also ich 2015 40 wurde, lud mich meine mutter auf eine reise ein. ich weiss noch, dass ich im auto sass, als sie anrief und meinte, sie wolle mir was besonderes zum 40. schenken, eine reise, gemeinsam mit ihr, für 12 tage. wer meine mutter und mich kennt weiss, warum ich erstmal so tat als sei ich in ein funkloch gefahren („hallo? chchzz…hallo? tkrztdgzl…..“) und rechts ranfuhr. im geiste stellte ich mir meine mutter und mich in irgendeinem südtiroler hotel mit eiche rustikal und geranien auf dem balkon, bergblick und doppelzimmer vor mit jeden tag wandern und zeit. so entsetzlich viel zeit in einer gegend ohne ablenkung und fluchtmöglichkeit. oder besser: entsetzlich viel zeit, ohne ablenkung und fluchtmöglichkeit zusammen mit meiner mutter auf engstem raum. yeah. geiles geschenk. mir war klar, dass mein funkloch allmählich mal rum sein sollte und rief zurück, gewappnet „nein“ zu sagen, zu allem was da kommen möge.
meine mutter überraschte mich. sie lud mich auf eine atlantiküberfahrt auf der queen mary 2 ein – von hamburg über southampton nach new york. ein angebot von zeit-reisen, distungierte hanseaten waren zu erwarten und dazwischen meine mutter und ich. alleine diese tatsache, ein echter brüller.
irgendwann auf dieser überfahrt, es war 2 tage vor new york, stand ich am heck der queen mary 2 und hatte musik auf den ohren. es ging mir nicht gut in diesen tagen – ich war gerade 40 geworden, seit zwei jahren war meine ehe beendet, dennoch hing ich irgendwie noch in ihr. es war eine seltsame mischung dort an bord, aus heimweh, fernweh, unerwartetem trennungsschmerz und undefinierbarer sehnsucht nach irgendwas mit liebe. über mir der endlose, blaue himmel, unter mir das endlose, blaue meer in dem die delfine sich tummelten und in mir stiegen die tränen. in diesem moment und ich schwöre ich werde diesen moment mein leben lang nicht vergessen, begann travis zu singen „when i first held you i was cold, a melting snowman i was told. but there was no-one there to hold before, i swore that i would be alone for ever more….“ und mit einem mal fiel alles in mir an seinen platz.
in der focusing therapie gibt es den begriff des „big shift“ – eine erfahrung, die körper, geist und seele betrifft, in der alle unsicherheit und verwirrung einer grossen klarheit und erkenntnis weicht. nie zuvor habe ich begriffen was das bedeuten soll – bis zu diesem moment. es war als würden alle dämme brechen, als würde alles alte, ungeklärte, verzweifelt bearbeitete mit einem schlag abgelegt werden in mir und zur ruhe kommen. mein körper fühlte sich an wie gummi, aber wohlig entspannt, ich weinte so sehr, dass es mich schüttelte, aber es war diese art von weinen, das löst und nicht verkrampft, das loslässt und nichts festhalten will. „cause to stand up, out in the crowd, you are one in a million and i love you so, lets watch the flowers grow.“ sang travis und ich schwöre er sang jedes wort für mich. ich erinnere mich, dass ich irgendwann den blick vom wasser und in die ferne an diesen unendlichen horizont hob, der auf dem meer nochmal ganz anders ist als am meer.
und plötzlich war dieser eine satz in mir, völlig klar. „etwas von dir bleibt hier.“ und so war es. damals wusste ich noch nicht was genau es war, aber es stellte sich sehr schnell nach der rückreise heraus. dieses „etwas von dir bleibt hier“ hatte was ungemein tröstliches, so als ob das meer dort an dieser stelle auf immer ein hüter eines teils meiner geschichte bleiben würde und dem ich gerne gab, was ich schon viel zu lange mit mir herum trug.
und zu all diesem erleben sang travis, wieder und wieder. ich glaube, ich habe diesen song an diesem nachmittag hundertmal gehört und bis heute, drei jahre später, rührt sich meine seele wenn ich ihn höre.
„there is no reason to feel bad but there are many seasons to feel glad, sad, mad. it’s just a bunch of feelings that we have to hold
but i am here to help you with the load.“
(danke r., fürs erinnern – seine geschichte lest ihr hier.)