{"id":10062,"date":"2024-04-02T09:48:34","date_gmt":"2024-04-02T07:48:34","guid":{"rendered":"https:\/\/textplus.hypotheses.org\/?p=10062"},"modified":"2024-04-02T09:49:41","modified_gmt":"2024-04-02T07:49:41","slug":"zum-stand-der-forschungsdaten-in-den-digitalen-geisteswissenschaften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/textplus.hypotheses.org\/10062","title":{"rendered":"Zum Stand der Forschungsdaten in den digitalen Geisteswissenschaften"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#f1f1f1\"><em>Dieser Beitrag \u00fcber die DHd2024 entstand mit Unterst\u00fctzung eines Reisekostenstipendiums von <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/nfdi4culture.de\/de\/index.html\" target=\"_blank\">NFDI4Culture<\/a> und ist eine Zweitver\u00f6ffentlichung. Hiermit m\u00f6chte ich mich herzlich bei NFDI4Culture f\u00fcr die Finanzierung der Reise bedanken. Der Originalbeitrag ist auf dem <a href=\"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=20760\" target=\"_blank\" rel=\"canonical noopener\">DHd-Blog<\/a> erschienen.<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"720\" height=\"340\" src=\"https:\/\/textplus.hypotheses.org\/files\/2024\/04\/Forschungsdaten_DH_AI.jpg\" alt=\"Netzwerk mit B\u00fcchern, Computermonitor, Kugeln, Gl\u00fchbirnen und anderen Symbolen, die auf Wissenschaft referieren\" class=\"wp-image-10065\" srcset=\"https:\/\/textplus.hypotheses.org\/files\/2024\/04\/Forschungsdaten_DH_AI.jpg 720w, https:\/\/textplus.hypotheses.org\/files\/2024\/04\/Forschungsdaten_DH_AI-300x142.jpg 300w, https:\/\/textplus.hypotheses.org\/files\/2024\/04\/Forschungsdaten_DH_AI-500x236.jpg 500w, https:\/\/textplus.hypotheses.org\/files\/2024\/04\/Forschungsdaten_DH_AI-150x71.jpg 150w, https:\/\/textplus.hypotheses.org\/files\/2024\/04\/Forschungsdaten_DH_AI-520x245.jpg 520w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">CC-BY 4.0 Melanie Seltmann, erstellt mit recraft.ai<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p id=\"rekindling\">Forschungsdaten sind nicht zuletzt durch die Konsortien der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.nfdi.de\/\" target=\"_blank\">Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI)<\/a> in (fast) aller Munde. In den Geisteswissenschaften besteht das Bild, dass viele gar nicht realisieren, dass es sich bei ihrem Forschungsgegenstand um Forschungsdaten handelt. Betrachtet man allerdings die mannigfaltigen Definitionen von Forschungsdaten \u2013 etwa von <a href=\"https:\/\/textplus.hypotheses.org\/10062#kindling\" data-type=\"URL\">Kindling und Schirmbacher (2013)<\/a> \u201cForschungsdaten bezeichnen (digitale) Daten, die je nach Fachkontext Gegenstand eines Forschungsprozesses sind, w\u00e4hrend eines Forschungsprozesses entstehen oder sein Ergebnis sind\u201d \u2013 so wird schnell klar, dass wohl die meisten, wenn nicht gar alle, Wissenschaffenden es mit Forschungsdaten zu tun haben. Innerhalb der digitalen Geisteswissenschaften sollte das Verst\u00e4ndnis hierf\u00fcr wesentlich weiter ausgebaut sein. Auch wenn die NFDI allgemein mit Weiterbildungen, Vortr\u00e4gen und sonstiger Wissenschaftskommunikation f\u00fcr immer mehr Bewusstsein in den gesamten Geisteswissenschaften sorgt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Vorgehen<\/h2>\n\n\n\n<p>Um den aktuellen Stand des Umgangs mit Forschungsdaten in den digitalen Geisteswissenschaften zu untersuchen \u2013 oder zumindest das Schreiben \u00fcber diesen Umgang \u2013 habe ich mir die Einreichungen der <a href=\"https:\/\/dhd2024.dig-hum.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">diesj\u00e4hrigen DHd-Konferenz<\/a> angesehen. Meine Datengrundlage sind die Abstracts, die als Schlagwort <em>Forschungsdaten<\/em>, <em>Daten<\/em>, <em>Metadaten<\/em>, <em>FAIR<\/em>,<em> virtuelle Forschungsumgebung(en) <\/em>oder <em>Infrastruktur <\/em>vergeben haben. Die Abstracts wurden in einer Zotero-Bibliographie gespeichert und als CSV-Datei exportiert. Innerhalb der daraus erstellten Excel Tabelle wurden verschiedene Kategorien annotiert. Diese Kategorien orientieren sich an den Phasen des Datenlebenszyklus (<em>Datenbeschreibung<\/em>, <em>Datenerhebung<\/em>, <em>Datenaufbereitung<\/em>, <em>Datenhaltung\/-speicherung<\/em>, <em>Datenarchivierung <\/em>sowie <em>Datennachnutzung<\/em>). Hier wurde jeweils erfasst, ob die entsprechende Kategorie im Abstract beschrieben wurde. Zudem wurde die entsprechende <em>Disziplin<\/em>, aus der das Abstract stammt, erfasst und, ob die Wissenschaffenden selbst von <em>Forschungsdaten <\/em>schreiben. Ausgewertet wird hieraus nun, welche Abstracts \u00fcberhaupt von <em>Forschungsdaten<\/em> sprechen und in welcher Form. Zudem wird untersucht, ob es disziplin\u00e4re Auff\u00e4lligkeiten gibt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Korpus<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf die eben beschriebene Methode lie\u00dfen sich 42 Abstracts von insgesamt 144 Abstracts herausfiltern, die in das Korpus einflossen (29%). Hierunter fallen 2 <em>Panels<\/em>, 25 <em>Poster<\/em>, 8 <em>Vortr\u00e4ge <\/em>und 7 <em>Workshops<\/em>. Die disziplin\u00e4re Zuordnung wurde anhand der Beschreibungen im Text vorgenommen und war teilweise etwas uneindeutig. Zudem wurden nicht nur F\u00e4cher vergeben, sondern auch breitere Felder wie <em>Editionswissenschaft <\/em>oder eine Kategorie <em>interdisziplin\u00e4r<\/em>. Pro Abstract wurde genau eine Kategorie vergeben. Die meisten Abstracts waren <em>interdisziplin\u00e4r <\/em>(n=14). Jeweils 6 Abstracts geh\u00f6rten zur <em>Geschichtswissenschaft <\/em>oder zur <em>Editionswissenschaft<\/em>. 4 Abstracts kamen aus der <em>Germanistik<\/em>. Jeweils 2 Abstracts stammten aus der <em>Kulturwissenschaft<\/em>, <em>Kunstgeschichte<\/em>, den <em>Regionalstudien <\/em>oder der <em>Romanistik <\/em>und mit jeweils 1 Abstract waren die<em> Klassische Philologie<\/em>, die <em>Musikwissenschaft<\/em>, die <em>Theaterwissenschaft <\/em>sowie die <em>Theologie <\/em>vertreten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Begriff der Forschungsdaten<\/h2>\n\n\n\n<p id=\"repultar\">In insgesamt 12 Abstracts wurde der Begriff <em>Forschungsdaten <\/em>explizit verwendet, auch wenn weitere Abstracts Daten durchaus in einem Forschungsdatenverst\u00e4ndnis aufgef\u00fchrt haben. Diese 12 Abstracts verteilen sich zum einen auf 71% aller <em>Workshops <\/em>(n=5), 50% aller <em>Panel <\/em>(n=1), 20% der <em>Poster <\/em>(n=5) sowie 13% aller <em>Vortr\u00e4ge <\/em>(n=1). Disziplin\u00e4r verteilen sich die entsprechenden Abstracts zu jeweils 50% auf die <em>Kulturwissenschaft <\/em>(n=1) und die <em>interdisziplin\u00e4ren <\/em>Abstracts (n=7) sowie zu jeweils 33% auf die <em>Geschichtswissenschaft <\/em>(n=2) sowie die <em>Editionswissenschaft <\/em>(n=2). In der H\u00e4lfte der Abstracts geht es um das Thema <em>Forschungsdatenmanagement <\/em>oder einen Teilbereich daraus (n=6). Lediglich 2 Abstracts behandeln eine disziplin-origin\u00e4re Forschungsfrage (<a href=\"https:\/\/textplus.hypotheses.org\/10062#pultar\" data-type=\"URL\">Pultar et al. 2024<\/a>; <a href=\"https:\/\/textplus.hypotheses.org\/10062#goedel\">G\u00f6del et al. 2024<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Diskussion der Ergebnisse<\/h2>\n\n\n\n<p id=\"regerber\">Insgesamt kann man feststellen, dass das Thema <em>Forschungsdaten<\/em> durchaus pr\u00e4sent in der DH-Community ist. Auch in den Beitr\u00e4gen, die nicht explizit von <em>Forschungsdaten<\/em> reden, sind insbesondere die Bereiche <em>Datenbeschreibung<\/em>, <em>Datenaufbereitung<\/em> sowie <em>Datenhaltung\/-speicherung<\/em> beschrieben. Und keines der Abstracts l\u00e4sst die Vermutung aufkommen, dass die behandelten Daten nicht als <em>Forschungsdaten<\/em> aufgefasst w\u00fcrden. Durchaus besonders ist auch die Besch\u00e4ftigung mit dem <em>Forschungsdatenmanagement<\/em> als solchem. In nur wenigen disziplinspezifischen Tagungen wird dem eine ganze Reihe von eigenen Beitr\u00e4gen gewidmet, von der <em>Informationswissenschaft<\/em> einmal abgesehen. Die hier behandelten Themen reichten etwa vom <em>gr\u00fcnen Forschungsdatenmanagementplan <\/em>(<a href=\"https:\/\/textplus.hypotheses.org\/10062#gerber\">Gerber und Rosendahl 2024<\/a>) \u00fcber <em>barrierefreien Umgang mit Forschungsdaten<\/em> (<a href=\"https:\/\/textplus.hypotheses.org\/10062#wunsch\">Wunsch et al. 2024<\/a>) bis hin zu konkreten <em>Hilfestellungen zu Datenmanagementpl\u00e4nen in den Computational Literary Studies<\/em> (<a href=\"https:\/\/textplus.hypotheses.org\/10062#jung\">Jung et al. 2024<\/a>). Neben den betrachteten Abstracts gab es zudem noch einen Stand von der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.5281\/zenodo.3265763\" target=\"_blank\">Memorandumsgruppe <\/a>der vier geisteswissenschaftlichen NFDI-Konsortien <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/nfdi4culture.de\/de\/index.html\" target=\"_blank\">NFDI4Culture<\/a>, <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/text-plus.org\/\" target=\"_blank\">Text+<\/a>, <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/4memory.de\/\" target=\"_blank\">NFDI4Memory<\/a> und<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.nfdi4objects.net\/\" target=\"_blank\">NFDI4Objects <\/a>sowie <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/base4nfdi.de\/\" target=\"_blank\">Base4NFDI<\/a>, an dem man sich beraten lassen konnte, Gespr\u00e4che (nicht nur) \u00fcber <em>Forschungsdaten <\/em>f\u00fchren konnte sowie das ein oder andere schicke Merch bekommen hat.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bibliographie<\/h2>\n\n\n\n<p id=\"gerber\">Gerber, Anja und Lisa Rosendahl. 2024. Der Weg zum gr\u00fcnen Forschungsdatenmanagementplan. doi: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.5281\/zenodo.10698392\" target=\"_blank\">10.5281\/zenodo.10698392<\/a>. <a href=\"https:\/\/textplus.hypotheses.org\/10062#regerber\">\u2b0f<\/a><\/p>\n\n\n\n<p id=\"goedel\">G\u00f6del, Martina, Lou Klappenbach, Ruth Sander und Markus Schn\u00f6pf. 2024. Wer sind die Herausgeber:innen Digitaler Editionen? Eine Untersuchung zur Repr\u00e4sentation von Digital Humanities-Wissenschaftler:innen. doi: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.5281\/zenodo.10698446\" target=\"_blank\">10.5281\/zenodo.10698446<\/a>. <a href=\"https:\/\/textplus.hypotheses.org\/10062#repultar\">\u2b0f<\/a><\/p>\n\n\n\n<p id=\"jung\">Jung, Kerstin, Patrick Helling und Steffen Pielstr\u00f6m. 2024. Vom DMP zum DDP \u2013 Erstellen fachspezifischer Datenmanagementpl\u00e4ne f\u00fcr die Computational Literary Studies im Research Data Management Organizer (RDMO). doi: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.5281\/zenodo.10698436\" target=\"_blank\">10.5281\/zenodo.10698436<\/a>. <a href=\"https:\/\/textplus.hypotheses.org\/10062#regerber\">\u2b0f<\/a><\/p>\n\n\n\n<p id=\"kindling\">Kindling, Maxi und Peter Schirmbacher. 2013. \u201eDie digitale Forschungswelt\u201c als Gegenstand der Forschung \/ Research on Digital Research \/ Recherche dans la domaine de la recherche num\u00e9rique: Lehrstuhl Informationsmanagement \/ The informationmanagement department \/ La section gestion de l\u2019information \u00e0 l\u2019IBI. <em>Information &#8211; Wissenschaft &amp; Praxis<\/em> 64, Nr. 2\u20133: 127\u2013136. doi: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.1515\/iwp-2013-0017\" target=\"_blank\">10.1515\/iwp-2013-0017<\/a>. <a href=\"https:\/\/textplus.hypotheses.org\/10062#rekindling\">\u2b0f<\/a><\/p>\n\n\n\n<p id=\"pultar\">Pultar, Yannick, Christina Abel, Matthias Weber, Dominik Kasper und Andreas Kuczera. 2024. Vernetzte Forschungsdaten &#8211; wer kennt wen im Mittelalter? doi: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.5281\/zenodo.10698303\" target=\"_blank\">10.5281\/zenodo.10698303<\/a>. <a href=\"https:\/\/textplus.hypotheses.org\/10062#repultar\">\u2b0f<\/a><\/p>\n\n\n\n<p id=\"wunsch\">Wunsch, Samuel, Katrin Anna Lehnen, Katrin Henzel und Andreas Christ. 2024. Offen \u2013 frei zug\u00e4nglich \u2013 f\u00fcr alle? Partizipative Ans\u00e4tze zum barrierefreien Umgang mit Forschungsdaten. doi: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.5281\/zenodo.10698481\" target=\"_blank\">10.5281\/zenodo.10698481<\/a>. <a href=\"https:\/\/textplus.hypotheses.org\/10062#regerber\">\u2b0f<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Forschungsdaten sind nicht zuletzt durch die Konsortien der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) in (fast) aller Munde. 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