
Planet der Vampire
Terrore nello spazio | Italien/Spanien | 1965
IMDb, OFDb, Schnittberichte
Kurz vor der Veröffentlichung von PLANET DER VAMPIRE (1965) hat Mario Bava mit LA RAGAZZA CHE SAPEVA TROPPO (1963), DIE DREI GESICHTER DER FURCHT (1963) und BLUTIGE SEIDE (1964) bereits seine Meisterschaft in diversen Genres nachgewiesen; mit DER RITT NACH ALAMO (1964) allerdings auch belegt, dass diese Meisterschaft nicht grenzenlos ist. Die Entscheidung, nun einen Ausflug in das ( in Italien ohnehin überwiegend stiefmütterlich behandelte) Science-Fiction-Fach zu wagen, darf insofern als mutige betrachtet werden, wäre eine Rückkehr zu Giallo und Gothic doch eine vermeintlich sichere Bank gewesen.
Vielleicht liegt darin ja auch eine Antwort auf die Frage, warum PLANET DER VAMPIRE so viele jener stimmungsbildenden Technik aufweist, die Bava seit DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT (1960) zu seinem ureigenen Stil verschmolzen hat. Buntes, oft komplementäres und vor allem intensives Licht strukturiert die einzelnen Mise-en-scènes, Qualm und skurrile Felsformationen prägenden die Planetenoberfläche. Statt alten Gemäuern durchwandern die Protagonisten bekannte und unbekannte Raumschiffe, überall blinken Maschinen und Konsolen. Der Film wirkt häufig wie ein Gothic-Abenteuer im Weltall – und er profitiert davon.
Denn so kann er sich auch inhaltlich auf Bekanntes stützen. Die Idee von gefährlichen Wesen, die den Menschen außerhalb seiner vier Wände erwarten, könnte auch jedem Gothic-Streifen entstammen. Die – sich nur im deutschen Verleihtitel findende – Vampire-Metapher mit ihrem Übernehmen anderer Wesen verweist deutlich auf Bram Stoker. Und so ist es auch völlig legitim, dass das Ergebnis wiederum andere inspirierte: Zwar bestreitet Ridley Scott bis heute, Kenntnis von dem Film zu haben, sowohl ALIEN – DAS UNHEIMLICHE WESEN AUS EINER ANDEREN WELT (1979) als auch PROMETHEUS – DUNKLE ZEICHEN (2012) lassen das allerdings äußerst unwahrscheinlich erscheinen. Teilweise ähneln sich die Szenen derart bis in Details, dass Dan O’Bannons Eingeständnis der Kenntnis von Bavas Film einen fast durchatmen lässt.
Aber auch die US-amerikanischen Red-Scare-Vehikel der 50er Jahre haben augenscheinlich Eindruck auf Bava gemacht. Bis kurz vor Ende lässt er uns glauben, dass Cpt. Mark Markary (Barry Sullivan) und seine Crew der üblichen Kommunismus-Metapher der vampirischen Aliens zum Opfer fallen. Dass es sich bei sämtlichen Protagonisten dann letztlich nicht um Menschen handelt, stellt einen tollen Kommentar zum simpel gestrickten Angst-Kino der US-Autokinos der 50er Jahre dar. Chapeau, Herr Bava!