wo kommste her?

bis heute eine frage, die ich nicht vollständig und zu meiner zufriedenheit beantworten kann. schon bei unserem ersten date erzählte ich dem freund, dass ich ja eigentlich am bodensee aufgewachsen wäre, geboren aber in hessen, aber eigentlich ja dem norden sehr verbunden sei und als meine heimat bezeichnen würde, da mein vater von dort kam. ob ich dort je gewohnt hätte? äh nein. aber die ferien verbracht und ich weiss selbst wie lahm das alles klingt. ja, dann ist deine heimatstadt also die am bodensee wo du aufgewachsen bist? fragte er. nein eigentlich nicht. ja wo denn dann meine heimat sei fragte er, der wunderlicherweise seit seiner geburt in derselben stadt lebt, sogar im selben viertel und den ich dafür wahlweise glühend bewundere oder beneide.

auch auf parties und feiern wird man ja desöfteren gefragt woher man kommt – immer wieder ein quell ewiger freude für den freund, der dann amüsiert neben mir steht und dem dialog lauscht. ich komme aus bayern sage ich dann, wenn ich gefragt werde, weil da wohne ich ja bereist seit 19 jahren, mal dort mal da. die erste und einzige reaktion, die dann kommt ist immer und jedesmal: ja aber du sprichst ja hochdeutsch, wo kommst du denn wirklich her? und ich sage vom bodensee woraufhin dann auch wieder jedesmal jeder sagt ja aber du redest doch gar kein schwäbisch! ja nein sage ich dann mein vater kam aus flensburg, einflüsse und so und eigentlich weiss ich gar nicht genau wo ich eigentlich herkomme und schwupps ist man in einer heimatdiskussion und wo ist eigentlich das heimatministerium wenn mans mal braucht.

ich kann diese frage nach dem woher nicht beantworten. bez. ich kann natürlich schon – ich bin ja wo aufgewachsen und das immerhin 19 jahre lang, das kann man dann doch schon irgendwie heimat nennen. aber nein, heimat passt nicht. der begriff heimat passt auf nichts, am ehesten noch auf den kleinen ort in bayern in dem ich wohne, aber nur weil zufälligerweise meine zwei kinder da sind. wären die in bergen oder remscheid oder feuerland, na dann wär halt das heimat. nichts fühlt sich nach heimat an – ausser der norden in dem ich nie gelebt habe. bei dem ich mich aber jedesmal zu hause fühle wenn ich mal dort bin, die sprache, die schnelligkeit, der witz – alles fühlt sich richtig an aber es heimat zu nennen käme mir völlig fehl am platz vor weil heimat, da hat man doch gelebt! das hat man doch ausgefüllt mit geschichten und erfahrungen, mit leben.

für menschen wie meinen freund mag sich das seltsam anhören, ich kann das nicht nur bei ihm spüren sondern auch bei freundinnen, die ihre heimat gefunden haben, die sie sich angeeignet haben oder von ihr aufgenommen worden sind, mit ihr verwoben. ich sehe das erstaunen und oft das unverständnis, als ob mit mir was nicht stimmen würde, wie meine mutter, die mir bei jedem umzug erzählt, dass das register mit dem anfangsbuchstaben meines vornamens in ihrem adressbuch, das vollgeschriebenste ist weil ich so oft umgezogen bin. sie liest mir dann manchmal draus vor und ich kann mich tatsächlich an manche adresse nicht mehr erinnern.

ich vermute, der freund wollte das nun endlich ein für allemal geklärt haben, und schenkte mir zu meinem geburtstag einen dna-test, an hand dessen meine ethnische herkunft quasi schwarz auf weiss geklärt wird, ich bin wirklich sehr gespannt, was da jetzt rauskommt. im anschluss an die ergebnisse kann ich diese in eine stammbaumdatenbank eingeben (ich höre schon die dsgvo weinen) und lerne auf diese weise verschollene verwandte überall auf der welt kennen. ungeahnte möglichkeiten neuer heimatsuche!

am allermeisten aber freu ich mich schon auf die nächste party, wo ich endlich verkünden kann: wo ich her komm? also zu 57% aus……das klingt doch schon mal weitaus konkreter als bisher.