Ein eiskalter Mörder?
Inhaltsangabe zum Roman „Der Fremde“ von Albert Camus, erstellt von Birgit Heinrich

Protagonist und Ich-Erzähler Meursault ist ein etwa dreißigjähriger Büroangestellter. Spielort ist Algier und die nähere Umgebung in den 30iger Jahren. Er lebt scheinbar ziellos in den Tag hinein. Es beginnt mit dem Tod seiner Mutter, die er vor drei Jahren in ein ca. 80 km entferntes Altersheim brachte, da er finanziell nicht in der Lage war, sie bei sich zu behalten und eine Pflegerin zu bezahlen. Er bittet seinen Chef um 2 Tage Urlaub und fährt mit dem Autobus zur Beerdigung. Man wundert sich, dass er weder Trauer zeigt noch das genaue Alter seiner Mutter wusste. Auch will er die Leiche nicht sehen. Die Umstände, wie Totenwacht, der Gang zum Friedhof und Gespräche mit Angestellten werden genau, lakonisch und knapp beschrieben. Ein alter Mann, der als Einziger von den Heiminsassen dabei sein durfte, brach wegen der großen Hitze zusammen. Er war der Freund der Mutter gewesen. Als Meursault nach Algier zurückkommt, ist Wochenende und er geht in eine Badeanstalt. Dort trifft er zufällig Maria Cardona, die als Stenotypistin bei seiner Firma gearbeitet hatte. Er genießt den Tag, den Himmel und das Zusammensein mit Maria. Nach dem Baden gehen beide ins Kino und sehen einen Film mit Fernandel. Anschließend gehen sie in seine Wohnung. Maria ist überrascht, als er ihr erzählt, dass seine Mutter gestern (oder vorgestern) gestorben war. Am Abend denkt er darüber nach, dass Mama nun begraben war, er morgen wieder seine Arbeit tun würde und dass sich eigentlich nichts geändert hatte. Am Montag fragte ihn sein Chef, ob er nicht nach Paris gehen möchte, um ein neues Büro zu leiten. Meursault ist auch das gleichgültig. Ein greiser Wohnungsnachbar hat einen Hund mit einer schweren Hautkrankheit. Er behandelt ihn schlecht, als der Hund aber später nicht mehr auftaucht, ist der Nachbar sehr traurig. Ein anderer Nachbar, Raymond Sinter, bittet ihn, einen Brief an seine letzte Geliebte, eine Maurin, zu schreiben. Er will sie noch einmal in seine Wohnung locken und bestrafen. Sie hätte ihn betrogen. Meursault erledigt das Schreiben. Als die Frau ankommt, schlägt Raymond sie, Nachbarn holen die Polizei. Meursault macht eine Aussage zu Gunsten Raymonds. Mit Maria trifft sich M. mehrfach, sie liebt ihn und will ihn heiraten. M. ist das gleichgültig, er begehrt Maria, hält eine vorgeschlagene Ehe aber für bedeutungslos. Raymond läd Maria und M. zu einem Freund namens Masson in dessen Strandhaus ein. Sie werden von zwei Arabern beobachtet, einer ist der Bruder der Maurin. Bei einer Strandwanderung kommen ihnen diese entgegen, obwohl sie ruhig bleiben, geht Raymond auf den Bruder der Maurin los und verprügelt ihn. Dieser zieht ein Messer und verletzt Raymond. Ein Arzt verbindet R. Raymond nimmt einen Revolver und geht wieder los, er will den Bruder erschießen. Meursault empfiehlt ihm aber einen Faustkampf, Raymond gibt ihm den Revolver. Die Araber ziehen sich wieder zurück. Trotz großer Hitze geht M. noch einmal zum Strand, findet den Bruder und erschießt ihn, zunächst mit einer Kugel, dann schießt er noch einmal viermal. Bei der Verhaftung leugnet er die Tat nicht, zeigt keine Reue und verzichtet auf einen Anwalt. Er bekommt einen Pflichtverteidiger. Im Laufe der Haft sehnt er sich anfangs nach Freiheit, Schwimmen, Rauchen und Frauen. Später verbringt er die Zeit mit Erinnerungen an sein früheres Leben. Er weiß nicht, warum er den Araber erschossen hat, vielleicht wegen der großen Hitze. Der Staatsanwalt fordert die Todesstrafe, es wäre vorsätzlicher Mord gewesen. Meursaults offensichtliche Gleichgültigkeit wird als Kaltblütigkeit definiert, da er nicht im Stande ist und es vor allem auch nicht sein will, Reue zu heucheln. Ihm wird weniger der eigentliche Totschlag angelastet als sein außer gesellschaftlicher Normen gezeigtes Verhalten, die Gleichgültigkeit über den Tod seiner Mutter und die Ablehnung christlichen Gedankengutes. Aber wie seine Mutter, und das verbindet sie durchaus, hat er Freude an der Natur.


Der Pflichtverteidiger versucht erfolglos, mildernde Umstände zu erwirken. Den Prozess verfolgt M. nur z.T. interessiert, er wundert sich, dass ihn eigentlich niemand befragt. Das Gericht verurteilt ihn zum Tode durch die Guillotine. Meursault erstellt ein Gnadengesuch, das abgelehnt wird. Beim letzten Besuch durch einen Geistlichen wird er handgreiflich. Er blickt dem Tod gefasst entgegen und wird zum ersten Mal empfänglich für die „zähe Gleichgültigkeit der Welt.“
Vita Albert Camus
Albert Camus (1913–1960) war ein bedeutender französischer Schriftsteller, Philosoph und Vertreter des Existenzialismus bzw. der Philosophie des Absurden. Albert Camus wurde am 7.11.1913 in Mondovi, (Französisch-Algerien) geboren. Er war Schriftsteller, Philosoph, Religionskritiker, und einer der bedeutendsten Autoren Frankreichs des 20. Jahrhunderts. Er hatte französische und spanische Wurzeln.


- 1930: Abitur in Algier; erste schwere Erkrankung an Tuberkulose, die ihn zeitlebens begleitet.
- 1932–1936: Studium der Philosophie in Algier; Eintritt in die Kommunistische Partei (später wieder ausgetreten).
- 1940: Umzug nach Paris; Arbeit als Journalist.
- 1942: Durchbruch als Schriftsteller mit dem Roman Der Fremde und dem Essay Der Mythos von Sisyphos (Kern seiner “Philosophie des Absurden“
- 1940er–1950er: Engagierter Publizist und Mitglied der französischen Résistance. Schreibt weltbekannte Werke wie „Die Pest“
- 1957: Auszeichnung mit dem Nobelpreis für Literatur
- 1960: Stirbt am 4. Januar bei einem Autounfall in der Nähe von Villeblevin
Romane in der SLUB (Auswahl)
Der nächste Literaturzirkel findet am 02. Juli 2026 um 16.30 Uhr zum Buch von Milan Kundera “Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins” auf der August-Bebel-Straße 18 statt.
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petrametzelthin (21. Juni 2026). Ein eiskalter Mörder? SLUB TextLab. Abgerufen am 26. Juli 2026 von https://doi.org/10.58079/16frx

