Paranormal Activity
Paranormal Activity | USA | 2007 | IMDb, OFDb, Schnittberichte
Katie (Katie Featherston) und Micah (Micah Sloat) sind ein junges Pärchen, das sich in einem Vorort von San Diego ein Haus gekauft hat und augenscheinlich ein geregeltes Leben führt. Doch Katie wird schon seit Jahren von einer dämonischen Präsenz heimgesucht, also besorgt Micah eine Kamera und die beiden beginnen damit, ihr Leben Tag und Nacht zu filmen, um der mysteriösen Präsenz auf die Schliche zu kommen.
1998 begann mit THE BLAIR WITCH PROJECT der Siegeszug der Found-Footage-Filme. Seit dem haben sich viele daran versucht, mussten jedoch schnell feststellen, dass auch zu diesem Genre mehr gehört als eine wackelnde Kamera. Positive Beispiele gibt es trotzdem genug, so konnten in den letzten Jahren vor allem Matt Reeves‘ CLOVERFIELD und der spanische [REC] überzeugen. 2007 veröffentlichte der bis dahin völlig unbekannte Oren Peli dann seinen Erstling PARANORMAL ACTIVITY. Das Ding lief zunächst auf verschiedenen Festivals (und im Internet), tat sich jedoch schwer sich einem breiteren Kreis zu präsentieren. Erst als das Filmchen Jahre später auf dem Tisch von Steven Spielberg landete und der davon hellauf begeistert war, war die Zeit gekommen, das Ding (leicht modifiziert) dem Massenpublikum um die Ohren zu hauen. Der Trailer den man veröffentlichte bestand fast nur auf Zuschauerreaktionen einer Testvorführung und untermauerte schon früh den Ruf des Films, der neue Schocker schlechthin zu sein. Die schnell gewachsene Fanbase tat dann ihr übriges und der Hype war perfekt.
Wie alle Found-Footage-Dinger ist auch hier das Budget niedrig (gerade einmal 15.000 US$), der Cast klein und das Set überschaubar. Trotzdem schafft es der Streifen, eine interessante Situation zu erzeugen, so dass auch das sich schnell wiederholende Schema nicht zu langweilen beginnt. Auch die fünfte und die zehnte Nacht sind immer noch spannend und überraschend. Dabei entwickelt sich die Handlung eigentlich kaum, das seit der ersten Minute Bekannte wird nur konsequent weiterverfolgt. Besonders die Nachtsequenzen und das sonstige Erscheinen des Dämons können dabei überzeugen und dürften maßgeblich für das Gebrüll in den Kinosälen der Welt gesorgt haben. Denn inhaltlich bricht der Film spätestens ab der Hälfte enorm ein. Ein Film dieses Formats muss halt sehr authentisch sein, um den Zuschauer zu fesseln. Und genau da versagt Peli leider. Es erscheint einfach nicht glaubwürdig, dass das Paar auch nach allerlei schockierenden – und klar auf die Existenz etwas Unnatürlichen hinweisenden – Ereignissen immer noch im Haus bleibt, anstatt Hals über Kopf die Flucht zu ergreifen – oder zumindest dauerhaft Unterstützung hinzuzuziehen. Dafür sind natürlich auch teilweise die beiden Laien Featherston und Sloat verantwortlich, von denen man zwar keine Glanzleistungen erwartet, die aber doch teilweise zu wenig emotional erscheinen. Dadurch verliert der Film seine Authentizität und kann nur noch durch seine Suspense-Szenen unterhalten. Schade eigentlich, wäre hier doch deutlich mehr drin gewesen.
Genre- und Budgetkonform gibt es quasi keine Effekte zu sehen. Ein paar Poltergeist-Spielereien sind da schon das höchste der Gefühle. Dafür gibt es aber drei verschiedene Enden, von denen das Kino-Ende sowie ein alternatives heute auf den gängigen Veröffentlichungen zu finden ist, wohingegen das Festival-Ende, welches jahrelang in der Frühversion des Films durch das Internet geisterte, in der Versenkung verschwunden ist. Die Enden zu beurteilen obliegt sicherlich dem jeweiligen Geschmack, wobei bemerkt sei, dass sich keines besonders hervortut oder abfällt. Das Kino-Ende ist lediglich etwas stärker auf einen letzten Schock-Effekt ausgelegt.
Da der Streifen weltweit knapp 200 Mio. US$ einspielte, wurden natürlich auch verschiedene Fortsetzungen und Spin-Offs gedreht.
Nettes Found-Footage-Filmchen, das jedoch kein so großer Wurf ist, wie der Hype, der darum gemacht wurde.


