{"id":12012,"date":"2025-04-28T09:24:13","date_gmt":"2025-04-28T07:24:13","guid":{"rendered":"https:\/\/textplus.hypotheses.org\/?p=12012"},"modified":"2025-04-28T09:24:15","modified_gmt":"2025-04-28T07:24:15","slug":"textplus-06-das-rote-buch-der-stadt-goerlitz-von-der-gedruckten-zur-digitalen-edition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/textplus.hypotheses.org\/12012","title":{"rendered":"Text+Plus, #06: Das ,rote Buch\u2018 der Stadt G\u00f6rlitz. Von der gedruckten zur digitalen Edition"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-bottom has-background\" style=\"background-color:#245787;grid-template-columns:30% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"236\" src=\"https:\/\/textplus.hypotheses.org\/files\/2023\/08\/Beitragsbild_Com_L16-0320-0002-0002-500x236.jpg\" alt=\"Schwarzwei\u00dffotografie: Blick in die Kuppel des &quot;Man in the Community Pavillon&quot; auf der Expo 1967 in Montreal.\" class=\"wp-image-6886 size-full\" srcset=\"https:\/\/textplus.hypotheses.org\/files\/2023\/08\/Beitragsbild_Com_L16-0320-0002-0002-500x236.jpg 500w, https:\/\/textplus.hypotheses.org\/files\/2023\/08\/Beitragsbild_Com_L16-0320-0002-0002-300x142.jpg 300w, https:\/\/textplus.hypotheses.org\/files\/2023\/08\/Beitragsbild_Com_L16-0320-0002-0002-150x71.jpg 150w, https:\/\/textplus.hypotheses.org\/files\/2023\/08\/Beitragsbild_Com_L16-0320-0002-0002-520x245.jpg 520w, https:\/\/textplus.hypotheses.org\/files\/2023\/08\/Beitragsbild_Com_L16-0320-0002-0002.jpg 720w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-x-large-font-size\" style=\"font-style:italic;font-weight:500\">#06: Rotes Buch<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-default has-background\" style=\"background-color:#f1f1f1\">Jedes Jahr f\u00f6rdert Text+ Kooperationsprojekte mit einer Laufzeit von maximal 12 Monaten. Bewerben k\u00f6nnen sich Einzelpersonen, Arbeitsgruppen, Forschungsverb\u00fcnde und Forschungseinrichtungen. In der Blog-Reihe Text+Plus geben sie Einblick in ihre Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor:innen: <\/strong>Jana Klinger (<a href=\"https:\/\/orcid.org\/0009-0008-5566-1101\">ORCID: 0009-0008-5566-1101<\/a>), Patrick Sahle (<a href=\"https:\/\/orcid.org\/0000-0002-8648-2033\">ORCID: 0000-0002-8648-2033<\/a>) (Bergische Universit\u00e4t Wuppertal)<\/p>\n\n\n\n<p>Das ,rote Buch\u2018 der Stadt G\u00f6rlitz geh\u00f6rt zu den \u00e4ltesten noch erhaltenen mittelalterlichen Stadtb\u00fcchern im deutschsprachigen Raum. Es wurde 1305 begonnen und bis 1416 gef\u00fchrt. Insgesamt enth\u00e4lt es 8.891 Eintr\u00e4ge in deutscher und lateinischer Sprache und gibt durch seinen langen Berichtszeitraum wertvolle Einblicke in den Lebensalltag einer mittelalterlichen Stadt. Die gedruckte Edition dieser Quelle (Speer et al.) wurde zwischen 2017 und 2020 in drei B\u00e4nden ver\u00f6ffentlicht. Um das im Stadtbuch enthaltene Wissen noch besser verf\u00fcgbar und nutzbar zu machen, liegt es nahe, die gedruckte in eine digitale Edition umzuwandeln. Doch welche Ziele sollen dabei verfolgt werden? Soll lediglich (mit geringem Mehrwert) der vorliegende \u201eText\u201c digitalisiert werden (Paradigma: Textkorpus), sollen das Druckwerk und seine typografische Struktur in XML\/TEI abgebildet werden (Paradigma: digitale Bibliothek) oder soll der gewonnene TEI-Code auch semantisch ausgezeichnet und vertieft erschlossen werden (Paradigma: Digitale Edition) \u2013 z.&nbsp;B. durch die Auszeichnung und Verlinkung von Named Entities? Reicht eine \u00f6ffentliche Bereitstellung der so gewonnenen Ressource \u201eals Daten\u201c (z.&nbsp;B. in einem Daten-Repository) f\u00fcr eine Nutzung durch Algorithmen oder soll \u201eals Publikation\u201c auch eine Webseite entstehen, in der die Daten anschaulich aufbereitet und f\u00fcr Menschen lesbar bereitgestellt werden?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Digitalisiert \u2260 digital<\/h2>\n\n\n\n<p>Je nachdem wie man diese Fragen beantwortet, entsteht mit der Digitalisierung der gedruckten Edition eine rein mechanische Abbildung oder es findet ein Paradigmen\u00fcbergang von der \u201edigitalisierten zur digitalen Edition\u201c (Sahle 2016) statt, bei der die Edition aus den vom Buchformat gesetzten Grenzen herausgel\u00f6st und nach den <em>best practices<\/em> des digitalen Edierens mit zus\u00e4tzlichen Informationen und Funktionalit\u00e4ten ausgestattet wird. Dabei ist der Unterschied im Arbeitsaufwand bei der Verfolgung der beiden Ziele enorm.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen eines Kooperationsprojekts von Text+ mit den Universit\u00e4ten Halle-Wittenberg und Wuppertal haben wir die im docx-Format vorliegende Druckvorlage der Edition in eine digitale Edition umgewandelt, die prim\u00e4r \u201eals Daten\u201c bereitgestellt werden sollte, zus\u00e4tzlich aber auch durch eine technisch und konzeptionell m\u00f6glichst simpel gehaltene Webpublikation erreichbar ist. So wird die neue, digitale Edition des ,roten Buches\u2019 gleich doppelt digital zug\u00e4nglich und nutzbar. Das Projekt hatte eine Laufzeit von 12 Monaten und beinhaltete eine halbe Stelle f\u00fcr eine wissenschaftliche Mitarbeiterin und 18 Stunden\/Woche f\u00fcr zwei wissenschaftliche Hilfskr\u00e4fte. Dar\u00fcber hinaus fanden durch ein studentisches und ein freiwilliges Praktikum im Projekt weitere Zuarbeiten statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Fokus des Projekts lag auf der Bereitstellung guter Forschungsdaten, die nach Projektende \u00fcber Zenodo zum Download bereitgestellt werden und in das Daten-Portfolio von Text+ eingehen k\u00f6nnen. Die <em>best practices<\/em> und konzeptionellen Herausforderungen beim Paradigmen\u00fcbergang werden in diesem Blogpost kurz aufgezeigt und reflektiert. Die Publikation der digitalen Edition in Form einer Webseite ist als Nebenprodukt des Projekts zu verstehen, das mit m\u00f6glichst sparsamen Ressourcen realisiert werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Beginn des Projekts wurden die in Word-Dokumenten vorliegenden Daten mit <a href=\"https:\/\/oxgarage.tei-c.org\/\">OxGarage<\/a> in TEI transformiert. So entstand f\u00fcr jeden der drei B\u00e4nde der Buchedition eine TEI-Datei, die dann mithilfe von XProc-Pipelines weiter aufger\u00e4umt und angeglichen wurde. Dadurch konnte schlie\u00dflich der Inhalt aller drei B\u00e4nde in einer TEI-Datei vereinigt werden. Im Anschluss begann die Entwicklung eines editionsspezifischen Datenmodells und die Umwandlung der vorliegenden Daten in das Zielformat. Dabei wurden mehrere \u201eRunden gedreht\u201c und mit jeder Runde der Informationsreichtum und die Komplexit\u00e4t der Daten weiter erh\u00f6ht. Besonders schwierig waren all jene Schritte, die implizite \u201eVerlinkungen\u201c aus der Buchedition in eine explizite Struktur \u00fcbersetzen, wie die Verkn\u00fcpfung von Textstellen mit Apparat und Fu\u00dfnoten oder Verweise im Register auf einzelne Eintr\u00e4ge.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Herausforderungen<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Transformation des Registers stellte die mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Herausforderung dar. Insgesamt wurden 10.444 im Register verzeichnete Schlagworte, Personen und Orte mit IDs versehen und mit 39.697 Verweisen im Editionstext verkn\u00fcpft. Die Verweise im Register konnten dabei den durchnummerierten Eintr\u00e4gen zugeordnet werden, die <em>stellengenaue<\/em> Zuordnung im Text stellte sich jedoch als schwierig heraus. Aufgrund der hohen Schreibungsvarianz der Texte konnten nur circa 30&nbsp;% der im Register normiert aufgef\u00fchrten Named Entities automatisiert stellengenau identifiziert werden, wobei es selbst hier noch eine hohe Fehlerrate gab (sehr h\u00e4ufig wurde nur ein Teil des eigentlich genannten Namens identifiziert, z.&nbsp;B. \u201eKathe\u201c statt \u201eKatherinen\u201c oder \u201eElse\u201c statt \u201eElsen\u201c), sodass auch diese Entit\u00e4ten manuell gepr\u00fcft und korrigiert werden mussten. Dieser Prozess bedeutete einen gro\u00dfen, so nicht vorhergesehenen zeitlichen Aufwand. <\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere Herausforderung stellte die geplante Aufteilung des Registers in die Entit\u00e4tstypen Orte, Personen, Berufe und Schlagworte dar. Die Differenzierung zwischen Personen und Berufen war in der Quelle so unscharf, dass wir auf die Bildung einer expliziten Kategorie der Berufe schlie\u00dflich verzichtet haben. Hier h\u00e4tte die Unterscheidung an den einzelnen Textstellen ein schlicht nicht zur Verf\u00fcgung stehendes Ma\u00df an Zeit gekostet und w\u00e4re auch als Zwang zur Unterscheidung von letztlich nicht klar Unterscheidbarem historisch fragw\u00fcrdig gewesen: Oft l\u00e4sst sich einfach nicht sicher sagen, wann eine Bezeichnung noch den Beruf einer Person meint oder sich schon als Nachname davon abgel\u00f6st hat. Die Trennung der Orte und Personen vom Rest des Registers wurde durch den automatisierten Abgleich mit einer <a href=\"https:\/\/www.albertmartin.de\/vornamen\/\">Liste von Vornamen<\/a> und eines <a href=\"https:\/\/www.lds.sachsen.de\/?ID=2392&amp;art_param=155\">s\u00e4chsischen Gemeindeverzeichnisses<\/a> erleichtert. Die \u00fcbriggebliebenen Entit\u00e4ten (etwa ein Drittel der ca. 10.000 Entit\u00e4ten) mussten manuell einer der drei Kategorien zugewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/rotes-buch-goerlitz.de\/\">Die Webpr\u00e4sentation der digitalen Edition<\/a> sollte demonstrierend ausloten, mit welchem Minimalaufwand aus Forschungsdaten eine digitale Publikation generiert werden kann. Hierf\u00fcr mussten zun\u00e4chst die Mindestanforderungen an eine solche Pr\u00e4sentation ermittelt werden. Die Seite sollte technisch so simpel wie m\u00f6glich aufgebaut sein, um nicht unn\u00f6tig Ressourcen zu beanspruchen und um eine einfache Wartung und den perspektivischen Dauerbetrieb in einem Datenzentrum zu erm\u00f6glichen. Dabei sollten jedoch die f\u00fcr die digitale Edition der Textsorte Stadtbuch spezifischen Funktionalit\u00e4ten bereitgestellt werden. Konkret bedeutete dies den Zugang zu den Eintr\u00e4gen nach Nummer, Chronologie oder Eintragstyp, die stellengenaue Auszeichnung von Named Entities, die explizite Verlinkung von Fu\u00dfnoten, textkritischen Anmerkungen und Named Entities mit Literaturverzeichnis und Register sowie das Einbinden der Faksimiles des Roten Buches \u00fcber einen <a href=\"https:\/\/iiif.io\/\">IIIF<\/a>-Server. Die digitale Publikation verf\u00fcgt \u00fcber ihre <a href=\"https:\/\/rotes-buch-goerlitz.de\/\">eigene Domain<\/a>, sodass sie institutionell unabh\u00e4ngig ist und ggf. auf eine andere Hosting-Einrichtung \u00fcbertragen werden kann. Jeder Editionseintrag und jedes Register-Lemma ist \u00fcber eine eindeutige, von der generierenden Technik unabh\u00e4ngige Adresse ansprechbar und sollte damit langfristig zitierf\u00e4hig sein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Lessons learnt<\/h2>\n\n\n\n<p>Mit einer Reihe von im Zuge des Kooperationsprojekts erstellten XSLT-Skripten werden die Daten in eine einfache <a href=\"https:\/\/rotes-buch-goerlitz.de\/\">Web-Anwendung<\/a> transformiert, die ausschlie\u00dflich auf HTML, CSS und Javascript basiert. F\u00fcr das Design der Webseite wurde auf das CSS-Framework <a href=\"https:\/\/getbootstrap.com\/\">Bootstrap<\/a> in der Version 5.3 zur\u00fcckgegriffen. Zug\u00e4nge zu den Eintr\u00e4gen der Edition bieten \u00dcbersichten nach Jahr und nach Eintragstyp. Jeder edierte Eintrag wird auf einer eigenen HTML-Seite dargestellt (siehe Abb. 1). Neben dem Editionstext, den Apparaten und einem Block mit Metadaten zum Eintrag wird im IIIF-Viewer <a href=\"https:\/\/tify.rocks\/\">Tify<\/a> das Faksimile der jeweiligen Buchseite angezeigt. Au\u00dferdem werden in der Standardansicht der Eintr\u00e4ge Zug\u00e4nge zu den anderen Eintr\u00e4gen angeboten. Diese k\u00f6nnen dort entweder \u00fcber das Jahr oder den Typ ausgew\u00e4hlt werden. Zudem besteht die M\u00f6glichkeit, im Suchfeld nach einer bestimmten Eintragsnummer zu suchen. Neben der Eintragsansicht gibt es ein Register, dessen Struktur dem Register der gedruckten Edition folgt. Hier werden neben den Lemmata alle vorkommenden Schreibvarianten angezeigt \u2013 ein Feature, mit dem die digitale \u00fcber die gedruckte Edition hinausgeht! Verweise auf die Eintr\u00e4ge sind mit der entsprechenden Webseite (des Eintrags) verlinkt. Informationen zur gedruckten und zur digitalen Edition inklusive Literaturverzeichnis kl\u00e4ren \u00fcber die Hintergr\u00fcnde von Edition und Projekt auf.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"286\" src=\"https:\/\/textplus.hypotheses.org\/files\/2025\/02\/Screenshot-Rotes-Buch-500x286.png\" alt=\"In der linken Marginalie kann unter der \u00dcberschrift &quot;Eintr\u00e4ge&quot; nach Typ und nach Jahren sortiert werden. Rechts daneben wird die entsprechende Seite aus dem roten Buch als Faksimile angezeigt. Die rechte Bildh\u00e4lfte enth\u00e4lt das Transkript mit textkritischen Anmerkungen und Sachanmerkungen.\" class=\"wp-image-12049\" srcset=\"https:\/\/textplus.hypotheses.org\/files\/2025\/02\/Screenshot-Rotes-Buch-500x286.png 500w, https:\/\/textplus.hypotheses.org\/files\/2025\/02\/Screenshot-Rotes-Buch-300x172.png 300w, https:\/\/textplus.hypotheses.org\/files\/2025\/02\/Screenshot-Rotes-Buch-150x86.png 150w, https:\/\/textplus.hypotheses.org\/files\/2025\/02\/Screenshot-Rotes-Buch-768x440.png 768w, https:\/\/textplus.hypotheses.org\/files\/2025\/02\/Screenshot-Rotes-Buch-1536x879.png 1536w, https:\/\/textplus.hypotheses.org\/files\/2025\/02\/Screenshot-Rotes-Buch.png 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 1: Screenshot einer Seite (f\u00fcr einen edierten Eintrag) der Webanwendung<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Im Laufe des Projekts stellte sich heraus, dass die Umwandlung einer gedruckten in eine digitale Edition vor allem an den Punkten des Paradigmen\u00fcbergangs \u201edigitalisiert \u2013 (echt) digital\u201c besondere Herausforderungen stellte. Die stellengenaue Auszeichnung der Named Entities, die in digitalen Editionen weitestgehend Standard ist, lie\u00df sich mithilfe der Daten aus der Druckedition nicht einfach so generieren sondern erforderte viel zus\u00e4tzliche manuelle Arbeit, da die dem gedruckten Register zugrundeliegende Logik, Eintragsnummern zu referenzieren, eine \u00dcbertragung auf explizite Text<em>stellen<\/em> nicht zulie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Sobald also die initiale H\u00fcrde der Digitalisierung des gedruckten Textes \u00fcberwunden ist, gilt es zu entscheiden: Mit welchen f\u00fcr ein digitales Paradigma typischen Informationen sollen und k\u00f6nnen die Daten mit den gegebenen Ressourcen zus\u00e4tzlich angereichert werden? Ab diesem Punkt liegt die gr\u00f6\u00dfte Gefahr (wie auch bei <em>born digital<\/em>-Editionen) in der Verzettelung der Arbeiten aufgrund der eigenen st\u00e4ndig steigenden Anspr\u00fcche an das Endprodukt. Das Losl\u00f6sen der Edition von den Grenzen der Buchseite bedeutet ein Mehr an M\u00f6glichkeiten in der Durchf\u00fchrung eines Editionsprojekts. Verlockungen und Versuchungen, die durch bewusste Beschr\u00e4nkungen wieder eingehegt werden m\u00fcssen, um ein Projekt nicht grenzenlos ausufern zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Fall waren es die klar vorgegebenen Faktoren Zeit und Geld, die uns davon abgehalten haben, die Daten noch weiter anzureichern. Hier war unter anderem der Verzicht auf die Markierung von Bildzonen der Faksimiles zur Verortung der Eintr\u00e4ge auf den Manuskriptseiten oder der Abgleich mit Normdaten der erw\u00e4hnten Orte und Personen sehr schmerzhaft. Zwei Features, die man in der gegenw\u00e4rtigen <em>best practice<\/em> digitaler Editionen schon gerne sehen w\u00fcrde\u2026<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Kooperationsprojekt zum ,roten Buch\u2018 ist ein gutes Beispiel f\u00fcr das Ausloten der Aufw\u00e4nde und Nutzen der durchaus anspruchsvollen vertiefenden Retrodigitalisierung von gedruckten Editionen und ihrem paradigmatischen \u00dcbergang zu echten \u201edigitalen\u201c Editionen im Rahmen der aktuellen Standards und <em>best practices<\/em>. Mit einem Finanzrahmen von 60.000\u20ac und einer Laufzeit von 12 Monaten ist genau das Geschilderte zu erreichen. Nicht weniger und nicht mehr. Wir glauben, dass sich solche Datafizierungs- und Kuratierungsarbeiten zur besseren Verf\u00fcgbarkeit und Nutzbarkeit von grundlegender wissenschaftlicher Erkenntnisarbeit (hier: der Editoren) lohnt. Ob das stimmt, wird man aber erst in der Zukunft daran sehen k\u00f6nnen, ob eine dauerhafte Bereitstellung nicht nur der Daten (auf <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.5281\/zenodo.14582041\">Zenodo<\/a> und im Text+-Portfolio), sondern auch der Anwendung (im <a href=\"https:\/\/dch.phil-fak.uni-koeln.de\/\">Data Center for the Humanities der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln<\/a>) gelingt und weitere algorithmische oder hermeneutische Nutzungen z.\u00a0B. zur Beantwortung von Fach-Forschungsfragen erfolgen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h3>\n\n\n\n<p>Liber Vetustissimus Gorlicensis. Das \u00e4lteste G\u00f6rlitzer Stadtbuch\/Najstarsza ksi\u0119ga miejska zgorzelecka 1305\u20131416. Edition und Kommentar. Hg. von Christian Speer, Krzysztof Fokt und Maciej Miku\u0142a. Fontes Iuris Polonici. Prawo Miejskie 5\u20137, 3 Bde., Krakau: Societas Vistulana\/G\u00f6rlitz: Oettel, 2017\u20132020.<\/p>\n\n\n\n<p>Sahle, Patrick: What is a Scholarly Digital Edition (SDE)? In: <a href=\"http:\/\/www.openbookpublishers.com\/product\/483\/digital-scholarly-editing--theories-and-practices\">Digital Scholarly Editing. Theory, Practice and Future Perspectives<\/a>. Hg. von Matthew Driscoll und Elena Pierazzo. Cambridge: Open Book Publishers, 2016, S. 19\u201339. DOI: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.11647\/OBP.0095.02\">10.11647\/OBP.0095.02<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor:innen: Jana Klinger, Patrick Sahle<br \/>\nDas ,rote Buch\u2018 der Stadt G\u00f6rlitz geh\u00f6rt zu den \u00e4ltesten noch erhaltenen mittelalterlichen Stadtb\u00fcchern im deutschsprachigen Raum. 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