Death Proof – Todsicher
Death Proof | USA | 2007
IMDb, OFDb, Schnittberichte
Stuntman Mike (Kurt Russell) ist in seinem Musclecar unterwegs und hat es auf junge Mädels abgesehen, die er in seinem umgebauten Gefährt mittels absichtlicher Unfälle zur Strecke bringt. Doch als er auf Abernathy (Rosario Dawson), Kim (Tracie Thoms) und Zoe (Zoe Bell) stößt, es vor vorbei mit den ungesühnten Morden …
Drei Jahre sollten nach Quentin Tarantinos Zweitteiler KILL BILL ins Land gehen, bevor der werte Herr Aufsteiger wieder auf dem Regiestuhl Platz nehmen sollte. In der Zwischenzeit war er als Gastregisseur an Robert Rodriguez SIN CITY (2005) beteiligt und produzierte unter anderem Eli Roths HOSTEL (2005). Und wenn er gerade nicht an Filmsets herumlungerte, guckte er mit Rodriguez zusammen Filme. Bei einem Doublefeature im heimischen Kinosaal kamen die beiden dann auf die Idee, ebenfalls ein solches zu produzieren
Gesagt, getan, und 2007 kam dann das in den USA (und einigen anderen Ländern) als GRINDHOUSE betitelte Projekt in die Kinos. Auf eine erträgliche Länge gekürzt (bei DEATH PROOF – TODSICHER fehlt beispielsweise Vanessa Ferltios Lapdance) und mit den allseits bekannten Faketrailern (aus denen dann im Jahre 2010 unter anderem der Spielfilm MACHETE entstehen sollte) versehen, konnte das Projekt seine Kosten jedoch nur schleppend wieder einspielen, sodass man in Europa, wo diese Form des Doppelprogramms ohnehin eher unbekannt war, weitestgehend auf eine getrennte Veröffentlichung der beiden Filme setzte.
Butterfly: Es ist nass wie in Vietnam da draußen!
Typ: Aber in meinem Wagen ist es trocken! He, du wirst nicht mal feucht, ich versprech‘ es dir!
Butterfly: Damit auch noch angeben würde sonst wahrscheinlich keiner …
Tarantinos Beitrag, zu dem dieser wie gewohnt auch das Drehbuch selbst schrieb, stellt dabei eine Mischung aus Roadmovie, Slasher und Revenge-Streifen dar. Wie gewohnt investiert der Autorenfilmer dabei viel Zeit in Expositionen und Nebensächlichkeiten; bei diesem sehr individuellen Projekt vielleicht sogar noch mehr als ohnehin bei ihm üblich. So verliert der Film dann sein ursprüngliches Slasher-Konzept auch relativ schnell aus den Augen und wird zu einer reinen Verfolgungsjagd. Tarantino untermauert sein Desinteresse an einem klassischen Spannungsbogen auch durch den Bruch in der Mitte des Films, der zwei in den Grundzügen sehr ähnliche Hälften strikt voneinander trennt.
Diese dramaturgische Freiheit sorgt zwar dafür, dass die typischen Dialoge eine noch zentralere Rolle einnehmen, allerdings fehlt ihnen so die bindende Handlung im Hintergrund. Zu beliebig, zu austauschbar wirken die Rollen, die durch ihre zwangsläufig kurze Screentime und ihre frühen Tode allesamt zu Nebenrollen degradiert werden. Die grundsätzlich wieder einmal toll gefilmten und vor allem geschriebenen Unterredungen verlieren so an Zugkraft, sind dem Zuschauer die involvierten Persönlichkeiten doch schlicht und einfach nicht bekannt genug.
Stattdessen stürzt sich der Film beinahe voreilig auf seine finale Verfolgungsjagd, in der Tarantino seinen inszenatorischen Gelüsten freie Bahn lässt. Unter Aufbietung von Stuntgrößen wie Jeffrey J. Dashnaw, Buddy Joe Hooker oder Tracy Keehn-Dashnaw wurde eine Verfolgungsjagd geschaffen, die gänzlich ohne Atempause und Computereffekte auskommt. Die Umgebung wurde dabei bewusst austauschbar gewählt, sodass die gesamte Aufmerksamkeit den Autos zu Teil wird. Beinahe eine halbe Stunde dauert der Ritt und in dieser Zeit spielt der Film seinen feministischen Revenge-Akkord voll aus.
Kim: Weißt du, was mit Luschen passiert, die ‘nen Messer tragen? Sie werden erschossen!
Denn der einzige Unterschied zwischen beiden Filmhälften besteht darin, dass in der zweiten Halbzeit die Damen gewinnen. Der überhebliche Stuntman Mike wird zum winselnden Gejagten, der von drei Amazonen zu Tode gehetzt wird. Die überdeutliche sexuelle Aufladung der Auto-Attacken sowie deren ungezügelte Verbalisierung machen das nochmal deutlich und verpassen dem Film so einen – wenn auch sehr plakativen – Subtext, den er eigentlich gar nicht benötigen würde.
Denn abseits dieses Konzepts versucht Tarantino den Film so exploitativ und 70ies-like zu gestalten, wie nur eben möglich. Auf der inhaltlichen Ebene sorgt das wie erwähnt für eine immer mal wieder irrtierende Mischung aus inhaltlicher Armut und expliziter Brutalität, auf der formellen Ebene hingegen für eine einfallsreiche Aufbereitung des Filmmaterials. So wurden digital Laufspuren und Filmrisse eingefügt und an einigen Stellen gibt es fehlende Szenen oder beschädigte Rollenübergänge zu sehen. Der so entstandene Stil befördert die inhaltliche Ausrichtung des Films und sollte in den nächsten Jahren unter dem Modewort Grindhouse zahlreiche billige Imitatoren finden.
Als Hauptrolle konnte Tarantino Kurt Russell verpflichten, den er aufgrund seiner zahlreichen Auftritte in John Carpenters Filmen hoch schätzt. Russell kann dann vor allem in der ersten Hälfte auftrumpfen und gibt einen wundervoll veralteten Draufgänger, dessen Sinn für Heldentum und Popkultur deutlich an den aktuellen Gegebenheiten vorbeiläuft.
Auf der weiblichen Seiten gibt es dann eine wahre Unzahl an Darstellerinnen zu sehen, was jedoch wie erwähnt auch dafür sorgt, dass es den einzelnen Damen schwer fällt, bleibenden Eindruck zu hinterlassen. In der zweiten Hälfte vermögen zumindest Rosario Dawson und Tracie Thoms in Erinnerung zu bleiben, da ihnen etwas mehr Screentime zukommt, welche sie dann auch durchaus trefflich nutzen. Einen Sonderstatus hat Zoe Bell inne, die sich schlicht selbst spielt. Bell ist ihres Zeichens Stuntfrau und übernahm bereits für Uma Thurman zahlreiche Szenen in KILL BILL: VOL. 1 (2003) und KILL BILL: VOL. 2 (2004). Hier darf sie nun sich selbst spielen und sorgt somit dafür, dass die Stuntszenen während der Verfolgungsjagd auffallend direkt gefilmt werden können, ohne das Gesicht der auf der Motorhaube umherkletternden Bell verstecken zu müssen.
Mädel: Hey! Bist du berühmt oder sowas?
Mike: Oder sowas …
Apropos Verfolgungsjagd: Zentrales Motiv des Films sind zweifelsfrei auch die Automobile, von denen der Streifen dann auch eine Unmenge an hübschen Varianten auffährt. Auch ohne ein Fan der Karossen zu sein, kann man sich ihrer Wirkung kaum entziehen, das Sammelsurium an Musclecars ist schlicht zu beeindruckend. Mit KESSE MARY, IRRER LARRY (1974) und vor allem FLUCHTPUNKT SAN FRANCISCO (1971) werden dann zwei der größten Vorbilder auch klar genannt; aus letzten hat es gar der legendäre weiße 1970er Dodge Challenger R/T in den Film geschafft.
Ansonsten gibt es Tarantino-typisch schmissige Musik und unendlich viele Verweise und Anspielungen. Dass der Film letztlich aber keinen von seinen ganze großen Würfen darstellt, liegt am fehlenden Spannungsbogen und der dramaturgischen Inkonsistenz. So verlieren sich die an und für sich gelungenen Dialoge und die einwandfrei inszenierte Verfolgungsjagd in einem inhaltlichen Nirgendwo. So ist der Streifen dann eine ungehobelte Hommage, bei der der Schaffende wohl etwas mehr Spaß hatte, als der Konsumierende …
Aufgrund des fehlenden Spannungsbogens und der brachialen Zweiteilung verbinden sich die zahlreichen gelungenen Einzelszenen nicht zu einem konsistenten Filmerlebnis. So bleibt der Film eine formell durchaus ansprechende Hommage, die inhaltlich leider enttäuscht.
























