seit gefühlten jahrzehnten höre ich diesen song und denke mir jedesmal super song, mag ich alles, bowie, mercury, super. obwohl ich ein totaler lyricsfreak bin und mir die meisten songs über den text erschliesse, hab ich bei dem nie genauer hingehört. vielleicht zuviel bo bo bo ba ya oder um ba ba be – don´t shoot me, ich hatte den text unter „lautierung, wird schon nicht so wild sein“ abgespeichert.
vor ein paar wochen aber hörte ich mal genauer hin und stolperte über die zeile „its the terror of knowing what the world is about“ und dachte nur so „hell, yes!! das ist es wirklich, ein terror of knowing! wie gerne würde ich einfach mal nichts wissen und keine zusammenhänge sehen.“ und es ging weiter: „watching some good friends screaming „let me out!“, wo ich an freund*innen denken musste, die schon seit so vielen monaten in einem mörderspagat zwischen familie, schule, arbeit und sich selbst hängen und dann der satz „under pressure, we`re cracking“ und ich dachte, ja, das ist der song für diese zeit, besser kann mans nicht audrücken.
und ich blieb eine weile in dieser stimmung hängen, es ist ja auch alles zum verzweifeln und der wunsch nach zusammenbrechen und einfach liegenbleiben und nichts mehr tun, ist sicher sehr vielen sehr vertraut. spätestens dann wenn der nächste elternbrief kommt, in dem ein installationsvideo des neuen messenger verlinkt ist und man nur noch schreien möchte weil man scheints das einzige endgerät benutzt, dass sich nicht nach dem intallationsvideo richten möchte. oder dann, wenn eines der kinder krise kriegt, weil es gerne die freunde wiedersehen möchte, sich in gruppe bewegen will, wachsen will an gruppe aber leider gerade keine gruppe um sich herum haben darf. oder dann, wenn ich über das telefon versuche menschen zu beruhigen, die ihrerseits gerade am durchdrehen mit dieser situation sind. oder dann oder dann oder dann. es gäbe so viel und ich denke, es ist hilfreich anzuerkennen – bei sich und bei anderen – wieviel gerade gestemmt wird. und ja ich bin super privilegiert mit meinen größeren, sehr selbständigen kindern, meiner arbeit, meinen wohnverhältnissen etc. aber leid ist subjektiv und ich möchte niemanden absprechen, mir übriges auch nicht, wie man sich in seiner jeweilige situation jetzt zu fühlen hat – es ist scheiße, wenn es sich so anfühlt.
aber – ich war und bin großer fan von „ist halt jetzt kacke, aber machen wir das beste draus“. so hat mein leben schon immer funktioniert und da gabs viel kacke und meine haltung ging immer irgendwie auf. wieso also nicht jetzt auch? wie gut, dass „under pressure“ genau diesen turn hinkriegt und mir die zeilen dafür liefert:
„why can´t we give love one more chance? why can´t we give love? for love is an old fashioned word and love dares you to care for the people on the edge of the night. and love dares you to change our way of caring about ourselves. this is our last dance. this is ourselves under pressure.“
und ich denke mir, was für ein schönes bild das eigentlich ist, verbunden mit der frage: wer wollen wir unter druck sein? wir sinds ohnehin alle, unter druck – also wer wollen wir sein? wie wollen wir sein? wie wollen wir das machen, in diesen zeiten, mit der liebe? und zwar – und das mag ich so sehr an diesen zeilen – nicht nur in bezug auf die leute, denen es vielleicht grad noch beschissener geht als einem selbst, sondern auch als herausforderung, zu überlegen wie eine neue art von selbstfürsorge aussehen könnte? wer will ich sein in diesen zeiten, unter druck? was ist für mich nötig um gut um die runden zu kommen? und welche form von nächstenliebe gibt, die ich leisten kann und möchte? diese songtextzeilen beinhalten zwei blickrichtungen: die zu mir und die zu anderen. es ist nicht als aufforderung gemeint, mich jetzt zusätzlich zu dem ganzen scheiss auch noch um mein gegenüber mitzukümmern. es geht nicht um kümmern, nicht unbedingt um aktion – die darf entstehen muss aber nicht – sondern es geht in allererster linie um liebevolle haltung, sich selbst und dem anderen gegenüber.
So wahr. So schön hier geschrieben. Danke!
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