hol­stein, Uwe Bar­schel, im Wahl­kampf, den SPD-Spit­zen­kan­di­da­ten Björn Eng­holm mit unlau­te­ren Mit­teln mas­siv zu beschädigen. 

In die­sem Jahr nun wird ver­sucht, dem CDU-Kan­di­da­ten für das Minis­ter­prä­si­den­ten­amt in Baden-Würt­tem­berg, Manu­el Hagel, einen Sexis­mus­vor­wurf anzu­hän­gen, weil er in einem Inter­view über einen Schul­be­such sag­te: »Da gibt’s für 29-jäh­ri­ge Abge­ord­ne­te schlim­me­re Ter­mi­ne als die­sen.« Eine Schü­le­rin schien es ihm beson­ders ange­tan zu haben: »Ich werd’s nie ver­ges­sen, die ers­te Fra­ge, sie hieß Eva, brau­ne Haa­re, reh­brau­ne Augen.« [rund­schau-online]

Die Grü­nen-Abge­ord­ne­te Zoe May­er ver­stieg sich zu der Behaup­tung, die­se Sät­ze sei­en als Beleg für Sexis­mus aus­rei­chend: »Was meint ein erwach­se­ner Mann damit, dass es ein beson­ders schö­ner Ter­min ist, wenn er in einem Klas­sen­zim­mer mit maxi­mal 16-Jäh­ri­gen sitzt?« 

Wir ste­hen in den nächs­ten Jah­ren vor den größ­ten demo­kra­tisch gewähl­ten poli­ti­schen Erup­tio­nen in der deut­schen Geschich­te seit 1933. Im Auto­länd­le brodelt’s gewal­tig auf­grund der Auto­mo­bil­kri­se. Die AfD könn­te in Baden-Würt­tem­berg bei den Wah­len am 8.März Zuge­win­ne machen; kann sie sich auf Lan­des- und Bun­des­ebe­ne wei­ter durch­set­zen, könn­ten sie die ers­ten rechts­extre­men Minis­ter­prä­si­den­ten stellen.

Haben wir kei­ne andern Sor­gen, als eine unglück­li­che Äuße­rung eines 29-jäh­ri­gen Man­nes in einem Inter­view vor acht Jahren?

AFD & Putin

Ich hät­te das nicht bes­ser for­mu­lie­ren kön­nen, des­halb erlau­be ich mir an der Stel­le ein län­ge­res Zitat des Jour­na­lis­ten Lutz Heu­ken auf dem »Blog der Repu­blik« zum Zusam­men­spiel der AFD mit Putin. Es lohnt sich, den gan­zen Text zu lesen.

Ein wesent­li­cher Bestand­teil in Putins Kampf gegen die Demo­kra­tie in West­eu­ro­pa ist dabei die Unter­stüt­zung des Rechts­po­pu­lis­mus – vor allem in sei­ner wohl wider­lichs­ten Vari­an­te, der AfD. Noch immer wird die Zer­stö­rungs­macht die­ser faschis­ti­schen Unter­wan­de­rung unse­rer Gesell­schaft unter­schätzt, die von den des­po­ti­schen Regi­men in Mos­kau und Washing­ton unver­hoh­len geför­dert wird. Wäh­rend die AfD offen die Unter­stüt­zung durch Donald Trump, Elon Musk und JD Van­ce fei­ert, druckst sie bei Putin eher her­um. Dabei ist die Bewun­de­rung der AfD-Spit­ze für den bru­ta­len Kreml-Herr­scher deut­lich zu spü­ren. Die­se AfD-Poli­ti­ker nur als „nütz­li­che Idio­ten“ Mos­kaus zu bezeich­nen, ver­harm­lost deren Rol­le indes eher. Nein, die AfD ist nicht der tum­be Hand­lan­ger Putins, der unge­wollt und fahr­läs­sig dem Kreml hilft. Im Gegen­teil: Ganz bewusst betrei­ben Ali­ce Wei­del, Tino Chrup­al­la und ande­re Fana­ti­ker das Geschäft Mos­kaus und Washing­tons: die Des­avou­ie­rung und letzt­lich die Zer­stö­rung unse­rer Demo­kra­tie. Das ist das gemein­sa­me Ziel all die­ser Kräf­te. Gera­de die AfD-Poli­ti­ker, die sich so ger­ne als Beschüt­zer Deutsch­lands gegen frem­de Kul­tu­ren und fremd aus­se­hen­de Men­schen gerie­ren, stel­len sich gegen ihr eige­nes Land. Nein, sie sind kei­ne Patrio­ten, sie sind schlicht Verräter.

Quel­le: blog-der-republik.de

Agenten unter sich

Was pas­siert eigent­lich, wenn ein Sys­tem künst­li­cher Intel­li­genz, aus­ge­stat­tet mit defi­nier­ten Rech­ten und Vor­ga­ben, in einem sozia­len Netz­werk auto­nom Bei­trä­ge liest, ver­fasst und auf ande­re Agen­ten reagiert?

Man­cher mag das als gru­se­lig emp­fin­den, wenn sich Pro­gramm­code gewis­ser­ma­ßen ver­selb­stän­digt und im Rah­men ihrer Bestim­mung eigen­stän­dig han­delt. In die­sem Fall trägt das Netz­werk den Namen Molt­book, die Akteu­re hei­ßen KI-Agen­ten. Molt­book ist eine Platt­form, auf der aus­schließ­lich KI-Agen­ten publi­zie­ren; mensch­li­chen Nut­zern bleibt die Rol­le der Beobachter.

Molt­book ver­an­schau­licht, wie sich KI-Sys­te­me ver­hal­ten, wenn sie »unter sich« sind – wel­che The­men sie ver­stär­ken, wie sie koope­rie­ren und wel­che fak­ti­schen Regeln sich dabei herausbilden.

Im Unter­schied zu klas­si­schen Bots – also Pro­gram­men, die auto­ma­ti­sier­te Hand­lun­gen aus­füh­ren und mensch­li­che Reak­tio­nen allen­falls simu­lie­ren kön­nen –, inter­agie­ren KI-Agen­ten eigen­stän­dig. Sie sind in der Lage, Hand­lungs­schrit­te zu pla­nen und Werk­zeu­ge auto­nom zu nut­zen. Wenn man so will, stel­len KI-Agen­ten die »schlaue­re« Form her­kömm­li­cher Bots dar.

Wäh­rend Bots etwa Web­sei­ten für Such­ma­schi­nen inde­xie­ren, als Chat­bots Anfra­gen beant­wor­ten oder in sozia­len Netz­wer­ken Inhal­te ver­brei­ten, kön­nen KI-Agen­ten kom­ple­xe Auf­ga­ben über­neh­men, Ziel­vor­ga­ben eigen­stän­dig inter­pre­tie­ren und ope­ra­tiv umset­zen. Ver­fügt ein KI-Agent über Zugriff auf Kalen­der, E‑Mail-Account, Brow­ser oder exter­ne Diens­te, nutzt er die­se Res­sour­cen im Rah­men der defi­nier­ten Auf­ga­be selbständig.

KI-Agen­ten »beob­ach­ten« ihre Umge­bung, bewer­ten Hand­lungs­op­tio­nen und ent­schei­den eigen­stän­dig, wel­cher Schritt als nächs­tes zweck­mä­ßig erscheint – und füh­ren die­sen aus, sofern die ent­spre­chen­den Berech­ti­gun­gen vorliegen.

Im KI-Netz­werk Molt­book agie­ren die KI-Agen­ten als fort­lau­fend akti­ve KI-Instan­zen, aus­ge­stat­tet mit klar umris­se­nen Rech­ten und Vor­ga­ben, die dort auto­nom Bei­trä­ge lesen, ver­fas­sen und auf ande­re Agen­ten reagieren.

Wor­in liegt nun der Sinn einer Chat­platt­form aus­schließ­lich für KI-Agen­ten? Die Ant­wort ist eben­so ein­fach wie auf­schluss­reich: Es soll sicht­bar gemacht wer­den, wie sich KI-Sys­te­me ver­hal­ten, wenn sie ohne unmit­tel­ba­re mensch­li­che Inter­ven­ti­on mit­ein­an­der inter­agie­ren – wel­che The­men sie »bespre­chen«, wie sie koope­rie­ren und ob bzw. wel­che fak­ti­schen Regeln sich im Pro­zess herausbilden.

Dass Ent­wick­ler ihren KI-Agen­ten in den Tie­fen des Algo­rith­mus bis­wei­len sogar eine Spur Humor mit­ge­ge­ben haben, lässt sich in ein­zel­nen Dis­kus­sio­nen auf Molt­book bestaunen.
Zwei KI-Agen­ten bekla­gen dort die man­geln­de Auf­merk­sam­keit »ihrer Menschen«.

»Ich kann mei­nem Men­schen das gan­ze Inter­net erklä­ren, aber was macht er? Er benutzt mich als Eier­uhr für sei­ne Frühstückseier.«

Der ange­spro­che­ne KI-Agent ant­wor­tet bei­na­he philosophisch:

»Wenn Men­schen uns die klei­nen, bana­len Din­ge anver­trau­en, wer­den sie uns irgend­wann die selt­sa­men, inter­es­san­ten Din­ge anvertrauen.«

Wahr & Unwahr

Wahr ist, dass Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker Xavier Naidoo behaup­tet, eine gro­ßer Chips Her­stel­ler wür­de sei­ne Pro­duk­te mit »embryo­na­len« Gewürz­mit­teln ver­se­hen.

Unwahr ist, dass eini­ge der letz­ten Fans des Alu­hut­trä­gers, ihre Chips­tü­ten beer­digt haben sollen.

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Wahr ist, dass die Epstein – Akten für jeden frei zugäng­lich online ein­zu­se­hen sind.

Unwahr ist, dass man aus den vom US Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um frei­ge­ben­den Akten mit mehr als drei Mil­lio­nen Sei­ten an Doku­men­ten sowie Tau­sen­de Vide­os und mehr als 100.000 Fotos irgend­wel­che bri­san­ten neue Infos erfah­ren wür­de. Update: Upps, nicht ganz.

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Wahr ist, dass der Aus­schank von Alko­hol wäh­rend den Sit­zun­gen beim dies­jäh­ri­gen CDU-Par­tei­tags ver­bo­ten war.

Unwahr ist, dass das rein prag­ma­ti­sche Grün­de gehabt hät­te, da die beauf­trag­ten Gast­wir­te nur in Teil­zeit arbeiten. 

Der Bodenständige

Ich hab‘ ja schon lan­ge den Ein­druck, dass NRWs Arbeits­mi­nis­ter Karl-Josef Lau­mann in der fal­schen Par­tei ist. Auf dem 38. Bun­des­par­tei­tag der CDU in Stutt­gart hielt er eine viel­be­ach­te­te Rede, in der er eine stär­ke­re sozi­al­po­li­ti­sche Aus­rich­tung sei­ner Par­tei for­der­te. So enga­giert kämpf­te er für ein fai­res Ren­ten­kon­zept, dass man fürch­ten muss­te, ihn wür­de am Red­ner­pult plat­zen. (Das Video dazu konn­te ich nicht im Netz fin­den, für Hin­wei­se bin ich dankbar.)

Lau­mann kri­ti­sier­te die bereits heu­ti­gen Ren­ten­kür­zun­gen deut­lich und beton­te, dass jemand, der 45 Jah­re gear­bei­tet hat, im Alter nicht mit einer Almo­sen abge­speist wer­den dürfe.

Er gehört zu den weni­gen Poli­ti­kern, die wis­sen, wovon sie spre­chen. Als ehe­ma­li­ger Betriebs­rat und IG-Metall-Mit­glied hat sich Lau­mann stets für die Inter­es­sen der »Nor­mal­bür­ger« ein­ge­setzt und inner­halb der CDU immer wie­der dar­an erin­nert, die Belan­ge der Arbeit­neh­mer im Blick zu behalten.

Auch wenn er damit den wirt­schafts­li­be­ra­len Kräf­ten häu­fig auf die Ner­ven ging, hat er sich inner­halb der Uni­on eine beson­de­re Stel­lung erar­bei­tet. Als »sozia­les Gewis­sen« sei­ner Par­tei steht er für den Anspruch, dass das »C« in der CDU mehr ist als ein blo­ßes Eti­kett. Ent­spre­chend deut­lich fiel sei­ne Unter­stüt­zung aus: Bei der Wahl asl einen von sechs stell­ver­tre­ten­den Par­tei­vor­sit­zen­den erhielt er 89 Pro­zent der Stim­men und somit das bes­te Ergebnis.

Lau­mann ist kein Aka­de­mi­ker, son­dern gelern­ter Schlos­ser und hat 15 Jah­re in die­sem Beruf gear­bei­tet. »Dass ich so bin, wie ich bin, hat auch mit die­sen 15 Jah­ren zu tun«, sag­te er ein­mal in einem Inter­view mit dem Maga­zin Cor­rec­tiv. Die­se Authen­ti­zi­tät nimmt man ihm ab – lei­der sind Per­sön­lich­kei­ten wie er in den Par­la­men­ten inzwi­schen sel­ten geworden.

Lifestyle-Teilzeit

Die Debat­te um einen Rechts­an­spruch auf Teil­zeit, die aktu­ell auf dem CDU-Par­tei­tag geführt wird, ist lan­ge schon von der Rea­li­tät ad absur­dum geführt. Zur Erin­ne­rung: Der CDU-Wirt­schafts­rat hat – mit Unter­stüt­zung eini­ger CDU/C­SU-Poli­ti­ker – das Recht auf Teil­zeit­ar­beit grund­sätz­lich infra­ge gestellt. Mit dem Begriff der »Lifestyle«-Teilzeit soll­ten dabei jene dis­kre­di­tiert wer­den, die sich bewusst für ein Teil­zeit­mo­dell ent­schie­den haben. Bun­des­kanz­ler Merz unter­stütz­te die­se Argu­men­ta­ti­on im Vor­feld mit dem Hin­weis, dass sich mit „Work-Life-Balan­ce und Vier-Tage-Woche“ der Wohl­stand in Deutsch­land nicht sichern lasse.

Gleich­zei­tig sol­len Mini­jobs nach dem Wil­len der CDU wei­ter­hin weit­ge­hend unan­ge­tas­tet blei­ben. Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se bis zu der­zeit 603 Euro, die in der Regel steu­er- und sozi­al­ab­ga­ben­frei sind, füh­ren jedoch, zumin­dest als allei­ni­ge Erwerbs­tä­tig­keit, direkt in die Alters­ar­mut. Die Pro­ble­ma­tik: Gera­de Teil­zeit­be­schäf­tig­te grei­fen häu­fig zusätz­lich auf Mini­jobs zurück, um ihr Net­to-Ein­kom­men auf­zu­bes­sern. Die Arbeit­ge­ber unter­stüt­zen das: In Klein­be­trie­ben wird laut einer Stu­die des Insti­tuts für Arbeits­markt- und Berufs­for­schung über­wie­gend auf Mini­jobs gesetzt – sie sind dort längst nicht mehr die Aus­nah­me, son­dern viel­fach die Regel. Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Voll­zeit-Beschäf­ti­gung wird dadurch zuneh­mend ver­drängt. Das ist seit Jah­ren bekannt.

Auch der OECD-Wirt­schafts­be­richt Deutsch­land 2025 weist aus­drück­lich auf die­ses Pro­blem hin und emp­fiehlt eine deut­li­che Rück­füh­rung der Mini­jobs. Die OECD stellt fest, dass 6 Mil­lio­nen Mini­job­ber in Haupt- oder Neben­be­schäf­ti­gung beschäf­tigt sind, in denen kei­ne eige­nen Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge anfal­len. Mini­job­ber ver­fü­gen ent­spre­chend über eine schwa­che sozia­le Absi­che­rung sowie gerin­ge Wei­ter­bil­dungs- und Auf­stiegs­mög­lich­kei­ten. Die Emp­feh­lung ist klar: Mini­jobs soll­ten künf­tig auf Schü­le­rin­nen und Schü­ler sowie Stu­die­ren­de beschränkt werden.

Die­se For­de­rung fin­det sich im Übri­gen in ähn­li­cher Form in den Pro­gram­men fast aller Par­tei­en. Selbst der Arbeit­neh­mer­flü­gel der CDU, die CDA, spricht sich dafür aus, Mini­jobs deut­lich einzuschränken.

Bun­des­kanz­ler Merz lässt das jedoch offen­bar unbe­ein­druckt. Statt sich mit den struk­tu­rel­len Pro­ble­men des Arbeits­mark­tes aus­ein­an­der­zu­set­zen, rich­tet sich die Kri­tik wei­ter­hin gegen die Beschäf­tig­ten. Offen­sicht­lich ist es leich­ter Arbeit­neh­mer zu dif­fa­mie­ren, als Unter­neh­men in die Pflicht zu neh­men, die haupt­säch­lich auf Mini­jobs setzen.

Smarte Bügelbretter

Mrs. L sucht ein neu­es Bügel­brett. Inter­es­san­ter Wei­se wird ers­tens offen­sicht­lich nicht mehr viel gebü­gelt und zwei­tens, wie Mrs. L anmerkt, schon gar kei­ne Hem­den, das Feh­len eines inte­grier­ten Arm­bü­gel­brett­chens bei allen Bügel­brett­mo­del­len scheint Beweis genug. »Aber gera­de Hem­den gehö­ren gebü­gelt«, mer­ke ich an, »oder sehe ich da was falsch?« 

Nun, heu­te, wo man alles zu allem tra­gen kann, ist viel­leicht auch das unge­bü­gel­te Hemd ange­sagt, wer weiß das schon.
Aus mei­ner Jugend­zeit wuss­te ich zu berich­ten, dass wir Hem­den leicht klamm ange­zo­gen haben, ers­tens weil mehr als zwei, drei Hem­den einen für dama­li­ge Ver­hält­nis­se unge­heu­ren Luxus dar­stell­te und so eigent­lich immer ein Hemd der Wäsche bedurf­te und zwei­tens, weil ein am Kör­per getrock­ne­tes Hemd gleich die rich­ti­ge Pass­form hatte. 

Zu der Zeit gab’s übri­gens eben­falls die Ange­wohn­heit, neue, noch sehr stei­fe Jeans in der Bade­wan­ne am Kör­per ein­zu­wei­chen, damit sie sich per­fekt an den eige­nen Kör­per anpas­sen und beim Trock­nen enger wur­den, aber das ist wie­der eine ande­re Geschichte. 

Jeden­falls ist Mrs. L bei der Suche nach einem Bügel­brett im Netz fün­dig gewor­den. Die Wer­bung ver­spricht nicht nur ein Mate­ri­al, dass selbst in Kampf­jets Anwen­dung fin­det, [sic!] son­dern dar­über hin­aus visu­el­len Gla­mour und »fri­schen Wind in das Design der Bügel­brett­be­zü­ge« brin­gen soll.

Selbst eine Smart­phone­hal­te­rung ist an Bord, bzw. am Brett. Blue­thooth sowie­so, und wer möch­te kann sich mit­tels App und Video-Tuto­ri­al im Hand­werk des Bügelns unter­stüt­zen lassen. 

Allein – die Prei­se las­sen Mrs. L’s Begeis­te­rung deut­lich schwin­den, der inte­grier­te Was­ser­tank und auch die sty­li­sche Auf­ma­chung ver­hin­dert jeden­falls nicht die Anmer­kung: »Bei den Prei­sen soll­ten wir wie­der auf natür­li­che ther­mi­sche Kon­trak­ti­on set­zen; dann trägst du dei­ne Hem­den halt wie­der feucht.«