Sowohl Yeon Sang-hos SEOUL STATION (2016) als auch sein TRAIN TO BUSAN (2016) zeichneten sich durch eine Herangehensweise aus, die sowohl den Handlungsort Südkorea als auch den romero’schen kritischen Blick auf eine Gesellschaft in einer Krisenlage berücksichtigte. So wurden beide Filme zu interessanten Vertretern ihrer Zunft. Umso erstaunlicher ist es nun, dass Yeon diese Ansätze beim Nachfolger PENINSULA vollkommen fahren lässt und sich stattdessen generischer Zombie-Action verschreibt.
Das zeigt sich schon in der unmotivierten Konstellation der Figuren. Jung-seok (Gang Dong-won) und sein Schwager Cheol-min (Kim Do-yun) werden mit einer Taxifahrerin und einem beliebigen vierten Typen zusammengewürfelt und von einem Hongkonger Gangster in das seit vier Jahren von Zombies überrannte Südkorea geschickt. Warum der Typ es genau diesen vier Beliebigen zutraut, die 20 Mio. US-Dollar zu bergen, bleibt unbekannt. Entsprechend fern bleiben einem die Vier auch und entsprechend willkürlich erscheint es, dass Jung-seok ausgerechnet Min-jung (Lee Jung-hyun), der er bei seiner Flucht nicht geholfen hat, im Zombie-Chaos wiedertrifft. Und was passiert: Nichts. Das in der Exposition Gezeigte ist völlig unerheblich und wird nicht mehr thematisiert.
Und Yeon verschenkt auch die zentrale Idee seines Skripts: die Entstehung einer neuen Gesellschaft. Während Endzeitfilme wie MAD MAX II – DER VOLLSTRECKER (1982) oder Zombiefilm-Fortsetzungen wie LAND OF THE DEAD (2005) sich damit auseinandersetzen, wie Überlebende nach einer Katastrophe neue Gesellschaften bilden, die dann von archaischen Riten, brutalen Auseinandersetzungen oder alternativen Gesellschaftsmodell dominiert werden, macht die Einheit 631 in diesem Film einfach nichts. Ihre einzige Beschäftigung scheint es zu sein, ihre Opfer gegen die Zombies antreten zu lassen und auf den Ausgang des Events zu wetten. Ansonsten gibt es kein Leben, keinen Antrieb, keine Themen. So wirkt dann Chef Seo (Koo Kyo-hwan) auch völlig beliebig und austauschbar.
Und wenn ein Film weder eine glaubwürdige Welt noch einen interessanten Konflikt installiert, dann fehlt es eben auch dem Finale an Gewicht. So langweilt die augenscheinlich von MAD MAX: FURY ROAD (2015) inspirierte ellenlange Verfolgungsjagd – die dank billigen CGI auch noch gruselig aussieht – dann vornehmlich und im Finale weiß sich Yeon erneut nur mit Zeitlupen und unsinnigen Entscheidungen der Protagonisten über die Zeit zu retten. Dramatik entfaltet sich nie, der zwanghafte Versuch tut eher weh. Die Moral von der Geschichte, dass die Bösen und die Gierigen sterben während die Guten überleben, untermauert dann noch mal die Erkenntnis, dass es sich bei PENINSULA um absolut uninspirierte, ja geradezu belanglose Zombie-Standardkost handelt.
Yeon Sang-hos Anime-Prequel zu seinem Erfolgsfilm TRAIN TO BUSAN (2016) übt sich ähnlich wie sein Realfilm-Nachfolger an einer Südkoreanisierung des Zombie-Sujets. Hinter diesem Vorhaben tritt die bloße Storyline höflich zurück, besteht sie doch durchweg aus altbekannten Versatzstücken. Jedoch sind diese Bauteile stets in den gesellschaftlichen, politischen oder geschichtlichen Kontext Südkoreas gerückt, was ihnen durchaus interessante eigenständige Facetten verleiht.
So eröffnet der Film schon mit der Situation der obdachlosen Menschen rund um die Seoul Station und zeigt gesellschaftliche Kälte und ein starkes sozioökonomisches Gefälle. Die Obdachlosen erscheinen allen anderen nur als Störenfriede (Wachleute) oder Gefahrenquelle (Passanten), eine Kommunikation abseits dieser Zuordnung findet nicht statt. Diese Darstellung findet ihren Höhepunkt, wenn ein Polizist beim Angriff der Zombies auf eine Polizeistation entsetzt ausruft, dass die Obdachlosen angriffen. Auch die später kurz auftretende obdachlose Frau, die fälschlicherweise für einen Zombie gehalten wird, verdeutlicht noch einmal, dass Yeon Sang-ho sehr daran gelegen ist, die weitverbreitete Angst der Menschen vor nicht-angepasstem Verhalten mit der Sorge vor lebensbedrohlichen Zombies gleichzusetzen – und sie somit anzuprangern.
Auch Seoul kommt in Yeons Film nicht gut weg. Von den Einwohnerinnen und Einwohnern bekommt quasi niemand etwas von den Geschehnissen der Nacht mit. Die Straßen sind leer, sie sind unbelebt. Das kann bei rund 25 Millionen Menschen kaum ein Zufall sein; vielmehr möchte hier keiner etwas mitbekommen. Seoul – und somit der Hälfte der südkoreanischen Gesamtbevölkerung – scheinen die Ereignisse schlicht egal zu sein. Und damit am Ende auch sicher nichts nach außen dringt, wodurch am Ende doch noch jemand Notiz nehmen könnte, zitiert Yeon auch gleich noch das Gwangju-Massaker, indem er die Fliehenden von der militärisch auftretenden Polizei einkesseln und erschießen lässt. Zusammen mit Wohnungsnot, Prostitution und christlicher Überhöhung zeichnet der Film ein eher düsteres Seoul.
Die bis kurz vor Schluss recht belanglose Geschichte gönnt sich dann aber auch noch ein einfallsreiches Finale, wenn die Protagonistin Seok-gu am Ende ihren ehemaligen Zuhälter richtet. Ist es im Genre ansonsten ein eingeübter Moment der Trauer, wenn eine Hauptfigur gebissen und kurz darauf folglich zum Zombie wird, so eröffnet es Seok-gu hier die Möglichkeit, im Vergehen ihres menschlichen Lebens zumindest noch ihren Peiniger zu bestrafen. Damit ist zwar nicht alles gut, aber Seok-gu hat zumindest die Kraft, die sie braucht, um zurückzuschlagen. Und das, weil sie zu einer der vermeintlichen Außenseiterinnen geworden ist.
Night of the Living Dead – Die Rückkehr der Untoten Night of the Living Dead | USA | 1990 IMDb, OFDb, Schnittberichte
DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN (1968), George A. Romeros und John A. Russos Startschuss des modernen Zombiekinos, war seinerzeit ein großer Erfolg an den Kinokassen. Da der ursprüngliche Verleiher Walter Reade Organization jedoch die Rechte daran zu sichern vergaß, konnten unzählige andere Verleiher den Film zeigen, ohne einen Teil des damit erzielten Gewinns an die Produzenten abführen zu müssen. Der Film war von Anfang an gemeinfrei, Romero & Co. gingen leer aus und es dürfte heute nur wenige Streifen geben, die mehr verschiedene Distributoren aufweisen können. Da durch die Gemeinfreiheit auch die Schaffung von Fortsetzungen jedem offenstand, planten Romero und Russo schon in den 80er Jahren eine Fortsetzung oder ein Remake, um doch noch etwas Kapital aus ihrem geistigen Eigentum zu schlagen.
1990 sollte es dann soweit sein und Effektspezialist Tom Savini, der für Romero bei ZOMBIE 2 – DAS LETZTE KAPITEL (1985) unlängst ein weiteres Mal sein Können demonstriert hatte, sollte Regie führen. Doch zwischen dem Ziel der Produzenten, aus ihrem damaligen künstlerischen Erfolg noch etwas Geld zu machen, und dem Savinis, der Saga seines Freundes (und Vorbilds) Romero etwas Substanzielles hinzuzufügen, langen Welten. So musste Savini dann während der Dreharbeiten feststellen, dass die geldgebenden Studios vor allem einen netten R-Rated-Streifen wollten, der zu Halloween die Kassen klingeln lässt – und schlimmer noch: das Original weitgehend unverändert wiedergibt. Alle Visionen und Ideen Savinis (die er später in einem Buch niederschrieb) waren also unerwünscht.
Das Ergebnis ähnelt dann tatsächlich sehr der Vorlage, behält Figuren, Orte und Situation fast gänzlich bei. Die Gruppe ist erneut vom Konflikt zwischen Ben (nun Tony Todd, dessen Karriere kurz darauf mit CANDYMAN’S FLUCH (1992) Fahrt aufnehmen sollte) und Harry dominiert, was sie erneut handlungsunfähig gegenüber der eigentlichen Bedrohung macht. Die einzig auffällige Änderung der Figuren betrifft Barbara, die nun von Patricia Tallman als taffe Heldin gegeben wird. Anstatt nur zu weinen (wie Judith O’Dea 1968) tauscht Tallman, die für Romero schon in KNIGHTRIDERS – RITTER AUF HEIßEN ÖFEN (1981) und DER AFFE IM MENSCHEN (1988) spielte, zügig ihren Rock gegen eine Arbeitshose, ballert mit der Schrotflinte herum und erinnert so nicht gerade wenig an Sigourney Weavers Ellen Ripley. Sie kommt als einige auf die sinnvolle Idee, einfach abzuhauen, und überlebt letztlich souverän – ganz dem Final Girl-Statut der seit zehn Jahren rollenden Slasher-Welle entsprechend.
Wenn ein FX-Spezialist auf dem Regiestuhl sitzt, dann sollte den Effekten natürlich ein besonderes Augenmerk gelten. Auffällig ist, dass die erwartbare Splatterorgie ausblieb, da das erwähnte R-Rating zur Mäßigung aufforderte. Es gibt zwar einiges an Gewalt, das Gros der Darstellungen konzentriert sich aber auf Make-up und die Ausformung der Zombies. Das gelingt auch klasse, die Untoten sehen toll aus und sind vor allem sehr unterschiedlich gestaltete. Selten gab es wohl so viele individuelle und originelle Wiedergänger zu sehen, die zudem so hochwertig geschminkt waren. Zudem greift Savini auf ein Konzept Romeros zurück, der seine Zombies über die Filme hinweg lernen ließ. An einer Stelle nutzt ein Untoter einen Ziegelstein, um eine Scheibe einzuschmeißen, und zeigt damit ein Verhalten, welches Romero erst auf den Entwicklungsstufen von ZOMBIE 2 – DAS LETZTE KAPITEL (1985) oder LAND OF THE DEAD (2005) vorsah.
Am stärksten emanzipiert sich das Remake dann am Ende. Anstatt des nihilistischen Finales von DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN zeigt uns Savini einen kurzen Blick auf die Reaktion der (US-amerikanischen Land-)Bevölkerung auf die Zombies. Sie antwortet mit Barbarei und beweist sich damit als viel grausamer als die Zombies, die ihre Gräuel unbewusst begehen. Schlimmer noch, Barbara beteiligt sich an derlei amoralischem Verhalten, wenn sie aus purer Wut den überlebenden Harry erschießt. Das ist eine wahrlich bittere Pille und sicherlich der stärkste Moment eines ansonsten schlicht unterhaltsamen Remakes.
1. Zombiefilme sind (falls es sich nicht um deren simpelste Vertreter handelt) immer auch Filme über soziale Schieflagen. Yeon Sang-hos TRAIN TO BUSAN nutzt dafür zwei Ebenen: Familie und Gesellschaft. Er zeichnet ein düsteres Bild über den Zusammenhalt der Menschen in Südkorea, vertreten vor allem durch die Figur des Yong-suk. Aus (grundsätzlich nachvollziehbarer) Angst heraus wiegelt er die Überlebenden gegeneinander auf, ja opfert schließlich sogar bereitwillig mehrere Menschenleben, um sein eigenes zu retten. Das Schlimme daran: Yong-suks Verhalten färbt auf andere Menschen ab – hier reicht ein unsolidarisches Arschloch, um den Zusammenhalt ins Wanken zu bringen. Diese gesellschaftliche Kälte setzt sich in Seok-woos zerrütteter Beziehung zu seiner Tochter Su-an fort. Der Geschäftsmann ist der Prototyp der südkoreanischen Arbeitswelt und als solcher ein schlechter Vater. Da freut es einen am Ende schon fast, dass Yeon Sang-ho die beiden mit so viel Pathos zusammenführt, auch wenn die ein oder andere tränenreiche Zeitlupe dann doch hätte ausbleiben dürfen.
2. Yeon Sang-ho, der bis dato und seitdem ausschließlich Animationsfilme schuf (darunter das Prequel SEOUL STATION (2016)), inszeniert den Streifen mit großer Finesse. Er entscheidet sich für schnelle Zombies und setzt sich damit der Gefahr aus, sich in immer gleichen Jagdszenen zu verlieren. Es wird auch viel gejagt. Aber trotzdem gelingt es Yeon zusammen mit Kameramann Lee Hyung-deok enorm viel Abwechslung zu bieten. Obwohl es eigentlich nur das Zuginnere und ein paar Bahnsteige zu sehen gibt, wir das Treiben nie langweilig, weil der Rhythmus einfach stimmt. Alles greift ineinander und bietet ein rundes Ganzes. Dabei verzichtet der Film weitgehend auf gröbere Brutalitäten. Obwohl diese qua Sujet möglich gewesen wären, sorgen eher die wilden Verrenkungen der Infizierten für Gänsehaut.
3. Filme sind immer auch eine Auseinandersetzung mit uns selbst. Für mich ist TRAIN TO BUSAN ein Film, der mich zu der Überlegung treibt, was mein Ich vor 10 Jahren, einem Zeitpunkt, wo ich noch deutlich mehr derartige Filme guckte, wohl dazu gesagt hätte. Wahrscheinlich hätte es die fehlende Brutalität als öde und den begrenzten Handlungsort als eintönig markiert. Dinge, die mich heute nicht stören, da der Blick auf anderen Qualitäten liegt. Dementsprechend positiv fällt die Einschätzung meines heutigen Ichs auch aus: TRAIN TO BUSAN überzeugt, weil er eben nicht der vordergründige Splatterfilm ist, sondern neben seiner gelungenen Darbietungsform – in bester Romero-Tradition – auch gesellschaftliche Schieflagen benennt.
Die kanadische Krankenschwester Betsy Connell (Frances Dee) wird auf die westindische Insel Sankt Sebastian gerufen, um dort Jessica Holland (Christine Gordon), die Ehegattin des Plantagenbesitzers Paul Holland (Tom Conway), zu pflegen. Schnell stellt sich heraus, dass es keine herkömmliche Krankheit ist, die Jessica in ihren trancegleichen Zustand versetzt; stattdessen lieg der Verdacht nahe, dass die örtlichen Voodoo-Riten Einfluss auf Pauls Gattin genommen haben.
Betsy Connell (Frances Dee) und Paul Holland (Tom Conway)
Bedrohung bei Nacht
Waren Universals DRACULA (1931), FRANKENSTEIN (1931), DIE MUMIE (1932) und DER UNSICHTBARE (1933) noch epochemachende Meilenstein des Horrorkinos, so verlor das Konzept zum Ende der 30er Jahre hin an Schwungkraft und das Studio lieferte immer weitere Variationen und Spin-Offs der bekannten Monstren, ohne jedoch neue Impuls im Bereich Horrorfilm setzen zu können. Es schlug die Stunde von Konkurrent RKO Radio Pictures, die ihren ersten großen Horrorhit dem von Val Lewton produzierten und Jacques Tourneur gedrehten KATZENMENSCHEN (1942) landeten. Ein Jahr später setzte ICH FOLGTE EINEM ZOMBIE den Erfolg fort, der vor allem darauf beruhte, dass Horror plötzlich nicht mehr in fernen Landen und alten Zeiten stattfand, sondern – wie im Falle von KATZENMENSCHEN – gleich in New York oder aber auf einer zumindest geographisch noch greifbaren Insel inmitten der kleinen Antillen.
Paul: Hier gibt es keine Schönheit, nur Tod und Verfall.
Aber nicht, dass hier Missverständnisse aufkommen: natürlich ist eine kanadische Krankenschwester, die sich auf einer exotischen Insel mit einem Voodoo-Kult auseinandersetzt, immer noch recht weit von dem entfernt, was Wes Craven oder John Carpenter dreißig Jahre später unter Horror mit Lebensweltbezug verstehen sollten – und trotzdem ist das Setting schon viel greifbarer als alte Grafen, die sich im fernen Osteuropa rumtreiben. Auch, weil Frances Dees Betsy sich von Anfang an damit auseinandersetzen muss, dass ihr nichts eindeutig Böses gegenübersteht. Tom Conway, der schon in KATZENMENSCHEN mitmischte, ist als verschlossener Ehemann Paul Holland von Anfang an undurchsichtig, sein saufender Bruder Wesley gar unsympathisch. Freundlich ist eigentlich nur das Dienstmädchen Alma, welches Betsy auf die Voodoo-Fährte bringt. Besonders deutlich wird die Vagheit der Ereignisse, wenn Betsy das erste Mal auf Jessica Holland stößt. Die nichtansprechbare Dame des Haus schwankt durch ein altes Gemäuer (hier sieht der Film kurzzeitig doch wie ein alter Universal-Reißer aus) und Betsys Rufe tönen von weit her. Nicht das letzte Mal suggeriert Tourneur seinen Zuschauenden hier eine Traumwelt. Auch wenn Betsy Jessica nachher durch ein windgepeitschtes Feld führt und dabei allerlei unheilschwangere Voodoo-Requisiten passiert, wähnt man sich in einer Welt, die nur bedingt deckungsgleich mit der Realität ist.
US-amerikanisches Aushangfoto
US-amerikanisches Aushangfoto
Schön zu sehen ist dabei, dass es neben Betsy vor allem die erwähnte Alma (in deren Rolle Theresa Harris auch mal Pferde mit Männern vergleicht) und die von Edith Barrett gegebene Mutter Rand sind, die die Handlung maßgeblich bedingen und vorantreiben. Eigentlich sind nur Betsy und Alma an der Aufklärung des Sachverhalts interessiert, der wiederum von Mrs. Rand verursacht wurde. Es ist als augenzwinkernder Hinweis auf diese weibliche Übermacht zu verstehen, dass die Herren Holland, Rand und Maxwell der erschütterten Mrs. Rand während ihrer Beichte einzureden versuchen, dass sie sich sicherlich irre – doch es irren einzig und allein die Herren der Schöpfung.
Betsy: Ich bin einem Zombie gefolgt. Ich weiß, dass muss seltsam klingen.
Ansonsten ist ICH FOLGTE EINEM ZOMBIE vor allem ein Film über Altruismus. Betsy erkennt in Paul dessen (vermeintliche) Liebe zu seiner Frau Jessica, und beschließt deshalb, alles Erdenkliche in die Wege zu leiten, um Jessica zu retten. Sie wird dafür mehr oder minder belohnt, stellt sich doch erst durch ihre Auseinandersetzung mit dem Voodoo-Kult heraus, dass Jessica ein Verhältnis mit Wesley hatte und plante, Paul zu verlassen. Nach deren Tod (der den möglichen Einfluss des Voodoo auch wieder nur andeutet) wäre die Bahn für Paul und Betsy frei, doch Tourneur vergönnt seinen BetrachterInnen ein solches Happy End nicht. Stattdessen dürfen diese dabei zusehen, wie ein Zombie den letzten Toten des Films verursacht.
Und es ist wohl auch nur diese (vor-)letzte Szene und natürlich der von Tourneur und Lewton immer missbilligte Titel, die es heutzutage ermöglichen, den Streifen irgendwie in die Geschichte des Zombiefilms zu pressen. Denn hier wankt Zombie Carrefour tatsächlich mit erhobenen Armen und bedrohlichem Blick auf die Lebenden zu und bedingt (absichtlich und ungewollt) ihren Tod. Trotzdem verkennt man mit dieser kurzsichtigen Genreeinordnung völlig, dass Tourneur hier vor allem einen äußerst stimmungsvollen und vielschichtigen Horrorstreifen geschaffen hat, der das Genre nach Universals Paukenschlägen um subtile und genau deshalb so wirkungsvolle Ideen erweitert.
Jessica Holland (Christine Gordon) und Betsy auf dem Weg durch die Nacht
Das Voodoo-Ritual
Starke Frauen, starke Bilder, starke Atmosphäre: Tourneurs zweite Zusammenarbeit mit Val Lewton zeigt, warum das Horror-Zepter zu Beginn der 40er Jahre völlig zurecht von Universal an RKO wanderte.
Der finstere Morgan (Robert Quarry) lässt den Nachtclubbesitzer Langston (Larry Don Johnson) ermorden, um an dessen Immobilie zu kommen. Doch der Club fällt Langstons hübscher Freundin Sugar (Marki Bey) zu, die ebenfalls nicht verkaufen möchte und sich stattdessen lieber mit Hilfe des mystischen Barons Samedi (Don Perdo Colley) und dessen beschworener Zombie-Armee an den Übeltätern rächt.
Sugar (Marki Bey)
Baron Samedi (Don Pedro Colley)
Nachdem SHAFT (1971) und in der Folge Filme wie COFFY – DIE RAUBKATZE (1973) oder FOXY BROWN (1974) das Jahrzehnt des Blaxploitationfilmes eingeläutet hatten, dauerte es nicht lange, bis sich das Genre von der grundlegenden Detektiv-/Gangster-Thematik wegbewegte um Bindungen mit anderen Genres einzugehen und so die inhaltliche Bandbreite zu erhöhen. Also nahm sich der Produzent Samuel Z. Arkoff, der mit Filmen wie THE LAST MAN ON EARTH (1964), DAS SCHRECKENSKABINETT DES DR. PHIBES (1971) oder AMITYVILLE HORROR (1979) bereits einiges an Expertise in Sachen Horrorfilm gesammelt hatte, des Falles mit dem Versuch an, die Blaxploitation-Thematik mit der aufkommen Zombie-Welle zu vereinen.
Als Regisseur konnte Arkoff Paul Maslansky gewinnen, für den diese Arbeit zwar die einzige als Regisseur blieben sollte, der sich jedoch am Anfang einer großen Produzenten-Karriere befand. Neben POLICE ACADEMY – DÜMMER ALS DIE POLIZEI ERLAUBT (1984) sowie sämtlichen weiteren Teilen der POLICE ACADEMY-Reihe sollte er unter anderem auch das Schwarzenegger-Frühwerk KAKTUS JACK (1979) produzieren. Das Drehbuch stammte dann von Tim Kelly, der nach diesem Engagement ebenfalls nie wieder als Autor tätig sein sollte.
Langston: Gefällt dir die Show, Sugar? Sugar: Eine Wucht! Langston: Ja, eine Wucht, das behaupten viele Leute auch von dir!
Wenn nun derart zentrale Rollen wie Regisseur und Drehbuchautor nach einem Film nie wieder gebucht werden, dann lässt das in der Regel nichts Gutes erahnen. Und tatsächlich ist vor allem das Script von Kelly ein gutes Indiz dafür, warum er heute nicht mehr als Drehbuchautor arbeitet. Die Storyline ist so gradlinig und frei von Überraschungen, dass es ein wahrer Graus ist. Die Hauptrolle erleidet einen Verlust und setzt die Rache ohne Umschweife in die Tat um. Ende. Es gibt keine Probleme, keine Wendungen, keine Twist. Nichts.
Deutsches Aushangfoto
Deutsches Aushangfoto
Das Maslansky es dann schafft, aus diesem flachen Stück Buch wenigstens einige gangbare Szenen zu entwickeln, macht es fast schon irritierend, dass er nicht öfter als Regisseur gearbeitet hat. Denn tatsächlich schafft es der Streifen in einzelnen Szenen mittels trashiger Dialoge und gänzlich überzeichneten Figuren zu punkten. Leider stehen diesen Momenten aber unzählige viel zu lang geratene Sequenzen gegenüber, in denen de facto nichts passiert. Somit hätte sich die Irritation am Anfang dieses Absatzes auch schon wieder erledigt.
Einen Pluspunkt stellt allerdings die Besetzung von Marki Bey dar, die den Film deutlich aufwertet. Denn sowohl als normale Nachtclub-Schönheit (mit gewelltem Haar) als auch als dämonische Racheprinzessin (mit wilder Afro-Frisur) überzeugt sie vorbehaltlos und nimmt den Zuschauer so gänzlich für sich ein. Don Pedro Colley – der drei Jahre zuvor in George Lucas‘ Regie-Debut THX 1138 (1971) zu sehen war – gibt als schallend lachender Dämon ebenfalls ein charmant albernes, aber nichtsdestotrotz gelungenes Bild ab und Larry Don Johnson hätte als Genre-Stereotyp auch etwas mehr Screentime verdient gehabt.
Morgen: Einen Mann kriegt man am besten klein, indem man ihn auseinandernimmt …
Die Bösewichte sind dann nicht nur weiß, sondern mimen auch noch eher leidlich vor sich hin. Robert Quarry, der zu jener Zeit gerade mit MGM-Horrorschinken wie JUNGES BLUT FÜR DRACULA (1970) oder DIE RÜCKKEHR DES DR. PHIBES (1972) beschäftigt war, ist als Bösewicht schlicht zu blass und austauschbar. Das er dann auch noch in einem winzigen Tümpelchen ertrinkt, setzt dieser Rolle die Krone auf. Schlimmer bleibt da nur noch Betty Anne Rees in Erinnerung, die als willen- und ahnungslose Freundin des Antagonisten wirklich zu nichts zu gebrauchen ist; von dem zugegebenermaßen gelungenen Kampf gegen Sugar einmal abgesehen.
Immerhin fallen die Kostüme poppig bunt und die Morde einigermaßen abwechslungsreich aus, sodass man sich als Zuschauer zumindest an diesen entlang hangeln kann. Denn die Story bricht nach 60 Minuten – trotz des Versuchs, die Spannung mittels eines auftauchenden Detektivs Genre-konform zu erhöhen – vollends ein und entlässt den Zuschauer in das allzu vorhersehbare Ende. Somit stellt diese Genre-Mixtur letztlich einen müden Versuch dar, die Vorteile der beiden Stilrichtung miteinander zu kombinieren; der dieses Ziel jedoch fast nie erreicht.
Die Bösen …
Die Zombies …
Müde Blaxploitation-Zombie-Gurke, die weder den Schrecken der einen Vorlage noch die Stil der anderen vorzuweisen vermag. Auch die Gesellschaftkritik geht dem Ding völlig ab und so bleiben nur ein paar leidlich unterhaltsame Morde; das war’s dann aber auch schon …
Das Leichenhaus der lebenden Toten
Non si deve profanare il sonno dei morti | Italien/Spanien | 1974 IMDb, OFDb, Schnittberichte
Der Antiquitätenhändler George (Ray Lovelock) möchte aus dem Londoner Stadtleben ausbrechen und ein paar Tage auf dem Land verbringen. Unterwegs trifft er die unsichere Edna (Cristina Galbó), mit der er zusammen in ein kleines Städtchen reist. Vor Ort trifft er auf Bauern, die mit radioaktiver Technik Schädlinge bekämpfen wollen, aber stattdessen kürzlich verstorbene wieder zum Leben erwecken. George erkennt die Gefahr, aber keiner der traditionsbewussten Landbewohner ist geneigt, dem jungen Stadtburschen Gehör zu schenken.
1968 begründete George A. Romero mit DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN den modernen Zombiefilm. Und auch wenn die europäische Filmindustrie gute Ideen noch nicht mit jener Intensität weiterverarbeitete, die später prägend werden sollte, so war man guten Ideen gegenüber doch nicht abgeneigt. So fanden sich dann zwei Produzenten, der Italiener Edmondo Amati und der Spanier Manuel Pérez, die beide daran interessiert waren, aus dem von Romero begründeten Genre Kapital zu schlagen. Dabei hatten die beiden einen durchaus kostengünstigen Reißer vor Augen. Doch der von Ihnen beauftragte Regisseur, der Spanier Jorge Grau, der sich mit den Horror(-Dramen) COMTESSE DES GRAUENS (1973) und VIOLENT BLOOD BATH (1973) vollends von seinem vorherigen Dasein als Dokumentarfilmer emanzipiert hatte, wollte nicht einfach einen kleinen Zombie-Trasher drehen, sondern Romeros gesellschaftkritische Intention fortführen.
Das Drehbuch lieferten dann unter anderem Marcello Coscia, der schon die Bücher für Mario Bavas DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT (1960) und Pasquale Festa Campaniles im Originalton ebenfalls durchaus einfallsreichen ALS DIE FRAUEN NOCH SCHWÄNZE HATTEN (1970) geschrieben hatte, und Sandro Continenza, der bereits bei COMTESSE DES GRAUENS mit Grau zusammengearbeitet hatte und vier Jahre später mit dem Drehbuch zu Castellaris EIN HAUFEN VERWEGENER HUNDE (1978) sein Paradestück abliefern sollte. Und auch wenn das Script pro forma durchaus trashig klingen mag, so offenbart es doch im Verlaufe der Handlung immer mehr großartige Einfälle und hintergründige Gedanken.
George: Bitte langsam, langsam. Es ist sicher furchtbar einfach, aber können Sie es vielleicht nochmal sagen? Bauer: Aha, Sie sind ein wenig schwerhörig, was? Naja, das wird an dieser Haarmähne liegen, die Sie über den Ohren haben …
Im Zentrum steht dabei der Generationenkonflikt zwischen dem alteingesessenen Inspektor und dem jungen aufrührerischen Städter. Dem fällt die eigentliche Klärung der Geschehnisse vollkommen zum Opfer, dem Inspektor ist nur daran gelegen, sein Feindbild zu bestätigen und George ins Gefängnis zu bringen. Stetige Beleidigungen und vor allem die stereotypen Vorurteile zeichnen ein treffendes Bild der britischen 70er. Hinzu kommt ein Statement in Sachen Naturschutz, bringt der widernatürliche und radioaktive Eingriff der Bauern doch erst das Problem auf den Plan. Diese und viele weitere kritische Themen und Sichtweisen stellen den Film klar in Romeros Tradition und machen die wandelnden Toten zu einer Aussage, anstatt nur zu einer mordenden Horde.
Aber auch ein gutes Script kann im Anbetracht von Mähdreschern, die mit atomaren Sensoren bestückt sind, in allzu alberne Gefilde abdriften. Doch hier steuert Grau gekonnt gegen und verpasst dem Film ein Inszenierung, die innerhalb dieses Genres ihres gleichen suchen dürfte. Mit einem sehr klaren, stellenweise fast dokumentarischen Stil präsentiert er die Geschehnisse, so dass zu keinem Zeitpunkt das Gefühl aufkommt, Grau sei nur auf den günstigen Schock aus. Ganz im Gegenteil: Selbst Szenen, in den die Untoten recht unerwartet erscheinen, bleiben stets ruhig und dokumentarisch.
Die gänzliche Abwesenheit von Musik (stattdessen gibt es nur diverse sphärische Klänge) tut ihr übriges und gibt dem Film einen sehr eigenen und spannenden Stil. Denn das Fehlen vordergründiger Schockmomente macht den Weg für einen omnipräsenten Horror frei, der von Grau geschickt auf konstant hohem Level gehalten wird. Dabei bedient sich der Spanier zunächst kaum seiner untoten Protagonisten, sondern nutzt die erste Hälfte des Films dazu, die Rollenkonstellation, die vornehmlich durch die Vorurteile gegeneinander konstituiert wird, auszuarbeiten, um dann das daraus entstehende Drama folgen zu lassen. Dabei bleibt der Film bis zum Finale konsequent und führt seine zuvor angeprangerten Themen so einem sinnvollen Schlusspunkt zu. Selten hat man in einem Zombiefilm einen derart kompletten und funktionierenden Spannungsbogen vorgefunden.
Der Inspektor: Wenn du nur auch noch mal aufstehen würdest, dann könnte ich dich noch mal fertig machen, du Bestie!
In Sachen Darsteller weiß Ray Lovelock als von den Vorurteilen genervter Antiquitätenhändler vollends zu überzeugen. Mit wehender Haarpracht und Sonnenbrille steht er der ländlichen Tradition gegenüber und beeindruckt immer wieder mit pointiertem Spiel, während er sich bei den Tauben Gehör zu schaffen versucht. An seiner Seite wirkt Cristina Galbó (auch aufgrund ihrer Rolle) zunächst etwas unbeholfen, steigert sich dann im Verlauf des Films aber zu einer ebenfalls gefälligen Hauptrolle. Das sie als Frau aber trotzdem den ewigen Schutz des Mannes benötigt, ist wohl auch in einem durchaus gesellschaftskritischen Film nicht zu ändern. Da die Europäer ihre Filme in jenen Tagen stets mit einem alternden US-Star aufpolierten, gibt es in der Rolle des Inspektors Arthur Kennedy zu sehen, der ebenfalls eine ordentliche Darbietung abliefern kann.
Und sobald die Zombies die Leinwand betreten kommt es auch zu einer durchaus überraschenden Quantität an graphischer Gewalt. Sowohl Ausweidungen, als auch abgerissene Brüste und diverse andere Unannehmlichkeiten werden gekonnt dargestellt und sorgen so ebenfalls dafür, dass sich der Zuschauer immer mal wieder an Romeros Zombie-Interpretationen erinnert fühlt. Und auch wenn der Film zu keiner Zeit die Unmenge an Effekten eines ZOMBIE (1978) erreicht, so ist das Finale doch von erfreulicher Explizität. Für die durchweg gelungenen Effekte zeichnet übrigens der Make-up-Künstler und Spezialeffekt-Handwerker Giannetto De Rossi verantwortlich, der in der Folge sowohl bei italienischen Genre-Klassikern wie Fulcis WOODOO – DIE SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES (1980) oder Margheritis ASPHALT-KANNIBALEN (1980), als auch bei Hollywood-Produktionen wie DER WÜSTENPLANET (1984) oder RAMBO III (1988) mitwirken sollte.
Edna: Glaubst du die Polizei könnte Recht haben? George: Bestimmt nicht! Schon aus Prinzip …
In Deutschland sorgten diese Szenen dann dafür, dass der Film, der zunächst noch ungeschnitten im Kino aufgeführt wurde, zur Heimkinoveröffentlichung ebenso wie zur Wideraufführung (beide unter dem Titel Invasion der Zombies) dann einer Indizierung zum Opfer fiel. Und als wäre es nicht genug, dass diese im Jahre 2007 nach dem Ablauf der 25-jährigen Frist noch einmal bestätigt wurde, fühlen sich seit Beginn dieses Jahrtausends verschiedene Amtsgerichte auch dazu berufen, den Film mit Beschlagnahmungen zu belegen.
So wird ein weiterer großartiger Film mit einer Einschränkung belegt, die seinen Inhalt, seine Ideen und seinen Kunstgehalt vollends ignorieren. Denn Jorge Graus Werk stellt nicht nur einen der frühesten (modernen) Zombiefilme dar, sondern schlicht auch einen der besten. Ein ebenso spannendes wie sinnreiches Script verpackt in eine bestechend atmosphärische Inszenierung, das sind Elemente, die man in vielen ähnlich gelagerten Produktionen vergebens sucht. Und allein dafür gebührt dem Film schon mal der größte Respekt.
Großartiger Zombie-Film, der fast alle Genrekollegen in den Schatten stellt. Selten hat man einen derart spannenden und gekonnt unaufgeregten Untoten-Streifen gesehen, der sowohl sinnvolle Inhalte, als auch Spannung und graphische Gewalt bietet. Für jeden nur entfernt Zombie-Interessierten sicherlich ein Pflichtprogramm!
Nach dem Tod seiner Mutter zieht Jeff Matthews (Edward Furlong) mit seinem Vater Chase (Anthony Edwards) in das beschauliche Ludlow. Jeff freundet sich mit dem Außenseiter Drew (Jason McGuire) an und als dessen Hund stirbt, machen sich die beiden daran, das Haustier auf einem alten Indianerfriedhof zu begraben, von dem man sagt, dass er Tote wieder zu Leben erwecken könne.
Mary Lamberts FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE stellte sich 1989 als großer Erfolg an den Kinokassen heraus – der Streifen ist bis heute die viererfolgreichste King-Verfilmung – und regte so Interesse an einem Nachfolger. Lambert, die mit dem ersten Teil ihren größten Erfolg verbuchen konnte, war auch gleich mit von der Partie und ging drei Jahre später daran, eine Fortsetzung zu drehen; etwas, dass für Verfilmungen von King-Büchern eigentlich ungewöhnlich ist. So stand King, der für den ersten Teil noch am Script mitarbeitete, hier auch nicht mehr zur Verfügung und Richard Outten übernahm diesen Posten.
Das Ergebnis tendiert dann in eine etwas kindliche Richtung, was vor allem an der Wahl der Hauptrollen liegt. Edward Furlong hatte sich als Vierzehnjähriger gerade als John Connor in TERMINATOR 2 – TAG DER ABRECHNUNG (1991) einen Namen gemacht und präsentiert hier ein weiteres Mal eine jener nihilistisch-negativen Rollen, die im Laufe der Jahre zu seinem Steckenpferd werden sollten. Das alleine würde nun nicht unbedingt für die erwähnte kindliche Tendenz sorgen, aber da wäre ja noch Jason McGuire. Dieser spielt einen klassischen dicken Sidekickbuddy, dessen humorvoll tollpatschige Präsenz Furlongs düsteres Spiel ausgleicht und ein stereotypes Team entstehen lässt. Das funktioniert zwar weitestgehend gut, verpasst dem Film aber einen deutlich komödiantischeren Stil, als er beim Vorgänger der Fall war. Neben den beiden jungen Hauptrollen muss Clancy Brown in der Rolle des Gus Gilbert noch Erwähnung finden, der aus dem zunächst klischeebeladenen Dorfbullen im Verlaufe des Films einen humorvoll überzeichneten Zombiedad macht. Bekanntheit erlangte Brown im Übrigen als Bösewicht Kurgan in HIGHLANDER – ES KANN NUR EINEN GEBEN (1986).
Drew: Manchmal wünsche ich mir Gus wäre tot! Jeff: Sowas sagt man nicht über seine Eltern, nicht mal über seinen Vater …
Und Browns Rolle ist auch die optische Manifestation dessen, was das Script vom King-Drehbuch des Vorläufers unterscheidet. Während im Original eine morbide Stimmung herrscht, in der das unausweichliche Elend immer näher kommt und sich alles um Kindstod und Wahnsinn dreht, bekennt sich die Fortsetzung offen zu ihrer Substanzlosigkeit und reproduziert die bekannte Geschichte vermengt mit einer ordentlich Portion Humor. Die tragischen Beweggründe einen Louis Creed sucht man hier vergebens, die beiden Jungs schleppen einfach alles was tot ist auf den Friedhof; egal ob Tier oder Mensch. Die Wiedergänger nehmen dann am sozialen Leben teil, verfolgen darüber hinaus eigensinnige Ziele und sind sich selbst für kleine Scherze nicht zu schade.
Was dem horrorafinen King-Freund nun übel aufstoßen dürfte, kann als kleiner Nobrainer durchaus funktionieren. Dafür sorgt nämlich auch die deutlich erhöhte Anzahl an blutigen Gewalttaten, die schon fast in Splatterfilm-Manier vorgetragen werden. Dabei gibt es dann vor allem im weiteren Verlauf des Films einige hübsche Effekte zu begutachten, die den sinnfreien Spaß ordentlich aufzulockern wissen. Befremdlich erscheint hingegen, dass der Streifen im Gegensatz zum Vorgänger einer Indizierung unterliegt. Ob die überzeichnete Gewalt in diesem Film wirklich schlimmer ist, als die zutiefst pessimistische Stimmung des Vorgängers, darf dabei gerne diskutiert werden …
Chase: Was hat das alles zu bedeuten, Gus? Wieso haben Sie meine Frau ausgegraben? Gus: Weil ich sie ficken wollte!
Trotz einer Verbindungen zu ersten Teil bleibt der Streifen übrigens weitestgehend eigenständig, Verständnisschwierigkeiten sollten auch ohne Kenntnis des Vorgängers nicht aufkommen. Trotzdem hält das Filmchen für Eingeweihte ein paar nette Anspielungen und Späße bereit. Ansonsten erreicht FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE 2 zu keinem Zeitpunkt eine dem Original ebenbürtige Atmosphäre, allerdings erweckt der Film auch gar nicht den Anschein das zu wollen. Mary Lambert inszeniert hier mit gekonnter Hand einen sinnfreien Horror-Unterhaltungsfilm, der mit zahlreichen Effekten und einer Prise Trash die fehlende Substanz relativ gut zu kaschieren vermag. Das macht das Dingen zwar noch lange nicht zu einem guten Film, aber zu einem ansehbaren 90er-Vehikel macht es das allemal.
Mit der dichten Atmosphäre des Vorgängers hat das hier nichts mehr zu tun, aber wenn man Atmosphäre und Horror gegen Blut und komödiantische Anteile eintauschen möchte, kann man sich dieses Filmchen durchaus angucken.
Louis Creed (Dale Midkiff) zieht mit seiner Frau Rachel (Denise Crosby), seiner Tochter Ellie (Blaze Berdahl) und seinem Sohn Gage (Miko Hughes) in ein neues Haus auf dem Land. Genau vor dem Haus führt eine stark befahrene Schnellstraße vorbei, der der Familienkater Church recht schnell zum Opfer fällt. Doch der alte Jud (Fred Gwynne) von Gegenüber kennt eine Möglichkeit, das verstorbene Haustier ins Leben zurückzuholen; mit fatalen Folgen.
Der 1983 veröffentlichte Roman Friedhof der Kuscheltiere von Stephen King gilt bis heute als das kommerziell erfolgreichste Werk des Horrorautors. Da ist es dann schon erstaunlich, dass ganze sechs Jahre ins Land ziehen sollten, bis das Werk endlich seine obligatorische Verfilmung erhielt. Ein Grund dafür könnte allerdings sein, dass King bei diesem Film selber das Drehbuch schrieb. Wo ansonsten andere den Inhalt der Bücher für die Filme zurechtschrieben, setzte sich der Schöpfer der Geschichte dieses Mal selber hin und machte aus seinem Buch ein Filmscript. Bei vorherigen Verfilmungen war King nämlich des Öfteren mit der inhaltlichen Umsetzung unzufrieden; bei Kubricks SHINING (1980) verweigerte er dem Film gar den Titel einer offiziellen King-Verfilmung. In der deutschen Presseinformation zum Film findet sich dann allerdings das King-Zitat: „Es war interessant für mich, dieses Drehbuch zu schreiben – ich konnte Dinge in den Film einbringen, die nicht im Buch waren“, welches es wiederum merkwürdig erscheinen lässt, dass King anderen Filmemachern die zuvor genommenen Freiheiten übel nahm.
Im Endergebnis beschränken sich die Erweiterungen dann allerdings auf zwei kleinere Feinheiten: Eine Haushälterin, die der Geschichte allerdings nichts Relevantes hinzufügt und das deutlich häufigere Auftreten von Victor Pascow. Letzteres kann man allerdings mit der im Film so einfacheren Schaffung von Spannung und Grusel erklärt werden.
Denn die Buchvorlage zieht diese aus der von Beginn an augenscheinlichen Ausweglosigkeit, die vor allem in den Gedanken der Protagonisten entsteht. Im Film funktioniert dieser Pessimismus dann trotzdem gut, und rückt den Film in nicht unerheblichem Maße in Richtung Drama. Bereits als die Familie Creed ihr neues Domizil erreicht wird klar, dass man hier mitnichten ein perfektes Familienleben erwarten darf. Ungereimtheiten zwischen den Eheleuten werden geschickt angedeutet – und im Verlauf bestätigt – was von Beginn eine unruhige Stimmung konstituiert. Diese schwächelt dann zwar im Mittelteil ein wenig, bleibt aber bis zum Schuss auf konstant ordentlichem (und deprimierendem) Niveau.
Dazu trägt auch der erstaunlich routinierte Inszenierungsstil von Regisseurin Mary Lambert bei (die hier erst ihren zweiten Spielfilm ablieferte), der sich nicht vor anderen Vertretern dieses Genres zu verstecken braucht. Ob sie sich dabei allerdings wie geplant mit Werken wie DER EXORZIST (1973) oder DAS OMEN (1976) messen kann, darf doch bezweifelt werden. Trotzdem zählt der Stil des Films mit Sicherheit zu den gelungeneren Darbietungen des klassischen 80er Horrors. Interessant wäre es natürlich gewesen, wenn der lange Zeit eingeplante George A. Romero tatsächlich die Regie übernommen hätte. Unter Umständen wäre die Darstellung der Untoten dann etwas anders ausgefallen …
Jud Crandall: Der Acker im Herzen eines Mannes ist steiniger … so steinig wie die alte Begräbnisstätte der Micmac-Indianer!
Aber auch so weiß deren Auftreten zu unterhalten, auch wenn insbesondere Billy Baterman ein wenig zu trashig daherkommt. Dafür kann aber der wiederauferstandene Gage mit seiner Performance bestens unterhalten. Seine Auftritte wurden zum Teil vom dreijährigen Miko Hughes und zum Teil von einer von bis zu sieben Technikern bewegten Puppe übernommen. Diese wurde unter anderem von Lance Anderson gebaut, der neben DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (1982), auch an GHOSTBUSTERS – DIE GEISTERJÄGER (1984) und DER BLOB (1988) beteiligt war. Darüber hinaus fertigten die Jungs von der Abteilung Spezialeffekte noch einige nett anzusehende Gewaltszenen, die dem Streifen neben ein paar günstigen Schauwerten in Deutschland auch eine Indizierung einbrachten. Viel wichtiger ist allerdings, dass eben diese Effekte im letzten Drittel des Films dafür sorgen, dass die vormals ernste und dunkle Stimmung ein wenig in Richtung billigen Horrors kippt. Das ist nicht wirklich schlimm, wirkt allerdings ein wenig unstimmig; die mit dem Holzhammer vollführte Schlussszene bestätigt diesen Eindruck übrigens ein weiteres Mal.
Das ist vor allem schade, weil die Mimen trotz ihrer relativen Unbekanntheit eine ordentliche Leistung abliefern. Vor allem Fred Gwynne, der als Herman Munster in der TV-Serie THE MUNSTERS (1964 – 2007) noch das meiste Renommee vorweisen kann, bringt die Rolle des Jud Crandell hier wundervoll auf den Punkt. Trotz gelegentlichem Overactings finden Kenner der Buchvorlage hier eine weitestgehend stimmige Interpretation des Charakters. Aber auch Dale Midkiff und Denise Crosby bringen die kriselnde Ehe der Creeds ordentlich, wenn auch mit gelegentlichen Schwächen, auf die Leinwand.
Aus kaum nachvollziehbaren Gründen erfuhr der Film dann allerdings nie die Aufmerksamkeit, die er eigentlich verdient hätte. Gerne wird er dann der qualitativ schlechten Welle an kostengünstigen King-Verfilmungen in den 90er Jahren zugeordnet, womit man dem Film allerdings Unrecht tut. Denn auch wenn er nicht mit großartigen Werken wie CARRIE – DES SATANS JÜNGSTE TOCHTER (1976), SHINING (1980) oder auch CHRISTINE (1983) mithalten kann, so ist der Film doch deutlich gelungener als sein Ruf; und wer spannendes Horrorkino aus den späten 80ern mag, kommt an diesem Film ohnehin nicht vorbei.
Unterschätzte King-Verfilmung, die deutlich besser ist, als gemeinhin behauptet. Vorausgesetzt, man mag pessimistische Dramen und klassischen 80er Horror.
Zombies from Outer Space Zombies from Outer Space | Deutschland | 2012 IMDb, OFDb, Schnittberichte
Ein idyllisches kleines Dorf in Bayern erwacht unsanft aus seiner ländlichen Ruhe als die örtliche Polizei mehrere Leichen findet. Zusammen mit mysteriösen Kornkreisen und ähnlichen Kuriositäten wird ziemlich schnell klar, dass Kreaturen aus einer anderen Welt hier ihr Unwesen treiben. Die junge Maria (Judith Gorgass) und ihr Verehrer Robert (Florian Kiml) müssen schnell feststellen, dass sie im Zentrum des Interesses der Außerirdischen stehen.
Von Zeit zu Zeit schafft es immer wieder eine deutsche Independent-Produktion, auch über die Szene heraus Aufsehen zu erregen. In den späten 90’er Jahren war das vor allem die Aufgabe von Splatterikone Olaf Ittenbach, doch seitdem es um den Herren etwas ruhiger geworden ist, ist auch Platz für andere Filmemacher da. Martin Faltermeier gehört zu diesen Filmschaffenden und er dürfte Fans des deutschen Amateurfilms vor allem durch IN THE NAME OF GORE (2004) bekannt sein. Im Jahre 2010 ging Faltermeier mit seinem Team dann daran, zwei im deutschen Amateurbereich gemeinhin weniger beachtete Genres zu vermischen: Den amerikanischen 50’ies-Sci-Fiction- und den deutschen Heimatfilm. Eine skurrile Mischung, die schon während der Produktion deutlich mehr Aufmerksamkeit zu erregen vermochte, als sonst üblich und die mit Sicherheit einen der interessantesten Eckpunkte der jüngeren deutschen Indie-Geschichte darstellt.
Inspiriert von Trashperlen wie PLAN 9 FROM OUTER SPACE (1959) und anderen klassischen 50’er-Jahre Science-Fiction-Filmen schrieb Faltermeier ein Drehbuch, das sich vor allem bei den Klischees der jeweiligen Genrevorbilder bedient. Klassische Grey-Aliens, die obligatorischen Wissenschaftler, ein unschuldiges Mädel, alles ist dabei. Interessant wird das Ganze durch die Verquickung mit den Elementen des Heimatfilms. Die ländliche Gegend und die idyllische Ruhe stehen in unterhaltsamen Kontrast zu den Aliens und umhersausenden Ufos. Deutlichstes Merkmal des (bayrischen) Heimatfilms ist aber die Sprache. Alle Rollen – die amerikanischen Soldaten ausgenommen – sprechen mit einem mehr oder minder starken bayrischen Akzent; der zum allgemeinen Amüsement auch bei den einzelnen Rollen mal stärker, mal schwächer ausfällt. Und auch wenn darauf geachtet wurde, dass auch Nicht-Bayern etwas verstehen, dürfte es außerhalb des Freistaats doch schwer fallen, jeden Nebensatz zu erhaschen. Dem gegenüber steht das gebrochene Deutsch-Englisch der US-Kräfte, welches aber ebenfalls so konzipiert wurde, dass man stets versteht und – aufgrund humorvoller Grammatik – lacht. Leider weist das Drehbuch aber vor allem in der ersten halben Stunde einige Längen auf, die ein flottes Eintauchen in die Geschichte verhindern. Erst mit zunehmender Spieldauer nimmt die Geschichte Fahrt auf und präsentiert sich zum Finale hin immer kurzweiliger.
Dafür zeichnen natürlich maßgeblich die vermehrt auftretenden Zombie-Aliens verantwortlich. Diese präsentieren sich in gelungenen (wenn auch nur den Kopf betreffenden) Masken und sind teils in beeindruckender Quantität vorhanden. Die karikierten Bewegungen nehmen den Besuchern zwar jeden ernst, aber immer mal wieder eingestreute Splatterszenen wiegen das locker auf. Diese sind von durchweg guter Machart, war doch unter anderem Philipp Rathgeber daran beteiligt, der schon Erfahrung bei Meister Ittenbach sammeln konnte.
Ein großes Problem für kostengünstige Indie-Produktionen sind neben der Ausstattung meist die Darsteller. Während der erste Punkt bei dieser Produktion allerdings äußerst gelungen ist, und die Verortung in den 50’er Jahren meist geschickt eingefangen wird, krankt der ambitionierte Film ein wenig an seiner Darstellerriege. Vor allem Hauptrolle Judith Gorgass bleibt äußerst blass und auch ihr Nebenmann Florian Kiml kann bestenfalls eine Durchschnittswertung einfahren. Einzig Siegfried Foster kann als Captain Welles mit relativ souveräner Albernheit punkten und trägt so die schauspielerische Last weitestgehend allein. Dieses schauspielerische Manko (welches natürlich stets in Kontext der Produktionsbedingungen gesehen werden muss) ist vor allem deshalb schade, weil der Film ansonsten äußerst ambitioniert und gut umgesetzt daherkommt.
Vor allem die liebevollen Aliens und das trashige Raumschiff können begeistern und machen die Handvoll unglücklicher CGI-Szenen vergessen; welche ohnehin recht dezent eingearbeitet sind. Viele Szenen könne zum Schmunzeln verleiten und die mutige Idee zum diesen wilden Genremix zahlt sich weitestgehend aus. Auch wenn natürlich hier und da Ecken bleiben kann sich der Film mit Leichtigkeit aus dem Gros der Amateurfilme erheben und verdient als solcher sicherlich Beachtung.
Beeindruckende Amateurproduktion, die mit vielen guten Ideen und einer ambitionierten Herangehensweise punkten kann. Zwar bleiben die Darsteller fast in Gesamtheit blass, aber ein tolles Setdesign und viele Effekte können das locker aufwiegen. Hut ab.