
Jagd auf Roter Oktober
The Hunt for Red October | USA | 1990
IMDb, OFDb, Schnittberichte
Nach PREDATOR (1987) und STIRB LANGSAM (1988) war John McTiernans Ruf als Fachmann für spannende Actionstreifen bereits gefestigt. Da bedurfte es bei Paramount Pictures keiner langen Überlegungen, bis man zu dem Schluss kam, dass ein Budget von 30 Millionen US-Dollar und ein Drehbuch, dass auf einem Roman des seit einigen Jahren erfolgreichen Tom Clancy fußt, bei ihm in guten Händen seien. Und auch wenn JAGD AUF ROTER OKTOBER McTiernan etwas von beinharter Action weg- und stattdessen zum ruhigeren Thriller hinführt, so erweist sich die Entscheidung, ihn für dieses Projekt zu engagieren, doch als richtig.
Denn der Regisseur liefert unter Wasser genauso ab, wie im Dschungel oder auf dem Nakatomi Plaza. Die Geschichte um den sowjetischen Überläufer Marko Ramius (Sean Connery mit Perücke), der auf der Gegenseite sein verständiges Pendant Jack Ryan (Alec Baldwin) findet, lebt von der beklemmenden Atmosphäre in den diversen U-Booten und von den spannenden Dialogen. Gut, dass McTiernan mit Scott Glenn als US-amerikanischem Commander, Sam Neill als Ramius rechter Hand, James Earl Jones als US-Admiral oder Tim Curry als sowjetischem Schiffsarzt eine ganze Reihe toller Mimen an Bord hat, die die doppelbödigen Dialoge, bei denen man von Beginn an ständig nach Verrätern und Falschspielern sucht, überzeugend transportieren können.
Tom Clancys gleichnamige Romanvorlage stammt aus dem Jahr 1984 und ist somit noch etwas mehr im Kalten Krieg verhaftet als die Verfilmung, die ihre Figuren und die Sowjetunion schon fast in einer GOLDENEYE (1995) ähnlichen Art und Weise karrikiert. Die Figur Ramius und seine Anhänger werden als edle Gesellen gezeichnet, die dem Sowjet-System mittlerweile entsagt haben, aber die sie verfolgenden Sowjet-Soldaten und der Botschafter Andrei Lysenko (Joss Ackland) sind Abziehbilder der Anti-Kommunismus-Propaganda. Skurril wird es dann, wenn Sam Neill als Borodin von “Montana”, einer “knackigen Amerikanerin” und der “Kaninchenzucht” träumt; immerhin wird dieser Kitsch von Ramius gekontert, indem er ihm anrät, doch gleich zwei Frauen zu nehmen – und Borodins Vorstellungen damit als Klischees entlarvt. Trotzdem darf Ramius dann am Ende Columbus zitieren und von Ryan in “der neuen Welt” begrüßt werden. Eine völlig schräge Metapher, die noch einmal verdeutlicht, dass hier keine intellektuelle Auseinandersetzung angestrebt ist, sondern flotte Unterhaltung – und das gelingt dem Film.