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Suchsyntax und Erwartungen der Nutzenden: Eindrücke vom FCS-Usability-Workshop der TA Collections

Symboldbild FCS

Wie sucht man eigentlich in verteilten sprach- und textbasierten Sammlungen – und zwar so, dass sowohl Expert*innen als auch Gelegenheitsnutzende ans Ziel kommen? Mit dieser Frage beschäftigte sich am 24. April ein Expert*innen-Workshop in Leipzig an der Deutschen Nationalbibliothek zur Weiterentwicklung der Federated Content Search (FCS).

Die FCS ist eine zentrale Suchanwendung des Text+ Konsortiums und ermöglicht die Recherche über zahlreiche, verteilt vorliegende Datenbestände. Ziel des Workshops war es, Anforderungen aus der Fachcommunity zu sammeln und Perspektiven für die Weiterentwicklung der Plattform zu diskutieren. Oder kurz gesagt: Wie wird aus einer leistungsfähigen Suchmaschine auch eine benutzungsfreundliche?

Was bereits überzeugt

Die Organisatoren des Workshops von der Deutschen Nationalbibliothek und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig stellten den Teilnehmenden die zu diesem Zeitpunkt noch unveröffentlichte und insbesondere hinsichtlich verbesserter User Experience überarbeitete Benutzeroberfläche vor. Diese diente im Workshop als Grundlage für Überlegungen zu weiteren Verbesserungen. Verschiedene Aspekte der Überarbeitung erhielten positive Resonanz, wie zum Beispiel die explorativen Ansätze sowie die bereits im User Interface (UI) integrierten Anfrage-Beispiele. Gerade die Idee, Nutzende der FCS durch unmittelbar ausführbare Beispiele an komplexere Suchmöglichkeiten heranzuführen, bewerteten die Teilnehmenden als vielversprechend. Auch die kontinuierlich aktualisierte Anzeige der Suchergebnisse stieß auf Zustimmung: Resultate erscheinen bereits, während andere Ressourcen noch nicht geantwortet haben. Das schafft Transparenz und verkürzt gefühlt die Wartezeit. Ebenso wurde die – aktuell noch prototypische – Integration einer LLM-gestützten Anfrageformulierung positiv diskutiert.

Transparenz als zentrales Thema

Bei einer föderierten Infrastruktur, die verteilte Ressourcen zusammenführt, ist nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich, warum bestimmte Ergebnisse (nicht) erscheinen. Daher war die Transparenz der Suche ein wichtiges Thema.

Die Gruppe diskutierte darüber, wie Einschränkungen und Besonderheiten einzelner Ressourcen besser sichtbar gemacht werden können: Gibt es einen Rückverweis zur Originalressource? Unterstützt ein Endpunkt bestimmte Annotationsebenen oder Suchfelder? Warum liefern manche Ressourcen keine Treffer oder reagieren langsamer als andere? Viele Teilnehmende wünschten sich hier klarere Rückmeldungen und verständlichere Hinweise im UI.

Auch zu einer verbesserten Übersicht über den laufenden Suchprozess wurden verschiedene Aspekte besprochen: Welche Ressourcen wurden tatsächlich durchsucht? Wo sind Timeouts aufgetreten? Gerade in einem verteilten System wie der FCS entsteht schnell der Eindruck, eine Suche sei „kaputt“, obwohl die Ursache häufig in einzelnen Endpunkten liegt.

Mehrere Personen äußerten daher den Wunsch, die Oberfläche stärker nach dem Prinzip „sichtbar statt vermutet“ zu gestalten: Ein ausgegrauter Button mit Erklärung sei häufig hilfreicher als eine Funktion, deren Fehlen erst durch Ausprobieren auffällt. Transparenz bedeute in diesem Zusammenhang nicht nur mehr Informationen, sondern vor allem die richtigen Informationen zur richtigen Zeit.

Qualität als Gemeinschaftsaufgabe

Ein weiterer Schwerpunkt war die Qualität der angeschlossenen Ressourcen. Einige Endpunkte liefern unvollständige Ergebnisse, reagieren langsam oder bauen zusätzliche Hürden wie gesonderte Logins auf. Technisch mögen die Ursachen unterschiedlich sein – für Nutzende ergibt sich jedoch stets dieselbe Erfahrung: Die Suche funktioniert nicht wie erwartet.

Daraus entstand die Diskussion, ob es künftig stärkere Qualitätskriterien oder automatische Testfälle für angeschlossene Ressourcen geben sollte. Schließlich hilft auch die beste Suchoberfläche hilft nur, wenn die zugrunde liegenden Daten oder Schnittstellen nicht zuverlässig arbeiten.

Zielgerichtete Hilfefunktionen

Als dritter inhaltlicher Schwerpunkt stand die Dokumentation der FCS-Oberfläche auf dem Prüfstand. Die Teilnehmenden wünschten sich verständlichere Hilfetexte, bessere Erklärungen zur Suchsyntax, mehr Beispielsuchen und Hinweise auf Anfrageformulierung mit regulären Ausdrücken oder Sonderzeichensuchen. Auch Begrifflichkeiten wurden hinterfragt: Ist „Erweiterte Suche“ wirklich die passende Bezeichnung – oder weckt sie Erwartungen an komplexe Eingabeformulare, die gar nicht erfüllt werden sollen?

Die Diskussion machte deutlich: Leistungsfähigkeit und Verständlichkeit stehen nicht im Widerspruch. Gerade komplexe Forschungsinfrastrukturen profitieren von Oberflächen, die ihre Möglichkeiten verständlich vermitteln.

Themenvielfalt

Die Vielzahl an weiteren Themen kann hier nur kurz aufgeführt werden:

  • die Möglichkeit teilbarer und persistenter Suchergebnisse,
  • Ausschlussfilter für die Ressourcen-Auswahl („Suche in allen Korpora außer …“),
  • Gruppierungen von Sprachen nach Sprachfamilien als Teil des Ressourcen-Filters,
  • Ressourcenauswahl nach unterstützten Annotationsebenen sowie
  • ein möglicher „Ressourcen-Explorer“ mit alternativen Formen der Ressourcenübersicht.

Fazit

Der Workshop belegte, dass die Weiterentwicklung der FCS weit mehr ist als eine technische Aufgabe. Es geht um Erwartungen von Nutzenden, Transparenz und die Herausforderung, verteilte Systeme so zu gestalten, dass die technische Komplexität der Plattform kaum wahrnehmbar ist.

Für die rege Diskussion und die eingebrachten Ideen bedanken sich die Organisatoren des Workshops von der Deutschen Nationalbibliothek (Arden Zimmermann, Leander Seige, Philippe Genêt) und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig (Erik Körner, Hagen Beelitz, Thomas Eckart, Uwe Kretschmer) sehr herzlich bei allen Teilnehmer*innen!


Nur der Text ist unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International nutzbar. Alle anderen Elemente (Abbildungen, importierte Anhänge) sind „Alle Rechte vorbehalten“, sofern nicht anders angegeben.


OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Thomas Eckart (22. Juli 2026). Suchsyntax und Erwartungen der Nutzenden: Eindrücke vom FCS-Usability-Workshop der TA Collections. Text+ Blog. Abgerufen am 26. Juli 2026 von https://doi.org/10.58079/16lv4


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