Sahnehäubchen

von Zeit zu Zeit etwas Unbekanntes
das Sahnehäubchen obendrauf
die Welt hockt auf der Schwelle
ist ausquartiert
ich bin
lebendig wie ein Flohzirkus
lauter Neues!
voll guter Laune inwendig
auswendig umfüllt
von bunter Zeit

Der Dienstag dichtet!  
Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Dienstag ist Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen! Mit dabei sind:

Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams
Werner Kastens
Nachtwandlerin
Gedankenweberei
Erinnerungswerkstatt
Lebensbetrunken
Dein Poet
Geschichte/n mit Gott
Wortmann
Traumspruch
Lyrik trifft Poesie
Voller Worte
Puzzleblume
wolkenleer
Querfühlerin
L wie

Gähn.

Was langweilt dich?

Wiederholung. Ich bin glaube ich die schlechteste Serienproduzentin der Welt. Dreizehn Papierflamingos? Oh Hilfe. Eine Liste abarbeiten? Schlimm. Zehnmal dasselbe Geschenk verpacken? Argh. Eine Serie zweimal gucken? Die muss schon sehr gut gewesen sein, und das erste Mal muss lange her sein. Tja. So isses.

Schachmatt

Dieser Winter hat mich schachmatt gesetzt. Ich mag Schnee, wirklich, diese Helle über den Häusern und Wegen, das leise Geknirsche auf frisch gefallenem Schnee, die angenehme Kälte, alles toll, aber dieses Jahr, nein, danke, ich möchte jetzt bitteschön keinen Schnee mehr und auch keine Temperaturen unter null Grad. Dieses Aus- und Angeziehe! Und wehe, du hast was vergessen, dann muss man in der Polarausrüstung wieder zurück ins Haus, wo es zu warm ist, danach wieder raus, wo es zu kalt ist. Meine Wohnung hat sich als nicht kälteresistent erwiesen, mehr als zwei Wochen Minusgrade lassen die Temperaturen im Wohnzimmer nicht höher als 17 Grad steigen, von der Küche mit maximal 15 Grad ganz zu schweigen. Ich will mich nicht beklagen, wer draußen arbeiten muss, ist viel schlimmer dran, aber… naja. Und die Dunkelheit! Und mein Rücken, der Kälte wirklich richtig ätzend findet! Und die Beine, die Kälte auch überhaupt nicht mögen und sich mit dem Rücken zusammentun und dafür sorgen, dass ich mit Wärmflasche und Körnerkissen in Strickjacke unter der Decke auf der Couch sitze und mich bemitleide. Dann ist es draußen immer rutschig und glatt, die Züge haben alle Verspätung oder fallen aus, immer muss man das Auto vorheizen, weil die Scheiben von innen überfroren sind und von außen bekratzt werden müssen. Fahrradfahren geht nicht, weil die Straßen und Fahrradwege nicht geräumt sind und eher mit Schlittschuhen befahren werden könnten, also kommt man dauernd zu spät, weil alles länger dauert, und drinnen ist alles voller Salzwasser und der Boden knirscht, weil überall Splitkörnchen liegen. Dazu die ewige Müdigkeit und jede Menge Arztbesuche wegen Rücken und Beinen und diversem anderen Gedöns. Und Weihnachten ist auch vorbei. Ach.
Aber heute! Heute waren draußen 10 Grad plus. Es war grau, aber drei Vögel haben gesungen, es war nicht glatt, und die Schneereste ergaben sich kampflos. Die Menschen auf der Straße sahen froh aus, fast schon euphorisch. Scheint, als ob ich nicht allein war mit meiner Müdigkeit. 😊

Manna

Täglicher Schreibanreiz
Was ist dein Lieblingsgetränk?

Darjeeling mit einem kleinen Schuss Milch. Schwarzer Tee begleitet mich schon seit meiner Teenagerzeit, als es ultramodern war, sich mit zwei oder drei Mädchen zu treffen und aromatisierten Schwarztee zu trinken. Es duftete damals nach Kirsch-Vanille, Pfirsich oder Maracuja, und natürlich tranken wir den Tee mit Kandis und ohne Milch aus kleinen Tonschälchen, die mit schlimmen Mustern bemalt waren. Die Teekanne tropfte immer, ohne Ausnahme. Manchmal sehe ich solche Teesets auf Flohmärkten, und jedes Mal werde ich für ein paar Sekunden in Birgits Zimmer zurückkatapultiert, rieche den Vanilleduft und fühle mich sehr erwachsen, dabei fängt alles gerade erst an.
Vom aromatisierten Schwarztee bin ich zum Assam-Ceylon Tee gewechselt, mit drei Stück Süßstoff, manchmal noch aromatisiert, aber das wurde immer weniger. Dann kam die Roibusch-Phase, lang und ausdauernd. Ich glaube, die haben auch fast alle mitgemacht. Heute trinke ich den gar nicht mehr, er ist seltsamerweise aus meinem Blickfeld verschwunden, genauso wie der Süßstoff. Dafür hat sich Darjeeling breitgemacht, mit seiner schönen, hellen Tasse, wenn ich mehr Geld investiere, dunkler, wenn ich weniger investiere. Den Schuss Milch empfinden manche Teetrinker als Sakrileg, aber ich finde, es macht ihn komplett, rundet ihn sanft ab, spielt mit den Bitterstoffen, bis sie sich ohne Gegenwehr ergeben. Diesem Getränk bin ich schon ziemlich lange treu. Die Menge hat sich reduziert. Ich trinke jetzt eine Menge Wasser ohne alles, aber mein Lieblingsgetränk ist das nicht, keine Sorge, Mr. Darjeeling.

hier bin ich!

ein guter Anfang:
hier bin ich!
sauber gewaschen
vor mir Tee mit Milch
und gute Gesellschaft
der Käse müffelt verlockend vor sich hin
nebenan leuchten die Kirschen
hier bin ich!
ein guter Anfang.

Ein Gedicht gegen den Januarblues. Ja, die Kirschenzeit kommt wieder, doch, auf jeden Fall. Immerhin ist es jetzt schon eine halbe Stunde länger hell, man lebt ja von Kleinigkeiten.

Der Dienstag dichtet!  
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Dein Poet
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Wortmann
Traumspruch
Lyrik trifft Poesie
Voller Worte
Puzzleblume
wolkenleer
Querfühlerin
L wie


unverzagt

ich reite mein Leben wie eine Welle
unverzagt
schneide das gläserne Blau
in zwei Hälften
aufwärts und abwärts
balanciere auf schmalem Grat
ich reite mein Leben wie eine Welle
unverzagt

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Puzzleblume
wolkenleer
Querfühlerin
L wie

Neujahr

In dieser Nacht sprüht das Licht Funken. Es zischt hell und bunt durch die Regenschwaden, und wer kann, bleibt ein bisschen länger draußen. Danach ist das Dunkel dunkler als zuvor, und Frau Meyer fürchtet sich, als sie um halb vier zwischen den Vorhängen durchsieht.
Die Kirchturmglocken schlagen die volle Stunde, vereinzelt brennen noch Raketenreste flackernd vor sich hin. Ein paar müde Gesichter eilen nach Hause, aber nicht alle. Edi wird untergehakt, und es ist das erstemal seit Jahren, dass er die Hand eines anderen spürt. Er findet es schön. Die kleinen Vögel beruhigen sich nur langsam, aber irgendwann sitzen sie aufgeplustert in der Hecke und versuchen, das Funkeln und Dröhnen zu vergessen. Hinter den jagenden Wolken sitzt der Mond und hält Ausschau nach letzten Wunderkerzen, denen er sich seelenverwandt fühlt. Heute Nacht fliegen viel mehr Hoffnungen herum als in anderen Nächten; man könnte hochgreifen und ein oder zwei fangen, nur tut das niemand. Vielleicht aus Sorge, man könnte stattdessen einen der guten Vorsätze erwischen, die rudelweise um die Häuser ziehen. Auf dem Land ist die Luft leerer. Hier schwebt vor allem die Sehnsucht nach mehr Licht zwischen Zäunen und Koppeln. Eine begründete Hoffnung. In dieser Nacht wird weniger geschlafen als sonst, und das ist gut. In den nächsten Nächten wird der Schlaf gewertschätzt werden, und das lässt ihn aufblühen, zumindest kurzzeitig. Die Unglücklichen versuchen, diese Nacht als ganz normal zu sehen, eine dunkle Nacht wie alle Nächte mit kurzzeitig aufflammendem Wahnsinn der anderen, aber es gelingt nur bruchstückhaft. Diese Nacht trägt von allem mehr in sich, sie ist reichhaltig wie eine Wiese voller Pollen im Sommer. Wenn man sich bemüht, kann man sie riechen. Dann hat man Böller, Neuanfang und das Aroma von hinter-sich-lassen in der Nase.

Zeitsprung

den Weihnachtsbaum ansehen
hinter dem Baum
schläft die Freude
nach all der Zeit
Gleichgewicht finden
es schätzen
Stille atmen
Kekse essen
mit einem Mundwinkel
schief lächeln
die Freude räkelt sich

im Dezember

für einen Tannenbaum im Nirgendwo herumfahren
Sätze wie: „Aus dem Haus kommt dein Ur-Opa!“
amerikanische Weihnachtslieder mitsingen
im Regen spazieren weil sonst der Weihnachtsmann nicht kommt

später
ein Brötchen aufbacken
hoffnungsvoll Zeitung lesen
Licht ahnen

morgen
neugierig nach vorn gehen
neue Lieben finden
leben

Der Fuchs erzählt

„… und dann bin ich in den Wald gelaufen und es hat sich richtig angefühlt, als ob alles an den vorgesehenen Plätzen wäre und nur dort und nirgendwo anders sein könnte.“ Der Fuchs hält inne. Das Schwein hängt an seinen Lippen.

„Und dann?“ fragt es, „was hast du dann gemacht?“ Der Fuchs legt seinen Schwanz um sich. „Ich habe mir einen Bau gesucht. Unter einer Baumwurzel gab es ein Loch, das habe ich größer gegraben. Hab mir dabei eine Kralle ausgerissen“, lässt er beiläufig fallen. Das Schwein reißt die Augen auf. „Hat es wehgetan?“ „Natürlich“, sagt der Fuchs bescheiden. „Und am Abend war ich dann auf der Suche nach einer Mahlzeit, es war dunkel und kalt, und dann kam ein Riese auf mich zu!“ Er macht eine dramatische Pause. Das Schwein atmet kaum noch.

„Es war aber ein höflicher Riese, und er hat mir den Weg zu den Picknicktischen verraten. Mäuse liegen mir nicht so, die sind so pelzig.“ Der Fuchs schüttelt sich. Das Schwein ist irritiert. „Picknicktische?“ fragt es. „Mülleimer“, sagt der Fuchs sachlich. „Achso“, sagt das Schwein, „ja, da gibt’s oft gute Dinge.“ Der Fuchs nickt. „Später konnte ich nicht schlafen und habe nach dem Mond gesucht, aber er war nicht da in dieser Nacht, es war so finster, dass du nicht die Pfote vor Augen hättest sehen können, aber ich bin ja glücklicherweise ein Fuchs.“ Das Schwein nickt bewundernd. „Also habe ich mir eine Stelle auf einem Hügel gesucht und gewartet.“ Er macht eine feierliche Pause. „Auf was hast du gewartet?“ fragt das Schwein aufgeregt. „Auf den Großen Fuchs“, sagt der Fuchs.

Das Schwein seufzt begeistert. „Ist er gekommen?“ „Natürlich“, sagt der Fuchs. „Er hat geglänzt, obwohl der Mond nicht da war, und dann habe ich mit ihm gesprochen.“ Das Schwein vergisst fast zu atmen. „Ich habe ihn gefragt, ob es Füchsen erlaubt ist, den Winter in Menschenwohnungen zu verbringen und erst im Frühjahr zurück in den Wald zu gehen.“ „Oh!“ Das Schwein starrt den Fuchs an. „Was hat er geantwortet?“ „Er hat mich lange angesehen, dann hat er gefragt: ‚Gibt es dort Fallen? Und ist es warm?‘ Ich habe wahrheitsgemäß geantwortet, und er hat gesagt: ‚Du bist ein Fuchs. Füchse finden immer einen Weg. Leb, wie du willst.‘ Dann ist er im Dunkel verschwunden.“ Der Fuchs stoppt. „Dann… bleibst du bis zum Frühjahr?“ sagt das Schwein. „Wenn ich darf“, sagt der Fuchs bescheiden und wirft mir einen Blick zu. Ich nicke. Das Schwein jubelt und wirft den Fuchs um. Ich stehe auf, um mehr Schokolade zu holen. Das muss gefeiert werden.