
mein elternhaus ist vergangene woche abgerissen worden.
irgendwann vor vielen monaten erwähnte meine mutter das mal und ich vergass es wieder. als ich gestern abend dieses bild der abbruchstelle geschickt bekommen habe, schossen mir die tränen in die augen. ich hadere ja schon mein leben lang mit dem begriff heimat und auch wenn dieses haus und auch die stadt in der es steht, schon seit jahrzehnten nicht mehr meinen lebensmittelpunkt darstellt, war dennoch gestern abend beim anblick der erste gedanke: jetzt bin ich vollends heimatlos.
diese „18“ da wirkt so unendlich einsam, als letzter überrest all dessen was sich dort alles mal an leben abgespielt hat. 19 jahre habe ich in diesem kasten gewohnt, ich war gott froh ihn verlassen zu haben nach diesen jahren, aber es war nun mal auch das haus mit der nr. 18, in dem ich gross wurde und wo das leben mich zu dem gemacht hat was ich bin. oder auch zu dem was ich nicht bin.
und jetzt ist es weg.
mein freund meinte gestern zu mir, dass heimat etwas ist, was man in sich trägt und nichts ist, was zwangsläufig an einen ort gebunden sein muss. „du bist dir selbst heimat“ meinte er und selten habe ich mich besser wiedergefunden in einem satz. denn ja, letztendlich war das wohl der weg der letzten jahrzehnte den ich gegangen bin, es mir so in mir selbst einzurichten, dass ich mir selbst hafen und heimat bin – unabhängig von orten, von menschen.
ich werfe einen letzten blick auf dieses bild, auf den schutt unter dem meine kindheit und jugend, all meine erinnerungen liegen – und lass los. alles wichtige habe ich in mir und bei mir. was für ein trost, was für eine freiheit.