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Sonntag, 2. März 2025

Drei Tage bei den Kelten - Tag 1: Interview mit der Autorin


Liebe Heidrun, ich freue mich, dass du dir anlässlich des Erscheinens deines neuen Buches "Die Tochter der Kelten", das bereits das zwölfte aus deiner Feder ist, Zeit für ein Interview genommen hast, mit dem wir auch sogleich starten ...

Wer oder was hat dich inspiriert, einen historischen Roman zu schreiben, der in der Hallstattzeit und damit einer eher unbekannten Epoche angesiedelt ist?

Zum einen waren es die Kelten selbst, die mir bei einem Besuch im Keltenmuseum Hochdorf/Enz zum ersten Mal auf diese Weise begegnet sind. Zum anderen war es die Tatsache, dass noch wenig über sie geschrieben wurde. Auch als Leserin lasse ich mich gerne in neue unbekanntere Epochen unserer Vergangenheit entführen. Es hat mir großen Spaß gemacht das Wissen über die Hallstattzeit zusammenzutragen und eine Erzählung über eine Zeit zu kreieren, die viele noch nicht kennen.

Wie lange hat es von der ersten Idee bis zum fertigen Ergebnis gedauert?

Tatsächlich einige Jahre. Meine Kinder waren noch recht jung, als wir in das Keltenmuseum im schwäbischen Hochdorf aufbrachen. Nun sind sie erwachsen. Es gab noch so viel anderes zu schreiben, was zuvor erledigt werden musste. Vergessen habe ich dieses Thema allerdings nie. Vor zwei Jahren fragte mich dann meine Agentin, ob ich mir einen Plot für einen Keltenroman vorstellen könnte. Natürlich konnte ich das. Ich war sofort Feuer und Flamme. Und so nahm die Gestaltung der Geschichte ihren Lauf.  

Wie hast du dir die Zeit und Orte der Ereignisse erschlossen? Und gibt es etwas, das dich bei deinem Recherchen besonders überrascht hat?

Zunächst habe ich die Handlungsorte besucht, um mir ein Bild von der Örtlichkeit zu verschaffen. Hinzu kamen Museumsbesuche und jede Menge Fachliteratur. Ich habe alles gelesen, was mir in die Hände fiel: Forschungsergebnisse über Glaubensvorstellungen, die Druiden, keltische Sprachforschung, archäologische Abhandlungen bis hin zur Herstellung keltischer Kleidung durch die experimentelle Archäologie. Darüber hinaus stand mir Prof. Dr. Knopf vom Keltenmuseum Hochdorf bei offenen Fragen hilfreich zur Seite.  

Überrascht hat mich die feinsinnige Kunstfertigkeit der Kelten, die in krassem Gegensatz zu ihrem Umgang mit dem menschlichen Leben steht, das man nicht immer als „fein“ bezeichnen kann.

Hattest du ein klares Konzept für die Handlung und Personenführung? Und ist es dir gelungen, dieses einzuhalten, oder gab es während des Schreibens Abweichungen? 

Bevor ich mit einem Roman beginne, habe ich in der Regel ein klares Konzept für das Handeln der Protagonisten. Manchmal entwickeln sie aber auch ein Eigenleben, das meist geringfügige Abweichungen bewirkt. Das liegt daran, dass man die Protagonisten während des Schreibens immer besser kennenlernt. Auch bei den Kelten war es so. Im Großen und Ganzen stimmt die Handlung jedoch mit dem Exposé überein.

Welchen Part (es können auch mehrere sein) beim Schreiben der Geschichte mochtest du und welchen gar nicht?

Da gibt es keinen spezifischen. Am liebsten schreibe ich Texte, bei denen es zur Sache geht. Übergänge, die eine gewissen Zeit überbrücken, um die Ereignisse noch einmal zusammenzufassen oder auf etwas Neues vorzubereiten, mag ich nicht so wirklich.

Da ich davon ausgehe, dass du dich jeder deiner Figuren mit Hingabe widmest, interessiert mich, welche sich leichter entwerfen und darstellen lasse: die "Guten" oder die "Bösen"? Warum, glaubst du, ist das so?

Ich sehe da keinen so großen Unterschied. Da ich mich den Figuren tatsächlich mit Hingabe widme fällt mir beides nicht schwer. Ich suche oft nach einer psychologischen Erklärung, weshalb diese oder jene Figur gut oder böse geworden sein könnte. Was hat sie in der Vergangenheit erlebt und zu dem geformt, was sie heute ausmacht? Das trifft sowohl auf Alenja, als auch auf Airell zu, der sich für die negative Seite entschieden hat.

Bleiben wir noch bei den Protagonisten: Was magst du an deiner Hauptfigur, und welche Eigenschaften stören dich? Wen hast du daneben ins Herz geschlossen?

An Alenja mag ich, dass sie eine Kämpferin ist, die sich trotz schwerer Schicksalsschläge nicht so leicht unterkriegen lässt. Ihre Schönheit ist der große Stolperstein in ihrem Leben, was mich besonders für diese Thema begeistert hat, da die Schönheit in unserer Gesellschaft als großes Ideal gilt. Was ich nicht an ihr mag, ist, dass sie manchmal vielleicht etwas hochnäsig rüberkommt.

Aber ich mag auch Muria mit ihrer kritischen, etwas eigenwilligen Art sehr. Sie beobachtet Alenja mit Vorsicht. Ihr ist mehr am Wohl der Siedlung gelegen, als an einer einzigen Person. Daneben gibt es eine ganze Reihe weiterer sympathischer Charaktere, die mir ans Herz gewachsen sind und auch im 2. Teil der Kelten – Saga eine Rolle spielen werden. Mehr wird nicht verraten. 😊

Dann würde ich gern erfahren, ob du sehr kritisch mit deinen eigenen Werken bist? Wo ordnest du das neue in deinem persönlichen Ranking deiner Bücher ein? Warum?

Ich bin sehr kritisch mit dem, was ich selbst erschaffe. Aber auch wenn man sich große Mühe gibt, ist nicht gesagt, ob die Mischung aus Unterhaltung und Wissensvermittlung geglückt ist und die Leser damit zufrieden sind. Das überwiegend positive Feedback hat mich sicherer gemacht. Inzwischen habe ich meinen eigenen Stil entwickelt und kann auch mit einer negativen Rückmeldung umgehen. Nicht jedem kann meine Art zu schreiben gefallen.

Was das persönliche Ranking meiner Bücher betrifft, so würde ich sagen, dass es immer das neueste Werk ist, das mir am besten gefällt. Das liegt daran, dass mir nach der langen Zeit, in der ich mich mit der Geschichte beschäftigt habe, die Charaktere einfach ans Herz gewachsen sind.

Zu guter Letzt ... Weshalb sollten deiner Meinung nach auch heute noch historische Romane geschrieben und gelesen werden?

Weil man aus der Vergangenheit eine Menge lernen kann. Wer sich mit der Geschichte beschäftigt, kann Zusammenhänge besser verstehen und könnte Wiederholungsfehler vermeiden. Zumindest habe ich diese Hoffnung noch nicht aufgegeben.
 
Liebe Heidrun, nochmals Danke schön für die Beantwortung der Fragen.
 
 
Die Heuneburg, 550 vor Christus. »Deine Tochter wird das Verlangen der Männer wecken und Unrecht wird über jene hereinbrechen, die sie begehren.« So lautet die Prophezeiung des Druiden Triquetos über die noch ungeborene Tochter des Fürsten Cedrych. Die unheilvolle Vorhersage treibt den Fürsten zum Äußersten: Er will das Kind töten lassen, sobald es geboren ist. Doch der Druide hält das für einen Frevel an den Göttern und versteckt das Mädchen. Verborgen vor den Augen der Welt wächst Alenja im Waldhaus der alten Moja auf – bis ihr Vater davon erfährt und sein grausamer Zorn Alenja alles kostet, was sie liebt. Zwar bleibt sie am Leben, aber Cedrych schmiedet bereits Pläne, sie an einen anderen Fürstenhof zu verheiraten. Alenja steht eine gefahrvolle Reise bevor … (Quelle: Verlag)

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Erschienen ist der Roman bei dotbooks. Ich danke der Autorin für die Vermittlung.

Montag, 27. November 2023

Zwei Tage Schatzsuche am Rhein - Tag 2: Interview mit dem Autor

Sei gegrüßt, Ralf, es ist mir eine Freude, dass du dir anlässlich der Veröffentlichung deines neuen Buches Zeit für ein Interview genommen hast. Wir beginnen auch sofort:


Dieser historische Roman ist das ... 

... 15. von mir geschriebene Buch ...

... für das es von der ersten Idee bis zum fertigen Ergebnis...

 ... etwa anderthalb Jahre gedauert hat.

Welchen Part (es können auch mehrere sein) beim Schreiben der Geschichte mochtest du und welchen gar nicht?

Ich schreibe Bücher, um selbst daran Gefallen zu finden. Demnach mag ich eigentlich alles daran. Bei "Die Mission des Goldwäschers" gefällt mir etwa das Tempo, das der Roman bekommen hat. Ich habe letztens mal gesagt, es handelt sich um eine Mischung aus Alexandre Dumas' "Die Drei Musketiere" und "Illuminati" von Dan Brown.

Bist du sehr kritisch mit deinen eigenen Werken? Und wo ordnest du das neue in deinem persönlichen Ranking deiner Werke ein? Warum?

Ja, ich bin sehr kritisch. Zwar lernt man mit jedem Buch dazu, aber man setzt sich ja auch neue Herausforderungen. Ein gutes Zeichen bei diesem Buch war für mich, dass ich beim Lesen der Druckfahnen richtig in die Geschichte eintauchen konnte, obwohl ich sie ja selbst geschrieben und mehrfach überarbeitet habe.

Wie geläufig war dir vor der Themenwahl die Nibelungensage?

Ich habe die Sage als Kind in einer Fernsehadaption kennengelernt. Und natürlich stolpert man in einem Leben, das viel mit Büchern zu tun hat, immer mal wieder über die Nibelungen. Trotzdem musste ich mich für den Roman erstmal wieder richtig einarbeiten und habe sogar alte Mittelhochdeutsch-Kenntnisse aus Germanistik-Seminaren wieder ausgegraben. Weil ich ahnte, dass meine Leserinnen und Leser ebenfalls nicht mehr ganz firm sind, lasse ich Bruder Melchior die Sage in kurzen Abschnitten zusammenfassen. Das ist bisher bei allen Lesers sehr gut angekommen.

Ich bin mit der Goldwäscherei durch Jack Londons Bücher erstmalig in Berührung gekommen. Deshalb habe ich mit Erstaunen zur Kenntnis genommen, dass auch aus deutschen Flüssen Gold herauszuholen war. Wie hast du dich dem ganzen Prozedere des Goldwaschens genähert? Konntest du selbst es irgendwo ausprobieren?

Als ich das erste Mal davon gehört habe, dass am Oberrhein Gold gewaschen wurde, habe ich mir Nuggets, also richtige Klumpen, vorgestellt. Aber im Rhein gibt es nur Flitter, winzige Teilchen, die vom Hochwasser aus dem Alpenraum mitgetragen werden und sich irgendwo absetzen. Zum Glück herrschte auch im 18. Jahrhundert schon eine funktionierende Bürokratie. Es gibt allerlei markgräfliche Dokumente, in denen Fundmengen nach Fundort notiert sind und man auch über die Jahre die Entwicklung der Mengen und Preise nachvollziehen kann. Meine eigene Goldsuche liegt schon etwas zurück. Ich habe damals ein paar Flitter gefunden, die sind aber bei den vergangenen Umzügen verschwunden. Dafür hat meine Frau mir eine Kette geschenkt, an der sich als Anhänger ein winziges Glasröhrchen befindet, in dem sich Goldflitter aus dem Rhein befinden.

Was hat dich bei deinem Recherchen besonders überrascht?

Eine riesige Herausforderung war es, mir die Rätsel auszudenken, die meine Schatzsucher lösen müssen. Nur so können sie den nächsten Absatz in dem antiken Nibelungenbuch entziffern. Um diese Rätsel erstellen zu können, musste ich erstmal selbst viel lernen über die großen Kirchenbauten entlang des Oberrheins. Am meisten erstaunt hat mich der "Grüne Herr im Straßburger Münster". Aber ich will hier nicht spoilern und erkläre daher nicht, was genau dahintersteckt. Auf jeden Fall ist es eine großartige Sache!

Ich gehe davon aus, dass du dich jeder deiner Figuren mit Hingabe widmest. Wer lässt sich leichter entwerfen und darstellen: die "Guten" oder die "Bösen", und warum, meinst du, ist das so?

Mir fallen die Guten leichter, weil ich meist mehr Zeit habe, sie zu entwickeln. Aber die Bösen haben auch ihren Reiz. Es macht Spaß, die schurkische Motivation ihrer Handlungen zu entdecken.

Um noch bei den Protagonisten zu bleiben: In der Regel hat man ja doch einen Liebling. Welcher ist deiner in der Geschichte?

Aus irgendeinem Grund ist mein Liebling die Tochter des Wirts in Karlsruhe, die so ganz natürlich mit Eleonore umgeht und dafür verantwortlich ist, dass die Protagonistin sich später weiterentwickeln kann. Dabei ist sie nur eine ganz kurz auftauchende Nebenfigur. Von den Hauptfiguren mag ich Armin besonders, der Beau, der Schwerenöter, der entdecken muss, dass er sich offenbar wirklich verliebt hat.

War es von Anfang an klar, dass Goethe seinen Auftritt erhält und sogar eine recht aktive Rolle übernimmt?

Als ich herausgefunden hatte, dass Goethe 1770 und 1771 in Straßburg lebte, war mir klar, dass ich ihn dabeihaben möchte. Das passte auch deshalb gut, weil er mit seiner breiten Bildung beim Lösen der immer schwieriger werdenden Rätsel helfen konnte.

Wie näherst du dich einst realen Persönlichkeiten, und ist es schwerer, diese zu charakterisieren und in die Handlung einzubinden?

Bei den historischen Figuren achte ich darauf, dass sich der Abschnitt, den ich über sie erzähle, logisch in ihre Biographie einfügen würde. Ich frische erstmal mit viel Lesen meine Kenntnisse über die Persönlichkeit auf. Dann bildet sich meist auch schon  ein Eindruck, wie ich die Person anlegen will. Schwergefallen ist mir das einmal  bei meinem dritten Historischen Roman "Der Gesang der Bienen", mit Hildegard von Bingen. Um mich ihr anzunähern bin ich für eine Woche ins Kloster ihrer Nachfahrinnen gezogen, habe dort aktiv am Tagesablauf teilgenommen und mit Hildegard-Spezialistinnen diskutiert.

Zu guter Letzt ... Warum sollten auch heute noch historische Romane geschrieben und gelesen werden?

Erst einmal, weil es einfach Spaß macht. Es tut gut, sich in Zeiten entführen zu lassen, die nicht mit Handy, Sozialen Medien, KI oder ähnlichen Themen überfrachtet sind. Aber gute historische Romane sind neben spannender Unterhaltung stets auch lehrreich. Der Blick in die Geschichte ist eben auch immer ein Schlüssel für das Heute. 

Ich bedanke mich bei dir, lieber Ralf, und freue mich bereits jetzt auf die Lektüre eines weiteren Werkes von dir.


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Frühjahr 1771. Das beschauliche Leben des Goldwäschers Frieder ändert sich schlagartig, als er eines Tages eine Wasserleiche findet und einen Buchhändler kennenlernt, der mit seiner Tochter und einem Mönch dem sagenhaften Schatz der Nibelungen auf der Spur ist. Auf einmal schweben sie alle in höchster Gefahr, denn ein französischer Baron hat sich ihnen an die Fersen geheftet, begierig nach dem Gold und völlig skrupellos. Da hilft es wenig, dass sich ihnen auch noch der junge Jura-Student Johann Wolfgang Goethe anschließt. Er vermag zwar, die Hinweise auf den Schatz zu deuten, sorgt dabei aber für einige Verwicklungen. Und bald muss sich nicht nur Frieder zwischen Gold und Liebe entscheiden ... (Quelle: Verlag)

Freitag, 10. November 2023

Blogtour DER MILCHHOF

Liebe Regine, liebe Lina,

ich freue mich, dass ihr Zeit findet, mir ein paar Fragen zu beantworten. 
 
DER MILCHHOF ist der Beginn einer Reihe, die über einen Zeitraum von vielen Jahren angesiedelt ist. Was fasziniert dich, Regine, an dieser Art des Geschichtenerzählens?

Ich mag es, wenn ich Geschichten, die über einen so langen Zeitraum spielen, genügend Raum geben kann. Deshalb ist es auch wieder eine Saga geworden. Die Entstehung einer Molkerei war eben nur schwer in einem Band zu erzählen, denn es ist in den verschiedenen Epochen ja so unglaublich viel passiert. Erst gab es das Kaiserreich, dann die Weimarer Republik und in Band 3 die Herausforderung nach dem Zweiten Weltkrieg. Vor diesem Hintergrund gab es in den Betrieben unfassbar viele Neuerungen und Entwicklungen.

Mich packt es immer sehr, wenn ich mich in diese Zeit einarbeiten kann und darf, und dann daraus ein Roman entsteht.

 

Wie gestaltete sich deine Recherche? War es schwierig, an Material und Hintergrundinformationen zu gelangen?

Eine solche Recherche ist natürlich sehr aufwendig. Ich musste genau gucken, wie ich an die Informationen herankam, aber die umliegenden Molkereien waren sehr hilfsbereit und auch die Museen.

Dann habe ich mir sehr viel antiquarische Fachliteratur besorgt, mich im Internet schlau gemacht, und natürlich musste ich auch schauen, was in den unterschiedlichen Epochen los war. Und was davon für meine Romanreihe auch relevant ist.

 

Gab es Überraschungen dabei, und was hat dir besonders Freude gemacht?

Überraschungen gibt es immer. Zum Beispiel war mir nicht bewusst, dass es bis zum 1. April 1883 keine einheitliche Zeit in Deutschland gab und das dann erst per Gesetz verfügt wurde. Jeder Ort hatte zuvor alle 18 Kilometer seine eigene Zeit, je nach Sonnenstand. Darauf waren die Kirchturmuhren geeicht.

Diese Neuerung war für einen Betrieb wie den Milchhof mit Handelsbeziehungen von elementarer Bedeutung, endlich fuhren z. B. die Züge alle zur gleichen Zeit, und das habe ich natürlich eingebaut.

Besondere Freude hat mit mein Recherchetag in einer kleinen Käserei bereitet. Dort habe ich gelernt, wie man Käse herstellt. Wirklich faszinierend.

 

Wie lange hast du dann tatsächlich den ersten, jetzt vorgelegten Band DAS RAUSCHEN DER BRANDUNG geschrieben?

Das kann ich gar nicht so genau sagen. Dass ich die Saga schreiben werde, wusste ich ja schon länger, und dann habe ich mich zunächst häppchenweise informiert. Danach ging es richtig los. Die Recherche und Planung einer dreiteiligen aufeinander aufbauenden Saga ist ja ziemlich aufwendig. Meine reine Schreibzeit beträgt in der Regel vier Monate, aber davor gibt es eben einen Batzen Arbeit und im Nachgang ja auch noch mit der Überarbeitungsphase, dem Lektorat und Korrektorat etc. Ein Jahr brauche ich in der Summe immer.

 

Wie sieht in der Regel dein „Arbeitstag“ aus?

Ganz unspektakulär. Ich beginne meinen Tag mit zwanzig Minuten Sport, dann frühstücke ich und gehe um halb Neun an den Schreibtisch. Da kümmere ich mich zunächst um die neuen Mails und alles, was PR angeht. Darauf folgen administrative Dinge wie Rechnungen schreiben, Lesungen vorbereiten oder Recherchearbeit. Morgens schreibe ich meist auch meine Kurztexte, denn ich bin ja auch da tätig. Und dann geht es ans Schreiben oder Überarbeiten eines fertigen Projektes. Mit einer kurzen Mittagspause meist bis circa 17 Uhr. In intensiven Schreibhasen arbeite ich auch am Wochenende.

 

Gerade bei einer Trilogie gehe ich davon aus, dass du ein klares Konzept für die Handlungsstränge hattest. Konntest du dieses einhalten? Wie gestaltete sich deine Recherche? War es schwierig, an Material und Hintergrundinformationen zu gelangen, oder gab es während des Schreibens Abweichungen?

Es gibt immer Abweichungen, wobei das Grundkonstrukt schon eingehalten wird. Aber es passieren im Schreibprozess mit den Figuren häufig Dinge, die man nicht planen kann und das ist auch gut so. Es gibt nichts Schöneres, wenn Figuren ein Eigenleben entwickeln.

 

Die Gestaltung und Entwicklung der Figuren ist ein wesentlicher Bestandteil eines jeden Romans. Ist es für dich wichtig, dass deine Leser mit den Protagonisten mitfühlen können und/oder Entscheidungen von ihnen mittragen?

Das ist das Wichtigste überhaupt. Ich selbst leide mit meinen Figuren, freue mich und weine mit ihnen. Wenn es mir gelingt, das auch bei den Leserinnen und Lesern auszulösen, ist es für mich das Schönste.

 

Gibt es Personen, die du sehr gemocht oder bei deren Ausarbeitung du dir die "Haare gerauft" hast, weil sie schwierig waren oder gar in eine andere Richtung als die geplante bewegten?

Meine Hauptfiguren mag ich alle, ich glaube, sonst hätten sie keine so große Gewichtung.

Und auf meine Antagonisten bin ich oft stinksauer. Aber ich brauche sie, versuche aber meist deutlich zu machen, warum sie so sind wie sie sind. Da ist mir die Motivation sehr wichtig.

 

Und nun, liebe Regine, beschreibe doch deine Heldin Lina bitte in einem Satz.

Sie ist eine starke Frau, muss aber an den Anforderungen erst wachsen und hat einige Schicksalsschläge zu verkraften.


Lina, stimmst du dem zu, oder wie siehst du dich selbst? Was sagst du ist deine größte Stärke und was deine Schwäche?

Regine hat vollkommen recht. Meine größte Schwäche ist meine größte Stärke: Der Milchhof, dafür würde ich alles tun.


Warum sollten wir unbedingt deine Heimat kennenlernen?

Es gibt wohl keine Landschaft, in der man so schnell entschleunigen kann wie an der Nordseeküste mit ihrer unglaublichen Weite. Kurzum: Es ist schön hier. Und still.

 

Würdest du im Rückblick des Geschehens etwas anders machen?

Ja, ich würde mich gleich für Derk Voigt entscheiden, er hätte mir wichtiger sein müssen als der Milchhof und das Gerede der Leute.

 
Zu guter Letzt, liebe Lina, stell deiner Autorin bitte eine Frage, die unbedingt beantwortet werden muss.
 
Liebe Regine: Hättest du dich an meiner Stelle auch so entschieden, oder hätte Derk damals für dich an erster Stelle gestanden?
 

Ich bin ein Gefühlsmensch und mir wäre Derk wichtiger gewesen. Aber ich lebe auch in einer anderen Zeit, wo als Frau vieles einfacher ist.

 

 

Euch beiden danke ich herzlich für die ehrlichen Einblicke ...




 
Friesische Wehde 1890: Die Bauerntochter Lina hat ihren Mann Thees nicht aus Liebe geheiratet, aber er ist der Richtige, um den Milchhof der Familie zu übernehmen und zusammen mit Linas Vater eine Privatmolkerei zu gründen. Als Obermeier stellen sie Derk Voigt ein, der zuvor in Dresden in der berühmten Pfunds-Molkerei tätig war. Er verliebt sich auf Anhieb in Lina – und sie sich in ihn. Als verheiratete Frau ist Lina für ihn jedoch unerreichbar, und Lina würde es nie wagen, die Ehe zu brechen. Dafür kommen sich die beiden auf andere Weise näher, denn Lina entwickelt ein großes Interesse an der Molkerei und am technischen Fortschritt, worüber sie sich oft mit Derk austauscht. Sie arbeiten hart, und die Molkerei floriert. Doch dann erkrankt Thees schwer, und Lina steht als Frau allein vor der Aufgabe, den Betrieb zu führen. Mit Derk an ihrer Seite schafft sie es dennoch, sich gegen alle Widerstände durchzusetzen. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, müssen die Männer an die Front. Lina und ihre Tochter Alea bleiben allein zurück. Beide wissen, dass ihnen schwere Zeiten bevorstehen. Doch ob sie es gemeinsam schaffen können, die Molkerei zu erhalten, ist ungewiss. (Quelle: Verlag)

 
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Erschienen ist der Roman im Piper Verlag. Die Blogtour wurde organisiert von prointernet bookmark.