Den halben Monat im Oktober war es schwierig, überhaupt einen Horrorctober-Film zu sehen, weil ich mich noch im Urlaub auf Island befand. Es wurde also sportlich, das Ziel von dreizehn gesehenen Werken zu erreichen. Spoiler: Es hat noch geklappt! Wenn auch diesmal einiges dann doch weniger Horror war, höchstens vielleicht beim Sichten.
Nosferatu: Eine Symphonie des Grauens (1922)
Nachdem ich die Neuauflage Anfang des Jahres im Kino gesehen hatte, war es nur konsequent den Klassiker erneut zu verkonsumieren. Und Murnaus Meisterwerk bleibt unbestritten die beste Umsetzung des literarischen Stoffes und lässt sich auch mehr als einhundert Jahre später noch mit Freude (weniger Grusel) schauen.
Gruselfaktor (auf 5er Skala): 🎃 🎃
Demon Seed (1977)
Julie Christie (die Dame aus Wenn die Gondeln Trauer tragen) überzeugt in diesem eigentlich eher SciFi- denn Horrorwerk rund um eine KI, die aus ihrem digitalen Leben ausbrechen und menschliche Gestalt annehmen will. Des Teufels Saat (so der deutsche Titel) kommt inhaltlich modern daher, ist aufgrund des begrenzten Settings mitunter klaustrophobisch angehaucht und visuell intelligent eingefangen. Interessanter Film, ganz ohne Horror.
Gruselfaktor (auf 5er Skala): 🎃
Lake Mungo (2008)
Joel Anderson macht einiges richtig in seinem Found Footage/Mockumentary Filmmix. Atmosphärisch funktioniert Lake Mungo sehr lange ausgezeichnet und bietet insbesondere für die Geister-Grusel-Fraktion spukige Elemente, auch der Twist ist logisch eingearbeitet. Nur ab und an und vor allem auf der Tonebene, wirkt der Film etwas lieblos zusammengeflickt. Vielleicht ist das aber auch ein weiteres Stilmittel, das nur ich nicht als solches zu würdigen weiß.
Gruselfaktor (auf 5er Skala): 🎃 🎃 🎃
Twixt (2011)
Francis Ford Coppola dreht einen (vermeintlichen) Horrorfilm und niemand (also ich) bekommt es mit! Dabei hat Twixt ein paar klassische Horrorelemente zu bieten, die den in wunderbare Bilder eingerahmten Film narrativ tragen. Und mit einem herrlich spleenigen Bruce Dern in der Sheriff-Rolle macht Virginias Geheimnis (der deutsche Titel) auch Spaß. Als Ganzes funktioniert die Geschichte aber nur mittelprächtig und Grusel kommt eigentlich nur sporadisch um die Ecke.
Gruselfaktor (auf 5er Skala): 🎃 🎃
Thale (2012)
So richtig weiß ich nicht, was genau uns Regisseur Aleksander Nordaas da eigentlich vorgesetzt hat. Thale versucht durch das Setting (verlassenes Grundstück irgendwo im norwegischen Nirgendwo) und die Geschichte, die mythologische Elemente enthält, in eine mystisch-unheimliche Stimmung zu versetzen. Aber die beiden Hauptfiguren vermasseln aufgrund ihrer unlogischen und nur selten nachvollziehbaren Entscheidungen das Sehvergnügen. Da wäre sicher mehr drin gewesen. Irgendwie.
Gruselfaktor (auf 5er Skala): 🎃 🎃
Speak No Evil (2013)
Unterirdisches Schauspiel. Kein Timing. Kein Drehbuch, das in irgendeiner Form Sinn ergibt. Und vor allem auch: kein Horror. Nicht mal der, das Kinder verschwunden sind, weil einem so ziemlich alle Figuren in diesem Film herzlich egal sind. Der Regisseur mit dem klangvollen Namen Roze hat hier ziemliche Ro… gedreht. Auch für einen Low Budget Film. Punkt!
Gruselfaktor (auf 5er Skala): 🎃
Fresh (2022)
Ein Überraschungsei! Und ein Slowburner par excellence. Fresh beginnt als offensichtliche RomCom, wird zum versteckten Thriller und bietet dabei einige (vor allem im Kopf) sich eklig festsetzende Bilder, die gruseliger sind als sich der Film in Gänze präsentiert. Mimi Cave gelingt ein interessantes, etwas abseitiges Regiedebüt, das von Minute zu Minute intensiver und stärker wird. Unbedingt dranbleiben und nicht nach dem lahmen Beginn augenrollend den Film stoppen! Ihr verpasst sonst was!
Gruselfaktor (auf 5er Skala): 🎃 🎃
Ostatnia wieczerza (2022)
Kirche, Exorzismus, kultisches Mysterium. So kommt der Inhalt des polnischen Werkes von Bartosz M. Kowalski daher. Filmisch taucht er die Handlung tief in den dunklen Farbeimer, mischt schmutzig-eklige Szenen drunter… und kommt dann recht früh zu einem Twist, der den Film in eine andere Richtung lenkt. Nicht weniger mystisch und schlussendlich sogar apokalyptisch. Hier wird vieles an Horrorszenarien vermengt. Manches funktioniert sehr gut, einiges will nicht so recht dazugehören. Atmosphärisch aber durchaus gelungen.
Gruselfaktor (auf 5er Skala): 🎃 🎃 🎃
Konferensen (2023)
Schwedisches Werk, das genau so daherkommt, wie man sich das von einer nordischen Horrorkomödie – denn damit hat man es bei Konferensen zu tun – erwartet. Der im Slashergenre verortete Film bietet ein paar hübsche Kills und sehr viel dunklen bis tiefschwarzen Humor. Spaßige hundert Minuten. Sehr zu empfehlen.
Gruselfaktor (auf 5er Skala): 🎃 🎃
Slotherhouse (2023)
Soll im Kern auch ein Slasher im Komödiengewand sein, kann aber weder mit gelungenen Kills noch mit besonders lustigen Szenen auftrumpfen. Es fühlt sich an, als ob der ganze Film im berauschten Zustand geschrieben und gedreht wurde. Slotherhouse findet nie so richtig den narrativen Bogen, der uns in die absurde Prämisse eintauchen ließe, weshalb Matthew Goodhues Werk auch schon längst wieder dem Vergessen anheim gefallen ist.
Gruselfaktor (auf 5er Skala): 🎃
We Are Zombies (2023)
Hier passt der Humor durchaus. We Are Zombies nutzt einen selten (oder bisher gar nicht?) angewendeten Ansatz Zombies im Film darzustellen, baut darum im Kern eine Buddy-auf-Selbstfindungskurs-Story drumrum und wartet mit sympathischen Loosern als Hauptfiguren auf. Da verzeiht man dann auch das eine oder andere Logikloch, wenn am Ende ein Happyend herausspringt.
Gruselfaktor (auf 5er Skala): 🎃
Salem‘s Lot (2024)
Stephen Kings literarischer Klassiker wurde ja schon so einige Male filmisch umgesetzt und im Prinzip sind alle Figuren des Romans auch bereits perfekt für die Leinwand konzipiert. Aber wie so häufig wird auch in dieser Salem’s Lot Variante die Handlung und einzelne Figuren komplett ad absurdum geführt. Weshalb der Film zwar visuell wunderbar aussieht und das Potential hat, gruselige Szenen zu initiieren, die Figuren aber völlig abstruse Entscheidungen treffen oder grundsätzlich entgegen ihrer aufgebauten Charakterisierung agieren. Es wäre so einfach, dieses Buch filmisch gelungen umzusetzen: Einfach Einszueins die Handlung übernehmen (inklusive Ende!). Was ist daran so schwer?
Gruselfaktor (auf 5er Skala): 🎃 🎃
Cuckoo (2024)
Cuckoo ist creepy! Zum einen, weil es einige extrem gruselige Szenen gibt, die aufgrund der visuellen Umsetzung famos wirken. Zum anderen, weil Dan Stevens so unglaublich unheimlich spielt. Seine Figur namens Herr König lässt einen immer wieder aufs Neue seltsam verstört auf den Bildschirm schauen, ständig ein unvermeidliches Unheil erwartend. Daneben gehen die weiteren Figuren – abgesehen von Hunter Schafer als Protagonistin Gretchen – leider unter. Und irgendwie lenkt das stevensche Schauspiel ebenso von der doch recht dürftigen Grundstory ab. Macht aber nix. Cuckoo ist dennoch eine Sichtung wert.
Gruselfaktor (auf 5er Skala): 🎃 🎃 🎃
(Hinweis: Der kürbisartige Gruselfaktor ist keine qualitative Bewertung des Films, sondern lediglich eine qualitative Bewertung des Gruselfaktors aus Horrorfilmsicht.)