vor ein paar tagen hab ich den 4. teil von american pie im fernsehen angesehen. ich bin drüber gestolpert und hängengeblieben. ich weiss nicht mal ob ich den 1. teil je vollständig angesehen habe, aber irgendwie passte nonsense gerade sehr also blieb ich dabei. und ertappte mich dabei, wie ich über die politischen inkorrektesten sachen lachen mussten, über sexistische kackscheisse und ansonsten diskriminierungen aller art. ich war verwirrt – war ich das gerade, die über altersdiskrimierung gelacht hatte? fand ich den sexistischen witz grad echt witzig?
ums kurz zu machen: ja.
ich kam mir vor wie so eine boomerin, die endlich mal wieder lachen darf und es war alles wie früher, als man ohne nachzudenken einfach losgelacht, losgesprochen, laut losgedacht hat. es war einfach, oh so einfach. kein ständiges hinterfragen von begrifflichkeiten, von worten, von ansichten. ich kam mir schrecklich vor und mich hat diese erfahrung lange nicht losgelassen. weil sie mir klar machte, dass sehr viele menschen genau dasselbe empfinden, ob es ihnen nun bewusst ist oder nicht. mir ist klar geworden, dass extrem viel bequemlichkeit und faulheit hinter der verweigerung sich mit den realitäten und bedürfnissen seiner mitmenschen auseinanderzusetzen, steckt. wahrscheinlich oder hoffentlich öfters faulheit und bequemlichkeit als böse absicht. die verweigerungshaltung der man dann begegnet, wenn man drauf aufmerksam macht, entspringt oft einem sehr kindlichen widerstand, diese bequemlichkeit jetzt aufgeben zu müssen als dem tatsächlichen widerstand gegen angemessenen zwischenmenschlichen umgang. davon bin ich überzeugt.
ich glaube, dass wir alle von zeit zu zeit aus kindlichen anteilen heraus auf eine als elterlich wahrgenommene aufforderung reagieren. die reaktion ist dann entweder trotz oder anpassung. und ich bin nach der eigenen erfahrung davon überzeugt, dass bei vielen menschen genau dieser kindliche anteil („ich will machen was ich will! und wie ich will!“) getriggert wird, wenn die aufforderung nach differenzierterer auseinandersetzung mit anderen menschen kommt oder ums einfach zu sagen: wenn eine aufforderung kommt, die uns aus der bequemen kindlichen haltung rausholt. mich würde brennend interessieren, ob man bei erwachsenen auf grund ihrer kindheitsprägung darauf schliessen kann, wie sie heutzutage auf die sich verändernde sprache und haltung gegenüber marginalisierten gruppen reagieren. ganz sicher kann man einen zusammenhang zwischen generationaler erziehung und dem umgang mit einer sich verändernden gesellschaftlichen ordnung sehen:
die generation der boomer zum beispiel, die die jahrgänge (je nach forschungsansicht) zwischen 1960-1975 umfasst und die sich mit am schwersten tut mit den veränderungen, war eine ziemlich bevormundete generation von elternseite her, ihre eltern noch weltkriegs – und ideologiegeprägt und unerfahren im zugestehen eines freien kindlichen willens. dass diese generation aufforderungen zur veränderung schneller verwechselt mit einer elterlich-bevormundenden aufforderung halte ich für völlig nachvollziehbar. der widerstand dagegen ist immanent (siehe straßenverkehr, siehe gendern, siehe klimawandel, siehe coronamaßnahmen), eine emanzipierte loslösung von den eltern hat wohl nicht so gut stattfinden können, wenn man davon ausgeht, dass diese sehr restriktiv und streng in ihrem erziehungsstil waren. die lösung dieser „kinder“ lag im widerstand – im kindlich-trotzigen. (oder in der anpassung, die aber auch eher destruktiv war, deswegen gibt es in dieser generation auch eine hohe zahl an depressiv erkrankten) diesen behalten sie bis heute – alles was apellativ daher kommt, zur änderung des bisherigen als natürliches recht angenommenen aufruft: hinfort damit, ich darf (endlich) machen was ich will und das ist mein gutes recht.
da ich selbst einen großen kindlichen trotzanteil in mir trage und mich elterliches schnell mit widerstand erfüllt, kann ich das sehr gut nachvollziehen. allerdings bin ich mir dessen bewusst, kann mich selbst einfangen und mich in die lage versetzen, den widerstand zu überwinden und mich auseinanderzusetzen mit den sich verändernden gegebenheiten.
was bedeutet denn diese erkenntnis, wenn sie denn überhaupt stimmt, aber nehmen wir mal an das, was bedeutet das nun im umgang mit menschen, die sich weigern zu gendern oder weiter sexistische sprüche loslassen oder poc`s diskrimieren und lgbtqia+ für spinnerei halten?
ich glaube, ein anfang wäre dieses prinzips des widerstands erstmal zu normalisieren im sinne, dass es tatsächlich normal und verständlich ist, dass eine*r keinen bock darauf hat, seine faulheit aufzugeben. es ist kompliziert und anstrengend etwas zu verändern, was man immer gewöhnt war (schon mal versucht rauchen aufzuhören?). es ist kompliziert und anstrengend sich informationen zu beschaffen, diese zu verstehen, sie in sich und seinem leben zu integrieren und zu leben, auch in abgrenzung vielleicht zum eigenen umfeld, das ganz anders drauf ist. es werden da mit einem schlag solche baustellen aufgemacht, das muss man echt erstmal wollen, wir alle kennen das doch von uns selbst.
ich weiß, dass es viele gibt die sagen, sie haben keinen bock mehr darauf, geduldig und verständnisvoll zu sein. es könne erwartet werden, dass jeder sich einfach mal zusammenreisst, es ist ja nicht die welt und so schwer auch nicht. ich verstehe das. aber die frage ist – welchen sinn hat diese haltung, wenn sie dadurch leute in den widerstand treibt, die vielleicht mit einer anderen herangehensweise in der lage wären, sich tatsächlich für neues zu öffnen? und wer sollte diese geduld und das verständnis aufbringen? auf jeden fall nicht die marginalisierten gruppen, die mit recht ihr recht einfordern und nicht diejenigen sein sollten, nach unendlichen diskrimierungserfahrungen weiterhin geduld und verständnis aufbringen zu müssen.
aber wir, die wir privilegiert in so vielen bereichen sind, die strukturelle ungerechtigkeiten und diskriminierungen erkannt und verstanden haben, die wir worte haben um dinge zu erklären, so dass widerstände überwunden werden. wir haben – auch das ein privileg – alles, um andere mitzunehmen, aus ihrer faulheit zu holen und zum denken anzustiften.