Wenn das Leben in einer Warteschleife steckt
Inhaltsangabe zum Roman „Und Großvater atmete mit den Wellen“ von Trude Teige, erstellt von Petra Metzelthin
Fischer: Frankfurt/M. 2024; Aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob
Der vorliegende Roman, der zweite Band einer Triologie, basiert auf dokumentierten und erzählten Begebenheiten.
Vorab:

Die Republik Indonesien war 1799 bis 1949 als Niederländische Kolonie unter dem Namen Niederländisch-Indien bekannt. Die Einheimischen spürten die Eingriffe in ihr Wirtschaftsleben. Immer höhere Abgaben und Steuern machten ihnen zu schaffen. Als Japan im zweiten Weltkrieg Niederländisch-Indien besetzte, lebten viele Niederländer und andere Europäer wegen des günstigen Klimas und des gehobenen Lebensstandards auf der Insel. Die japanische Armee errichtete sofort Kriegsgefangenen- und Internierungslager für die alliierten Kriegsgefangenen und Bürger der Länder, mit denen sie sich im Krieg befanden. Mit Fortschreiten des Krieges verschlechterten sich die Zustände (Mangel an Nahrung, Medikamenten, sanitären Einrichtungen) für die inhaftierten Menschen.
Japan kapitulierte im September 1945 und indonesische Nationalisten riefen am 17. August 1945 eine unabhängige Republik Indonesien aus.
Die Insel Java, um die es im Roman hauptsächlich geht, ist das wirtschaftliche und geografische Zentrum Indonesien.
Inhalt:
In der Schule hat die Lehrerin gefragt, was wir über den Krieg wissen, und da habe ich erzählt, dass ich auf Java in einem Gefangenenlager war. Die anderen haben mich ausgelacht, und die Lehrerin meinte, ich hätte eine lebhafte Phantasie….
teilt Ingerid 1947 in einem Brief dem Freund ihrer verstorbenen Schwester mit.
Bis heute wissen viele Menschen nicht, was sich während des zweiten Weltkrieges außerhalb Europas abgespielt hat. Der Roman von Trude Teige erzählt anschaulich, in eine nachvollziehbare Handlung gebettet, von den menschenverachtenden Zuständen in den Internierungslagern.
Im April 1942 wird ein Rettungsboot vor der Küste von Java von den Japanern aufgegriffen. Im Boot befindet sich neben Seemännern des Handelsschiffes „Anitra“ der norwegische Funker Sverre. Sein Bruder Konrad überlebt auf einem anderen kleinen Boot, bis er von Fischern gerettet wird, die ihn ins Krankenhaus bringen. Sigrid, die Krankenschwester und Konrad verlieben sich.
Sverre, Konrad, Sigrid, sowie deren Schwester Ingerid und Mutter Henny Greve werden in verschiedene Internierungslager gebracht. Sigrid arbeitet als Krankenschwester und Henny muss sich auf einer Plantage unter Hitze und greller Sonne schinden. Nach einiger Zeit werden sie in ein weit entferntes Kirchen-Frauenlager umgesiedelt. Es gibt wenig zu Essen und kleinste Vergehen gegen die Regeln bestrafen die Wärter grausam. Ebenso ergeht es Konrad, bis ein neuer Lagerkommandant seinen Dienst antritt: Gentleman Jim. Dieser erlaubt den Männern Freiheiten bis hin zur Aufführung eines Theaterstücks.
Im Laufe der Monate sind alle Gefangene bis zur Unkenntlichkeit abgemagert, viele sterben an Unterernährung. Das Jahr 1945 bringt neue Hoffnung auf ein Kriegsende und damit auf die Freilassung. Sverre, Konrad und Sigrid finden sich, doch Sverre stirbt bald nach dem Wiedersehen an den Folgen der schlimmen Haftbedingungen.
Die rote Armee ist auf dem Vormarsch, Hitler ist tot und endlich, am 14.08.1945 erklärt Kaiser Hirohito die Kapitulation Japans. Der Krieg ist vorbei, die Engländer haben das Kommando übernommen; trotzdem verbleiben vorerst die Internierten in den Lagern. Aber es geht ihnen besser: Rot-Kreuz-Pakete, mit Nahrung, Kleidung und Medikamenten werden verteilt und für Sauberkeit wird gesorgt.
Als es soweit ist und die Greves nach Hause können, erleben sie bürgerkriegsähnliche Zustände auf Java: Indonesier gegen Europäer. Sigrid wird auf einem Lastwagen, der sie zum Hafen bringen soll, tödlich verletzt. Konrad macht sich schwere Vorwürfe.
Deshalb kann er nicht gleich in sein Heimatland Norwegen reisen, er arbeitet beim Bau in London, schläft unter einer Brücke, hat Alpträume und mustert schließlich auf der „MIS Louise“ an. In Bremerhaven lernt er Thekla, ein „Deutschenmädchen“, und ihr Kind kennen, das er schließlich mit nach Norwegen nimmt. Wenigstens ein Leben will er retten.

Das Schicksal des Deutschenmädchens beschreibt Trude Teige im ersten Band der Triologie.
Band 1: Als Großmutter im Regen tanzte
Band 2: Und Großvater atmete mit den Wellen
Band 3: Wir sehen uns wieder am Meer
Trude Teige
Trude Teige wurde am 27. Juni 1960 in Asker, Norwegen geboren.
Nachdem Trude Teige die Schule abgeschlossen hatte, arbeitete sie als Übersetzerin und Journalistin. Sie war beim norwegischen Fernsehen als Nachrichtensprecherin, Reporterin und als Programmmanagerin tätig.
Ihre Werke standen monatelang auf den SPIEGEL-Bestsellerlisten und wurden in viele Sprachen übersetzt. Trude Teige hat drei erwachsene Kinder und lebt mit ihrer Familie am Oslofjord und in Grimstad in Südnorwegen.
Ich hatte das Glück, Trude Teige am 06.02.2024 während einer Lese-Veranstaltung in der SLUB Dresden zu erleben. Sympathisch berichtete sie über ihre Recherchen zum Buch “Als Großmutter im Regen tanzte”. Nicht nur Dokumente und einschlägige Bücher lagen ihrem Roman zugrunde, sondern und vor allem Gespräche mit Betroffenen, bzw. ihren Nachkommen.
In der SLUB sind vorhanden:
Zahlreiche Werke sind in den Städtischen Bibliotheken vorhanden.
OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
petrametzelthin (3. Juni 2026). Wenn das Leben in einer Warteschleife steckt. SLUB TextLab. Abgerufen am 26. Juli 2026 von https://doi.org/10.58079/16c0s

