Filmfest
Am Vorabend der nationalsozialistischen Machtergreifung versucht die Protagonistin und Titelfigur, ihre Menschlichkeit zu bewahren. In einer Welt, die sich zunehmend dem Faschismus zuwendet, verkörpert Lissy die humanistische Seele der Geschichte. Konrad Wolfs Werk beeindruckt vor allem durch seine visuelle Verspieltheit und die hervorragenden Darstellerleistungen.
Einer der sogenannten „Kellerfilme“ der DEFA. Jadup und Boel erzählt davon, wie die Vergangenheit die Gegenwart einholt und alte Wunden wieder aufreißt. Persönliche Wunden ebenso wie gesellschaftliche. Der Film ist ein Produkt seiner Zeit und wurde sicherlich wegen einiger Dialoge zensiert. Die Schauspielerei ist manchmal etwas schwerfällig und die Handlung schlängelt sich dahin, aber dennoch bietet der Film einige denkwürdige Szenen.
- Einer trage des anderen Last… (1988)
Der Film nimmt auf humorvolle Weise die ideologischen Unterschiede zwischen seinen beiden Protagonisten und den mehr oder weniger involvierten Menschen in ihrem Umfeld aufs Korn, taucht sie in ein kleines Drama, mischt zum Nachdenken anregende Feinheiten darunter und serviert dem Publikum diese Mischung. Kommunistischer Sozialismus und evangelikales Pathos liefern sich ein rhetorisches Duell, weshalb die emotionale Komponente etwas zu kurz kommt, was Einer trage des anderen Last… manchmal etwas steif wirken lässt.
Was sich zu Anfang wie ein Teen Coming of Age Drama anfühlt, lässt zwischendrin suspekte und skurrile Elemente erkennen, um zum Finale hin noch einmal ganz andere Saiten aufzuziehen. Visuell und musikalisch durchaus atmosphärisch gefilmt, verliert The Falling bei der Geschichte an sich ein wenig den Fokus. Aber immerhin darf man hier das Schauspieldebüt von Florence Pugh bewundern, die bereits erkennen lässt, warum sie mittlerweile zu den interessantesten Akteur:innen ihrer Generation gehört.
Der Nachtmahr ist ein mythologisches Monster in Gestalt eines Kobolds, das Menschen nachts heimsucht und schwer auf ihren Seelen lastet. So funktioniert auch der gleichnamige Film, dessen Bilder nie verraten, ob es sich um einen Traum oder nur um ein traumatisches Ereignis in der realen (Film-)Welt handelt. Hut ab vor Carolyn Genzkow, die sich selbst und ihrer Protagonistin alles abverlangt – in lauten, dröhnenden Techno-Momenten ebenso wie in den stillen, verzweifelten, psychotischen Szenen. Der Nachtmahr ist ein Werk, das so anders und so besonders ist, dass es zweifellos die Meinungen der Zuschauer spalten wird.
Kiew, kurz nach dem Zerfall der Sowjetunion. Eine desillusionierte Jugend, der die Welt offen zu stehen scheint, die damit aber nicht so richtig etwas anfangen kann. Eine Protagonistin zwischen Beziehungschaos, Wunden der Vergangenheit und Träumen von der Zukunft. Anna Buriachkovas Werk ist schonungslos realistisch gefilmt und fängt die Tristesse der Hochhaussiedlung und das Verlorensein aller Figuren in fiebrigen Bildern ein. Und auch wenn der Film mit einem Funken der Hoffnung endet und zwischendrin lebenslustige Freude ausstrahlt, zieht sich der melancholische Grundton doch durch Forever-Forever. Ähnlich den Bahnen, die Tonia im Schwimmbecken zieht.
In einigen Momenten ist der Film extrem sperrig, lässt uns wie von ganz weit entfernt auf die Szenerie blicken, ohne das, was zu sehen ist, zu verstehen. Sterben erzählt von einer dysfunktionalen Familie, deren vergangene Taten die Gegenwart prägen. Emotionale Wracks, jenseits der Norm agierende Aktionen, losgelöst von ’normalen‘ Lebensweisen – die Figuren suchen Halt in einem chaotischen Leben und gleichzeitig den Weg, der sie – wie auch immer definiert – glücklich macht. Was sie finden sind kurze Augenblicke der Freude und Erfüllung, aber wohl kein wirkliches Happyend.
Ein leiser, bedächtiger Film über einen Mann, dessen Leben eine unerwartete, tragische Wendung nimmt, die ihn zeitlebens prägt. Train Dreams erzählt still, in sanften Bildern, ruhig und unaufgeregt von einem ganz gewöhnlichen Leben eines ganz gewöhnlichen Menschen. Das wird dem einen Zuschauer zu langweilig sein und den anderen zutiefst bewegen. Ich pendele irgendwo dazwischen.
Kinokunst
- Prinzessin Mononoke (1997, im Rewatch)
Mein Lieblingsfilm von Ghibli! Ohne Frage! Warum? Weil einfach alles daran perfekt ist. Das Tempo, die Figuren, die (natürlich!) fantastische Geschichte und die großartige Musik. Für mich kann kein anderer Ghibli-Film mit diesem Meisterwerk mithalten, auch wenn ein oder zwei ihm ziemlich nahe kommen. Wahrscheinlich ist es der Wolf-Bonus, der mich von Prinzessin Mononoke überzeugt.
Was für ein wilder Ritt! Du kannst ihn eigentlich nur hassen, aufgrund der narzisstischen Art, durch diesen Film zu rennen, ohne Atempause, ohne Rücksicht auf Verluste, ohne eine irgendwie geartete wirkliche Empathie gegenüber alle Menschen um ihn herum. Und doch kannst du ihn nicht hassen, weil er im gleichen Augenblick so faszinierend ist, so straight forward, wie eine Dampfwalze, bei der die Bremse defekt ist ist. Marty Supreme – der Film und die Person – ist furios, manchmal kopflos und ständig unter Strom. Und nein, es ist definitiv kein Sportler-Biopic! Sondern sehr weit davon entfernt.
Serienspektakel
- Scrubs (Staffel 1, Rewatch)
Ich bin wieder mittendrin im Sacred Heart Hospital und folge den Protagonist:innen durch die Flure und Gänge und an die Krankenhausbetten ihrer Patienten. Meist lachend, in kleinen, feinen Momenten tragisch mitfühlend. Scrubs funktioniert noch immer wunderbar als Comedyserie.
Du musst auch Angel schauen, wenn du bereits Buffy (siehe unten) konsumierst – haben sie gesagt. Mach ich. Und weil Angel durchaus ein interessanter Charakter ist (obwohl ich Spike noch mehr mag) funktioniert diese erste Staffel in der Stadt der Engel (Wie passend! Verrückt!) ganz gut.
Visuell suhlt sich Alien: Earth regelrecht im Stil des Originalwerks, erzählerisch lässt die Serie allerdings ein wenig Stringenz vermissen. Man kommt schwer rein und kommt irgendwie auch nie wirklich an. Aber immerhin offenbart (nicht nur) das Alien ein paar interessante Kill-Varianten. Ob das für mich reicht, um in die zweite Staffel reinzuschauen? Mal sehen…
Interessante Idee! Plur1bus stellt im Kern die Frage nach der Individualität und Diversität jedes Einzelnen im Angesicht der Schwarmintelligenz der Masse. Und das eingebettet in ein nach Endzeit aussehendes Drama. Starkes Schauspiel aller Beteiligten. Bombiges Finale (sorry, Insider). Ich freue mich auf Staffel 2 und wo auch immer diese erzählerisch hinführen wird.
Der zweiten Staffel fehlt lange der große wahre Antagonist für unseren Helden, weshalb sich zum einen auf die Weiterentwicklung der Figuren konzentriert wird und zum anderen mit dem Punisher ein neuer zwielichtiger Akteur in Hells Kitchen erscheint. Daredevil ist atmosphärisch famos und erzählerisch dicht inszeniert. Da macht das Schauen durchaus weiterhin viel Freude.
- Buffy The Vampire Slayer (Staffel 4)
Mittlerweile bin ich im Buffyverse angekommen und verfolge die Reise unserer Figuren bedächtig und manchmal auch belustigt. Das liegt interessanterweise aber immer noch mehr an den Sidekicks der Serie als an der Protagonistin selbst. Mindert den Spaß an Buffy The Vampire Slayer aber nicht im Geringsten.
- Stranger Things (die finale Staffel 5)
Es wird doch extrem viel geredet und erklärt in dieser finalen Staffel des Serien-Phänomens Stranger Things. Und es braucht gefühlt zu lange, um das durchaus bombastische großer Endgegner-Match zu Gesicht zu bekommen. Es ist gut, dass die Serie nun abgeschlossen ist, denn erzählerisch war dann doch so langsam die Luft raus. Aber noch einmal alle Figuren bis zum Game Over zu begleiten, fühlte sich gut an.