
Running Man
Running Man | USA | 1987
IMDb, OFDb, Schnittberichte
In PREDATOR (1987), der nur wenige Monate vor RUNNING MAN in die Kinos kam, wird Arnold Schwarzenegger nach CONAN DER BARBAR (1982), TERMINATOR (1984) oder auch PHANTOM KOMMANDO (1985) bekanntlich in die Rolle des Schwächeren gesteckt, der der Übermacht des Predators nur mit List etwas entgegensetzen kann. RUNNING MAN hingegen zeigt Arnie gleich wieder als körperlich allen anderen überlegen – und weitet das auch auf seine moralische Größe aus: Schon nach 15 Minuten wissen wir, dass die Produzenten der namensgebenden TV-Show genauso korrupt sind, wie das Justizministerium, das nicht nur Gefangene zur Unterhaltung der Massen liefert, sondern diese auch noch mittels gefälschter Beweise diskreditiert. Dem gegenüber steht der dem Guten verpflichtete Ex-Cop Ben Richards, als der Arnie dann ebenfalls Teilnehmer der TV-Show „Running Man“ wird. Dass er all die skurrilen Gegenspieler locker abräumt und danach der geschmacklosen Sendung ein Ende setzt, steht jederzeit außer Frage und stellt den Rahmen für straighte Action-Unterhaltung dar.
Der kurzfristig als Regisseur verpflichtete und ansonsten als Detektive Starsky aus STARSKY UND HUTCH (1975 – 1979) bekannte Paul Michael Glaser inszeniert das Ganze dann weitgehend als flottes 80ies-Musikvideo. Durch den allgegenwärtigen Nebel dringt Neonlicht, das Spielfeld besteht aus Ruinen und schummrigen Gassen, der Synthie-Sound dröhnt. Zur Eröffnung bekommen wir den Gegensatz zwischen der modernen Konzernwelt und einem dystopischem Stadtpanorama gezeigt, wobei tolle Matte Paintings das Auge erfreuen. Dieser optische Gegensatz deutet auf eine inhaltlich Klammer hin, die jedoch nur stellenweise ausformuliert wird.
Arnold schiebt in seiner Biografie Total Recall – Die wahre Geschichte meines Lebens die Schuld dafür Glaser zu, dem es schlicht an Erfahrung gemangelt habe. Aber Drehbuchautor Steven E. de Souza ist mit Drehbüchern wie NUR 48 STUNDEN (1982), PHANTOM KOMMANDO (1985) oder BEVERLY HILLS COP III (1994) auch nicht gerade für tiefsinnigste Ergüsse bekannt (was dessen Verdienste um zahlreiche schmissige Filme bis hin zu STIRB LANGSAM (1988) und STIRB LANGSAM 2 (1990) keineswegs schmälern soll). Von dem in Stephen Kings Romanvorlage Menschenjagd vorhandenen Zynismus bleibt jedenfalls nur wenig übrig. Die Massen werden (unter anderem mit Deepfakes) manipuliert, um ihren „gerechten Zorn“ auf eigentlich Unschuldige zu lenken und von den gesellschaftlichen Missständen abzulenken. Dabei entsteht ein Gefühlsüberschwang, der sowohl in der Trauer um die „Helden“ als auch im Hass auf die Verurteilten seinen Ausdruck findet. Letztlich ist aber jede Oneliner und jede Actionsequenz wichtiger als diese kritischen Ansätze. Das ist aber nicht schlimm, der Film ist ein unterhaltsamer Actioner und wer etwas mehr Zynismus und Ernsthaftigkeit sucht, der kann ja ROBOCOP (1987) oder STARSHIP TROOPERS (1997) gucken.