
Con Air
Con Air | USA | 1997
IMDb, OFDb, Schnittberichte
1998 erhielt Simon Wests Regie-Debüt CON AIR (1997) die nur zweimal vergebene Sonderversion der Goldenen Himbeere für die Rücksichtsloseste Missachtung von Menschenleben und öffentlichem Eigentum (der zweite Gewinner war RAMBO: LAST BLOOD (2020)). Die dafür ausschlaggebende Szene ist der Flugzeugabsturz auf dem Strip in Las Vegas. Es vermag einen dabei sehr zu ernüchtern, dass diese wenig explizite Szene seinerzeit derartige Aufmerksamkeit erregte, die grundsätzliche Haltung des Films zum Thema Gefängnisinsassen hingegen kaum rezipiert wurde.
Dabei prästiert uns das Drehbuch von Scott Rosenberg ein Menschenbild, dass nur allzu plausibel erscheinen lässt, warum in den USA immer mehr Gefängnisse gebaut, immer mehr Menschen eingesperrt und deren Resozialisierungsperspektiven immer schlechter werden: Gefängnisinsassen sind halt einfach miese Typen. Oder wie es ein Gesetzeshüter im Film ausdrückt: „Jeder Einzelne von ihnen ist ein Monster“. Aha. Empörung kommt bei selbigem Fachmann allerdings auf, wenn „das System“ eine Mitschuld an der Existenz von Kriminellen tragen soll. Blödsinn! Jeder ist halt wie er ist und Gefangene sind nun einmal böse. Also kann der Film alle Figuren so abgründig zeichnen wie er will und eine halbe Handvoll guter Ausnahmen bestätigt diese Regel. Hauptfigur Cameron Poe (Nicolas Cage) war Opfer eines Unglücks, bei seinem Buddy Baby-O (Mykelti Williamson) wird gleich gar nicht erklärt, was er in dem Flieger macht. Aber er ist einer von den Guten!
Mithilfe von Baby-O und Wächterin Sally Bishop (Rachel Ticotin) kann Poe dann als großer Menschenfreund gezeichnet werden. Er bleibt an Bord, um Baby-Os Insulinzufuhr sicherzustellen und setzt alles daran, Sally vor dem Vergewaltiger Johnny 23 (Danny Trejo) zu schützen. Gleichzeitig kommentiert Poe alles mit kernigen bis ultraflachen Onelinern und Cage verleiht auch dieser Rolle den immergleichen Cage-Blick. Mit Vince Larkin (John Cusack) hat er dann noch einen guten Mitstreiter auf Seiten des Staates, der sich ebenfalls gegen nervige Kollegen durchsetzen muss. Die Verhältnisse sind also glasklar: Die Guten sind von Natur aus gut, die Bösen sind von Natur aus böse – und die Frauen bauchen von Hilfe. Wächterin Sally ist auf Poe angewiesen und dessen Ehefrau taucht alle 20 Minuten weinend bei Larkin auf und bittet ihn um Hilfe.
Verpackt ist dieses sehr begrenzte Weltbild in eine recht müde Story, die immerhin mit ordentlichem Tamtam präsentiert wird. Eine ordentliche Menge handgearbeiteter Effekte sorgt für Abwechslung, ständig explodiert etwas, lediglich das Las Vegas-Finale fällt spürbar ab – was die Himbeer-Verleihung noch merkwürdiger macht. Zwei Szenen stehen dabei pars pro toto für die Beliebigkeit der Geschichte: In der Zelle von Oberbösewicht Cyrus the Virus (unterfordert: John Malkovich) findet Larkin hinter einem künstlichen Stein diverse Dokumente, auf denen er per ebenfalls vorhandener Schablone die nächsten Schritte Cyrus‘ ablesen kann. Noch nicht absurd genug? Dann klärt uns der Film im Finale darüber auf, dass es auf dem Las Vegas-Strip scheinbar eine Steinstampfmaschine gibt, die auch nachts läuft und die einem wirklich zum Verhängnis werden kann. Wow!

