es liegt eine seltsame diskrepanz in diesem lebensabschnitt – eine verrückte, grossartige zunahme an klarheit und abgrenzungsfähigkeit im inneren, an selbstbestimmtheit, wissen und erfahrung. und im gegenzug eine schwer auszuhaltende veränderung im aussen, dem aussehen. im selben maße wie ich mich innerlich ausdehne und wachse und wachse, runzel ich im wahrsten sinne des wortes im aussen zusammen.
ich war noch nie in meinem leben das, was man landläufig als „hübsch“ oder „schön“ bezeichnen würde. ich war schon immer überzeugender durch mein auftreten, die berühmten inneren werte als durch mein äusseres, der typ „pferdestehlen“ und kumpel. in manchen jahren meines lebens fiel es mir extrem schwer auszuhalten, dass hübschen oder schönen frauen mehr aufmerksamtkeit entgegenbracht wurde, dass alles leichter schien für sie als für mich, glühend beneidet habe ich sie, mich lange jahre bemüht irgendwie mitzuhalten, irgendwann aufgegeben und mehr zu mir gefunden. es waren halt die oberligafrauen, ich immer kreisliga. in anteilen habe ich diese haltung bis heute tief in mir verankert.
nun werde ich demnächst 48, stehe mitten im leben, bin gesund und gesegnet mit unglaublich viel liebe, erfolg, anerkennung, gesundheit. und nach jahren der ruhe holt es mich eben doch wieder ein: mein aussehen, das sich verändert. nicht so wie ich das will sondern wie das alter, die gene, die zeit das für mich vorgesehen hat. es ist phasenweise extrem schwer für mich, die veränderungen auszuhalten, ihnen mit würde und akzeptanz entgegenzutreten. zu sehr ist mein aussehen immer noch mit der würdigkeit der anerkennung in allen bereichen verbunden. und es nervt, es nervt wie verrückt. wie gern würde ich diese aussenbezogenheit endlich hinter mir lassen, mich wahrnehmen als good enough durch alles was ich leiste, was ich für andere bin – meine gaben, fähigkeiten, meine liebe und hingabe an so vieles und viele in den fokus meiner eigenen bewertung stellen und mich diesem grossartigen wachstum im inneren einfach hingeben und mich darüber definieren. stattdessen hadere ich mich veränderungen, hafte an sie meinen selbstwert.
es ist ein tägliches ringen, dieses aussen mit dem innen. und ich wünsche mir so sehr für mich aber auch für alle anderen frauen in dieser lebensphase, ein einverständnis mit dem lauf der zeit und eine friedliche anerkennung des aussen und eine grosse freude und ein ausleben im ganz grossen stil des grossartigen innen.